Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 13 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- Seite 223 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Unser polMfther We§. - Elne Aeußerung des Staatspräsjdenten Hellpach. Der badische Staatspräsident Dr. Willy Hellpach veröffentl-au iu der „Vossischen Zeitung" einen kurzen Aufsatz mit der lieber schritt: „Unser politischer Weg." Er fuhrt dort aus: „Das' nationale Ziel der deutschen Demokratie ist die staatliche Zusammenfassung des geschlossenen deutschen Volkstums in ' einem Deutschen Reich deutscher Ration. Die Zn ge Porigkeit zum deutschen Volkstum beruht ans den Lebensinhalten der deutschen Sprache, der deutschen Gesittung und der deutschen S ch i ck s a l s g e m c i n s ch oft. Sie h nt mit R asje un d Herkunft nichts zu schassen." Mit diesem zweiten Absatz ist auch die Tätigkeit des ssentralvereins scharf mnrissen. Wir wollen dem deutschen Volkstum dienen, denn wir sind an dieses Boltstnm gebunden durch unsere Sprache, unsere Gesittung und 'unsere Schicksalsgemeinschaft. Uno wenn die deutschvölkischen Feinde oder die nationaljüdischen Gegner -uns noch so sehr schmähen und lästern, wir jüdische Deutsche werden nns die Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum nicht rauben lassen. Wir wissen nicht, wer Reichspräsident wird, aber eines wünschen wir, daß jeder, der es werden sollte, das von Hellpach gezeichnete Ziel mit aller Herzenswärme erstreben möge. „Jarres, die Tür Zum völkischen DruLschlmrö." Was sagt I a r r e s dazu? Die Rechtspresse veröffentlicht den Ausruf der Gesa m L lei - karg de r Deut s ch v ö l? i s ch cn Freiheit s b e w e g n n g, in Le'm es heißt, daß „alle Untergruppen, Einzelmitglieder, Wähler und Freunde der Deutschoölkisthcn Freiheitsbewegung dem nationalen .Lewerber, Oberbürgermeister Dr. Jarres. ihre stimme geben und für seine Wahl nach Kräften wirken sollen. Ob schon seine Kandidatur ohne ihre Mitwirkung zustande gekommen sei, „müssen wir", so heißt es weiter, „um des völkischen Gedankens willen, diesem Bewerber schon jetzt zum Siege verhelfen, und zwar schon im ersten ,Wcchlgang . . . Der Sieg des Reichsblockes der nationalen Parteien 'nun; auch der völkischen Bewegung die Möglichkeit geben, ihre Ideen erfolgreicher ausznbreiten . . . Roch deutlicher hat den gleichen Gedanken Herr Dr. Maurenbrecher, der wandlunasreiche Politiker und Schriftsteller, in einer Versammlung der Deutschcnvölkischen Freiheitsbewegung in.Königsberg am 18. Marz zum Ausdruck gebracht. Gr erklärte dort: „Heute wollen wir unsere s p e z i f i s ch völkische Ei n st e l! u u g z u r Jarres-Kandidatur erklären. W i r sind nicht s ü r I a r r e s. w ei! er nns alles, sonder n w eil er n n s et w a s i st. Erist die T.ü r z u .e i n^ m völkischen D e u t f cf) i a n b." Es ist eine altbekannte Erscheinung, daß ein ^ammeltaudidat der Konzentratiouspunkt aller erdenklichen politischen und sonnigen Wünsche ist, au deren Weckung der Kandidat s e l b st nie gedacht ha t. Aber mitunter sind Erwartungen, die man mit ihm verknüpft, so grundsätzlicher Art, das; er zu ihnen wohl oder übel Stellung nehmen sollte . . . Dis 3700 VerfchlbpMn. K r i m i n a l k o m m i f f a t M ü l l e r deckt den Schlv indel auf. In der letzten Rümmer unserer „G. B.-Jeituug" wurde eine Rachricht des Wulleschen „D e u t s ch e n Tageblatt s" niedriger gehängt,- wonach „3700 deutsche Jungfrauen d u r ch n a ch iv e i s l i ch m e i st j ü d i s ch e H ä u d i c r" in überseeische Freudenhäuser verschleppt seien. Die Unglanbwürdigkeit dieser Tatareumeldung ergab sich au? dem Drum und Drau der Rlit^ teilnng. llnfcrc Vermutung hat nun eine glänzende Bestätigung von. zuständigster Stelle erhalten; eine Bestätigung, die der völkischen ^chwindelmeldnng hoffentlich das Genick abdrehen wird. In der s.B e r 1 i n c r M ontagspo st" vorn 23. März (Rr. 12) nimmt . Kriminalkommissar Johannes M ü l! c r , Leiter der deutschen Z e n t r a l P o t iz e i st c l l e zur B e f n m P fung des i rr t e r n a t i o n a! e n Rt ä d ch e n Handel s . das Wort: „Immer rmd immer nüeder gehen Tatareimachrichten von Massenverschleppungen deutscher Mädchen in auswärtige Bordelle durch die Zeitungen, <yui besonders krasses Beispiel für die Gedattlettlostgicit und Gcwifseutostgtcit, mit der solche Nachrichten in die Ocsscnilichkeit gebracht werden, ist folgender Fall» Vor etwa einem Jahre erschien in einer Zeitung eine Notiz mit der Ueberschrist: „3700 M ä d ch e n in einem halben a hr e v o n s))l ä d ch e n handle r n a \\ s Rorddeuts ch -! a n d verschlepp t." Ich habe mich ein Jahr lang bemüht. die Tatsachen zu' ermitteln, die dieser Meldung zugrunde liegen, und habe feststelten müssen, daß der Bericht vollständig frei erfunden war. Trotzdem ist er vor einigen Wochen in vergrößerter Aufmachung in einer westdeutschen Zeitung erschienen mit der alarnüerenden Ueberschrist: „8709 Rlädchen in einem halben Jahre verschleppt! Volksentscheid über' Einführung der ' Todesstrafe gefordert!" Tie Zeitung begnügte sich nicht allein damit, die sinnlose Nachricht vor! den 3700 Mädchen, die jeder L^ie ' als Schwindel erkennen mußte, nachzudrncken, sondern sah; darüber hinaus noch bemüßigt, aus den 3700 Mädchen' Mädchen zu machen und Empörung des Volkes und den : Volksentscheid zu erdichten." (Von uns fett gesetzt. Tie Schristlrg.) ' Tie Fälle, nne der vorliegende, die so schnell und gründlich — man kann wohl sagen — amtlich aufgeklärt werden, sind selten. Was Herr Wulle mm tun wirdk Gr wird die für ihn so beschämende Aufklärung totsthweigen.: denn so gebietet es doch die „arische Wahrhaftigkeitst und anders sind wir evon der völkischen Presse nicht gewohnt. Die zahlreichen christlichen Lewr dieser Blätter aber mögen atls diesem einen Beispiel, dem wir viele zur Seite stellen können, ihre Lehren ziehen. Wertvolls Einsicht. Aus d e n Be k e n n t n i sse n e i n e s R a t i o n a lso z i a l i st e n. In der „Franlstirter Post" verwahrt sich ein früherer Kommunist Stier, der zurzeit der Rationalsozialistischen Arbeiterpartei angehört, gegen Verleumdungen. die gegen ihn aus den Kreisen ehemaliger Rationalsozialisten erhoben werden. S-eine^sehr temperamentvollen Anseinandcrsetznngen gipfeln in folgenden matzen: „Gs ist eine tiestraurige Wahrheit, daß seit dem 9. November 1923 bis zu dem heutigen Tage die A n ch Nationalsozialisten und A iich völkischen zu ihrer eigenen Schande in puncto Verleumdung und Ehrabschneidung unter sich selbst und gegen die Führer der S. T. Ab P.. die monatelang für ihre Ueberzeam-ng im Gefängnis gesessen, gestritten, gelitten und mit ihrer Familie gehungert haben, den Höchstrekord geschlagen haben. Wer st in eigenes Rest oder das Rest, in dem er einst selbst geseuen. beschmutzt, stempelt sich selbst zum niederträchligsten Lumpen." Was nicht erst zu beweisen war. Mhk würör! V on G i n Tabu u g c h , W i t? c n u u d Komiko r n. '' In einer rheinischen Großstadt veranstaltete der I ü d i s ch e R a t i o na l s o n ds ein Fest. Tie erste Seite der Einladung trug folgenden Aufdruck: Juden heraus! 2olche Dinge sind nicht vereinzelt und nicht etwa an eine bc-, stimmte Partei, gebunden. Sie zeugen von Geschmacklosigkeiten, die wir noch in vielen jüdischen Kreisen finden, ^elbstironie 1} a b c ii in tr n i cf) t n ö t i g. Wer einmal die Festlieder, die in manchen Kreisen znm Vortrag kommen, aus ihren Inhalt prüfen würde, käme zu traurigen Ergebnissen, selbst in den Bne-Brirh- Logen, in denen im allgemeinen edle Geselligkeit gepflegt wird, wird nach dieser Richtung hin mehr gesündigt, als cs gut ist. Wir sollten endlich lernen, mehr Sekbstwürde zu bewahren. Gewiß gilt da? nicht allein für die Juden, sondern für alle Kreise. Aber machen wir zunächst diejenigen daraus aufmerksam, deren Gewissen zu wecken unsere erste Aufgabe ist. Tiestraurig bleibt auch noch immer, wie cs gerade jüdische Kreise' sind, die sich die geschmacklosesten „jüdischen" Witze der sogenannten Komiker. Ansager, Humoristen und nüe sich die Künstler alle nennen mögen, in Vergnügungsstätten aller Art mit den verschiedensten! Rainen, anhören. Als kürzlich aus dem Mund-e einer neuerdings bekannten Dame anläßlich eine? ihrer Vortragsabende nur das Wort „Purim" siel, bemächtigte sich eines Teiles des jüdischen Pubki-. kums eine solche Begeisterung, daß man mit gesundem Sinn diesen Vorgang einfach nicht verstehen konnte. Daß Männer und Frauen jüdischer Abstammung durch Ver-. höhuuug ihres eigenen Stammes und ihrer Glaubensgemeinschaft seit Jahren „Erfolge" zu erzielen versuchen, ist von uns unter Namens-i nemn'.ng der Bet ressenden oft genug hervorgehoben worden. Das jüdische Publikum sollte sich derartiges nicht gefallen lassen und stets mit der Direktion ins Benehmen treten, um" Abhilfe zu verlangen. Gelingt das nicht, so werden wir für Veröffentlichung sorgen. Selbstverständlich sind wir die letzten, welche die bei jeder Kleinigkeit entstehenden Klagen als berechtigt anerkennen. Eine allzu große Gmp-. findlichkeit ist auch nicht am Platze. W o r a u f es a n l o m in t, i st vielmehr, den deutsch-jüdische n M e n s ch e n davon zl! nbe rzeu ge n, daß er alles daran setzen muß. u ni den R e st des. Ghettos, die L u ft an Selbstver - I) ö h ii u ii g m it der U c b e r l e g e n h e i t einer höheren K u l t u r z w x ü cf 3 u w c i j e n.