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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-27 · 9 (27.2.1925) · p. Seite 163

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
9 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
Seite 163 (sequence 13)
Language
German
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ICO Keife In polen. «[frei) Döblin, der bekannte SchriftstrLer, besuchte jünsü Polen. mu/h in da» jüdische Polen ecftiecfte er feine ©nttetoftsi&W Der ^jse!riL>r Deiicht darliber wixb jetzt in Fischers „Neuer Nnnd.chau. der delferllichkeit Lr'ch-ukt. Durch fveur.dlichrs EMgeOenk-EU des Autors rlnü des Berlages können wir heute schon aus -dew. L.arzhe^ der „Neuen Rundschau" ein Stück der Berichts verdifentl'.chen. Es de. Handelt die Enisiehuns des Chassidtm. . Der „Gaon" tft der berühmte SBilitacc Elia, der die neue Lehre mrt ferner Lew^U^en Daicht zu eifticken versuchte. Drr ttouiltiUm. -Eine jüdisthe „Irrlehre" kam in der Ukraine auf. Ern cmit\mr Mann trug sie vor, ein schwacher Kenner von Talmud und Tl^ora. Der sing an. aus dem slachn rnfssichen Lande m den Dörfern und Städtchen den armen jüdischen Masien Allerlei §u Wählen. Der schwache Talmudist war Nabbh Israel Baal-schenttod. Er bewegte sich nicht in den Beß-medresch, den Lernstuben, siindern draußen im Freien, lernte, so erzählte man, die Stimmen der Bügel und Neben der Bäume. „9(dji/ sagte er, „die Welt ist voLer Strahlen und wunderbarer Geheimnisse. Und die kleine ßani) liegvor den Augen und verhindert, daß die großen Lichter erblickt werden." Tann: „Was ist die Thora anderes als Leiterin zum Dienst Gottes und Vermittlerin Zur Bereinigung mit Gott. Die Rabbiner aber verfolgen nicht dieses Ziel, sondern prahlen mit ihrer Gelehrsamkeit. Jeder kann groß und rechtschaffen sein ohne Kenntnis des Talmuds." Die ungebildeten Leute liefen ihm zu. tzr muß eine große, urwüchsige Person gewesen sein. Sie machten ihn zu einem Zaddik, einem Mchr-als^'censchen. einem geheimnisvollen Wesen, das andere errettet, Wunder verrichtet. Sogar Rabbiner folgten ihrn. Freude und Heiterkeit lehrte er, Inbrunst des Gebetes, Trübsal schien ihrn tadelnswert. Der reine Gedanke, das reine Gefühl war altes; auch das Beten im Wach und.zwischen den Getreideühren gut. Fromme Ehnssidim, nannten sich die Leute. Der Gaon war eine Zeit ins Exil gegangen, um sich von seinen Sünden £u reinigen, wunderte durch Polen, Deutschland, bet-ete, rang, seine Pflicht gegen Gott Zu erfüllen. Ir: Wilno saß er, kasteite sich, studierte Talmud, Kabbala. Nicht einmal seine Angehörigen wollte er sehen. Er war ein Fanatiker des Wissens, ein strenger Kritiker. Den Maimonides tadelte cr, weil er der fluchwürdigen Philosophie folgte, den großen Rabbi Jsierles verwarf er. Und da stand in der Ukraine ein Phantast auf, dieser ahnungsiofc Mann, verwirrte das jüdische Volk, unter seinen Augen, während er lebte. Päpstliche Souveränirät war in denn Gaon. Als cs zu wild wurde^ belegte er die Ehassidirn und ihre Führer mit dem Bann. Eine Berührung mit ihnen lehnte cr ab, reiste aus Wilno fort, als man ihn drängte, den Neuerer Zn huren. Mit Zweiundfünfzig Jahren bannte cr Zum erstenmal die Ehassioim, nach neun Jahren Z;un zweitenmal: „Man bedrücke sie und lasse sie vergehen wie Spreu vor dem Wind. Mar: stoße sie aus dem Lager, da sie sich finden, wie Aussätzige und Flußbehastete. Daß niemand seine Schritte Zu ihrer Rotte lenke, sich mit ihnen vereinige und in ihrer Gemeinde siehe, noch von ihrer Schlachtung esse, noch Ehen mit ihnen schließe." Mit siebenundsiebzig Jahren fluch:e cr ihnen Zum letztenmal. Inzwischen chatte sich die neue Lehre, die kaum. ner^ kaum eine Lehre war, ausgcbreitet. Daa'bschem lebte in dem kleinen wolyynischeu Städtchen Mredziborz. „Gottes Lehre ifr vollkommen; sie erquickt die Seele", so starb cr hin. Bücherverbrennungen — von chassidischen Schriften —, Verfolgungen nahmen zu. Ter große Gaon in Wilno konnte die Bewegung nicht anshalten, die sogar in seiner Residenz sich einnistete. Mißuagdim, Protestierende. mußten sich die Altgläubigen nennen. Die Kampfe haben -aufgehört. Schon der „Apkerch ein früher Ehassidimführer, erklärte: „T-er Schulchan-Aruch ist unsere KonigSstraße. Als sich durch die lange Tauer des Exils ans dieser Straße Sümpfe bildeten und sie unpassierbar wurde, kam der Baal-schem und fand einen Umweg über ÄZergc und Wälder, frei aber trocken war und Zinn Ziel führte. Nun haben gewaltige Felsblöcke diesen schmalen.Pfad versperrt, so daß er nicht mehr gangbar ist. Neulinge beginnen nun Seitenpfade zu suchen, über neue halsbrecherische Abgründe zu gehen. Und da 'steht der Geist Baal-schems. der mit aufgehobenen Händen gebietet. Vernunft anzunehmen, das Volk über keine allzu schiefen Wege, vielmehr auf die Künigsstratze Zurückzuführen." Ter Gaon war nicht unterlegen. Seine Stadt Wilno, das litauische Jerusalem, ist das Zentrum der Nationalen geblieben. Der Historiker Meyer charakterisiert die Semiten: „Die Innigkeit des Gemütlebens und die Wärme der Empfindung, welche den Jndogermanen auszeichnet. ist den Semiten fremd. Damit hängt aus das engste zusammen, daß den Semiten die schöpferische Gestaltungskraft der Phantasie fehlt." Bielleicht hat er auch die Juden unter die Semiten gerechnet. Tie Juden von heute, in Nußland, Polen, Westeuropa: es läßt sich schwer sagen, wievielprozentig Semiten sie sind. Auch weiß ich nicht, hat der Neger vor dem Weißen die schwarze Haut voraus, oder der Weiße vor dem Neger die helle? Sicher aber würde Meyer vor dein Baalsck)e:u und seinen GhaMdim ganz still sein. Gertrud Goldberg: ,,Der Ehidhersiein", Phito-Verlag, Berlin 1924. Endlich einmal ewvas wirklich Gutes für unsere Dilet-antenbühnon. In acht sehr geschickt aestellten Bühnenbildern gibt die Verfasserin einen llma-iß der G e s ch i ch t e d e r Juden Deutschlands. In klaren, markigen Strrcheu ward gezeigt, wie die Juden, in Deutschland — seit den Tagen Karls des Großen — stets am Aufbau und in fcsrr Verdeckung deutscher Kultur mckgeLw-becket.^ An dieser Liebe zur deutschen Scholle können Kreuzzüge nuo Iudenvcrb remmngen nichts ändern. Mögen auch Habsucht. Verblendung, blindwütiger Haß und Machthunger immer wieder versuchen, cin-ru Keil Zioischeu Ghristen uud^ Juden zu treiben. Die Juden wiyen, daß die Masse ihrer christlichen Mitbürger frei von Haß ist. Unbeirrt arbeiten die Inden im Laufe der Jahrhunderte mit am Ausbau und Ausbau Deutschlands, lieber Deutschlands Not und Deutschlands Leid vergeben sie gar zu oft ihre eigenen Sorge::. Klar Zeigt die Verfasserin, wie die Juden im Lause von 2000 Jahren in deutscher Kultur und in deutschem Land verwurzeln. ohne dem Mterglanbeu untreu Zu werden, wie sie Deutsche wurden, ohne miß Zuhören Juden zu sein. Vesser als alle A u f k t ä r lni gsschriften vermögen diese Bilder unseren Glauoensgenopeu Ncaterial für den Abwehrkampf an die Hand Zu geben. Sie sind belehrend und erhebend Zugleich. T|) <\! ii jhh, ich- Ich. ** li ii TT T? * irU." r> T5 «T\T D ® TT i 1 ii J^iL [ j Eröffnung 15. März Wir sencsen jeaen^utter gratis und frei d:e Schriften 1. ,,Wie ernähre ich meinen Säugling“ und 2. „Ramogen als Krankenkost“'. Deutsche IVnich werke A.-G«, Zvrir.genberg (H.)- [ni£■ c Änze igen-Annahme» P.udolf Kosse, Anzei&'on-Aaaaliiae fii. säm LcNü'. w. Lcrulalerucr Ltrohc 4C-49 f Brcriau i Gteunntf ' Tit-TDc» | Di':üc!0orf , Erfurt f fMr. cAKh i Leii'iiQ l WlüQbclnitQ i KJicuv.&irA f SD>iinc!;rrt » Slfiruhsra / Llu:n:aN / tlntficrDaut Zrackmrr a iSL i Hcr! iSanto / Harn^rrg i Harmo^er l SJacidjau l 3^'ei ( / r

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