Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 157 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2277379-2277569-2277578--01928-3536838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Serlrttj 27-.-Hsöruss 1925 IV. Jahrgang «■ Nr. H Einzelnummer 1H Golöpfennlg WUsrst JUl^emeine Zeixurijg des Judentums MonLtsabonnemcnt 40 Goldpsenmg Verlag und Schristleinmg: Berlin 85V 63. Lindenstr.!3. /. Fernsprecher: AmtTönhOss 3594. 3595. Bankkoitto: Dresdner Dank. Wach-elnube G. Berlin LV563. Sinbenftc. 7 Weinige Aneigennnnabme: Annoncen - ErpediUon Rudolf Masse. Berlin 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0.90 Grldncark für die 7 gespaltene Zeile nach kiudolsMofscS Normalzeilcnu'n'sftr s)!r. 4. Fanrilicnarrzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Lererns 0.45 Eoldrnark. die 9d rrnn breile ReNarn^zeile 4.80 Svlomark . ff rr *£<% 0 '<'/ i^r v -> *<7 V O 4* ZttM fall Sarmat und Genossen. Die letzten Monate deutscher Entwicklung haben aus Politischem Gebiete wenig Erfreuliches. wenig Förderliches gebracht. Wochenlang tobte im Reiche der Kampf um das Kabinett hin und her; wochenlang wurde um Preußens politische Führerschaft gestritten, und ein Ende dieses Streites ist noch nicht abzusehen. Daß diese Kämpfe Deutschland Heilsam seien, wird niemand behaupten wollen. Und mitten hinein in diese unerfreuliche Zeit platzten zahlreiche „8 uthüll u n - gen" über Hergabe -gewaltiger Summen durch staatliche Institute an Ausländer, über Verbindungen fragwürdiger Persönlichkeiten mit hohen Würdenträgern und bekannten Politikern, über drohende Verluste von Banken, Rücktritte von Staatsbeamten, die diese Institute verwaltet hatten und die ihr Amt nicht mehr 'weiterführen durften, weil sie in lieberschreitung ihrer Befugnisse angeblich bedenkliche Geldgeschäfte mit Trägern bekannter Adelsnamen gemacht hatten. Wer die wahren Schuldigen sind, welche Straftaten sie auf sich luden und wie groß das Maß ihrer Sünden ist. kann nicht eher endgültig sestgestellt werden, bis die ordentlichen Gerichte gesprochen haben. Tie parlamentarischen Untersuchungsausschüsse, die das Recht auf eidliche Zeugenvernehmung besitzen, haben — eben'o wie schon vorher die gesamte Presse — auch die ostjüdisihen Namen Kutifker, B arma t und andere an den Tag gebracht. Und nun bricht das völkische H ollen ko nzert los. Wir kennen die Weise, wir kennen den Ton: „Deutschland ein jüdischer Schiebersumpf", „die ostjüdischcn Vampire sangen die deutschen Arbeiter aus", „die Deutsche Republik nur für die jüdischen Eroßgauner" und derlei liebliche Anwürso mehr. Kunze und seine Getreuen, die „V ö l k i sch e Fr e iheitsbewegung" und andere völkische Vereinigungen halten Versammlungen ab. Die D e u t sch n a t i o n a l e Volkspartei wirst hnnderttaufeude blutrote und blutrünstige Flugblätter in das deutsche Volk. Theodor Fritsch druckt seine bekannten „Hammer-Broschüren" zu Tausenden und aber Tausenden, und die „D e u t s ch e E r u euer u n g sgemeinde" tobt sich in wildesten Flugblättern und hemmungslosen Karikaturen aus, und „nur der Judo, nur der Jude ist schuld". Gemach, meine Herren! So liegen die Dinge denn doch nicht! Wie kindlich, wie unwissenschaftlich, lote unwahr, luie bösartig: alles Unglück Deutschlands, alles Verwerfliche innerhalb und außerhalb der deutscheu Grenzpsähle nur den Juden in die Schuhe zu schieben. Wir sind die letzten,- die einen Juden, der sich gegen die Strafgesetze vergangen hat, zumal wenn er als Ausländer in Deutschland Gastrecht genießt, irgendwie decken würden. Rücksichtslos muß gegen diesen. wie gegen jeden Verbrecher, die Staatsgewalt ein greife n. So denken gewiß alle deutschen Juden ausnahmslos. Jeder gerecht Denkende, sei er Jude oder Christ, wird empört sein, daß Reichs- und Staatsinstitute ausländischen Kaufleuten Geldkredite vor inländischen gewähren. In Deutschland hat der Deutsche den Vorrang, und er hat in erster Linie die Vorteile deutscher oder preußischer Institute zu genießen. Tie Frage ist nicht überflüssig, wer diejenigen sind, die Ausländern, noch dazu mit einer „Vergangenheit", die Türen; geöffnet haben und deutsche Kaufleute christlicher oder jüdischer Herkunft hintansetzen. Es schmerzt, festüellen zu müssen, daß preußische Staatsbeamte als Schuldige össentlich genannt und hinter Schloß und Riegel gesetzt sind. Es schmerzt um so mehr, als wir von der Unbestechlichkeit und der Sauterfetr des preußischen Beamtentums einen hohen Begriff hatten und trotz dieser niederdrückenden Erfahrungen der letzten Wochen weiter haben wollen. Auch die Frage taucht auf: Sind es nur jüdische Gestalten, die im blendenden Lichte der Presiescheinwerser als die Nehmenden, die Raffenden dasrehen? Auch Namen des pommerscheu Adels, dessen Tradition immer blondere Derpflich-- tungen aufertegt. werden in Zusammenhängen besprochen, die alles andere als angenehme Empfehlungen bedeuten. Nun kommen hier und da ch r i st l i ch e F r eunbe, die es gar nicht schlecht meinen, klopfen einem auf die Schulter und 1 Mfferi mir ^abrückelU? Von Dr. Alfred Diener. Sie LündesvelöandsVchlsn. <Zn Schluß. wort. Von Dr. Äruno Weil. S. -159. Sie völkische llmgruppimmg. S. 161. Reise in Polen. Von Alfred Oöblin. S. 163. H