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Central-Verein-Zeitung · 1925-03-20 · 12 (20.3.1925) · p. Seite 207

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
12 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
Seite 207 (sequence 5)
Language
German
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207 Mäöchsrchünöel. jg 0 £> c r r WulLe s e i n e I tt fo r U! a t i o tt e u h e r holt. „Deutschen Tageblatt" von Neinhold Wnlle ist eine Mitteilnu^ aus Meran Zu lesen. Ter Mercmer Korrespondent des Alüis'.'rilitcnblattes schreibt: „Jrn „Giorno" nurd ein Bericht des Schleswigschen Roten Kreuzes abaedruckt, demzufolge im vergangenen Jahre 3700 deutsche Jungfrauen im Alter von 16 bis 18 Jahren und viele junge Frauen durch nachweislich meist jüdi s ch e H ä n d - ler nach Ueberste, besonders nach Nein fjml, Sau Francisco und Südamerika, verschleppt wurden." Daß Mädchen- und Franenhandel auch in Deutschland vorhanden ist, kann leider nicht bestritten werden; daß solcher Handel zu den niederträchtigsten verbrechen gehört, die es gibt, ist gleichfalls eine Wahrheit, über die jede Erörterung überstüssig ist; aber auch die Verlogenheit gehört nicht zu den nationalen Tugenden und systematische Verhetzung verdient auch keine Verherrlichung. Und nun muß man doch fragen, wenn der „Giorno" in Italien eine Mitteilung aus einem Bericht des „Schleswigschen Noten Kreuzes" übernimmt, und wenn dann das „Deutsche Tageblatt" des Herrn Wnlle aus Meran diese Nachricht wiederum nach Berlin Zurückgelangen läßt, so ist über solche Rundreise von den Gestaden der Nordsee über die Apennin-Halbinsel nach Berlin zunächst schon einiges KoPsschütteln nicht ganz ungerechtfertigt. Man sollte aunehmen, daß diese Jtalienfahrt der Nachricht, um alsdann nach Berlin zu gelangen, als einigermaßen verwunderlich betrachtet werden kann. Im allgemeinen Pflegt man in Berlin Nachrichten mr& Schleswig nicht gerade über Italien zu erhalten. Aber immerhin . . . ., vielleicht ist dieser Vorgang eine Vorbereitung dafür, daß nächstens italienische Apfelsinen über Hanunersest nach Berlin expediert werden. Bedenklicher erscheint hingegen dieses: Das „Rote Kreuz" in Schleswig behauptet angeblich, daß „8700 deutsche Jungfrauen im Alter von 16 bis 18 Jahren und viele junge Frauen durch nachweislich meist j ü d i s che Handle x" ihrer niederträchtigen Bestimmung in ttcbersce zugesührk worden sind. Also das „Rote Kreuz" hat, wie hier behauptet wird, diese Transporte Zählen lassen können; es hat seststellcn lassen können, daß diese Menschenhändler „nachweislich" „meist" Juden waren, und cs war so unerklärlich — woitl)erzig. nicht unmittelbar die Polizei zu alarmieren, und diese Menschenhändler mit ihrer „Ware" verhaften zu taffen. Das „Note Kreuz" wenigstens besteht nicht nur aus Juden, und wenn Juden und Christen so handelten, wie hier das „Rote Kreuz" angeblich ge- .handelt haben soll, so verdiente diese hochgeachtete humane Vereinigung die allgemeinste Verachtung. Also dieser märchenhafte Meraner Bericht ist eine ungeheuerliche Verunglimpfung nicht nur der Juden, sondern auch des „Deutschen Noten Kreuzes", und so kann hiqh wohl an nehmen, daß die Korrektheit der Angaben —!>eu üblichen antisemitischen Gewöhn- Hecken entsprechend — eine Wandlung erfahren haben dürste. Die italienische Sonne bräunt uns Nordländer ja stets; vielleicht sind Nachrichten, die über Italien durch antisemitische Hände zu uns gelangen, .gleichfalls Wandlungen. und Umwandlungen und tieferer Kolorierung unterworfen. " —n. volkserzleher. An Eberts Grabe. Der „Völkische Kurier", der München durch sein Erschnncn b§- Mckt, bringt an der Spitze seines Blattes einen kleiucn, fett gedruckten Artikel unter der Ueberschrift: „Wer um Ebert trauerte." In diesem charakteristischen Artikel wird eine Untersuchung darüber angestellt, welche Persönlichkeiten an Eberis Grab einen Kranz niederlegen ließen, und dann heißt es: „Daß dies dir Präsidenten von Polen, Frankreich, Mexiko, Chile usw., die Könige von Belgien und England Laten, kann man Qis diplomaLLschen Akt auslegen, obgleich ein deutscher Präsident diese Möglichkeit Lm voraus hätte in Betracht ziehen und derartige „Geschenke" testamentarisch hätte ablehnen muffen. Viel wichtiger sind aber die Trauerkränze nachfolgender Herren zu vermerken: Herr und Frau Felix Schwabach (jüdischer Börsianer), Franz v. Mendelssohn (hebräischer Grvßkapitalisr), Max Marburg (israelitischer Bankier), der Präses des (jüdischckapitatistischen) Hansabundes, Frau M. Rathenau (Mutter des alljüdischen Kapitalisten Walther Rathenau). Vor altern aber ist zu verzeichnen der Kranz des Generalagenten für die „Reparationszahlungen, der sicher Eberls „entgegenkommendes" Wirken besonders zu schätzen tzewußt hat. s Barmals hatten leinen Kranz niederlegen lassen; wenigstens ist I nicht darüber berichtet worden. Aber sie werden in Moabit ans! ihre Weise getrauert haben." Man wird Zngeben muffen, daß das Knotentum, wo es nm üppigsten gedeiht, auch nicht zu einer größeren Entfaltung seiner charakteristischen Eigenschaften gelangen kann, als ans diesem Papier der „nationalsozialen Freiheitsbewegung Großdeutjchlands". Tiefer „Freiheitsbewegung" kann man durchaus bezeugen, daß sie jedenfalls „frei" ist, selbst von jenem allermimmalsteu Takt, den die übelste Roheit an Gräbern wenigstens zu empfinden pflegt. Und diese Gesellschaft, die langsam überall in Deutschland abzuwirtschaften bc-- j ginnt — auch in Bayern —, verfügt über die Einbildung, daß sie! Deutschland zu moralischer Blüte und zu neuer Größe wieder hiuaufzuführen berufen sei. An dieser Bewegung ist gewiß nichts Grandios mit einziger Ausnahme der Selbstüberschätzung, der ne sich über sich selbst hingibr. NsfsggLvs ysimgarten. Eine Zeitschrift „f ü r D o l k s a u f k l ä r u n g und Volkswc> h l". Bom Heimatvertag Leopold Stöcker, Graz-Leipzig, geht rni? eine Einladung zum Abonnement auf die oben genannte ..Monatsschrift für Unterhaltung und Belehrung" zu, mit dem Hinweis darauf, daß ein F ü n f tel des Bezugspreises d e m Fonds z u r Errichtung eines D e n k m ß I c § für b e n Dichter Pete r Rosegger Zugcn'rhrt werden soll. So sehr ich für die Ehrung deutscher lOceifrer bin und für den steierischen Dichter, der sich vom Schneiderbub zum Poeten hinauf entwickelte. Sympathien empfinde, vermag in diesem Falle der Zweck das Mittel u i cf» t 3« heiligen. Ein Llick in dis Zeitschrift zeigt, daß ihr jetziger Leiter, H. L. N o s e g g e r , im Schatten des Titanen kämpft und das väterliche- Erbe nicht erworben hat, um es zu besitzen. Abgesehen von den unpolitischen Beiträgen, deren literarischer Wert nach Form und Inhalt bedenklich schwankt, ergibt sich ans Betrachtungen des Herausgebers über die deutschösterreichische Republik eine — im üblen Sinne des Wortes — völkische Einstellung, die m i i den gewohnte n Schlagworten alles Heil von der Entjudung erwartet. „In Wien thront Zion," „Oesterreich ick zu einer Kolonie der französisch-englifchen-italienisch-tschechisch jubelnden Gläubigerschavt herabgesunken", das sind einige Geschmacksproben dieses einst in Ansehen stehenden literarischen Unternehmens, das für Volköaus - k l ä r u n g und V o l k s w o h l zu arbeiten vorgibt. Und wer etwa im Zweifel über den Eharakrer des Heimatvcrlages blieb, der erfährt Näheres im Inseratenteil und einer Beilage der Zeitschrick, die für die übelsten Machwerke der völkischen Hetzpropaganda werbend eintrltt. „Die „Judenfibcl* reißt mit einem Ruck die Maske vom Gesicht d-Z Judentums und zeigt dessen wahres Gesicht, das in körperlicher und psychischer Hinsicht vom Vollmenschen weit entfernt ist. Aus dem Verhältnis der niedrigen Stufe der Mcnschhcitsentwicklung zu jener Kulturstufe, auf der die Arier stehen, ergeben sich dis sonderbaren Widersprüche, die wir in ihrer Gesamtheit .Jndenstagc" nennen. Erst aus dem Ergebnis der „Tierzucht' kommt uns, wie die „Judcnsibcl" zcigt, das Verständnis für die Judenfrage." Mit diesen Worten wird das Machwerk angepriesen. Wahrlich, überheblicher und tiefer in der Niedrigkeit der Gesinnung konnte das nicht ausgedrückt werden. Auf gleicher Stufe steht ein Roman der Republik, von dein gleichen Autor (Panmgarten) herrührend, der die charakteristische Verbindung von Judentum und Pöbel aufweist und zeigt, wie die „Kaftarüden" in Verbindung mit den „Strizzi", einer Abart der „Sozi", das alte Reich zu Fall brachten. Die beigegebenen Illustrationen erinnern an die übelsten Machwerke dos Wahlkampfes und wirke'.! an sich schon überaus verhetzend, wie der die Geißel über den schaffenden Arbeiter schwingende, hohnlachende Jude der bereits in dreißigtausend Exemplaren verbreiteten Broschüre „Judentum und Sozialdemokratie". Einen Verlag, der solche Schund- und Schandliteratur herausbringt, auch nur indirekt Zn unterstützen, muß jeder Jude aus Gründen der Selbstachtung a bl eh neu. Schreiber dieser Zeilen ist lange Jahre Abonnent imb gelegentlicher Mitarbeiter der auf auzuerlennendcr Höhe stehenden „Münchener medizinischen Wochenschrift" gewesen. Als aber ber Verlag dieser Anschrift (I. F. Lehmann, München) sich in den Dienst der „Erneuerung Deutschlands" vornehmlich durch gehässige Belümpfung und Beschimpfung des Judentums stellte, war der Abbruch jeglicher Beziehung für ihn eine Selbstverständlichkeit. So werden Tausende deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens denken und Handel'.!. l)r. J. L. Li

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