Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 11 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- Seite 191 (sequence 5)
- Language
- German
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m öaprtzuh. Eine Erklär u n g Siegfried Wagners. In her Nummer 57 vom v. Mär?, des Berliner „8rlhr.-L'bLrrLI.rrtlrschreibt Dr. Bruno Weil iiber Be.yreuUn wir euUie^rner: Lrcscm Aussgtz, der uns eine erfreuliche Klärung Liese: 2ragc zu brbcmsxL scheint, folgende EScr.ilid;e Teile. Die S-iirinlcüsiRf». Das große Kulturzentrum Bahreu15). Dielen i)DU uns auch heute noch ein heilig gehaltener Begr iff. Wunsch höchster Erhebung im Reich der Musik, fernab von Xag:Uäxm uni) Streit. Nach Richard W a g n c x s Witten eure Statte xcinftec Juinft, edelster Menschlichteit, ein Ort, hoch erhaben über dem Getriebe des Alltags. Aber rm vergangenen Sommer, als nach zehnjährigem Schlaf die Fansarentöne znm ersten Male wieder vom Satter des Festspielhauses klangen, ertönten in Bayreuth häßliche Melodien: Dollarspendeu an Ludendorfs; Hakenkreuze, die selbst Wahnfried beschmierten; Völkisch-antisenniische Lieder scheußlichster Observanz, in den Kassen verteilt und in öffentlichen Lokalen gesungen; ein Festspiekst'chrer, der sich (im übrigen zu Unrecht!) als offiziell Gezeichnete, aber ganz im Stil völkischer Streitschrrfteu abgesaßy Richard Wagners Leben historisch verfälschte und den Meister zum völkischen Gralsrichter Zu schlagen versuchte; — im ganzen eine Atmosphäre, die allen Festspielbesuchern peinlich erscheinen mußte, soweit sie nicht als Sendboten einseitig politischer Einstellung kamen. Siegfried Wagner hat sich d u r aj a u s dagegen vor w ahrt, daß diese D i n g o i h m z u r 2 a ft zu legen seien. In einem Briefwechsel, der seit dem Ende der Festspiele herüber und hinüber geht, hat er seinen reinen Wittert, seine unpolitische Einstellung und seine Vorurteilslosigkeit immer erneut betont und in dem folgenden, an den Verfasser dieser Zeilen gerichteten Schreiben sein Programm für die kommenden Festspiele uiedergelegn „5- 3t* Planen, den 2ü. Februar 11*25. Es lügt mir sehr mn Herzen, daß die diesiährigen wie alle korruuerrdcu Festspiele in Bayreuth losgelöst von jeder Tagespolitik ftnttfin.dvn, und daß sie im Geiste der Stifter lediglich dem hehren Zweck der Kunst zu dienen bestimmt bleiben. Von meiner Seite aus ist alles geschehen, um sichcrzu stellen daß die Bayreuth er Tage frei von jedem politischen Einschlag fctk-n, und es wird jeder, welchen Glaubens und welcher Abstammung er auch sei, in Bayreuth witttvmmcu sein, der dort Erbmmng und Erhebung finden mit!. stiem and brauch; zu bewrgen. daß irgendnorlche Vorfälle unangenehmer Art sich abspwwn. Sagen Sie das all Ihren Freunden und verwenden Sie diese meine Erklärung in der Weise, die Ihnen geeignet erscheint, um die Anteilnahme all dcrstnrgeu, drum: Bayreuth cnu Herren liegt, zn erhöhen und erneut zu wecken. Gerade in den Zotten der AoL dos deutschen Vaterlandes ist es erforderlich, daß alle gut gesinnten und wahrhaften Patrioten sich, frei von jedem Parteige'.sl, in der Pflege deutscher KnUnrgüter zusammeufindeu. Mit h och ach tuna?v o l\ •: nt Gruß (gez.) Siegfried Wagner." Diese klaren Worte werden alle, für die Bayrenih noch etwas bedeutet, begrüßen. Sie alle wollen sich gern der Hofs-! rnmg hingeben, daß Siegfried Wagner, selbst rvenn sich in; seiner weiteren oder näheren Umgebung Widerstande gegen de von ihm vertretene Gesinnung breitumchen sollten, Manns genug sein wird, sein Programm auch zu verwirlticheLN Dann worden aus allen deutschen Landen, und überall dort, wo \ Richard Wagners Kunst hcnie wie vor Jahrzehnten gefeiert; wird, die Menschen in höchster Begeisterung wieder Zum Fest- ' spielhügel fahren können. Daun wird ein großes deutsches j Kulturzentrum, von völkischer Schlacke befreit, wieder den großen Idealen der Humanität, der reinen Kunst und der wahren Vaterlandsliebe dienen dürfen. Auch dies ein willkommenes Vorzeichen, daß die stürmischen Wasser sich wieder zu verlaufen beginnen und der Strom gesunden MenschenoerstandeL sein Bell uuebeifnibeL Nicht 1320, fottöem 1920. Tic Taten des Grafen Hermann S a I ur. Sn 331: D ci £ c ft ist jetzt viel von cincr.r Oberloninant Lederer die Rede, der wegen Ermordung eines Schlächtermeisters unter Anklage steht. Diese Affäre hat zu Rückblicken Anlas; g-egeben, die die frühere dienstliche Tätigkeit des Oberleutnants Lederer betreffen. Aus den interessanten Darlegungen, die Budapester Blätter hierzu veröffentlichten, entnehmen wir nachfolgend einige Zeilen, die sich auf dcn Grafen Hermann Salm, den früheren Ehes des Oberleutnants Lederer, beziehen, den: „Montag Morgen" vom 2. März: ,'Aus den Erzählungen des ehemaligen DAachementsoffiziers gew'umt mau ein erschreckendes Bild von der Tätigkeit des Grasen <-alm. Er ließ ganze Familien hinrichten. Irr Bicske, einer Kleinstadt in der Rahe von Budapest, leitete er höchst Person- Ach die ..Bestrafung" eines Weinhändlers namens Weist denen ganze Schuld darin bestand, daß er Jude war. Offiziere, die seine Greueltaten nicht mehr mitmachen wollten, ließ er degradieren. Er erfand eine neue Methode der Hinrichtung. die ebenso geistvoll wie modern war: er ließ den H i u z u r r ch t e n d e n eingrabcn, so daß nur sein Kops frei blieb, und ließ rhu dann mittels einer Spreng p atro n e in die Luft fPren - gen. Während feines ganzen Zuges durch Westnnaarn, der mehrere Wochen laug dauerte, hatte er nur einen einzrgen Brenschen begnadigt, einen jüdischen Drogistcngeyilsen-, den er zu seinem Diener ernannte und dem er" den sc amen „Mnld gab. S.'tttti hatte darin die Ausgabe, ihn mit jüdischen Witzen zu unterhatten. Eines schönen Tages stellt cs sich aber heraus, daß auch Muli seinem Schicksal nicht entgehen sollte. Der Graf hatte ihr', -nur begnadigt-, weil er die gnädige Absicht Patte, die neue Hiux i ch t u n a s tu eil)oi'C mittels der Etra st npren gung an Muti cmszuprobicreir. Bis dahin hatten aber die Offiziere des Detachem.euts den willige!- Muti dermaßen l'-ebgsioonnen, daß sie ihn des Rachts entwichen ließen, und Graf ^aüu mußte sich mir weniger amüsanten Bersnchelauinchen begnügen . . . Der junge Graf, der inzwischen eine Gräfin Bis singen geheiratet hat und sein Dasein mir Tennis und Bridgepari-i-cu auS füllt, wird aber sicher nicht zum Kadi gehen. Und cs besieht beider nach sehr wenig Hoffnung damr. daß die Staa!sanwalrschasr gegen ihn irgendein Berfahren einlcitcn wird. Er ist ja kein Revolutionär gmoesen. kein Schon, kein Politiker. Er hat ja gar kein Bor brechen begangen. Er hat nur ein paar Juden umgebracht . . d Man vergehe nicht, die Dinge spielen nicht um l5c‘0, sondern!i!U 1920. „SchrvLrsr HsuskrreösNsöruch unö HanöLnbUZung." E e \ ä n g n i s ft rase u f ü r St a 11 o u a I f o 3 i a I i ft e tt. Wegen c r s ch w orten H a Unfriedens b r u ch e Z und B a udeuböldnug. Taten, die schon längere Zeit zurückliegen, hauen sich vor dem rr red irrten Schöffengericht in Sc ü r n - Der 5 14 der Scntionnlsozialistifchen Arbeiterpartei angchörioe. zum^Teil schon vorbestrafte junge Leute zu verantworten. Gelcaenlüch einer nationalsozialistischen Parteinersammluug im „Beäengarieu" traren etwa Hü S’-aim in die Wohnung des Fnbrikdirenora ck'ch.r Gnckenheimer in der Labenwolfftraße g c w a l t s a m cingedrungen. weil sie angeblich gehört hatten, daß dort ciu großes siestesfem eine „Schlemmerei" stackfinde. Die Radaubrüder waren zu:u großen Teil mit Revolvern, Pistolen, Gumnuluüppeln, ja sogar mit Handgranaten bewaffnet und hatten durch eine starke PvstenaussroUnug die Berbiudung wüt dem Hanptlager im Beckengarten gesichert. Stur der besonnenen umsichtigen Haltung dcS Herrn Guckeuhvimer war es zu danken, daß es za keinem Blutvergießen kam. Bor der alarmierten Polizei ergriffen die tapferen Eindringlinge schle-luig-t die Flucht, konnten jedoch zum Teil festgeuonn'.uu werden. Wie die FeststeÜuuaen ergaben, war von einer ..ScylemmereG gar keine siede, sondern die Fanulie Guckenheimer hallo nur zwei Berwandte und zwei Freunde zu einem ganz einfachen Slbendefsen eingeladon. Die Eindringlinge hatten die anwesenden Gäste in der gemeinsten Weise verhöhnt und wollten sie in du Zimmer einsperreu, um dann ungestört Lebensmittel. Rleider nfw. stehlen zu Unmen. Wer seitens der Gäste Widerstand leistete, sollte sofort niedergeschossen' werden. Stur durch das unerwartete Einiressen der Polizei wurden die Nad-aubrnder an der Ausführung ihres verbrecherischen Borhabens verhindert. Der Führer der Bande, 5-arl bleich, wurde zu einer Gefängnisstrafe von seckss Sckonaten, die anderen zu je drei Atonalen Gefängnis verurteilt. Meinem der Verurteilten wurde mit Stück sicht auf die Schwere des Verbrechens Bewährungsfrist bewilligt. Neun SAilangekiflgte mußten mangels genügender Beweise freigesprochen worden. Der traurige Bor fall beweist wieder einmal, wie wett die Böllischen in ihrem Haß gec.cn die Inden gehen. Die Abgeurkeiliou können sich nun bei ihren Führern, deren willenloses Werkzeug sie sind, für ihre wohlverdiente Bestrafung bedanken. Jeder anständig denkende bhrisl wird diese gemeine Handlungsweise der fanatischen Hillcr- Leale austz schärfste verurteilen.