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Central-Verein-Zeitung · 1925-03-20 · 12 (20.3.1925) · p. Seite 206

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
12 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
Seite 206 (sequence 3)
Language
German
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206 die AuÄvah! und Wgrenzmrg nicht leicht ge^veftn wäre. Außer den Angehörigen jüdischen Glaubens würden cuÄ) die Anhänger sonstiger religiöser Richtungen sL>wie die Freireligiösen den An- - sprich erhoben haben, bei der Feier zu Worte zu kommen. Daß tcl Festsetzung des Prvgramncs jede Absicht, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens znrückzn setzen, uns serugelegen hat, bedarf keiner Versicherung. Ich hoffe deshalb nad) wie vor, im Interesse der einheitlichen Wirkung der Gedenkfeier, daß wir <utd) auf die Teilnah ine der israelitischen Mitbürger rechnen dürfen, und daß sie gern an dieser nationalen Feier teilnehrnen vocrden, um mit uns auch ihre gefallenen Glaubensgenossen vor der Ocssoutlichkert zu ehren/ Es bleibt noch der Kandidat der Bayerischen Volkspartei, Ministerpräsident Dr. Held. Man muß seststellen, daß es Herrn Held geglückt ist, den durch Hitler-Banden zeitweilig völlig aufgelösten bayerischen Staat wieder zur Buhe und Ordnung zu bringen. Der Erfolg spricht für seinen staatsmännlschen Blick. Es ist nicht unsere Ausgabe, an dieser Stelle zu untersuchen, w e l ch e B e w e g g r ü n d e Herrn Held dazu geführt haben, den Kampf gegen Hitler anfzunehmen. Der Kommunist Thälmann wird in ernsten Kreisen , nicht als der künftige Repräsentant des deutschen Volkes anf- - gefaßt werden können, und der Nationalsozialist Luden- ' d 0 r f s dürste am Wahltage zu der Einsicht kommen, daß seine Kandidatur ihm die erwarteten Ruhrnesehren nicht gebracht hat. Wir haben das Vertrauen zu dem gesunden politischen Sinn unserer Mitglieder und Freunde, daß am 29. März : Wahlrecht für sie Wahlpflicht bedeuten ioirix Trage jeder ' dazu bei. auf die von ihn: weltanschanungsmaßig vertretene . Partei eine Höchstzahl von Stimmen zu vereinigen, damit?' schon in: ersten Wahlgang die Flagge der Freiheit und des; Rechts für alle deutschen Staatsbürger achtunggebietend und { fiegverheißend im Winde wehe. D§e Numerus clausus fm Herlmsr MlpZnVZöüm» EineZuschri s t. Aus den Kreisen der in der Cencralversamrnlung der Sektion Berlin des DOAV mit 13. d. M. unterlegenen Grnpg>e geht uns folgende Zuschrift zu. die wir, ohne selbst zu der Frage Stellung zu nehmen, in sorgendem wiedergoben: ' Tie Wiederwahl des alten Vorstandes der Sektion Berlin, die in der Generalversammlung am 13. d. 3)L mit starker Mehrheit erfolgte, hat durch die Ereignisse, die ihr vorausgingen, erhöhte Bedeutung gewonnen. Denn der alte Vorstand hatte sich, wie auch an dieser Stelle berichtet worden ist, mit einer Arr Regierungs- Programm zur Wahl gestellt, dessen Hauptinhalt die Ermächtigung . zur Durchführung des Numerus clausus für jüdische Alpinisten, i die sich um die Aufnahme in die S e k t i o u bewerben, bildete. Gegen diese durch nichts gerechtfertigte Verletzung der Satzungen und der staatsbürgerlichen Rechte einer ganzen Bevölkerungsgrnppe . hat sich eine Opposition gebildet, die unter der Parole „Fort mit der Politik ans dein Alpenverein!" eine Vorschlagsliste für einen .. neu zu wählenden Vorstand aufstellte, an deren Spitze Senats- Präsident v. Ger in e r s h a u f c n stand. — Den Verlauf der Gene- . ralversanunlung mit allen seinen teilweise nnersrcnlichcu Einzel- . heilen wiederzugeben, ist an dieser Stelle keine Veranlassung. Wohl . aber muß in diesem Zusammenhänge die Frage geprüft werden, die , sich dem jüdischen S e k t i o n s nr i t g t'i e d und all den * d) x i ft li d) e n Alpin: st e n e n t g e g e n st e ll t. die für die .Verletzung der Sektionssatzungen kein A e r st ä n b - inis 1} allen fön neu. Diesen, vor allem aber den selbstsbcwnßten jüdischen S e 11 i o n § m i i g l i c i> c t n, könnte •i die Erwägung naheliegen, daß es gegenüber dem durch die Wieder- 5 wähl des alten Vorstandes ausgedrückten Willen der .Sektion s rn e h r h c i t, der sich gegen sie richtet, als Antwort , nur den sofortigen Austritt aus der Sektion gäbe. Ein solcher Entschluß wäre als Ausdruck verletzten Stolzes' und gekränkter Ehre, * nicht als Ergebnis vcrstandcskühlcr. Politisch durchdachter Gedanken- , folge verständnisvoll zu werten. Immerhin ist die Lage, wie sie stck;? jetzt darslellt, noch zu ungeklärt, als daß sie endgültige'Entschlüsse gc^ \ stattete. Eines aber ist schon heute klar, nämlich, daß, welche Schritte j auch immer in rechtlicher, alpenvcreinspolitischer und anderer Nich- > tnng erfolgen müssen, nur dann Aussicht aus Erfolg be- '-steht, wenn die oppositionelle Minderheit, die es s über sich gebracht hat, im Interesse des Ganzen noch im Alpenverein « zu bleiben, fest z u s a rn m e n h a 11 u n d sich nicht nur nicht! d u r ch A b i p l i t j e r u n g e n sch w ä ch t, s O n d e r n sogar Oer* s rr ch t, gleichgesinnte Kräfte an sich zu ziehen, i d Wie wir hören, wird sich ein ständiger Ausschuß der Minderheit bilden, der zu Auskünften, die notwendig werden, allen SektionZ- OntgUederrr zur Verfügung steht. ,*■ ' --- Cazrmg völkisch LesimUer Ssistlichee in Lmpzig. Eine kurze mritteilung über die völkische Pfarrertagnng in der Presse veraulaßte mich,' den aussichrlichen kritischen Bericht im „Reuen sächsischen Kirchenblatt" zu lesen, der unglaub. liche Aeußerungen der dort amvcsenden evangelischen Geistlichkeit enthalt. Von den 130 völkischen Pfarrern waren 25 erschienen, um sich über die neuen Ziele auszusprechen. Die Erörterungen konnten au Flachheit wohl kaum überbotcn werden, und wenn diese Leute dem deutschen Volke eine „sittlich-religiöse Vertiefungbringen wollen, so kann solcher Wahn nur das Mitleid Besonnener Hervorrufen. Alle Fragen über Religion und Volkstum erfuhren durchaus oberflächliche Behandlung. Dennoch ist diese Tagung als Zeit sh mp ton: nicht uninleressant, weil sie die innere Kraftlosigkeit des sogenannten religiös-antisemitischen Kampfes dar tut. Unter Heilrufen der Versammlung begann Studienrat Dr. Niedlich (Berlin) seine Anschauungen zu entwickeln. Vezeich. nend sind die drei verschiedenen Aufsassungen der „Deutschkirchler", die er entrollte: die eine will „das Alle Testament überhaupt streichen, weil cs zu jüdisch ist, um heilig zu seil/. die zweite wünscht, daß „das Alte Testament nur berücksichtigt wird, um den Gegensatz des jüdisch-materialistischen Geistes zum christlichen darzulegeu". Die dritte Ansfassung null „deutschen Geist in das Alte Testament gießen", aber diese Lesart lehnte der Vortragende selbst ab. Daß dieser Studieurat das herrliche Psalmenwort: „und ob ich schon wunderte im finsteren Tale, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir", als Beweis für die geschäftsmäßige alttestainentarische Einstellung ansührt. beweist die grotesken Forme'», die die Verirrung völkischer Agitatoren bereits angenommen hat. In welcher Weise Jesus als Dank für die Titel: „Herzog seiner ManuenF „Offizier seiner Soldaten", diese Prediger aus dem Tempel gewiesen haben würde, ist dabei ein befreiender Gedanke. Ein jo armseliger Volksgenosse sollte sich aber doch schcn.en, auch noch Beethoven, Bach. Jakob Böhme und Kant zu seinen Zeugen auszurusen, weil dadurch seine grenzenlose Unkenntnis allzudeutlich ins Auge springt. Ter zweite Vortragende, Pfarrer Wangemann, den außer langem weißen Dark auch noch Orden und Hakenkreuz zierten, will nicht einen Deutschchristen, sondern einen Kristdouischen züchten und ans dem ßfjttjtentnm ein streng nationales Gebt l d e m ach e n, das jeweils nach der Eigenart eines Volkes, grundsätzlich wandelbar ist. Wenn man in Sachsen lebt, selbst Norddeutscher ist und die sehr verschiedene Eigenart von Hannoveranern und B a h e r n kennt, kan.n man sich unwillkürlich die V i e l f ä! t i g k c i t dieser religiösen Schattierunge n v o r st e l l e n. Zwar meint der greise, unternehmungslustige Herr: „das Ehristentnm ist kein Sandspielhaufen kleiner Kinder/ aber dergleichen Darstellungen gleiche!: doch mehr Kinderstubenbetrachtungen, als ernsthaftem Gedankenaustausch reifer Männer. Daran ändert auch nichts, daß er das Alte Testament als Abschreckungsmittel empfiehlt. Mau kann derartige Leute unmöglich ernst nehmen, die den Liefen, metaphysischen Gehalt dieser lebenspendenden Schrift nicht begreife!?. Wenn nach seinen Worten der Versammlungsleiter „dem Tore?/ dankte, noch dazusetzoud, daß er keinen Narren meine, sondern den Sendboten des Gottes „Thor", so hat er es der Kritik des Beobachters jedenfalls leicht gemacht, sich an diesem Wortspiel zu freuen. Ein Pfarrer aus Meißen wandte sich mutig gegen die Verum glimpfuugen des Alten Testaments und führte an zahlreichen Beispielen den Nachweis, daß Christus mit Hilfe des Alten Testaments gewachsen sei und sich noch am Kreuze an Psalruenwortcn aufrichtete. Entrüstungsruse der Versammlung bewiesen dem Redner, daß so vernünftige Worte hier nicht ungestraft ausgesprochen werden konnte!?. Es wäre zu wünschen, daß er die Konsequenz zöge und erkennte, daß dieser völkische Geist von Größemvahn und Beschränktheit erfüllt ist, und daß es keinen Sinn hat. einer Sache zu dienen, in der auch das kleinste Körnlein gerechten Urteils von vornherein dem Erstickungstod ansgeliefert ist. Braucht der Meißener Pastor denn eigentlich noch einen anderen Beweis der Ziele völkisch gesinnter Pastoren, als daß der freudig mitwirkende Theodor Fritsch am Schlüsse ein Heftchen ft b e r b i e S t a a t S f e i n d l i ch k e i t der jüdischen Lehre verbreitete mit der Empfehlung, es den Arntsbrüdern zu übergeben? Zu allem Uebersluß enthält der Bericht zum Schluß noch den von Maurenbrccher als Pa stör Unterzeichneten Antrag: „Die Gleichberechtigung der Juden i st aufznheben. Bis zu ihrer völligen A. u s s ch e i d u n g aus den 5k u l t u x t> o I f c r n sind f i c unter F r e nr d e n recht zu st ellen. Der jüdische Kultus i st zu verbieten, da er unter dem Deckmantel religiöser Gebräuche in Wahrheit unsittliche und st a a t S f e i n d l i ch e Best r e b u n g e n p s l o g t, d i e S y n a g o g e n s i n d z u schließen, die r a b b i u i s ch c n Schriften zu beschlagnah m o n u n d zu vernichten/ Lenka v. Koerver (Leipzig). y i I

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