Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 161 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Die völkische Umgruppierung. Allerlei Neuigkeiten. Die Ereignisse im völkischen Lager drängen sich. Mau kann auch behaupten, sie w e r d e n von de r n 0 rd de utschcn! Gruppe der D e u t s ch v ö l k i s ch e n ft 1* c i i t § bt tu c *! aunö gedrängt um den Entschließungen mib Ta teil Hitlers in Bayern zuvorzukommen. ^'acfj ihrer Kundgebung, die nur in der lchten Nummer unseres Blattes würdigten, hat die Völkische Freihcitsbcwegnng einen R e r ch s v e r t r e t e r t a g in Berlin am 21. Februar abgehalten. Reinhold W alle führte den Bor sitz. „Wü slcmnnender Begeisterung", so heißt es in dein Bericht des „Tencstheu Tageblattes" (Nr. 45 vom 22. d. M.), „nahmen die versammelten Vertreter der überwiegenden Btehrheit der deutschen Gaue die Erklärungen Wulles entgegen." Wnlle machte folgende interessante Feststellungen: JBi§ znr letzten Stunde haben wir versucht, Herrn Hitler von dem gefährlichen Schritt zurückzuziehen. Wir stehen fest aus denr Boden der Weimarer Beschlüsse vom Sommer 1021. Wir haben uns nicht getrennt von Herrn Adolf Hitler, g e t r e n n t h a t s i ch Herr Hitler von uns! Seit Monaten wird eine Flut von V c r l e u m b u u c\ c n u n b 3 cf] m ix f) 11 n c\ c n über uns im Norden hingeströmt. Namentlich der „Nationalsozialist" hat den Grafen Reventlow in einer mehr als gehässigen Weise angegriffen, weit er eine nur zu berechtigte Kritik im „Reichswart" geübt hat. Wir sind uns klar darüber, das; Neventlows Worte ins Schwarze getroffen haben. ,Ter u l t r a in 0 n t a n c A u f m a r s ch gegen die völkische Bewegung ist vollendet. München ist lediglich eine Filiale. Dort erscheint bereits eine neue Zeitung, der „G r 0 ß d e n t s ch e N e i ch s h e r 0 l b". Dies Blatt erstrebt die Wiederherstei.-.'ng des Heiligen Nömischen B eich es deutscher Nation. Auf der ganzen Linie sehen nur einen einzigen Bormarsch gegen den Bismarckgedanken. Die schwache Stelle der völkischen Bewegung war leicht zu entdecken: die lange Haftzeit Hitlers. An ihn drängten sich Elemente heran, die ihm eiucküsterten, er müsse seinen Frieden mit Nom machen. Diese unheilvollen Geister; werden den Zusammenbruch ihrer gesamten -Organisation s erleben/"! Wer die N e i ch s l e i t n n g der Partei in Händen^ haben s soll, ist auch ans dem Beriretertage endgültig noch nicht sestgelegt worden. Siebzehn bekannte Völkische sollen sich in der Leitung teilen. Genannt werden Gracfe, Reventlow, Wnlle, Henning, Fritsch und andere. Bisher sind nur 14 Führer durch die völkische Presse bekanutgegeben worden. Bemerkenswert ist die Nachricht, daß vom 1. April ab Hitlers Leiborgan, der „Völkische Beobachte r", der bald nach den Novcmberereignissen einging, wieder erscheinen soll. Ter Verlag Franz Eher Nslg. in München teilt dies mit. Adolf Hitler wird selbst als Herausgeber zeichnen. Eine Sondernunuuer, die am 25. Februar erscheint, wird Hitlers Ausruf. Nichtlinien und Ankündigungen der ersten Massenversammlungen, in denen der „große Trommler" sprechen wird, enthalten. Der „V ö l k i s ch e Kurie r" bemerkt ausdrücklich, daß entgegen anderen Mitteilungen er weiter erscheint. Dabei ist allerdings nicht ganz klar, welche Richtung er von jetzt ab vertreten wird. Mit der Großdentschen Volksgemeinschaft der Streicher und Dinter liegt er in grimmigster Fehde. Die Kundgebung der Völkischen Freiheitsbewegung Nvrddentschlands nennt er einen Fehler, und seine Stellung zu Hitler ist nicht ganz durchsichtig. Eine Generalabrechnung macht Graf Reventlow in der letzten Nunnner des „Rcichswart" (Nr. 8 vom 21. Februar) auf. Wichtig ist, was der genaue Kenner der völkischen Bewegung über die Völkischen Deutschlands sagt: „Wer Das Vereins- und Vcrbandslcbcn irr Deutschland tcrrrrt, rrnd — es mutz leider ausgesprochen werden — besonders das völkische, weis;, wie eifrig sich da ixividia t't stilltitsa betätigen, wie sich nicht gerade die erhob rNsten Leidenschaften erhitzen, wie der nnglaublichste Unsinn geglaubt, und wie die insamsic Verdächtigung ausgesprengt und angcuounneu wird. (Von uns fett gesetzt. Tie Schrift!.) Wird es hiermit nicht anders, und zwar von Grund aus, dann ist nicht daran zu denken, daß die völkische Bewegung jemals auch nur eine einigermaßen einheitlich zu leitende politische Macht wird." Und ebenso interessant ist. was er über die Großdeutschen vom Schlage Diniers, Essers und Streichers ansführt. „Die Völkische Freiheitsbewegung Großdeutschlands wird in ihrem vsfentlichen Kamps grundsätzUch ganz imb in der Praxis nach Kräften vermeiden, sich ans Auseinandersetzungen mit der anderen Seite, die sich aus Herrn Hitler zu beruhen pflegt, einzulassen, weil cs zwecklos und zeitraubend ist. Jene Richtung, man könnte sie als die S ch i m p f b e w e g u n g bezeichnen, fuhrt überall, auch in Norddcutschland. ihren nnloyalen Kampf mit allen Mittel des fanatischen Dranges zur Unwahrheit." Leider g.cht Reventlow nicht einen Schritt weiter und fragt, warum es wohl kommt, daß eine so große Anzahl völkischer Führer ltnb Gefolgsleute sich gegenseitig begeifern, sich^ alle Schlechtigkeiten zuschieben, über einander Verleumdungen. ausstreuen und ähnliche erbauliche Tinge mehr. Eine Antwort wird ihm selbst wohl nicht schwer sallem Zwei Sotschaftsn an öle ösutschr Iugsnö! Sven Heb in und Eck euer. Alte deutschen Zeitungen bringen in diesen Tagen warme Gedenkworte zum 00. Geburtstag des großen schwedischen Forschers S v e n •■de bin. In. den schweren Jahren des deutschen Kamvses gegen fast die gesamte Welt hat er treu zu Teutschland, der Stätte, an der er wertvolle Teile seines geistigen Rüstzeugs empfangen, gehalten, und auch in den Monaten des Niederganges nie an Teutschland verzweifelt. Jetzt^richtete er an die Berliner akademische Jugend ein Schreiben, in dem die folgenden Sätze stehen: „Eine fürchterliche Aufgabe, eine unermeßliche Verantwortung ruht ans den Tchnltern der deutschen Jugend. Diele Jugend hält gerade jetzt die Znknnst Deutschlands in ihren Händem. Ihre Ausgabe ist auch die schönste, die es aus der Erde gibt. Sie steht vor einen; Kampf, der ebenso hart und erbittert ist wie bet. Krieg. Diese Jugend ist aber in Feuer, Eisen und Not erzogen. Sie wird sich der Ausgabe gewachsen zeigen. Ich rechne blind. auf ihre Hingabe, ihre Kräfte und ihre eiserne Energie. Sie wird gerade zum Ziel vorwärts gehen, ohne links oder rechts zu schauen. Sie wird Zusammenhalten, fest wie ans einem Guß, und nicht — wie die Führer heutzutage — sich von Partei Hader und Konsessionskämpfen irresährcn lassen. Sie wird nie vergessen, daß die Größe des neuen Reiches und das Glück des Volkes doch immer die Hauptsache ist — altes andere 'Nebensache. Ans diests Ziel müssen alle mit vereinten Kräften hinarbeiten." Hedin spricht, wenn er die deutsche akademische Jugend vor Partei h a der und K 0 n s c s s i 0 n s kämpfe u warnt, zum großen Teil aus eigener Erfahrung. Er selbst mußte, als er sich in die politischen Kämpfe seines Heimatlandes hineiubcgab, die schwersten Anfeindungen erdulden. ^ogar der Vorwurf, daß er Jude sei, fehlte nicht inr Lexikon seiner Gegner. Es ist sehr wertvoll, in dem prachtvoll ausgestatteten und lesenswerten Gedenkbuch, das <l^l m a Hedi 11 ihrem großen Bruder zum 60. Geburtstag widmet (F. H. Brockhaus Verlag), zu sinden. wie Hedin unbekümmert den von ihm als recht erkannten Weg weiter ging. Alma Hedin weist aus die Tatsache hin, daß Hedin zu ls/is rein germanisches Blut in seinen Adern habe, daß aber von seiten der Urgroßmutter mütterlicherseits */je jüdischen Blutes in seinen 2iDoru fließt — nicht, mit darzutun, daß Hedin sich dieser Tatsache schäme, sondern, daß er den G e d a n t e n g a n g, jüdisches Blut als mi überwertig zn bezeichnen, als abwegig betrachtet. — Ein Gedanke, würdig des großen Menschen und Forschers. * 1 Tr. Eck euer, der Führer von ,.Z. R. III", hat in einer Ansprache an die Münchener Studentenschaft, die ihn begeistert feierte, davor gewarnt, daß die jungen Akademiker nicht der von ultraradikalen völkischen Kreisen gepflegten Propaganda verfallen sollten. E s m ü b t c q n ch dcnv c r }i 0 cf testend ö i k i s ch e n G e i ft e r n schließlich ein Licht a u fgehcir. wenn sie finden, daß jeder, der ein treuer Freund des deutschen Volkes ist n n d s i ch in der Welt ein wenig n m g e s e h e n hat, für die G e d a n k e n g ä n g e der Hitler, Ludend 0 r f f und W u l l e kein Verständnis mehr a u f - bringen kann. Man müsst doch schließlich einmal über das Brett hinausschaucu können, das man vor dem eigenen Schädel trägt. Hernarö Shaw übrr die öuösrr. „Tic Heilige Johanna", Vernarb Shaws „dramatische Ehronik", die gegemvärtig ans zahlreichen Buhnen diesseits und jenseits des Ozeans sensationelle Erfolge erlebt, enthält eine bisher wenig beachtete stelle über Inden und Ehristen. In der vierten Szene — Seite'131 der deutschen Ausgabe — verhandelt ein Edelmann mit einem Kaplan über den Plan. Johanna in ihre Gewalt zu bekommen. Edelmann: Ich null ein königliches Löscgeld für sie bieten oder sie kaufen. Kaplan: Ein königliches Lösegeld für diese Schlampe? Edelmann: Geld darf leine Rolle spielen. Tie Soldaten Karls werden sie den Burgundern rerlanstn. Tie Burgunder werden sie uns .verkaufen, und wahrscheinlich wird es drei oder vier Mittelsmänner geben, die dabei ans ihre kleine Provision rechnen. Kaplan: Ungeheuerlich. Daran sind nur diese Schurken von Juden schuld, sobald irgendwo Geld von Hand zn Hand geht, drängen die Juden sich dazwischen. Ich wurde keinen Inden in brr Ehristenheit am Leben lassen, wenn man noch wachen ließe. Edelmann: Warum nicht? Tie Inden geben gewöhnlich, was eine Sache wert ist. Sie lassen sich bezahlen, aber sic liefern die Ware. Ich habe die Erstönmg gemacht, daß Menschen, die etwas umsonst wollen, immer Ehristen sind. So Deruard S h a w. Wer weiß, ob er nicht darum bald von den Hakenkreuzlern Zimt Juden ernannt wird? I. L.. Berlin,