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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-27 · 9 (27.2.1925) · p. Seite 162

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
9 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
Seite 162 (sequence 11)
Language
German
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162 In memonam Julius ^rrfchbsrg. Don Tr. Kurt Slewdorsf (Berlin). Am 17. Februar ist der ordentl. Honorarprofessor in der inedizi- Nischen Fakultät der Berliner Universität Geh. Med.-Aat Prof. Dr. Julius Hirschberg im 82. Jahre seines an Arbeit und Erfolgen reichen Lebens dahingegangcn. Mit ihm ist der l e tz t e A s s i st ent Albrecht v. G r a e f e s, des genialen Schöpfers der modernen Augenheilkunde, von uns geschieden. Julius Hirschberg wurde am 18. September 1843 in Potsdam als Lohn eines „kleinen Kaufmanns" geboren, der aber, wie in dankbarer Erinnerung der Sohn in seiner kleinen Autobiographie erzählt, „ein großer Geist" war. Nachdem Hirschberg das Gymna* futm seiner Vaterstadt besucht hatte, studierte er in Berlin von 1862 bis 1866 Medizin, war von 1863 bis 1866 Famulus bei Virchow und promovierte 1866. Während der Kriegszrnt war er in städtischen Cholerahospitülern tätig und wurde 186, approbiert. Während seiner der Cholerabekämpfung gewidmeten Tätigkeit lernte ihn Albrecht v. Graefe kennen. Mit sicherem Blick erkannte er die strenge Pflichttreue und die große Intelligenz des strebsamen jungen Arztes und übertrug ihm eine Assistcntcnstelle an feiner Klinik, die damals aus dein Gipfel ihres in der ganzen Welt neidlos anerkannten Ruhmes stand. 1869 ließ sich Hirschberg als Augenarzt in Berlin nieder, und die von ihm begründete Angenheilanstalt wurde nach Albrecht v. GraefeZ allzu frühein Tode das, was einft die Grnefesche Klinik gewesen war: eine von Kranken und Aerzten ans allen fünf Weltteilen ausgesuchte Stätte ärztlichen Helsens und wissen s ch östlichen Forsche n s. Schon ein Jahr nach seiner Niederlassung habilitierte sich Hirschberg an der Berliner Universität für das Fach der Augenheilkunde, wurde 1878 außerordcnil. Professor, 1895 Geheimer Medizinalrat und 1900 ordent'l. Honorarprofessor, — ein Titel, der ihn wohl damit aussöhneu sollte, daß ihm, denn Juden, das durch Karl S ch weiggcrs Rücktritt freigewordcne Drdmariat nicht übertragen wurde. Tie Universität A t h c n Ernannte Hirschberg 1912 zu ihrem Ehrendoktor, zahllose wissenschaftliche Gesellschaften Deutschlands und des Auslandes ehrten sich selbst dadurch, daß sie ihm die Ehrenmitgliedschaft übertrugen. Die Preußische Akademie der Wissenschaften verlieh ihm 1915 die^ silberne L e i b n iz - M e d a i l l e. Diese Fülle äußerer Ehrungen ist der Ausdruck bewundernder dankbarer Anerkennung dessen, was Hirschberg in theoretischer und w i s s e n sch a f t l i ch e r Hinsicht aus dem Gebiete seines Sonderfaches geleistet hat. Mathematisch glänzend begabt und vorgebildet, mit einer bewundernswerten Beobachtungsgabe und einem dis zuletzt nie versagenden Gedächtnis ausgestattet, von unbestechlichem Pflichtgefühl und vorbildlichem Fleiß, — so wurde Julius Hirschberg der große Augenarzt, den seine^ Kranken verehrten. dem wir. die wir uns voll Stolz seine Schicker nennen durften, bewundernd ausblickten. Die Zahl seiner Veröffentlichungen zahlt nach Hunderten; alle Gebiete der Augenheilkunde haben von ihm wesentliche Förderung erfahren. Mit der Einführung der Magmn- Operation zur Entfernung von Eisensplittern aus denp Augenimieru hat er sich ein für alle Zeiten bleibendes Denkmal gesetzt. Auf allen nationalen und internationalen Kopgresseu nmr Hirschberg eine der markantesten Erscheinungen. Seine ungewöhnliche Rednergabe, sein, durch Fleiß und Begabung zur Vollendung gebrachtes Sprachtalent erleichterten es ihm. auf zahlreichen Reisen „vieler Menschen Städte zu sehen und Sitten zu lernen". Erlebnisse und Eindrücke von diesen Reisen hat er in mehreren Büchern veröffentlicht. Hirschberg war der letzte Polhhistor. Seine Vielseitigkeit, die gigantische Universalität seines Wissens finden klassischen Ausdruck m seinen philologischen und geschichtlichen Werken. Dem großen Augenarzt verdauten wir ein „Hckfswörterbuch zum Aristophanes^, das selbst die zünftigen Philologen als mustergüUig bewundern, sowie ein ..Wörterbuch der Augenheilkunde". Der Mann, in Lessen Sprechzimmer sich tagaus, tagein die Fülle der Kranken drängt, findet in der sinkenden Nacht Erholung und Beglückung, die Werke der Augenärzte aller Zeiten und Länder in der Ursprache zu studieren. Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens gehörten der Vollendung seiner achtbändigen „Geschichte de r A n g e n h e i l k n n d e", eines Werkes, das kein Augenarzt hätte schreiben können außer Julius Hirschberg. Rührend ist die schwärmerische Verehrung, mit der er an seinem geliebten und bewunderten Lehrer Albrecht v. Graefe hing. Noch wenige Tage vor seinem Ende erschienen die von ihm herausgegebenen Vorlesungen, die Graefe 1859/60 über „Angcnkrankheiten und ihre Behandlung" gehalten hat. Unvergeßlich bleibt die klassische Gedächtnisrede, die der fast Achtzigjährige aus Anlaß von Graefes 50. Todestage hielt. Aus persönlicher Beobachtung und gemeinsamem Erleben huldigt er. selbst nun einer der größten Meister unseres Faches, den Alanen des Unvergeßlichen voll ehrfürchtiger Bewunderung und jugendlicher, dankbarer Begeisterung. Und zu den Füßen Hirschbergs, des deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens, sitzt lauschend des großen, freigcsinnten Vaters Sohn, der Führer einer mit Blindheit geschlagenen, verhetzten Menge. Kurzes Leiden endete das reich gesegnete Leben Julius Hirfchbcrgs. des Altmeisters der deutschen Augenärzte. Köstlich paar es, weil c? Mühe und Arbeit war. Fast die doppelte Zahl der Jahre, die Graew zngemeffen waren, hat er erreicht, fast die gleiche wie Goethe, der stin Abgott war. In seinen Werken bleibt Julius Hirschberg unsterblich! Wahlberechtigte in < t* CI *5$ Zahl der Mandate LiieVerf-eiiung der * Mandate auf die einzelnen Parteien: £* Liberc!...'69 K- KonrervaHvs...‘11 1 - JüdischeVclksp. 31 P.« Pools Zion.2 M* Mil+elpaftei.... 6 den LGndesverbandswGhien. Die andern Wahlkreise 9100 110700 i I 56ÖÖ §

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