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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-27 · 9 (27.2.1925) · p. Seite 158

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
9 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
Seite 158 (sequence 3)
Language
German
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15S Verlangen freundlich: „Ihr deutschen Juden rückt öffentlich ab von jüdischen Schiebern, ^agt laut heraus, daß Ihr mit ihnen keine Gemeinschaft habt nnd^ ruck ü)ncn f ü t* je tu und immer nichts zu tun haben wollt." Welch beleidigende Forderung! Haben wir deutschen Inden cs notig zu erklären, dah wir mit irgendwelchen zweifelhaften Elementen keine Gemeinschaft haben? Wer, dem nicht völkische Hetze das Hirn geradezu umnebelt hat, kann behaupten, daß der Ccntralverern, daß die anderen jüdischen Organisationen der Gemeinden, der Wohlfahrt, der Wissenschaft irgendwelche Verbindungen mit Leuten haben, die in geschäftlichen Dingen angeblich höchst krumme Wege gehen? Was bedeutet Herr Barmat, was Herr Kutiskcr für das deutsche Judentum? Gar nichts. In keiner führenden Organisation sind ihre Namen auch nur bekannt gewesen. Irgendwelche Ehrenämter im ’ deutschen Judentum haben sie nie bekleidet. Sollen wir diese Herren Unbekannt, diese Herren Nirgendwo abschüttetn? Hätten sie in irgendeiner Vereinigung einen Vorstandssitz innegehabt, wären sie irgendwie im jüdischen Leben Deutschlands hervorgetreten, dann konnte ein solches Vorgehen vielleicht in Betracht gezogen werden. Niemand wird verlangen, daß. wenn irgendein Protestant oder Katholik den greisen Feldmarschall Hindenbnrg schmäht, dann die deutsche Christenheit besonders erklärt, sie verurteile eine solche Verfehlung. Der deutschen Adelsgesellschast wird niemand zumuten, sie solle von den vermeintlichen Fehltritten der poimnerschen Gutsbesitzer, deren Namen in den letzten Wochen durch die Tagespreise gingen, mit lauter Stimme „abrücken". Auch die Beamten der Preußischen Staatsbank würden aus vollen: Halse lachen, träte man an sie heran, um sie dringlichst auszufordern, ihre Mißbilligung über die Taten einzelner unter ihnen kundzutun. Und ebensowenig rücken wir deutschen Juden ab, weit es eine schwere Beleidigung ist, von einem deutschen Juden anzunehmen, ihn binde irgend etwas von bürgschaftlicher Art mit einem gleicher Ncligion, den die Oefseutlichkeit übler Tat beschuldigt. Wer als Jude gegen das Sittengesetz, gegen das Staatsgesetz handelt, der rückt selbst damit von'seinen Rcligwusgenosien, von seiner Religion ab. In den letzten Tagen hat der v o l k s p a r t e i l i ch e Nerchstagsabgeordnete Dr. Fritz Mittelmann (Stettin) im „8 Uhr-Abendblatt" es bitter beklagt, daß die üblen Vorgänge der jüngsten Zeit in weiten Kreisen des deutschen Volkes nur unter politischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Er hat verlangt, die allgemeine Einstellung zu den Vorgängen müsse grundsätzlich anders werden. Er hat leider mit Recht sestgestellt, daß, je nach der parteipolitischen Einstellung bei der Aufdeckung eines „neuen Eiterherdes" ein Gefühl der Befriedigung durch die Reihen ginge. Wie das Nationalgefühl und die nationale Gesinnung nicht Sache einer einzelnen Partei sei, so könne auch hier bei diesen das Reich so schädigenden Vorgängen nicht Parteipolitik, sondern nur der Blick auf das Ganze und der Wille zur Reinigung und zur Besserung Helsen. Das sind harte, aber treffende Wahrheiten? Wiräöeutjchen Juden fordern, daß o h n e R ü ck s i ch tauf Person und Stand gründlich in alle Fäulnis, wo und wann sie auch ausbreche, hineingeleuchtet werde. Wir verlangen, daß die Staatsgewalten vor niemandem haltmachen. Wir verbitten uns aber, daß wieder einmal, wie feit Olims Zeit, für Verfehlungen einzelner Juden, die bei diesen Vorgängen aus schlechten Wegen ertappt werden, nun die jüdischen Deutschen oder die Juden überhaupt verantwortlich gemacht werden. Nur wenn in diesem Geiste die traurigen Ereignisse betrachtet werden, können sie letzten Endes heilsam und lehrreich und vorbeugend ausgehen. Aus fast allen Erdensprachen klingt das alte Sprichwort: „Auf Regen folgt Sonnenschein." Möge der Gewitterregen, der augenblicklich auf das deutsche Vaterland schreckenerregend niederprasselt. jeden Schmutz und jede Schlacke aus allen Winkeln und Verstecken hinwegschwemmen. Ist das geschehen, so wird der Sonnenschein deutscher Zukunft, an die wir so fest glauben wie irgendeiner, zum .Segen und Heil des Katerlandes weiter leuchten. Ar. Alfred Wiener., volkstrauertag am 1. NlärZ 1925. Der Volkobnnd Tonische Kricgsgraberfürsorge beziehuug?.. weife dessen Ausschuß für die Festsetzung eines Voll?, tranertagcs (Bureau W 10, Matth all irchstraße 19) hat die Anregung gegeben, am Sonntag, der: 1 März d. I., im ganzen Deutschen Reiche zu Ehren der im Weltkriege Gefallenen T r a u c r f c i c r 11 dj f c i t c n z u v e r a n st a l t e n. bei welchen alle Kreise der Bevölkerung im Pietätvollen Gedenken au die Opfer des Krieges vereinigt werden sollen. allen Gotteshäusern foficn um 10 llhr vormittags T r a u e r g o t t c 8 d i e u st e stattfindcn. Hieran sotten sich zwischen U% und 1 Uhr weltli che F e i e r l i ch k e i t e n auschlicßen, um die Idee eines g e s e tz, l i ch sc st z u le g e u d en B o l k s t r a u e r t a g e s zu propagieren. Sowohl bei den Traucrgottesdiensten als auch bei den weltlichen Feierlichkeiten sollen Geldsammlungeu zugunsten der den!, s ch e n Krieg §g r ä b e r s ü r s o rge s t a t i s i n d e n. Es ist Vorsorge dafür getroffen, daß bei den geplanten Feierlichkeiten alle parteipolitischen und sonstigen Gegensätze, welche das deutsche Volk in den letzten Jahren zerklüftet haben, vermieden werden. Nur die untilgbare Dankesschuld des gesamten dcuts ch e n Vaterlandes gegen seine gefallenen Sohne und gegen alle Opfer des Weltkrieges soll in einer einheitlichen, markigen und würdevollen Kundgebung des Gefühls der Pietät, das uns alle beseel!, zum Ausdruck kommen. Wir dürfen deshalb erwarten, daß die d c u t s ch c n I u den sich an dies e r w a h r h a f t Patriotin s ch eil G eden! seier rege b e t e i l i g e n lv e r d e n , und empfehlen ihnen, für die Pflege und Erhaltung der d-mischm Krirgsgräber reichlich zu spenden. Rabbiner Dr. L. B l u m cnth a!. wmgls „Judentum". Ein notweudiges Sud) f ft r x\ niete Z ei t. Ein Buch, dem man gerade in der heutigen Zeit die weiteste Verbreitung wünschen mochte, ist Weigls „Judentum". Tie Vorzüge dieses WcrlesJ liegen vor allem darin, daß cs auf kleinem Räume über die Geschichte des Volles Israel im A l t e r i u in, Mittelalter und in der Neuzeit orientiert und dazu eine attgemeinverständlichc Darstellung de? jüdischen r e l i g lösen Lebens liefert. Dadurch wird auch dem Feruerstcheudeu, der sich nicht durch eingehende Studien unterrichten kann, die Möglichkeit geboten, sich ein Verständnis für die Juden zu erwerben. Was der Verfasser im Vorwort als seine Absicht bezeichne!: „Das Buch soll in die religiös-sittlichen Gedankengänge der jüdischen Religion den Fernerstehenden einführen, Vorurteile beseitigen, irrige Anschauungen durch die Darbietung objektiver Belege in durchaus irenischer Weise richtigstcttcn und damit die Erkenntnis der Wahrheit über Judentum und Jude fördern Helsen" — das hat cr vollkommen erreicht. Als katholischer Priester bin ich dem Phrlo-Derlag dankbar, das; er dieses Buch gerade nn Jahre 1925, irn „Heiligen Jahre", wieder herausgegeben hat; denn Papst Pins XL hat als den Hauptzweck dieses Jubilänmsjahres seinen Wahlspruch hmgesieltt: Christi in regno Christi — Der Friede Christi im Reiche Christi!" Diesen Frieden suchen nicht nur die einzelnen Völker — auch innerhalb der Völker fehlt er noch so vielfach, und gerade die Stellung zu den Juden ist ein solcher wunder Punkt, u>i> der Friede in weitem Ausmaße noch errungen werden muß. Wenn deshalb ein solches Buch, wie das von Tr. Weigl, erscheint, das Zunächst das Verständnis wecken möchte — dann ist das nur zu begrüßen: auf der Grundlage des Verständnisses wird sich auch der »Friede entwickeln können. Das Werk verdient ein aufmerksames Studium, besonders auch in nichts ü d i s ch e n Kreisen, bei denen man oft eine b e d a u e r u § w e r t e 1l n k e n n t n i s d e Z I u d e n > t u m s findet. Die Ausstattung des Buches ist schlicht-vornehm, der Druck sehr korrekt; man möchte nur manchmal noch eine Transkription hebräischer Worte wünschen bzw. deren Vokalisation. Tie sprachlich schöne Darstellung macht die Lektüre zu einem Genuß. Ich kann dem Buche nur im vollsten Maße einen Erfolg wünschen: sein Erfolg wird auch ein E r s o l g d e r F r i e d e n 8 b e w e g u n g sein, und (wie Weigl das Vorwort schlicht): „Es ist uns allen eine sittliche Pflicht, die Pfade des Friedens zu wandeln." Dr. theol. Friedrich Mnrawski (Paderborn). \ *) Dr. I. Wclgl, Das Irrdmlruu. Zweite Au-loo-, Berlin (Philo-Verlag) 1924.

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