Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
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159 Die LÄNöSSVSchKKHSGKhZLK. Ein Schlußwort von Dr. Bruno Weit. Die außerordentlich heftige Lmmpfstinmumg, die die Wahlen uwt" Landesverband beherrschte, ist abgeebbL; betrübliche Erscheinungen aller Art, die in schenßücher Bernnglnnpsnng von Glaubensgenossen untereinander ihren Höhepunkt erreichten, gehören der Vergangenheit an. Diskussionsreden, Zwischenruf, Sprengkolonncn und Tältichreiten, die zum Ein greifen staatlichen Organe führten, sind zu Ende: ihre höchst unangenehme Erinnerung wird noch lange in unserem Gedächtnis leben, aber die Unmittelbarkeit des Geschehens ist vorher, nnd im Zeitablaus heben sich die Konturen des Gewesenen und des Werdenden schärfer ab. Der Centralvereiu ist in den llbahlkampf mit einer vollkommen eindeutige n, für die Religionsgemeiude und damit gegen den Zionismus gerichteten Parole eingeireten. Die Ergebnisse haben bewiesen, daß diese Wahlrichtung innerlicher und äußerlicher Notwendigkeit entsprach. Wir würden die Einstellung auch dann für richtig gehalten haben, wenn sie nicht mit einem vollkommenen Siege geendet hätte, und wir betrachten sie nicht allein des äußeren Umstandes mutten als gerechtfertigt, daß die Front aller religiösen Lager gegen Bollsgemeinde und resno-e Hebraisiernng einen außerordentlichen Erfolg davongetragen hat. T e n u a u f b i c 124 A b g e o r d n e t e n d e r £ nubc s ver - jam mlung! o min cn iusgesam t lls Ber 1 v ct e r derzionistis ch e u SC u s ch a u u n g, w o b e i d i e b e i d e u gewählten P oale Z i o n i st e n n o ch d e r M 11 11 e r * Partei zugczäh (t s i n d. Man Nürd keinen Anstand nehmen, diese Zahl der zionistischen Vertreter imrner noch als viel zu hoch zu betrachten. Ihr Einfluß in der Landesversammlnug wird weit größer sein, als es der Verbreitung des 5 i 0 n i st i s ch e n G e d a n l e u s in Deutschland entspricht. Denn bei einer Wahl, s bei der das nicht b e tt t f dj c j ft b i) ch c Element in denk- | bar größtem Slnsmaße zur Abstimmung zugelassen war, bei; der, wie die WLchlbeteiligitngszisser'i dartun, g e r a d e i n d e n! H 0 ch b n r g e n n 1 ch t z i 0 w i st ische r SC n f ch a n u u g eine ungeheure W ahle u t h a 11 u n g statt hatte, konnten die Zionisten nüt den ausländischen Juden zusammen nur ein Viertel aller Stimmen anfbringen. Und das, obwohl, uue selbst von streng konservativer Seite betont wird. „die Loltspartci im Wmhüämps ihr eigenes Programm gänzlich zurückcreten ließ" Moritz SC. Loeb im „Jüdischen Wochenblatt' 1925, Nr. 7), und obwohl die zionistische Liste durch Ausnahme bekannter Mbwachisten, wie wiederum gerade von konservativer Seite behauptet Nürd, starker Zuzug aus konservativen nichtzionistischeu lluceisen erhielt. Es ist zahlenmäßig natürlich sehr schwer sestzmstellen, wieviel von den aus die beiden zionistischen Listen abgegebenen Slinunen aus die ausländischen Inden fallen. Aber man wird scholl sehr hoch greisen, wenn mall sesrstellt, daß von den abgegobenert Stimmen höchstens ein Sichtet aller Stimmen von deutschen Zionisten abgegeben worden sirld; d. h., da die Zionisten alle Mann zur Wahl ansgeboien haben, ans den anderen Lagern aber (aus wahltechnlscheu und anderen Gründen) sich eine sehr große Z a I) l v 0 n W ä h l e x n d e r S t i m m 0 enthalte n h a t, daß die Z i 0 n i st e n n a ch u- 1 e vor eine keinesfall s bedeutende Minderheit der d e u t j d) c 11 I u b c u b ct 1 ft c H c u, daß s i e ein e n Sl u f p r 11 ch. W 0 r t f ü h - 1 c 1* a 11 ch n 11 x eine s i v g c n vo : e erste b l i ch enTeils der b ett tsche n Indeuzusci n , n ct ch w i e v or n i ch t Erheben können. Diese Feststellungen erneut zu treffen, Hst für Freund wie Gegner Von erheblichem Lüerte. Sie ist ein besonders wertvolles Slrgument, wenn in der antisemitischen Propaganda wieder einnral uild Pressestiuunen der verschiedenstell Strt beulen nach dieser Richtung 310 ni st i sch c G e d a n f c n c\ ä n g c z u m Bewciseder 5} t ch - tt ö f e i t a tt t i f e in itisch 0 r u n b völlis ch er Leh v c n romidjt und mißbraucht werden. ... Diese Erwägung gibt schon rein äußerlich der Stettungrrahme des Eentralvereins recht. Aber von ihr abgesehen, war eine innere Sl tt s e i u a n d e r s e tz u n g zwischen d e tt P x o 6 l c tu e n z i 0 u i ft ische r und centralvereinter:sch e r Sl nscha u u n g in judis ch eu Siu gen 51t einer starken Notwendigkeit geworden. Die Diskussionen harren sich in netteren ttnd ruhigeren Formen abspielen können. Slber daß sie tu der Hitze des Gefechts und in mituntec turbulentetr Versammlungen stattfanden, nimmt ihnen nichts von ihrer Bedeutung. Und es ist die Sache ruhigerer Zeiten, sie nüt dem Ernst und der Slufrichtigkeit, die diese Probleme verdienen, weiter zil behandeln. Manche turserer Freunde, wohl auch mauefje Zionisten, hatten in den letzten Jahren angenommen, daß der Gegensatz der Anschauungen im Grunde recht gering geworden sei. Sie waren 31t dieser Meinung auch insbesondere darum gekommen, weil der Zionismus in Deutschland in den letzten Jahren, in denen wir häufig ans einem expkosionsnahen Pulverfaß gesessen haben, sich der Notwendigkeit der unmittelbaren geistigen und gegebenenfalls körperlichen Slblvehr des Antiftmiusinns nicht verschließen konnte, die früher vielfach für unbedeutend oder unnötig erklärt worden war. Die zionistische Doktrin begann, ohne im übrigen auf ihr Programm zu verzichten, sich ans den Slb Wehrkampf auf deutscher Erde cinznsiellen. Der Wahlkampf und die Stellung maßgebender Zionisten in ihm hat gezeigt, daß die Wandlung nur vorübergehender Slot gewesen ist und mit dem Aushören unmittelbarer Bedrohung burd) antisemitische Exzeße schnell zu Ende luar. Dabei scheint mir auch hier der von den Qstjuden ans die deutschen Zionisten ansgeübte Druck, dem diese leider mar allzu bereitwillig nachgegeben haben, eine sehr starke Rolle gespielt zu habet!, so daß von ostjüdischer Seite über die Kopse der deutschen Zionisten hinweg die Abwehriätiateit des Eentralvereins als Stnsflnß verächtlicher Feigheit bezeichnet werden konnte. Tie Zionisten haben hierbei ihrerseits vor jeder Feststellung zurückgescheut, daß ganz Notwendigerweise die Einstellung aller nichtdeutscher Juden zu den deutschen jüdischen Problemen in Deutschland eine vollkommen »oc feit saubere sein muß als die der deutschen Inden. Und daß für die a n s l ä n d i s ch c. n Juden, die ans d e tt t f clj c tu Bode u zum großen Teile ja nur v 0 r ü vergehend weilen. die Bekämpfung des AnLisemij i t s tu it§ in ber Sftt ci n m inderes Pr 0 ble m seit! dürse gegenüber den von ihnen als Lebensaufgabe! betrachteten alljüdischen Fragen und der erhofften Gründung einer Heimat in Palästina. Daß mit dieser allzu laut betonten Stellungnahme aber sehr starke Gefahren für die ausländischen Inden selbst verbunden sein müssen, ist von ihren Wortführern in der Hitze des Wahlkampfes durchaus nicht zru gegeben worden, obwohl, wie auch wir mit dem „I f r a e i i t". dem Organ der Slgudas Jisrvel, annehmen, cs auch Ostjndon geben mag, die durchaus gegen „die Identifizierung der Ostjuden in Bausch und Bogen mir der Bolle Partei" protestieren. Das z i 0 n i ft: f ch c P r 0 b I c m i ft, das haben die Wahlen dargetau, das gleiche geblieben, und der Geist, in dem es vertreten wird, ist kein anderer geworden. Lediglich in der F v a g e der baldigen und praktischen lll e a l i s i e r b a r f c i t d c s P v 0 g r ct in m s haben die Skeptiker viel an Boden gewonnen. Man darf wohl auch den an manchen Orten unternommenen Versuch, den Zionismus als den alleinigen Bannerträger der wahrhaften jüdischen Neligiositüt und andere Oraanisa-ionen als unjndisth hinzustell'en, nicht allzu tragisch nehmen. „Bon der Bolksgemeinde war keine Rede mehr, dafür wurde das Eintreten für alle religiösen konservativen Forderungen auf das eifrigste betont" (M. Sl. Loeb am obigen Orte). 'Tie ans das Nationaljüdische eingestellten Gedankengänge lassen nach der Logik der Dinge das N e l i g i ö s e als das Mindere ers chei n cn. Darin sind sich, wenn die Dinge offen zugegeben werden, wie sie sind, Eenlralverein und Zionismus durchans gleich: daß sie mit Grund einen Streit tun die Liefere Religiosität ihrer Mitbürger nicht führen können, sondern daß sic in ihren Reihen von den strengsten Eesetzesglänbigen bn Zn den radikalsten Liberalen borgen, und es verdient nur als