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Central-Verein-Zeitung · 1925-03-13 · 11 (13.3.1925) · p. Seite 194

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
11 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
Seite 194 (sequence 11)
Language
German
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194 Vom Zeutsch LN Vslkvführer ßrieörlch Ebsrt. Historisches und Persönliches. Bon Parrl Kaurpsflneyer. Mögen wir hervorragende in- oder ausländische Politiker über unseren leider so früh verstorbenen ersten deutschen Reichspräsidenten Horen, immer kehrt das llrteil wieder: Friedrich Ebert mar eine führende deutsche Persönlichkeit. Gustav Stresemann verbreiwL sich lobend über „das staatsmärmische Wirken" des NeichsprasidenLen. Joseph Wir LH wertet die ..nationale RettungsarbeiL" kberts besonders hoch, Georg Bernhard Preist ihn direkt ciU „Retter", Theodor W oIff schätzt ihn als einen von tiefem Verantwortungsgefühl und hoher StaaLsklugheit beseelten Politiker, der Deutschland aus der Sintflut zum festen Boden des Arrarats führte. Tr. Hieb er anerkennt freudig die politische Erfahrung, die Ruhe und Abgewogenheit seines Urteils, seine klare Besonnenheit, seinen sicheren Takt, der ihn zur rechten Zeit das rechte Wort finden, zur rechten Zeit auch schweigen lieh, kein vaterländisches Empfinden und Wollen, und jenseits des großen Wassers nennt der Präsident der Bereinigten Staaten. Coolrdae, Friedrich Ebert den ..großen Mann, der in Zeiten außerordentlicher Schwierigkeiten eine außergewöhnliche Fähigkeit als Führer bewiesen" habe, und er bezeichnet seinen Tod als „einen großen Verlust für die Welt". Friedrich Ebert bildete sich in allen Fällen, die ihm vorgetragen wurden, dadurch ein selbständiges Urteil, daß er die mühsamste Altena rbeit nicht scheute, sich persönlich über die Fragen, die ihm nicht sofort klar wurden, informieren ließ und dann erst seine Meinung über Personen und Sachen nach reiflicher Ueberlegnng abgab. Gustav Stresimann hat sehr anschaulich geschildert, wie Ebert alle Berichte der Botschafter und Gesandten las, sich völlig in die Kenntnis der Persönlichkeiten hinemlcbte und mit den Mitgliedern des diplomatischen Korps in engem Könner stand. Ich habe nach selbst persönlich davon überzeugen können, mit welcher geistigen Energie Ebert dcn Angelegenheiten ans den Grund ging, die ihm persönlich vorgetragon wurden. Ich stellte ihm einmal zwei Gelehrte vor, die in einer Hochschulfrage um seine tatkräftige Unterflützung werben wollten. Mit gespanntester Aufmerksamkeit horte er den Vorträgen der Gelehrten zu. Tann stellte er Fragen, die bewiesen, daß er sofort den eigentlichen Kern der Sache erfaßt hatte. Er erbat sich die Unterlagen zur weiteren Nachprüfung der ihm vorgetragenen Angelegenheit, dann wies er den Gelehrten den Weg zur praktischen Erreichung des von ihnen angcstrebten Ziels und nannkr ihnen die einzelnen Chefs der Ressorts, von Lenen sie eine Förderung ihrer Sache zu erwarten hatten. Er war zugleich der ganz konstitutionelle Reichspräsident. der sich der verfassungsmäßigen Grenzen seiner Tätigkeit bewußt war. Tie beiden Gelehrten schieden wie ich höchst befriedigt von dieser Aussprache mit dem höchsten Würden« träger de? Reichs, der w gar keinen Zug von gemachter, bewußt betonter Autorität des vbrigkest staatlichen Menschen an sich trug, und doch ein so großes Ansehen um sich zu verbreiten verstand. Tie Gründlichkeit, mit der Friedrich Ebert daran arbeitete, sich ein selbständiges Urteil über Personen und Sachen Zu bilden, konnte ich im Jahre 1900 in Frankfurt a. M. persönlich beobachten, als sich Friedrich Ebert zu dem schwieligen Aust eines deutschen Arbeiterselretärs vorbereitete. Ebert saß stundenlang in dem Sprechzimmer der Arbeitersekretäre und verfolgte höchst interessiert die Auseinandersetzungen der Sekretäre über einzelne Betriebsunfälle. Er studierte dann die Unsallcckten sorgfältig durch und machte sich mit den Einzelheiten der vielfach sehr schwierig gelagerten Unfälle vertraut. Wie bescheiden, wie zurückhaltend betrug sich dieser Maun, der damals schon eine leitende politische Nolle in Bremen spielte, und der sich hier nur als Schüler ansführte. Wie aufrichtig bedankte er sich für jeden Rat, den wir Sekretäre, Herr Graf, der jetzige Bürgermeister von Frankfurt a. M., und ich, ihm gaben! In der geistigen Entwicklungsgeschichte Friedrich Ebert? ist dessen Tätigkeit iru Brenner Arbeiiersekretariat von besonderer Bedeutung gewesen. Ans der ständigen Berührung mit den ausllrnftsuchendcn Angehörigen aller sozialen Klassen erwarb sich der junge Arbeitersekretär ein so lebendiges Wißen von den Aengsten und Noten des Volkes und ein so hohes Maß von taktischer Geschicklichkeit in der Erforschung sachlicher und persönlicher Verhältnisse und in der klärenden Aussprache über schwierige Rechtsfragen, daß er nachher befähigt wurde, die vcrwickeltsten Probleme unseres nationalen und sozialen Lebens zu entwirren. Ten Sinn für die Realitäten des politischen und wirtschaftliche Lebens, der ihm von dem früheren preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun mit Recht nachgerühmt wird, konnte er im größten Umfang im Arbeiiersekretariat betätigen. Hier lernte er den wirklichen Arbeiter gründlich kennen, der sich mit dem am Schreibtisch konstruierten Proletarier vielfach nicht deckt. Aus einem tiefen Verständnis des Volkes und seiner sozialen Klasse heraus bestimmte er die Grundlinien seiner praktischen Politik. Wo er klar den inneren Zusammenhang politischer und wirtschaftlicher Vollsinkeresscu sah, ließ er diese Gemeinsamkeit nicht durch künstlich ausgeklügelte soziale Klassengegensätze trennen. Konrad Harnisch gesteht offen in der . Frankfurter Zeitung" ein, daß die radikale Richtung in der Partei, zu der er und Männer wie Mehring. Rosa Luxemburg, Parvns, Karl Liebknecht und Radek zählten, in Ebert oft bcn „Bremser" sahen, der durch ein Uebermaß von „Taktil" den revolutionären Elan des Proletariats brechen mürbe. Friedrich Ebert steht als Süddeutscher ganz anders unter der Ileberlieserung denwkratischer Traditionen als durchweg der Ost- und Norddeutsche. Auf ostelbisch-kolonialem Boden bildeten sich unter dem Einfluß des adligen Großgrundbesitzes die Klasseuintereffen schärfer aus, als im Süden Deutschlands. Es ist kein Zufall, daß alle dre geschmähten „opportunistischen* Taktiker der Sozialdemokratie in Süddeutschland geboren sind. Wir nennen hier nur Dollmar, Auer, Grillenberger. Ehrhardt, Tresbach. Selbst Ludwig Frank wird nach kurzer politisch-radikaler Lehrzeit badischer ,^3udgetbewilligerT Tie Maingrenze hat selbst in der Sozialdemokratie eine gewisse Bedeutung erlangt. Die Sozialdemokraten find stets gute Deutsche gewesen, und alle haben sogar einen tüchtigen Schuß von dem Charakter des Stammes erhalten, dem sie nach Abstammung und Kultur angehören. Die Mehrzahl unserer Dolksgenosien hat sich ganz nebelhafte Begriffe von der JnternaLioualität der Sozialdemokratie gemacht. Tie JnternaLioualität der Sozialdemokratie ist zum Teil ein Erbstück der klassischen Literatur des Humanitätszeitalters. Daher der grundsätzliche Kamps dieser Partei gegen alle Vorrechte, seien diese nun von einer Klasse, einem Geschlecht oder einer Rasse geltend gemacht. Juimer und immer wieder proklamiert die Sozialdemokratie das Prinzip der rechtlichen und sozialen Gleichheit aller Menschen. Sie fordert gleiche Rechte und gleiche Pflichten für alle Wt TTJT /f^s tt* j? 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