Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 13 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- Seite 226 (sequence 11)
- Language
- German
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- 226 Mölsche RlemkinZsrfürjorge. Die statistisch erwiesene Tatsache, daß die Anzahl der '» Deutsch, land lebenden Juden sich allmählich verr,m,er! ,n einem Mape. d.e eine Gefahr für den Fortbestand der deut>chen Judcnhcit m der Zutunst bedeutet, bildet schon feit. Jahren den Gegenstand der^ «orge jüdischer Sozialpolitiker und Bebölkcrungsstatistilcr. Aan hat den Ursachen dieser Erscheinung aus verschiedenen Gebieten nachzusorschen gesucht. Wirischaftliche Gründe sind dafür geltend gemacht worden. Berufsfragen -md die Verteilung der jüdischen Bevölkerung aus ^tadt und Land sind zur Erklärung der betrüblichen Tatsache herangezogen worden. In der zunehmenden Zahl der Mischehen hat mau einen Faktor der jüdischen Vevölkerungsvermiuderung erkannt. Welchen Einfluß aber auch jede einzelne dieser Erscheinungen aus das Gesamtresultat der j ü d i s che nBevölkcr u n g s n b rr s H w e hat und welche materiellen und ideellen Abwehrncktiel iiinit dagegen anwendeu mag. das eine steht unzweifelhaft f c]t, daß eine in ö g - lichst sorgsame Pflege des bestehenden und kommenden jüdischen Bevölkerungsnach n? u chses de m drohenden Hebel einer steigendcn jüd , s eh e n Bev öl ke ru n gsab n a h m e n a ch M ö g l i ch k e i t a b h e l fe u, und daß diese Pflege in physischer Hinsicht schon in dem frühesten Kindesalter, im Säuglingsalter, einsetzcn muß. Tie K i n d e r st e r b l i ch - feit ist bekanntlich in den ersten Lebensjahren des Menschen prozentual besonders hoch, und an dieser Sterblichkeit habeii ge ende die Säuglinge und Kleinkinder derjenigen Bevölkeruugsschichten den größten Anteil, die wirtschaftlich nicht in der Lage sind, ihren Kindern 'diejenige Sorgfalt und Pflege zuteil werden zu lassen, welche dieses zarte Kindesaller zur künftigen Lebenserhaltung und Lebcnsertüchtigung körperlich erfordert. Speziell elternlose ltub uneheliche Kleinkinder sind in dieser Hinsicht außerordentlich gefährdet. Was zum Besten der jüdischen Klein lind er bisher von privaten Organisationen geschehe;! ist. entspricht weder der Gefahr, welche dem Bestände der jüdischen Bevölkerung in Deutschland im allgemeinen droht, noch der Fürsorgepsli ch t, welche, abgesehen davon, aus sozialpolitischen wie religiösen Gründen der jüdischen Gemeinschaft obliegt. Es sind nur einige wenige geschlossene Anstalten, welche sich bisher in Deutschland diesem wichtigen Zweige der jüdischen Wohlsahrtspjlege gewidmet haben. Es kommen nach den verdienstvollen Zusammenstellungen der Zsntralwohlfahrtssteltcn der deutschen Juden hierfür in betracht: Das Fürsorgeheim für hilflose jüdische Kinder (Jüdisches Säuglingsheim) in B e r l i n - N i e d erschau Hansen, welches 35 Plätze für gesunde Säuglinge bis zum zweiten Lebensjahre bietet und feit 1907 mit modern-hygienischer Einrichtung von einem besonderen Verein geführt wird. Tie Selbstkosten für die Pflege jedes Kindes betragen dort pro Tag 2.40 Mark. Die Anstalt ist insofern finanziell günstiger gestellt, als manche andere gleichartige, weil ihr von der Stadt Berlin jüdische Säuglinge, welche der städtischen Fürsorge anheimgefallen sind, zugewiesen und mit ausreichendem Pflegesatze bezahlt werden. Die dann noch verbleibenden Gesamt losten — soweit sie von Angehörigen dort untergebrachter Kleinkinder nicht getragen werden können werden durch Beitragender Vereiusmitglieder und Spenden gedeckt. Sodann gehört in diese Rubrik gemeinnütnger jüdischer Pckegeanstalten für Kleinkinder das Mütter/und Kinderheim des Frauenvereins der Berliner Logen N. O. B. B. in Berlin, gegründet 1855, welches 32 Säuglinaen bis zum 2. Lebensjahre und 28 Müttern vor und nach der Entbindung, auch unehelichen, Unterkunft und Pflege gewährt. Diese gemein- Anstalt erfüllt außerdem^ die wichtige Aufgabe, geeignete indische Junge Mädchen in der Säuglingsnnd Wochenpflege chuszubckden. ^ie har allerdings im Jahre 1924 bei einer Einnahme von 33 OQO Mark und einer Ausgabe von 38 000 Marl ein IahresdeslZrt von 5000 Mark gehabt. Wenn wir zu diesen beiden Fürsorgeanstaltcm sur jüdn.che Kleinkinder noch das 1910 gegründete k u d r s ch c Kinder Haus in Frankfurt am Main mit 4r» Platzen^Mr Kinder bis zum 6. Lebensjahr und das 1917 gegründete Säuglingsheim der Ortsgruppe König/- berg des rudischeu Frauenbundes in Königsberg rn Preußen unt nur sechs Plätzen rechnen, dann ist damit die Reihe indischer Hchsaustaltcn für Kleinkinder erschöpft. Höchstens konnte hierzu noch gerechnet werden ein 'Ambulatorium, welches rn der August,traße in Berlin unter dem Ramcn „Jüdische H r l s e jür indische H i u b c r" Mülleruud Sänalin.^- beraiuug ausübt. ' a u- Es liegt aus der Hand, daß mit diesen Institutionen den Bedürfnnsen der judrichen Kleiukindersürsorge nicht in ausreichendem Mape genügt wird, und daß ergänzende Maßnahmen ergriffen ^"^tl^.omnge es die wrrlschastliche Lage der deutschen Juden mast gestilt.er, bte|e Institutionen genügend zu vermehren. Diese erganzcndcn VMünahuicn müsicn frei der G c s! n l i 11 n q und A u k-. wahl der Vormu»djchaft. soweit sie sich üfrer jüdische Kleinkinder erfreut, etnicficn. -ehr einilichrerch'dafrei ist die Eiurichluna einer «^irmrn c lv o r iiiu ii d scha j t, wie sie in größeren ,tlv:nliimien, sa nueg in der.Jndiichen Genieinde zu Berlin, cinaericlilei in. Zwar i,t das Ideal einer Bornmiidschast die Ernennung eines QC. JÄ™ un\fl“ ^ur. Wähle des Mündels genügend interessierten w.e die -äuglingsfrilege in einer einzelnen gewißenl,asten und liebevolle» Familie der m>' " schlosse,icn Anstaltspslege Fami vvrzuzieheu ist. umfangreicheren ge- Aber solche Vormünder und Pflcgestäticn sind rn ausreichendem Maße must, zu beschaffen, und deshalb muß die berufsmäßige ^ammelvormundjchaft an Stelle der Einzelvorunmdschast treten, weil ihr Interesse auf dieses Tätigkeitsgebiet eingestellt ist, uud weil sie ihre reichen Erfahrungen im Interesse der Mündel verwerten kann.- Diese Erfahrungen erstrecken sich auch ans die Beschassnng geeigneter Familienpslegestätten für die unter Vormundschaft stehenden Säuglinge und Kleinkinder. Namentlich wird dabei das Bestreben darauf gerichtet sein müssen, solche Pslegestätten weniger in den größeren Städten als in den für das Gedeihen der Pfleglinge zuträglicheren mit) g c s ü n deren -K l c i n ft n b t c n uud L andorten in genügender Anzahl ansznsuchen und zn beaufsichtigen. Es ist eine hohe soziale Ausgabe für geeignete jüdische Familien in Kleinstädten und ans dem Lande, sich gegen angemessene Entschädigung aus öffentlichen oder privaten Mitteln den jüdischen Verwaltungsbehörden in größeren Städten für diesen hohen Zweck zur Perfügung zu stellen. . Im interkonfessionellen Verein „Landaufenthalt für Stadtkinder", in dessen Leitung die Zeirtralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden vertreten ist. ward man diesem Spezialzweige der Fürsorgetütigkeit, der Unterbringung von Säuglingen nnd Kleinkindern aus den Großstädten in geeigneten, also auch jüdischen, ländlichen Familien, die Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Um die Tätigkeit der Sammelvormundschasteich sür dieselben Zwecke besser ausziunchen, wird man erwägen müssen, ob nichts bic einzelnen jüdischen Landesverbände sür ihre Kleinstädte nnd ländlichen Mitgliedergerneinden eine oder mehrere Sammelvormundschasten im Bezirke des Landesverbandes eiurichten können. Au die Säuglingspflege müßte sich daun die Einrichtung geeigneter Kindergärten, wo immer das angängig ist, anschliehen, F. R. Gottes Rist. W o ch e n b e k r a ch t u n g. Das heilige Werk war vollendet. Die Wolke bedeckte das Snftszelt, uud die Herrlichkeit des Einigen erfüllte die Wohnung. Welch e m Z w ecke sollte nun diese Stätte des Gottl i ch e u in Israel dienen? Sollte es gewissermaßen nur eine Gaststätte sein, wo jeder, der gerade aus den Wendungen seines Lebensschicksals heraus die Sehnsucht nach einem innigen Verkehr mit dem Ewigen und Unendlichen fühlte, dieses sein metaphysisches Bedürfnis nach seinem Belieben und seiner Laune befriedigen konnte? Mau zahlt das Genossene und ist für den Augenblick mit der Sache fertig, bis wieder einmal das Bedürfnis nach einer solchen beschaulichen Stunde sich einstcllte. Oder sollte dieses Heiligtum d e n M i t t e l P it n f t des ganzen Volkslebens bilden, sollte ihm die ganze Arbeit des Volkes zu st reden, von ihm seine ganze Anregung empfangen? Seltsamerweise scheint auch unser Lehrer Mose nicht gewußt zu haben, was mit diesem von ihm nach Gottes Gebot geschaffenen Heiligtum anzufangen sei. Mose konnte nickst in das Stistszelt eintreten, weil die Wolke ans ihm thronte, und er von der Herrlichkeit des Ewigen erfüllt war. Wie immer in Israels Geschichte ertönt, wenn der Mensch nicht mehr aus und ein weiß, der Rurs des Göttlichen. Gott ruft den Mose und redet zu ihm. Ter Ruf erschallt zu etwas Renern und Eigenartigem. Er ruft nach der Deutung der Erklärer, nicht bloß" zu einer gelegentlichen Verbindung uud Beziehung. Eine solche ist vor- und nachher auch den Heiden zuteil geworden. Um ein Bild zu gebrauchen, chas auch von dem Propheten angewandt wird, es soll keine vorübergehende, der schnell verrauschenden Leidenschaft ihren Ursprung verdankende Liebschaft, sondern das feste, dauernde Band i einer Ehe mit ihrer unendlichen Fülle von Pflichten geknüpft werden. \ Gott ruft zum Opfer im Dienste des Heiligen.' Ihr sollt mir das Opfer eures ganzen Lebens bringen/ Oder, was das Leben in s i ch trägt, spie g e l t e s i ch im H e i l i g t u m wieder u n d e m p f a n g e v o m H e i l i g t u tu s e i n e n Glanz und seinen Strahl, euer Alltagsleben vom Morgen bis zum Abend, euer freudiges Genießen, euer dankbares Aufwallen, eure Festeswonne. Geburt uud Tod, Irrtum, Sckuld uud Sünde, eure Arbeit und eure Ruhe. Die Opfer i m T e m p e l g a b e n den i it n d es Lebe n s wieder und gaben dem Leben seinen Sinn. Das Leben weihte den Tempel, und'der Tempel weihte das Leben. - 3M3 war der Ruf Gottes an sein Volk, der Ruf in sein Heiligtum. Ein jüdisches Volk gab es nur, geschart um das Heiligtum und dienend im Heiligtum. Die E u t w e i h u u g de 3 Heiligtu ist s^b r a ch t e seine Zer st ö r n n g uud da m i t au ch d'i e A u f l ö s u n g de s B o l k s v e r b a u d e §. Wie können wir das jüdische Volk in diesem Sinne neu gründen uud schaffen? Ein Wort der 'Reden besagt: Wer die Lehre des Opfers studiert, dem wird es angerechnet, als habe er ein Oppw gebracht. Die Lehre führt zum Opfer, das Opfer zum Heiligtum und dieses zum Volle. In der" Wüste ward Israel zum Volke ohne Land, lveil sein Heck lg tum mit ihm zog. In der Welt erhielt sich Israel, wenn auch meht als Vwlk, so doch in steter Bereitschaft, ein heiliges Volk zu werden durch seine Lehre. Auch in Zukunft wird die an Israel ergangene Berhenzung neu erfüllt, wenn es folgt dem Rufe zum treuste im Heiligtum, dem Rute Gottes. Hoff m a n m