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Central-Verein-Zeitung · 1925-04-03 · 14 (3.4.1925) · p. Seite 245

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
14 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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24i pi’ofsjfojr Erich Dolfsfslö. Eine W ü r d i g it n g. (rcidj Mol st seid ifi in schon jungen Jahren, unter der früheren gtcciicnukV zntn Professor ernannt worden und ist mich Jahrzehnten U'erste Jude, der als ordentlicher Professor an der c t n n i I i cfj c n <y> o ch s.ch n! e für die b i! d e n den Ziüuüe wirkt. Nachdem er als Schüler der Hochschule, mit dem Roinpreis nn-.aezeichnei, eine Meitze von Monden in' Italien seiner lünstleristhen .Weiterbildung gelebt hatte und für das Berliner Museum in ZUc-inasien in neuentdeckten Hohlen frühchristliche Malereien uachbildele, hat er sich als Lehrer an der hiesigen Hochschule bald Ansehen verschafft und sich ü'/den folgenden Jahren in ständig aufsteigender Linie schnell in jije erste Reihe unserer bedeutendsten Graphiker gestellt, so da st sein Raine heute in den maßgebenden Kreisen vollwertigen Erlang hat und seine Werte sich in den 31 dir?n echter Kmtstsrenn.de von 31t Tag größerer Schätzung erfreuen. Wolfsfeld ist Künstler, nichts als Künstler. Jede Tendenz irgendwelcher Art liegt ihm fern. Mit grösster Strenge gegen sich selbst und zu keiner Konzession geneigt -- so geht Werk Hs Werk tlvrgsam der Bollendmtg entgegen. Wolfsseid huldigt keiner Kunstrichtung, keiner Zeitströmnng. Nicht als ob er neue Erkenntnis imdachtet lässt. Er weist, das; er schon als Lehrer der Jugend alles scheu und kennen must, mit es zu beurteilen und vielleicht zu verurteilen. Mas ihrn abwegig scheint von den großen Linien, auf denen die Kunst ihre Menschheilstrimriphe errungen hat, lehnt er ab. Alb recht Dürer steht ihm als Vorbild vor Augen. Man nennt ihn einen Schüler Greiners, des großen Graphikers. Tas stimmt nicht, voeun Wolssseld Gre'mer auch kannte und ihn schr hochschätzt. Es wird schwer sein, Wolssseld eitler bestimmten schule zuzurechnen. Er ist ein Eigener und null ein Eigener sein. 6/liebt die Oesjentlicksteit nicht, und alles, was nach Reklame anssicht. ist ihm zuwider. Unbeirrt geht er seinen Weg. Er wusste, daß feine Zeit kommt, und er Hai hinsichtlich der" Anerkennung seines Werkes keine Eile. Er kennt die nervöse Hast anderer nicht, die stets in Angst sind, übersehen, oder vergessen zu werden, und die kaufmännische Geschäftigkeit mancher " Graphiker, die jede Cck'egenheit ergreifen, um von sich reden zu machen und mit oft sehrchu.alten Leistungen irgendwelcher Tagcsströmung schnell Rechnung tragen, liegt ihm himmelweit fern. — Worin Wolssfelds W'deutmig als Zeichner und Radierer besteht, könnet', wir hier nicht erörtern. Die einschlägigen Werke geben davon Kunde. Die starke Au-drucksfalzigkeit, die jedes seiner Blätter zeigt, in denen der künstlerische Gedanke restlos Form geworden ist, bleibt auch in den ganz großen Formaten, die keine matte Stelle answeisen. -- Wolfsseid ist Deutscher im Sinne Aw reckst Dürers. Wenn man ihn irgendwie künstlerisch einreihen null, so wird man ihn in die .->v \ 5.7'.,-;; - •>-''? ■. j \ v d » V yÜ'- ■;'v M- -d * 1 er -■ 'L - '1 '«! < \ * : \ 1 \ ' X ■■? . V'- d,\ > st r ... n Jü&rmergzuppe aus „Hiob“ XOn Frp/. Erich l'.'c!Jsf(hl% , r; ' :C UM, b-S. ■■■'■ V '/d,?? V jy ■ v, v. ' - vi'V.vH ■* ' , „ ,, drvdd aV Vt . >:-Ä' . - V. i <. I y^- ' - 7. y; 'y! >, d';d 'ij ä I (d t / > W - . s r ■ y. a. : ■' t W.! : ■ \?;di:y? i i'y a. y 7 y-y y; ,yy>y.y.y.H. r? r : ' -■- 7 - _ W; __. _ .. „Joscpli und Potipbar“ rrr Pref. Erich ireJO/eld. Reihe derer stellen, die in ihrer künstlerischen Geroissenhastigleit in einer sich nie genügenden Grün dl ich seit als deutscher Art >u* gehörig getem,zeichnet werden können. Und 'Wotssseld ist Jude im Geiste und im Herzen, ^lnd auch diese Note erklingt stark in seinem Werke. Nicht tun ein klamme-- erde oder Blniserbe handelt es sich, sondern rnn eine geistige Einstellung. um ein bestimmtes seelisches Empfinden. Er steht nicht nur mit seinem Namen in den Rechen uusercr E.-B.-Bereinignng, sondern mit stärkster innerer Teilnahme. Eine^ hohe Verehrung kür den Geist der jüdischen Religion verbindet sich mit einem starken Bewußtsein historischer Gemeinststaft und einem tiefen Räitgesühl mit dem Judenleid der Inhrtansende. Eine der atiffallen'dsten Erscheinungen in Wolfsfelds Lebenswerk findet, so vielleicht eine Er- Ltärnng, seine Vorliebe für die Darstellung des Leides, das sich nnt tiefen Einschnitten in das Antlitz Zeichnet und das Gesicht seiner Alten und seiner Bettler Zn einer Verkündigung des L e b e n s s ch i ck s a l s macht. Sicherlich reizt ihn an diesen Schicksalergrisseneu, Schicksalgezeichneten das Malerische, das in diesen allen, lnorrigen. verkrusteten Stämmen und Stümpfen den Blick fesselt, eine Beseeltheit, die nicht von innen nach außen, sondern gcwistcrmaßen von außen nach innen getragen wird, aber etwas dringt in all diesen Wolfsseldschen Gestalten auch aus dem Innern, das Leid, das nicht verdient und doch getragen, ertragen, verwunden die Seele erhebt, adelt und verschönt. Das soziale Leid, das der Jude stets besonders verstanden hat, und das Leid des unschuldig Verfolgten und Getretenen. Dieses Leid der jüdischen Seele führte den Meister zu den jüdischen Gestalten. Auch sie zum Teil Bettler. Aber diese Bettler tragen noch ein besonderes Leid, als Inden, ein Leid, das sie mich in' der Erniedrigung mxij erhöht. Solche» Leidverstehen bildete auch den „Hiob". Zweimal griff der Künstler nach diesem Atotiv. ZAaterisch höchst interesiant. der ..große" Hiob in der Dramatik des Aufdruckes, in der Plastik, die die kühne Uebcrschneidung der Linien bewirkt, aber ergreifender der kleine" Hiob, der „Mann des Leides". Das ist das spätere Bild. Erst in ihm fand die Seele des Künstlers Befriedigung. Wir können all die biblischen Schöpfungen des RtEsters nicht besprechen. Nachdem er mit seiner Knust einmal den Ahmncsaal der Bibel betreten, hat diese Welt ihn nicht wieder losgelassen, wurde sie auch ihm zu einem „Baume des Lebens". So entstanden: „Ter Segen Isaaks", „Joseph wird verkamst", das iuterestaute Blatt ,,Die Kundschafter", ein Widmungsblait der Neformgemeinde für ihren Ehrenvorsitzenden, n. 0. Eine ganze Reihe Blätter sind der Oefsentlichtett noch nicht bekannt. Der Meister tonn sich von ihnen noch nicht trennen. E^' fehlt „Der letzte Hanunerschlag". Wolfsfeld steht heute im besten Mannesaller. Seine beiden letzten Reifen nach Jugoslawien und Marokko lieiäen ihn mir reicher Ernte Zurücklehren. Die Frucht dreier Reifen wird nicht nur in graphischer Hinsicht Interesse wecken, joadern atich eine neue Seite an dem Künstler offenwaren. Man wird dann vielleicht sehen, das; der Maler sich neben dem Graphiker sehen lassen kann. Deutschtum und Judentum reichen sich auch in diesem Meister die Hand, der eine Zierde unserer Berliner Hochschule ist, und auf den auch unsere jüdische Gemeinschaft, der er sich innig' verbunden suhlt, mit vollem Recht stolz sein kann. Dr. I. Lehmann (Berlin).

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