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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-27 · 9 (27.2.1925) · p. Seite 160

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
9 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
Seite 160 (sequence 7)
Language
German
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IGO einer heiteren Episode aus dem Wahlkampf Erwähnung, daß gerade von zionistischer Seite in einer Versammlung die SabbaLarbeiL in Palästina als notwendig erklärt wurde. Die „Jüdische Rundschau" bekennt denn auch durchaus offen nach den Wahlen: „Der religiöse Liberalismus steht in keinem Gegensatz zum Zionismus oder zur jüdischen Volksidee. Ein großer Teil prominenter Zionisten war in religiöser Beziehung immer liberal." Nach wie vor bleibt der tiefe Gegensatz, das wir das Judentum als eine religiöse Gemeinschaft, der Zionismus es als nationale Volksgemeinschaft betrachtet, daß wir eine Lösung der Judenfrage für Deutschland in Deutschland anstreben, während der Zionismus ein alljüdisches Zentrum in Palästina anstrebt, von dem er hofft, daß es durch seine moralische Kraft dem Antisemitismus in allen Lagern am ehesten werde das Wasser abgraben können. Während wir west- und mitteleuropäischen Juden uns mit unseren Vaterländern, und die deutschen Juden mit Deutschland insbesondere, unlösbar verbunden fühlen, geht die zionistische Gedankenarbeit — ob der einzelne aus vaterländischem Empfinden sich auch noch so sehr dagegen wehrt — notgedrungen auf eine seelische und geistige Loslösung der Juden aus den europäischen Volksverbänden. Und für diese Loslvsung vermag der Zionismus nichts anderes zu bieten, als die Hoffnung auf ein allen Juden heiliges Land, das aber auch heute nur von 160 000 Juden bevölkert ist, in dem immer noch erst jeder siebente Mensch ein Jude ist; das bisher im besten Falle monatlich 2000 Juden neu in sich ausnähm; in das im Monat Dezember 1924 1665, im Januar dieses Jahres 1840 Juden eingewandert sind. Dieses Land, das heute im Grunde nur eine englische Kolonie und ein Spielball englischer Weltmacht ist, wird alle Wandlungen der englischen großen Politik, mögen deutschsreundlicher oder feindlicher Art sein, mitmachen raupen. Ohne die Bedeutung des Hebräischen für den Religionsunterricht zu bestreiten, wollen wir eine deutsch-jüdische, keine hebräische Erziehung der Kinder deutscher Juden, und in dem Versuch, aus der jüdischen Relrgionsgemeinde eine Dolksgemeinde zu machen, muß der erste Beginn einer freiwilligen staatsrechtlichen Isolierung gesehen werden, der der Ruf nach nationaler Autonomie in logischem Gedankengang bald folgen muß. Von denr Gegensatz dieser Anschauung wird auch der Landesverband nicht frei bleiben. Der Centralverein ging davon aus, daß es sich bei diesem Verband nur um religiöse und soziale Fragen handeln könne, und daß der Eentralverein als solcher auch kein Interesse an dem Neberwiegen der einen oder anderen religiösen Richtung habe; gegen jeden Versuch der Politisierung der Versammlung wird der Eentralverein aber alle Kräfte mobil machen. Aus diesem Grunde überließ er es den religiösen Parteien, die Landesversammllmg zu beschicken, und die religiösen Parteien bekannten sich, indem sie führende Mitglieder unserer Organisation auf ihre Listen nahmen, zu dem gleichen Programm. Die Dreiviertelmehrheit der Nichtzionisten wird sich darum gegen jede KompeLenzerweiterung des Landesverbandes, die in das Gebiet der allgemeinen Politik führen würde, wehren.- Der Versuch, natwnaljüdische Politik in dem Verbände zu machen, wird gleichbedeutend sein mit höchster Gefahr für das Bestehen des Verbandes überhaupt. Positive Arbeit höchst fruchtbarer Art können wir dort alle in den zahlreichen Fragen leisten, die zu dem u n b e st r i t t e - nen Programm der Versammlung gehören. Darin sind alle religiösen Richtungen einig, und der Wille, hier Gutes zu vollenden, ist bei ihnen allen da. Darum möchten wir auch nicht ohne die Hoffnung in die Landesversammlung hineingehen, daß trotz zionistischer Versuche der Politisierung der Tagungen es uns möglich» sein wird, auf dem enggesteckten Felde der Tätigkeit des Landesverbandes viel und sachliche Dinge zum Besten des deutschen Judentums zu tun. Wahlparole unö Neutralität. Eine letzte Antwort a n d a s „I ü d i s ch e W o ch e n b l a t t". Das „Jüdische Wochenblatt", das Organ der „Aclidulh", , gebt in feiner letzten Nummer (Nr. 8 vorn 20. Februar 1025) auf die Kritik eiu, die wir an seinen scharfen und ungerechten Angriffen auf den Centralverein geübt haben, ohne sie zu entkräften. Wenn das „Jüdische Wochenblatt" dabei dem Eentralverein vorwirft, er habe den Wahlkampf auf eine falsche Plattform geschoben, die statt'der * Auseinandersetzung religiöser Ideen den einseitigen Kamps gegen den Zionismus brachte, so beweisen diese Ausführungen am besten die! mangelnde Neutralität des Acliüulü-Organs. Es hätte nämlich vorher! die Zionisten fragen müssen, warum diese zu den angeblich rein reit* I aiöfen Wahlen für die Landesversammlung überhaupt als^ (politische)! Vollsparici ausgetreten sind. Erst durch diese Tatsache, die nur ein! Blinder oder Nichtneutraler übersehen kann, war der Centralverein ' gezwungen, von sich aus in die Wahlen mit seiner bekannteil! Parole einzngreifen. Eine Parole, die im Wesenskern nicht einmal politisch, sondern religiös war, indem sie religiöse Gemein, den statt der von den Zionisten bisher geforderten, zu den Wahlen aber angeblich nicht mehr geforderten Volksgemeinden verlangte. Ebenso muß die Behauptung des „Jüdischen Woehenblatts" festgenagelt werden, der Centralverein habe immer wieder die Zionisten „als Staatsbürger minderen Rechts" hingestellt. Das ist eine grobe Unwahrheit, und das „Jüdische Wochenblatt" möge aus den Wahlnummern der „C. V.-Zeitung" eine Stelle cuszeigen, wo dies ge-! schehen ist. Wir habeil nie einen Zweifel darüber gelassen, daß die [ Zionisten genau so gut ihre Staatsbürgerpflichten crstitlen wie jeder andere deutsche Jude. Wie oft ist von uns wiederholt worden, daß wir, fern von jeder Verdächtigung der jüdisch-national gesinnten deutscheu Staatsbürger, nur den einen Standpunkt für berechtigt halten: wer seine und seiner Kinder Zukunft außerhalb Deutschlands steht, wer innerlich einen Strich zwischen einem jüdischen und dem deutschen Volle macht, lver sich als Gast betrachtet, wer lediglich in der Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten alle Voraussetzungen für Gleichberechtigung und Eleichachtung als gegeben erachtet, kann ein sehr ehrenwerter, vornehmer und anständiger Mann sein, vermag aber in der heutigen Zeit der Demokratie, die das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem Gefamtvolke zur Grundlage jeder Gleichheit im Staate lnachen muß, einen Anspruch auf staatliche Gleichwertuug nicht zu erheben. Diesen Standpunkt hat unser großer Eugen Fuchs vertreten. Er hat mit der religiösen Einstellung nichts zu tim. Wir haben stets i begeisterte Mitglieder gehabt, die auf streng religiösem Boden stau- ' den und die gerade diesen Gesichtspunkt unterstrichen haben. Das „Jüdische Wochenblatt" nennt in diesem Aufsatz als Maßstab der Zugehörigkeit zur Acliduth. das Bekenntnis zmn traditio-! nellen Judentum, wobei die Einstellung zum politischen Zionismus j für die Achäuth gleichgültig sei. Diesen Programmpunkt so p zu formulieren, ist selbstverständlich das gute Recht der Aobäutü. hi. Wir können aber nicht finden, daß diese Formulierung gleich ist mit p ' ter Mlehnung und Bekämpfung de? Centralvereins, die das Achduth* Organ in den letzten Wochen so deutlich betrieben hat. Wir hegen die Hoffnung, daß d:e überaus wohlwollende Neutralität, die das „Jüdische; Wochenblatt" allen zionistischen Bestrebungen entgegenbringt, auch auf die Beurteilung der Centralvereinsarbeit abfärbe. Ein altes Sprich wort besagt: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer." Hoffen wir, daß die gerechte Würdigung, die das „Jüdische Wochenblatt" in seiner letzten Nummer den Broschüren des Phi ko-Der- . l a g e s zuteil werden läßt, diesem Sprichworte unrecht gibt und nunmehr auch im Aebäutll-Organ, sicher im Sinne sehr vieler E. V.-Mitglieder, die der Achdulh angchören, wärmende Neutralitätssonne auch die Centralvereinsarbeit bescheint. An anderer Stolle des Blattes und auch schon in früheren Nummern wird es so dargestellt, als ob der Centralverein bei den Landesverbandswahlen lediglich der Sachwalter der religiös-liberalen Partei gewcsen sei. Das ist durchaus unrichtig. Zutreffend ist, daß eine Anzahl bekannter und führender! Persönlichkeiten des Vereins auf der Berliner liberalen Liste gej standen haben. Verschwiegen wird aber, daß der Syndikus des : Vereins auf der Liste der Religiösen Mittelpartei stand und daß in \ Berlin und anderswo Mitglieder des Hauptvorstandes, Vorsitzende - von Ortsgruppen Plätze der gesetzestreuen Liste einnahmen. Dü Versammlungen des E. V. forderten die Mitglieder lediglich aus. unbedingt einer der religiösen Parteien ihre Stimme zu geben, wobei ■ alle religiösen Parteien als wählenswert hingestellt worden sind. In gleichem Sinne ist die „C. V.-Zeitung" vor der Wahl gehalten worden. Wer also behauptet, der Eentralverein sei nur zugunsten der Liberalen ausgetreten, spricht nicht die Wahrheit. Der Eentralverein ist von seinem Grundsätze der religiösen Neu- A* tralität nie abgewichen und wird ihn auch weiter in Ehren halten. \ vom ab erschemL. \ ,! iW- . i W57 '■?! i i! AroekmonütsschrssL © GsrausgeöLe: Professor De.Oslöftem, Dmmlftaöt fihmnknt sofort km MklS-MMß, HtzMK SW

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