Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 11 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- Seite 193 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Mehr Liebe. Don Kaplan F. Nobel (München). I. bcm Gervoge der Parieiungen unb Spaltungen. die unser I,eilt4rs Volk 3enuü'i|lei:, nimmt eine nie# geringe Stellung die Krdcnfrage ein. Gerade in diesem Pw'kte tritt die Polemik und Lre Art und Weise in richtigem Lieht hernor. Hier aijonlmrt sieh fj recht der Geist, d-er die Kämpsendeu beseelt, hier sieht um::., ob es mit einer rem subjettwen oder einer sachlichen. öbieltiven KampseÄvcisc zu tun haben. Und wir sind, in den Wirrnissen -der Äei' 'bereits so weit vorgeschritten, das> so viele cs gar nicht melr merken, wie umvahr und unedel lgre ganze Polemik ist. Es scheint auch hier zum Grunds ah geworden Zu sein: ,.(5s gilt das Züchd des Stärkeren". An Beweisen für jo ein Tun und Treiben fehlt es nicht, unser ganzes öffentliche- Leben ist durchsetzt mit einer abstoßenden parlamentarischen Zrampse-eart. ihre Brutalität und Rücksichtslosigkeit findet von so vielen Seiten Aullang. bs liegt nnf der Hand, daß Lei solcher Einstellung auch Judentum und Judenfrage nicht Zum besten wegkonnnem Was mir eigentlich die?veder in die Hand drückt, ist die sonderbare Betrachtungsweise der Indens rage von se i t e n^ k a t höfischer I o u r n a l i st e n und Tagesblätter, schrieb da jüngst dem Verfasser ein solcher Zeitungsmann, daß w i r K atho- I i ke n gar k e: n e D e r a n l a s s u n g h a t i e n , u n s gerade für die Juden so lehr ins Zeug Zu legen. Ich Lat um Ausnahme eines Artikels über „Kalpoliztsmus und Juden frage", und die kritische Stellungnahme des Journalisten ging dahin, das; alle meine Anschauungen vollkonunen richtig seien, das; abereine Ausnahme versagt werden müsse wegen berechtigter Passivität der Katholiken in allen mit Juden zusammenhängenden Fragen. Ich muf, es als einen ab- :sonderlick>en Gedanken lotrechten, so den Katholizismus und die katholische Kirche zu werten, die sich im Lau'e der Jahrhunderte al- Irospierum Bedrängter. Leidender und Verfolgter erwicstn: nud ihnen vom S t a::J p u nk t e des Rechtes und der W a h r - heit Schutz und Sick-erheit angedeihen liest. Oder gilt nicht mehr für unsere heutige Zeit die Parabel vom barmherzigen Samariter, mit der der Hcuau.d seinen Zeitgenossen eine eindringliche Predigt hielt und sie glrich'am als Symbol für seine von ihm gestiftete -Kirche hinstellte? Wir leben in einer Gemeinschaft von Brüdern, -die ihr Band weit üfcet die Grenze n der eigenen i.Glaubensgen offen s p a-n n t und alle als Brüder befrachtet, i'und deshalb darf im katholischen Men'chen niemals der Gedanke Auskommen: „Was kümmert mich das Blut meines Bruders?" Es -ist und bleibt eine Samariterausgabe der katholischen Kirche, heilend 'und helfend aus der Walstatt des Kampfes umherzugehen und den; Geschlagenen und Verwundeten Hilfe zu bringen im Geiste der Liebe, i So gut es ein Völkerrecht gibt, um die zwischenvölkücben Beziehungen zu regeln, ebensogut existiert auch eine Pflicht für [ben katholischen M e n s chen , mirznwirken. daß der Polemik ihre Schärfe und Härte genommen wird, daß wir kämpfen im Geiste der Liebe und im Geiste der Wahrheit. , II. In der Zuschrift wurde auch noch eine andere Seite berührt, nämlich der jüdische Kampf gegen den K a t h v l i z i s nur sI. Auch hier dürste der Bogen sicherlich überspannt sein, Nach meiner lleberzeugnng gilt der Kamps dem ätatholizismus nicht als solchem, sondern lediglich den Auswüchsen des Katholizismus, also jenem die fi) 4vohl Katholiken nennen iuii> nicht mehr nach den Grundsätzen res Glaubens leben. Warum soll es katholischer Journalistik >'erlaubt sein, zwischen Judentum und Juden zn unterscheiden. - während umn der Gegenseite jedoch einen Unterschied zwischen Katho- \-lizismus und Katholiken nicht gestatten will? Es ist ja ganz nakürilich daß man eine Institution nach ihren Auswirkungen beurteilt ' und daraufhin seine Kampfcrivelse einchchbt. Tie katholische Kircl)e!will -nach der Lehre und den Grundsätzen ihres heiligen'Stifters die Grabung und Veredlung dos inneren Bleu schon, die namentlich -durch Gnade und Sakramente zustandekontmt, 'und jeder Katholik, der es ernst nimmt mit den Forderungen seiner Kirche, wird stets s a n seiner -inneren V e r v o l l k o m m u it n g arbeiten;iinb diese in jeder Lebenslage ouch auf andere jausstraylen lassen. Und genau das gleiche gilt .sstr das Judentum, das onf glänbigern Boden steht und von feirren Gliedern verlangt, die Forderunzen des Glaubens ins Loben rmznsotzen. Gin tief gläubiger Mon'ch wird sich stets duldsam zeigen gegen Andersdenkende und wird niemals je ine Waffen schärfen z:: .etner unedlen, vcrabschen u ngswürdige'a Polemik. Was dem'guten Katholiken aber recht ist, das soll auch dont gläubigen Juden billig t m.; " . Die Behandlung der Juden frage muß vor dem :Forum der Wahrheit und Gerechtigkeit standalten können^ Desnoegen lvdarf auch die These des Jour- .nauston: ^Es darf die andere Seite der Judensrage nicht übersehen 4) Dorr einem solche.n „jüdischen Kancpf gegen den kraihorls-smirs" kann für fck Allgemeinheit des deutschen Judentums keine Rede sein. Wenn gelegenllich -rürr «inZelner Jude gegen den Katholizismus Wellung nimnctz so tut er bas aus?*I 5^ c c politischer Ueberzcugung, die a&et keineswegs 1^} i ü h i f $ t Seite seines Wesens bedingt ist. Die Echriflleitting. werden, nämlich der Anteil nicht d-es Judentums, worch rrbe^ dmk Juden an dem sittlichen Niedergang d<w eurvpcuschen Volker, befonDers unseres Volkes" einer genauen und rvahrheitsgemäßen Untersuchung. In der Mappe der Antiserniren stößt man ja auf so vieles, das Veit Nachweis gerade für diese Bchattptnng bringen soll, aber m Wirkticbkc-it ist das alles nur ein T e ck m a n t e l f ü r V-: e T r ä g e r solcher A u s st e l l u it gen. um damit ihr eigenes unsittl ich es Treibe n zu verhüllen. Ich erinnere -nur an den Fall Dinter. Wollen wir wahr und gerecht sein, so müssen wir zngestehe'a. das; sieh unsittliche Answlrch'e auch dort geltend machen, wo man gewiß iticljr von verderbliche:: Einwirkungen der Jude:, reden kann. Ja, in manchen Landstrichen und Gegenden sind die unsittlichen Treibereien weit größer als in irgendeiner Großstadt und aud) die Gelegenheit dazu viel zahlreicher als dort. Was sagt dazu unser Journalist? Auch in diesen: Punkte sei es gesagt: Ohne Wahrheit und Liebe wird die Polemik jeder Sachlichkeit entkleidet tind auf Bahnen geleitet, die cincd Kulturvolkes nicht würdig sind. Wer aber für Ghr-e unt> Sittlichkeit kämpfen will, der muß jederzeit dafür Sorge tragen, daß in den eigenen Reihen alles sauber und in Ordnung ist. Nach dieser Au-eeinandersichung mochte ich den Lesern der „G. D.- Zeitung" eine kleine Bitte vorle^wn. Vielleicht empfiehlt es sich, mit dem Verfasser des Artikels in eine Aussprache zu treten bzw. über die angeschi'.itteneu Fragen einen schriftlichen Gedankenaustansch zu pflogen und das Nefultat gegebenenfalls in den Spalten der .,G. B.-lßeitnn.g" zu veröfsentlichen. Ion Betracht kommen katholisch nnb jüdische Gelehrte, Journalisten nsw. Ich glaube, damit könnte der Sache dos Leuts ch t u m s w i e auch des Judent u m s ein großer Tie n st erwirien werden. Ebenso erlitte auch die Behandlung der Judensrage eine ganz andere Liniensührung. würdig einer- Kulturvolkes^ jogensooll vuch für die in nervöl tischen Beziehungern ^uplenti sail i \ .. §orschungrn in pülästina i423-L4. Jüdische GrabstaLterr. In der Berliner Gesellschaft süv Anthropologie hat Herr G. Branden b u r g einet! interesianten Bericht über seine Palüstinasorschnng, besonders über die Grotten von Jerusalem gegeben. Tie ältesten Grotten in Palästina wurden bald nach 7300 angelegt und dienten den: Kult; die wenigen in ihnen befindlichen Toteulager sind aus dem Wunsch gevoiner Persönlichkeiten, unter dem Schutz der heiligen Stätten möglichst ungestört zu ruhen, zu erklären; genau so wie sich Fürsten und Patrizier etwa im Mittelalter in Kirchei: beisetzen ließen. Tie Juden sahen, daß solche Anlagen auch recht geeignet für ihre Grabzwecke wären und ahmten sie deshalb nach. "Tie früheren Grotten vourden als heidnisch, folglich unrein, nicht benutzt und blieben uns so erhalten. Tie ersten jüdischen Grab g r o 11 e n unterscheiden sich von den heidnischen nur durch die in den Nebenkammern der Zentralstelle befindlichen Schieb eg rüber (Kukhim). Tie Entstehung und Herstellung der letzteren ist vorläufig noch oinw ttngelöste Frage; ebenso, vaoher die Juden die Form der doppelte:: Bestattung übernommen haben; denn, n.ach den: jüdischen Schrifrtnn: wurden die Leichen etwa ein Jahr in der: Kukhim deponiert, daun die von: Fleisch u. dgl. Lefreiten Knochen gesammelt und in einer besonderen Kammer endgültig beigesetzt, erst später in Ossuaric:». Tadnrch wurde viel Rann: gespart, iveil besonders bei größeren Fanülieu die Kukhim bald gefüllt und so eine neue Grotte nötig gewesen wäre.; Mau kann berechnen, daß loegen des harten Ge ft eins etwa 50 Arbeiter ein Jahr zur Herstellung einer solchen Anlage brauchten. Grabstätten ärmerer Leute sind bisher bei Jerusalem noch nicht gefunden worden. Tcshalb ist es vielleicht rnöglich, daß gewisse Gräber mit einer atissällig großen Anzalll von Kukhim für diese bestimmt waren, oder Verbände;: gehörten, wie z. B. die sogenannten Richterrmd P r o p h e t e n g r ä b e r. Weiter fmtd Brandenburg noch in der Umgebung von Jerusalem fünf Kolumbarien, von denen man. sicher annehmen kann, daß sie weder zur Beisttznng von Aschennrrwn. noch zur Zucht von Tauben dienten. Tann sind noch verschiedene Felsaltäre, Opferstätten, Tennen und Klelteru zu ernstihnen; von den letzteren muß man annehmen, daß sie auch wohl kultischen Zwecken diente:/. Llus der großen Zahl der dicht bei Jerusalem gefundenen heidnischen Objekte zieht der Forscher den Schluß, wie. trotz der Reform des Hiskia. trotz der Propheten und Rabbiner immer noch weiter heidnische Anschauungen bestanden, und daß der jüdische Vtonotheisl:ms einen harten Kampf zu bestehen hatte, ehe er sich dtrrchsetzte. Aber, so meint der Gelehrte, ohne diesen Kampf wäre der Bconotheismus verflacht. Deshalb ist den Arbeiten Brandenburgs nicht nur ein rein fochwisienschastliches, archäologisches Interesse zuzusprechen, sondern sie dienen auch zur Veranschaulichung von w e l t k u l t u r historischen Vorgängen, von Kansalketten. deren Einfluß sich bis auf unsere Zeit erstreckt. 3„fill8 Rothholz.. '