Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 14 (3.4.1925)
- Date
- 1925-04-03
- Page
- Seite 243 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
- Wrocław 1× ep/1002369
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243 Hie juösnLumftMöÜchm HolftyLNistem Die Synagoge „ein Nest der Konter-_ revolution". Dle grundsätzliche ReligiouZseindstha s^ des Vvlschewis'mus r ich Lei sich in gleicher Weise gegen die christliche wie die jüdische Religion. Nichtsdestoweniger wird .jode Ausschreitung der Moskauer Re- '^ierung gegen däe christliche Religion von den IndenvcaiKtn ül§ Beweis für d ie Behauptung ausge - 'nutzt, daß die Moskauer Negierung eine Juden- 'regierung sei. Wie unrichtig diese Behauptung ist. zeigt die -'neuerliche Schließung der sogenannten „Broder Synagoge" in Odessa, glber die die offizielle Odessaer Zeitung „Jzwestia" vonr 7. März voller Jubel berichtet. Tiefe Synagoge, eine der schönsten in ganz Aufstand, ist jetzt in einen kommunistischen Arbeiterklub verwandelt stvc-rden.' Die Liquidierung des „konterrevolutionären Nestes", so -bezeichnet die „Jzwestia" die Synagoge, wurde von einer großen ^Kundgebung begleitet, die selbstverständlich von den Behörden Organisiert wurde. Die Kommunisten zogen durch die Hauptstraßen zum Gebäude des Odessaer Sowjets. Tort wurden Reden gchalten. - „In dieser Synagoge" — so erklärte ein Redner — „verfluchte die jüdische Bourgeoisie alle, die für die Sache der Arbeiterklape kämpften." „Unter der Maske eines Tempels" — so rief ein 'anderer Kommunist — „hat sich ein Zufluchtsort für Schieber und Feinde der Negierung gebildet." Die Feier schloß eine Rede des Vizepräsidenten des Odessaer Sowjets, des Kommunisten K u - drins, der sich bemühte, zu beweisen, daß „bei uns die größte 'Gewissenfreiheit besteht". Ob mit Erfolg, darüber finden wir in kein offiziellen Blatt keine Angaben. ' Dasselbe Blatt widmet der „Schließung des Asyls der klerikalen .Reaktion" einen großen Artikel, in dem erklärt wird, daß „die Sowjetregierung die Umwandlung einer Kirche in ein Werkzeug der Propaganda gegen die Macht der Arbeiter und der Lauern nicht dulden werde". „Indessen versucht mau die Kirche für sowjetfeindliche Ziele auszubeuten. Wir Nüssen, daß solche Versuche auch jenseits unserer Grenzen unternommen wurden." ' Selbstverständlich kann der Bersasfer keine Beweise für seine Behauptung bringen. Aber in Sowjetrußland ist es auch gar mich.t nötig. Er begnügt sich also 'mit der Feststellung, daß „noch ein' Herd des Finsternisjes und ein Netz des Doltsdetruges vcr- -jNichtel ist". Ter Schluß des Artikels enthält Andeutungen, die die -Stimmung in Rußland etwas anders darstellen, als die Moskauer Regierung sie dem Auslände - g e g e n ü b e r d arzu stell e n ve r s n ch t : „Die Schließung der -'Sunagoge" — so sthreibt das offizielle Blatt — „soll eine Mahnung für alle diejenigen fein, die unter der Bcrdeckungeiner christlichen Kircheodereiner jSijnagoge goge n tue S 0 wjetregierung K 0 nrpl 0 tte -'schüren." - Selbstverständlich'ist dieser Willlürakt der Sowjeiregierung ein 'Glied' der .berüchtigten wahnsinnigen Politik des „Kampfes gegen die Religion". Ob wcchl die Kreise, die immer wieder Bolschewismus und I n d e n r e g i e r u n g identifizieren, von diesenr Vorfall ihren Lesern Kenntnis geben werden? <7ehr wahrscheinlich hist es nicht: denn diese Odessaer Feier ist ja geeignet, ihnen ihr -ganzes Konzept zu verderben. Tr. S. S olo w e i t (dj 1 f.; Numerus .clausus auch ösr Leistungl Bergstergerische Erfolge deutscher Jude;;. In einem Artikel, den Tr. Bergmann (München).- in den „K. E.- Blättern", 1. Heft, 1925, veröffentlicht, weist der Verfasser auf die - Bedeutung hin. die jüdische Alpinisten in den Alperwereins-- ' sektionen gewonnen haben. Erchchreibt: 1 „Die Erstersteigung des Toienkirchls im Wilden Kaiser durch . Professor. Dr. Gottfried Merzbacher hatte die Zeit der modernen - Kletterer eröffnet. 1 In allen Sektionen sah man auch Juden sich . betätigen und Hand in .Hand mit ihren christlichen Freunden die : großen Vergprobleme jener Zeit lösen. Lassen Sie mich nur wenige Namen nennen: Dr. Fritz Pflaum, der frühere Borstand der . Sektion Wienerlaud-Müuchen, nach dem die dankbare Sektion ihre . Hütte im Erieseuer Kar (Wilder Kaiser) Dr. - Fritz - Pflaum - Hütte t benannte: Dr. Arthur Dessauer, der neben der Erstersteigung der ‘ Lmuseu-Ostwand (Karwendl) viele große Touren in den Ost- und Westalpen ausführte und sich auch als alpiner Schriftsteller einen ’ Namen machte; Dr. Ludwig Darmstädter. einer der Erschlreßer der ' Ostalpen u. a. Es ist nur ein kleines Häuflein, aber es sollte doch - Zeigen, daß auch der Jude sich das Wescntum des Alpinismus ganz äu eigen machjen konnte." - Auch der weiße Tod in den Bergen macht keinen Unterschied', Zwischen „arischen" und nich karr scheu Bergsteigern. Tie häufige Meldung jüdischer Opfer erweist die starke und hochalpine .53e* . tätigung jüdischer Alpinisten. In der letzten Wlstche las man . : erst wieder von drei jüdischen Todesopfern des Bergsportes, den - . beiden Studenten Schaeffer und Heyma nn aus Breslau und v des Dr. Ludwig A. Kon st am aus Berlin ... Aber, die Sektionen .schlossen Juden _'cm§, weil sie mir, Bälle wegen den Sektionen beitraten' Bälle mit Totentänzen.' Dsr AaNpf. um die Sorlitzer Stsöthalle. Kunzes Klage abgewiesen. Im Görlitz wird seit 1920 die Stadthalle für Versammlungen nur an Personen oder Redner vergeben, die Gewähr dafür geben, daß die öffentliche Ruhe und Ordnung aufrechterhalten werden. Diese Bestimmung war getroffen worden, damit Kunze diese Halle, bekanntlich eine der schönsten in Deutschland, nicht weiterhin mit seinen Hetzreden beehre, Natürlich paßte dies Richard dem Großen nicht, er zückte seiner: „L>eda"-Gummiknüppel. und wild liefen seine Getreuen Sturm in der Stadtverordnetenversammlung gegen jene Bestimmung. In der Debatte über den Antrag aus Aust Hebung der genannten Bestimmung ergriff auch ein angesehenes Mitglied der Versammlung, Herr Justizrat Sommer, das Wort und führte dabei, wie wir dem Urteil entnehmen, folgendes aus: „Tie fragliche Bedingung richtet sich nicht gegen politische Parteien. Aber solchen Persönlichkeiten, von denen wir wissen, daß sie in verantwortungsloser Weise eine rein demagogische Tätigkeit betreiben, wollten wir durch die alte Fassung die Möglichkeit nehmen, in dem Saale der Stadthalle zu sprechen und von dieser städtischen Einrichtung ans die verschiedenen Klassen und Neligionsb e k e n n t n i s s e gegeneinander zu verhetzen. Das ist der Ausgangspunkt und Zweck der Bestimmung gewesen, sie richtete sich gegen den deutschsozialeu Agitator Richard Kunze, genannt Knüppet-Kunzo, dessen Auftreten kurz vor der Beschlußfassung uns zu der Ueberzeugung gebracht hat, - daß es ebenso ein Gebot der Gerechtigkeit gegen unsere, die jüdi- . schon Mitbürger, wie der politischen Sauberkeit sei, einem solchen Manne unsere Stadthalle für seine Verhetzungen nicht herzugeben." Und weiter: „Und nun denken Sie sich in die Situation, und zwar so, wie die Leute fühlen müssen, wie die beiden, die von Herrn Kunze in diesen Versammlungen beschimpft werden. Ich weiß nicht, ob Sie schon dabei waren: ich kann sagen, daß es keine Gemeinheit gibt, die so gemein ist, und keine Lüge, die so verlogen und so bewußt verlogen ist, daß sie dieser Herr den . Jude n nicht na ch s a g t." Da fühlte sich Kunze in seiner Ehre getrosten und verklagte Herrn Jusrizrat Sommer wegen Beleidigung, aber er ist damit kläglich hereingesallen, denn das Amtsgericht Gör-! i tz; to i c § seine Klage a b. Das Amtsgericht hielt für erwiesen, das; I u st i z r a t Sommer von der Wahrheit seiner Behauptungen überzeugt war, und führte in der Urteilsbegründung u. a. aus: ,.?lls Angehöriger der jüdischen Religion hat er (Justizrak Sommer) sich und seine Glaubensgenossen durch das Auftreten des Privatkliigers (Kunze) sehr gekränkt und bedroht gefühlt. Er hat daher geglaubt, daß er die Person und das Verhalten des Privatktägers in den s ch ä r s st e n Farben malen müßte, um seinen berechtigten Zweck, nämlich die A b l e h n u n g der M a g i st r a t s v 0 r l a g e, zu erreichen. Auch die als Zeugen vernommenen Stadtverordneten, Justiz rat R., R e ch t s a n w alt S t. und P a st o r T., haben bekundet, daß sie beim Anhören der Rede des Angeklagten (Justizrats Sommer) nicht das Empfinden gehabt hätten, als ob er den Privatkläger noch besonders in. seiner Ehre habe kränken wollen, daß sie vielmehr angenommen hätten, er wolle nur seine berechtigten Interessen wahr nehmen." Aus diesem Gründest wurde I u ft i z r a t Sommer aus K 0 ft cu Kunzes freigcspr 0 che n. Wchr WsirSe. In Rümmer 12, vom 27. März d. I. der „E.B.-Fettung* hatten wir unter der Ileberschrist „Mehr Würde" eine geschmacklose Eiüladung gegeißelt, mit der der „Jüdische Nationalfouds" in einer rheinischen Großstadt seine Freunde zu einem Fest bat. Daß solche Entgleisung nicht au eine bestiu.uute Partei gebunden sei, hatten wir dabei ausdrücklich bemerkt. Wir erhalten nun von der Kommission des Keren Kajemeth Lejisraeb.für Deutschland (Jüdischer Nakionalfonds E. B.) einen Brios, in dem es unter anderem heißt: '„Wir gestatten uns, dazu zu bemerken, daß wir mit der . Tendenz dieses Artikels (Ri ehr Würde) durchaus überein stimmen und ebenso wie Sie diese Einladung für geschmacklos und unwürdig halten. Wir haben das dem Vertrauensmann des betreffenden Ortes sofort mitgeteilt und nehmen Ln der nächsten Nummer her „Jüdischen Rundschau" auch unsererseits scharf dagegen Stellung. Uebrigeus hatten wir allen unseren Vertrauensleuten für die Veranstaltung von Puriumseieru des Keren Kajemeth Vordrucke für Einladungen zur Verfügung gestellt, die merkwürdigerweise im vorliegenden Fall nicht vervoendet lvorden sind. Wir.wären Ihnen dankbar, wenn Sie unser Schreiben Ihren Lesern zur Kenntnis bringen .wollten." . .