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Central-Verein-Zeitung · 1925-03-27 · 13 (27.3.1925) · p. Seite 225

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
13 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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225 HM-set M das, Bon Tr. Paul Nathan. £L'h.' Ueberfchrist mag rätselhaft erscheinen. Cie birgt eine '\m bekannte Tatsache, die aber deswegen nicht weniger wichtig and interessant ist. Hundert zu eins besagt, das; unter hundert -newohnern des Deutschen Reiches sich ein Jude kfinM. aa-r sich mir der Bevölkerungsstatistik des Deutschen Reiches b'schästlgt hat. dem war es unzweifelhaft, das; diest Berhälirr'.szahl etwa der Wahrheit entsprechen mußte. Rechnerisch ans Grund ks vorliegenden Materials ist diese Zahl nunmehr nach siatislischen Methoden ermittelt und in einer lesenswerten Itci nen Sehr ist von R othho! z. „Die deutschen Inden in Zahl und Bild", Berlin lk’5. PH ilo-B erlag, zusammen mit anderen für die jfcbifd'ic Be Volkennnj unseres Baterlandes wichtigen Tatsachen verössentlicht worden. Einzelne Abschnitte dieser verdienstlichen Arbeit waren bereits in der B.-Zeitnng" abgedrllckt. Einige Zahlen und Folgerungen ans diesen Zahlen sollen hier zil ernster Beachtung mitgeteilt werde;;. Im Jahre 1871 betrug die Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches 41062 792 Seelen, davon Juden 512 153; das heistt ans IOC Einwohner entfielen 1.25 Juden, und im Jahre 1910 — damals fand die lebte allgemeine Volkszählung statt — waren die entsprechenden Zahlen 64 925 993 Seelen, davon Juden 615 021, und wiederum mugerechnet kamen auf 1«) Einwohner sicht nur noch 0,k> Inden; m i t andere n Worten, das W a ch s t u m der j ii o i \ ch c n Deut s ch c n bleibt hinter de m W a ch s t u m -er Bevölkerung in ihrer Gesa m t h e i t n i ch t n n - erheblich zurück. Ilm nur eine Zahl noch zu nennen, so ist von 1905 bis 1910 die Cesamtbevöllerung lim 7,00 Prozent angewachsen; die Inden in Deutschland nur um 1,17 Prozent. Es unterliegt aber nicht dem geringsten Zweifel, daß über das Jahr 1910 hinaus die gleiche Entwicklung in bezug aus den Rückgang der indischen Bevölkerung bis zum Augenblick angehalten bat. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß Derrtschland durch den verlorenen Krieg in den an die Gegner abgetretenen Gebieten n\mi Bevötkcrnngsverlust von 6 329 814 Seelen gehabt hat, darunter 74 748 Inden. Ans die Einwohnerzahl Deutschlands — nach der lehren Volkszählung von 1910 nrngerechnet — ergibt das einen Gestinwerlusi von rund 10 Prozent und für die Juden von über 12 Prozent, wodurch sich also auch das Verhältnis der Juden zur deutschen Einwohnerzahl herabmiudornd verschoben hat. Die Gesamtheit der Verschiebungen — die vorhandenen Wachstumsicudenzen der Bevölkerung einerseits, die Verluste im Kriege und durch Abtretungen von Gebieten nach dem Kriege anderseits —- in Rechnung gestellt, kommt eine vorsichtige Bewertung zu dem Ergebnis. daß Deutschland heute eine Einwohnerzahl von rund 63 Millionen hat, darunter rund 620 000 Juden. Mithin weniger als eine jüdische Seele ans hundert Seelen d e r B c v ö l t e x it n g. Was zu beweisen war. Damit ist die Lächerlichkeit der antisemitischen Behauptung von der Awmdnng Denlschlauds in hellste, in bengalische Beleuchtung gestellt. Aeuerdings freilich haben die Antisemiten in ihrer Bedrängnis uuslucht zu einer neuen Behauptung genommen. Ist es nicht Menschen mit fünf gesunden Sinnen plausibel zu machen, das; hundert Ohmschen, die doch nicht alle Idioten sind, von einem jüdischen Menschen deterioricrt, gegängelt, zngrundogerichtet werden können, st sagt Viiaw: Freilich die Juden in Deutschland, die deutsche Staatsbürger sind, vcrschuldeu allein das Unglück unseres Baterlandes uichj. Zn ihnen kommen aber hinzu die sogenannten Dstjndem Kne Juden, die während des lehren Kriege? und nach, ihm zu uns kUMmnen sind. 'lUiFj mir dieser Behauptung habe ich mich häufiger als einmal und auch an dieser Stelle auseinandergesicht. Immerhin bleibt der -Uwsprnch Goethes unbestreitbar. „Der Irrtum wiederholt sich immenori in der Tat; daher muß mau das Wahre unerrnüdlich in Borten wllderholenck Diese Unermüdlichleit sei alw nochmals geübt. Die Dstjudcn sind während de? lebten Krieges zum ganz übers'eeguwerr Teil von mrserer obersten Heeresleiinng zwang sv'eise -- und das ist zu betonen -- nach Den Ischl and als B'tnni- 6on~avOeiU'v in unsere Fabriken übergosührt worden. Die Zahl ^ster Dsijlwen war niemals gröster als rumd 150 000 Personen. Ausivanderung noch Westen und durch Aück'.vaudcrung nach ^!wni hat sich diese Zahl ständig vermindert, und henke iü diese Kategorie Ostjuden in Derrtschland nebst den späteren Flüchtlingen vor der Bolschewistenherrschast sicher unterhalb der Zahl von 60000, so daß bei 63 Millionen Einwohnern in Deutschland dieses Häuslein ein gärrzlich bedeutungsloser, lo'mzigster Bruchteil eures Bruchteils der Einwohnerschaft ist. Mithin die jüdische Uebcrslutung kann auch nicht dadurch erhärtet roerden, daß jene Ostsirden herarnzezogen werden, die L n d e n d o r f f g e z w u n g e n e r * maße n dem deutschen Bolle zugesührt Hai. Die Antisonriten mögen sich drehen und wenden, wie sie wollen, eine ..semitische" Ueberflntnng Deutschlands laßt sich mm einmal nicht feststelten, und die Antisemiten scheu daher mit ihren Behauptungen aus dem Trocknen, und ihr politisches Schiss kann auch demnächst nicht wieder flott werden, da die deutschen Grenzen nach Osten gesperrt sind. So wird sich denn schließlich die Erkenntnis in Deutschland nicht unterdrücken lasser;, daß die Antisemiten den Kamps gegen einen zahlenmäßig angeblich gefährlichen Feind zu führen behaupten, während dieser Feind zahlenmäßig durchaus und absolut als bedeutungslos erwiesen worden kann. Dev Morgen Herausgeber und SclirifÜeifurig: Professor Dr. Julius Goldsiein, Darmstadt, Beckstr. 87. Verlag: Philc-Verlag, Berlin SW63, Idndcnstr. 13,111. /Postscheckkonto: Piiilo-Verlag Berlin 83 512. Druck: Roetherdmck G. m,b. K., Daunstadt. Blciclistr. 24. Heft I erscheint am 1. April Inhalt des ersten Heftes: I. Heinemarin: Der Begriff des Uebennensclien in der jüdischen Religionsphilosopliie. Viscount Brycc: Ist das Rassehbewussisein ein Faktor der Geschichte? B. Jakob: Einführungen in das Erste Buch Mose. I. Die Schöpfung. R, Koch: Glaube und Ueberzeugung. F. Rosenzweig: Ein Hymnus des Jehuda Halevy. L, Baeck: Kulturzusammenhänge. G. Loeffler: Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit. S. Kracauer: Der Künstler in dieser Zeit. E- Brandenburg: Jüdische Höhlenbewohner La Tripoli. Besprechungen: A, Paquet: Rosenzweig, Sechzig Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevy, E. von Aster: Versuche zu einer Soziologie des Wissens (Max Scheler). R. Stahl: Von jüdischer Not (Kameradenlieft Nr. 2). EluzellieÜ 2,25 M, Jahresabonnement 12 M. Zn beziehen durch Philo-Verlag, Berlin SW 68, Es bleibt dalwi: unter hundert deutsckkn Staatsbürgern eks Jude'. Und die autisernitisthen Vorkämpfer des Deutschtums behaupten, daß diese hundert Deutsche rettungslos verloren sind, wenn dieser eine Jude i;: Deutschland auch ferner feine staatsbürgerlichen Rechte behält. Merkwürdige Vorherrlicher gernianischer Kraft, diese deutschen Antisemiten! Man sollte ihnen ein Denkinal errichten, auf dem zu sehen ist, wie vor ei nein Juden hundert antisemitische Wotans-; anbet er mit Kuhhörnern am Kopf Bei stau? nehmen, oder doch Geschaebuugshilse gegen ihren eine n Bedränger flehentlich erbitten. ' Die Ansktärnng wird sortsthreiten. und jene Behauptung des . politischen Autistmitismns wird erkannt werde:: als eine wesenlos: Maske, mit der die Antisemiten nur die Allerdümmnen schrecken und , in ihren Heerbann preven töluwir

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