Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 11 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- Seite 190 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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190 i l\t Verfassung und Hc Ge sehe des Tu-idic? '.rnTircn, meine Pflichten gewissenhaft crjüllcu und 0creci;:io?eEt gegen jedernaann üben werde/ Und da der Reichspräsident überdies den Reichskanzler zu ernennen hat; da er die Reichsbearmeu und Offiziere ernennen kann und den Qtoerbefehl über die „gemmte Wehrmacht des Reiches" ausübt — und er hat noch andere sehr wichtige Machtbefugniffe —, so liegt in seiner Hand eine Fülle von Einfluß, die von ganz entscheidender Bedeutung in kritischen Zeiten für das deutsche Volk sein kann; und für die deutschen Juden in nicht geringerem Grade. Ter Artikel 42 legt dem Präsidenten die Pflicht auf, „Gerechtigkeit gegen jedermann" zu übcn, und der Arllike! W9 lautet: „Allo Deutschen sind vor dem Gesetze gleicht. Das sind die granitenen Fundamente, ans denen sich die Gleichberechtigung der Juden, die in Deutschland Staatsbürger sind, aufbaut. Daß deu deutschen Juden diese staatsbürgerliche Gerechtigkeit durch die antisemitischen Parteien entrissen werden soll, ist nnbczweiselbare Tatsache. Wenn es diesen Parteien also gelingt, den Reichspräsidenten aus ihrer Mitte hervorgchen zu lassen, so ist bamii die Gesahr in unmittelbare Nähe gerückt, daß die deutschen Juden zu Bürgern minderen Rechts herabgedrückt werden; und daß darüber hinaus politisch, sozial, wirtschaftlich in einem 'Umfange, der sich ans den Verhältnissen ergeben wird, das Hcrabdrücken der deutschen Inden zu Heloten von den siegreichen antisemitischen Parteien erstrebt werden wird. Damit ist generell die Stellung der deutschen Juden gegeben. Eine PräsidentschastskanLidatur, die vonden antisemitischen Partoieu der Rechten unterstützt wird, bedeutet eine sehr ernste Bedrohung der staatsbürgerlicher! Stellung der deutschen Inden und eine Bedrohung ihrer Gesamtlage in Deutschland. Also eine Kandrdatur. die von den reinen Antisemiten nnd den. programmatisch ans den Antisemitismus sestgelegten Deutschnationalen Volksparter ausgestellt ist, must die entschiedenste Gegnerschaft jedes selbstbewußten Juden finden. Und da der Antisemitismus auch in die Deutsche V o l k s p a r t e i stark eingesressen ist, fo ist auch jeder Kandidat dieser Partei für den Präsidentenposten auf seine Stellung zum Antisemitismus hin sehr aufmerksam zu prüfen. Gebietet solche Richtlinie die Selbstachtung, so liegt sie doch gleichzeitig auch im wohlverstandenen Interesse unseres deutschen Vaterlandes, das ein moderner Staat sein wird ohne Retigionsversolgung. oder ein Staat mittelalterlicher Konstruktion, der in unserer Zeit durch Isolierung seine gefährdete Lage noch gesährlick>cr damit gestaltet. Wem ein deutscher Jude seine Stimme aus deutschem Patriotismus und aus jüdischem Selbstgefühl nicht geben kann, ist ganz klar und völlig offensichtlich; wem er sie geben soll, hängt von der politisch-individuellen Einstellung jedes einzelnen ab, aber auch von der weiteren Entwicklung der Wahlbewegung für die Ernennung des Präsidenten. Diese Erwägungen können demnächst erst zur .Klarheit gebracht werden. Nur eins darf man jetzt schon sagen. Wir Juden habe daS größte Interesse, im Wahlkamps jene Parteien zu fördert die antisemitische Tendenzen nicht verfolgen; das muß jedc Jude und jede Jüdin innerhalb seiner eigenen Partei tu; und wir Juden haben ferner das größte Interesse, das; ein Koalition der nicht antisemitischen Parteien zustande konnu stark genug, um in jedem Falle einen Sieg antisemitische Parteien bei dieser Wahl zu verhindern. Eine kluge B. kämpsung der antisemitischen reaktionären Parteien bedeut gleichzeitig den Schutz Deutschlands vor neuem Ilmstur Patriotismus und Selbstachtung weisen uns Inden die min liehe Bahn. Es gilt, in den nächsten Wochen jene Fundamente desdeutschen Staatslebens zu schützen und zu erhalten, auf denen unter der Präsidentschaft des Heimgegangenen trefflichen, klugen Präsidenten Ebert die langsame Festigung unseres .Vaterlandes sich vollzogen hat. Der Wahlkampf örginr-.r. Flugblätter über Flugblätter. Ehe noch der jähe Beginn des WahlfeldzugeZ und die Besitzung des R e i ch s p r ä s i d e n t e n p o st e n 8 vorcmszn sehen waren, haben die Deutsch nationale Dolkspartei und ihre auch in dieser Richtung gleichgesinnten völkischen Freunde umsang, reiches und vielseitiges Propagandamatcrial vorbereitet. Tie Tcutschnaiionale Volkspartci hat bisher neben der Herstellung einiger Landtagsreden in Flngschriftensormat, wie beispielsweise der Rede des Herrn Schlange (Schöningen) vom 19. Februar d. I.. unter dem Schlagwort „P r e u ß e n g c i st gegen V a t m g t. ge i st", sieben verschiedene Flugblätter herausgcgeben. Diese Flug, blätter, die zurzeit nur in einzelnen Gegenden Deutsch, l a n d Z verbreitet werden, und auch da nicht in allen ihren Mustern, da anscheinend der Zeitpunkt zum Generalangriff noch ' nicht vorliegt, befassen sich in der Hauptsache mit den angcd. i lichen Korruptionserschemungen, die die Barinat-Kutisker.! S k a n d a l e an den Tag gebracht haben, und enthalten in erster j Reihe wütende Angriffe gegen die Sozialdemokratie, die mit Ausfällen gegen ausländische und deutsche Juden verlnüpst werden. Diese Flugblätter tragen die lleberschriften: . „Rieder uüt den Wucherern und DolksausbeuternN „Zum Magdoj burger Urteilst „Der sozialdemokratische Sumpf stinkt zum Himmel"/ „Einst und jetzt", „Arbeiter, dic Augen auf!", „Reale Hilfe für die; wirtschaftlich Schwachen" und „Ausgaben und Ziele der deutsch, nationalen Beamtenschaft". Wir bringen von dem ersigena'.unrn Flugblatt den Schluß: i |! •: „An den SfttcvnsMl>farjT!"| So drohte Fritz Sbert, des Reichs.?räsideu!cn. hsssnuugsvOllcr Sprötzliug und des Juden Barum t Privotfetretär, ia: Anhängern der Rechtsparteien! Aber es fiel ihn: nicht rin, für die Wucherer und Schaber, die den deut. scheu Arbeiter und Burger aussaucften Ano ausraubten, denselben frommen Wunsch Zu hegen! Im Gegenteil: Die Großen der Sozialdemokratie faßen an den Tischen dieser Dottsaus-- bcuter. sie schlemmten in Cchmanenu>erder und den Schlcmmersiätien des Äurft-rstendamms. der schon längst die Jerusalemer Hccrsiratze beißt, verschafften ihren jüdischen Freunden Staatogelder und Einreise, passe, schaben mit ihnen mit und nahmen lei! an dem Raube! Und die soziaideiuorratischc Parteikasse füllte sich von den Provisionen, die diese Edclstcn der Revolution gnädig von ihren Geschäften abfallcn ließen! “ Alvberier! Daft-r müßt ihr schuften und schroitze::! Slcncr;o.hlcrl Dafür hokt euch die neudeutsche Finanzlunst die Raubsteuern aus Wirtschaft und Werkstatt! Brarrrtc! Dafür mutzten eure Schauer herabgesetzt werden! Sparer «nd Nenincr, , Witwen und WarsenI Dafür müßt ihr hungern und darben und auf die öffentliche MildLntigkeiL angeraiesen sein, damit die. Dftjnderr und ihre sozialiftnÄen SeNerL. I Helfer Darmmt. £Md>aeI, tstutiskrr, : Holzinann usw., Eradncnrrr, Bauer, HeUlllann, Höfte, Lbcrt ft. usro. herrlich nnd in Freuden leben konnten! Ja, das Reue Deutschland Ist UN irr Lieft? storruyiionswirtschLft das Neu» i EeloLLe Land gewordett, in dem für die! Auserroahlten! Milch und Honig floh:! llu Len Feinden da draußen kamen i diese Volksfeinde rrn Znnevn! > SBardm ruft Mw 60310!= i ijeioiitfi! fiit U nntfj hm ßfitenisnpinlj!??? ■ tSiil man im Hause Des Ge« henkten nicht vorn St-rick redet. Deutschland steht unter Lern Druck; von Schwindlern und Duchrrern, von 's Bolk-ausbemern und VoUsverraternI i Do sind die Stricke, mit denen guda j und Sozialdemolratie ans Lern Heilig, j timt, bos uns die Reinheit und Frei- : heit unseres Vaterlandes ist, hinaus. igciagt werdend Aisder urrt dcrr Wucherern und Volkoausbcrftcr«; In die gleiche Kerbe, wenn auch mit etwas schartigerem Messer, schlägt die Flugblattserie der Deutschen Erncuerungsgemeiudc des „Htimmcr"-Fritsch in Leipzig. Es überrascht nicht, daß — nach ihrer Ansicht — „Die Wersen von Zion" die Barmat- L.iüisker-Slandale vor ans ge sagt hoben. So trägt das eine Flugblatt die Ueberfchrift ..VormatSlandale und zionistische Prototollest andere „Ist es Zufall stst „Der Siegeszug der Lüge". „Volksbetrug en gros", „Wer wird Reichstags^räsident" und „Im Bann d-es Weltpolypen". Die Serie der „Hammers-Schriften beginnt eine Broschüre ^Dcr Barrnat^üüifler-Skandal irnd die jüdische Finanz- Herrschaft". Man steht, die völkischen Herrschaften sind früh anfgestand e 11. Die an 11 m fang bcdr 0 hli ch erscheinende Rüstung braucht niemanden zu schrecken, der ihre innere Hohlheit durchschaut; aber arrch wir müssen bereit sein, und wir sind bereit, rechstzeitig und mit allen Mitteln gegen diese Hetze zu kämpfen.