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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-20 · 8 (20.2.1925) · p. Seite 145

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
8 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
Seite 145 (sequence 9)
Language
German
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Der Numeros clausus für den berliner DÖAVi Vor den D o r st a n d sw n h l e n am 10.!tU ä v z. Die Grrciimig in -den einzelnen Sektionen bc» Atpcuvercius, die feit~&er Tonauckauo-Affäre besteht, hat, wie wir sehen berichteten, euch in der Berliner Sektion Unfriede und Unruhe hervorgerufen. Der Vorstand der Berliner Sektion, unterzeichnet Tr. Rudolf Haupt« er. erläßt an säintiiche Rliiglieder ein Rundschreiben, in dem die Richtlinien fürmulicii inerden, nach denen der Borstand int Falle seiner Wiederwahl am 1-ck. llllärz Liese« Wahres die Geschäfte der Sektion führen würde. Zunächst wird die Politik kurz dargestellt. die die Sektion Berlin in den vier Jahren des Tonanlaud-Kampses verfolgt hat. Hier heißt es am Schluß: „Wie der Vorstand durch seine Tczcaubcrcrklärung den Versuch, die Sektion Berlin zu einer Stosp.ruppe für die Verfolgung der Tonautand-Auizelegenheit zu rnachen, avgrwehrt hat, wird er jeden Versuch, neue Kampfe in die Sektion zu tragen, unterdrücken und sich nur seinen alpinen Aufgaben widmen." Beim Zweiten Punkte betonte der bisherig? Vorstand srinen Wunsch, die alte hervorragende Sektion Berlin aus Gründer: der Erhaltung im (Hcfarl'.Lvcrcirr hinsichtlich ihrer Mitglredcrbcwcgung irr neue Bahnen zu lensen. Tie Sektion sei von christlichen Mitgliedern gegründet worden und habe in den ersten Jahrzehnten nur eine geringe Zahl von jüdischen Mitgliedern gehabt. Nun heißt es wörtlich: „Tiefe Zahl wunhs infolge der großen Alpeufeste und erfuhr eine weiters Steigerung durch den in den vier anderen Berliner Sertioueu streng durchge führten Ariorparagrnphe::." Es sei schließlich so luct t ge- Umuncn, daß, während der Zuzug christlicher Mitglieder nach ließ, der Prozent saß der jüdischen bis auf ll0 vom Hundert stieg. Blau habe sich in Vorstandskreisen über diese Erckwickkuua des längere': schon ernste Sorgen gemacht, und nach -den: Ergebnis der Hauptrersarumluug in Rostnheim „gäbe:: schon in: September einsichtige ältere jüdische Mitglieder den Anstoß", an den Vorstand wegen einer E i n s ch r ä n k u n g de r A n in e i d u n g jüdischer Rt r t - Glieder heranzutretcn. An diese klare W : t L e n s ä u st c r u n n jüdischer Mitglieder, den Zuzug neuer zu mindern, knüpft der Vorstand nunmehr an und erklär: es für eine Pflicht der SelbsLcrhaliuttg der Sektion, cirrr Steigerung jüdischer Neumeldrrrrgcn ciuzudäurnre». Tie Sektion Berlin darf nicht länger tatenlos zuschanen, wie mehr und mehr christliche Mitglieder ihr den Rücken kehren und Rerimelduugen solcher zurückgehen". Des weiteren läßt das Nnndschreiben erkennen, daß der bisherige Eektionsvorstaud gewillt ist, vor einer ausgesprochenen oder stillen Drohung gewiper christlicher Kreise innerhalb der Sektion zu kapitulieren. die mit ihrem Austritt für den Fall der Wciterbefolgung der bisherigen Methode gedroht haben. Ein neuer Fall Donauland kündige sich an. Tann heißt es wieder wörtlich: „Wenn selbst jüdische Männer, wie oben gesagt, dies anerkennen und den Gedanken von sieh weisen, daß die Sektion Berlin eine j ü b i s ch c Sektion werden soll, so muß. wenn die besagte Einschränkung nicht voudcn jüdischen Mitgliedern selbst eingeleitet werden sollte, dem Vorstande die Ermächtigung gegeben und die Verpflichtung auserl egt werden. eine taktvolle V e s ch r ä n k u n n v o n R c n - melbungcn vorznuehrneu. Tas ist eine Bedingung der Selbsterhaltung, nichts anderes." Ter dritte Punkt ist der kürzeste, weit er der ein.siae sachliche ist. Er lautet nämlich: „Ter frühere Grundsatz der Prüfung der bergsteigerischen Leistungen bei der Aufnahme neuer Mitglieder soll wieder mehr in Anwendung kommen/ Es wäre wünschenswert, wenn die „älteren jüdischen Mitglieder", hinterchie sich der Vorstand der Sektion verschanzt, wobei er sich den Aiisthein gibt, als wenn er aus reiner Liebe zu seinen jüdischen Mitglieder« ferne Politik ändern werde, hervorträten. Sie und ihre vermeintlichen Forderungen kennen zu lernen, wäre nach verschiedenen Richtungen wesentlich und charakteristisch. Jedenfalls beftoh^im Augenblick für lein jüdisches oder gerecht denkendes christliches Mitglied der Sektion Berlin ein Grnud, seinen Protest gegen, die Politik des Vorstandes durch seine A u s t r i t t s e r k l ä vVn g ftmb zu tun. Verbindliche Beschlüsse, wodurch auch nur ein Teil der jüdischen Mitglieder sich zum Austritt bewogen fühlte, liegen, anders als in M ü n ch c u, irr Berlin noch nickst vor, und es wird an den Mitgliedern selbst liege::, am Ist. März diejenige sgrsannneinetzuu.g ihres Vorstandes herbeizufübreu, die ihnen gewährleistet. das; l e d i g l i eh der Punkt der Haupt:: ersehen Richtlinien i n Gelt u n g bleibt, nämlich daß " " r d : e b e r g st e i g e r i s ch e n Fähigkeiten für die M u sn a h m c i u ö c Sektio u v e r b i n d l i ch j i u d. Der A. st §. zmkbi dtt Lshrgut. Ter Reich s b und j ü bischer F r o n t s o I b o t c n baut das i(0 Vivrgeu große Gut Buckow bei Berlin zu einem Lehr gut ous, aus dem jüdische Knaben imb Mädchen in mehrjährigen: Lehrgang zu Landwirten und Gärtnern heraugcbildet tvccdeu/ Aus den: Gut^ werden sämtliche für de:: Boden geeignete Halm- und Kmckttucgte. ferner nn Gartenbm: sämtliche Gcn'.üstarten angebaut. Auck. enw kleine Baumschule wird angelegt. Reben zahlreiche:: laudwircichaftliche!: Maschinen und Geräten sind sechs Pferde und Rind- und st lei uv ich vortjanden. Im Winter tritt zu Oer praktischen Ausvlldur'.g \\o:>) die tgeoretisthe. Tie Leitung des Gutes hat ein aus der betauuwu A h i e m c r Anstatt hervorgegaugeuer jüdischer Insperlor üvernominen. Mit der A n s b i l d n n a von Land w i r t e n u n d G a r t - iici* n nur e i g e u e r Scholle hak der Reichs nun d jüdischer Frontsoldaten eine alte, von ihm schon lange gehegte Idee verwirklich.:. Er gehr damit uni denjenigen Organisationen Hand in Hand, die in e'.e.er Umschichtung der Berufe den Weg zn einer Regeneration des Judentums sehen. Wie seine großchigig angelegte S p v r t p r o p a g a n d a zu. einen: machtvollen Ausbau der Sportidee innerhalb des deutschen Juden tu ms führen soll, so will auch hier der Reichsonud tätig rnitwirte:: an der Zukunft unseres Judentums. Er weuöec sich nüt der gleichen Liebe wie im Sport der Heranwachsenden Jugend ju und sieht in ihr die wirksamste leben.dige Abwehr. Eine §eMslLur;g öss „Stahlhelm". In der Rümmer 4 der „G. V.-Jeituug" hatten wir mitgekeilt. daß der „S t a h l h e l u:'. d:e Wochenschrift des Bundes der' Frontfampfer, einen die jüdischen Kriegsteilnehmer schwer verlebenden Will verossentlich: hat. Wir hatten daran die Hoffnung geknüpft,^ die „Stahthelln'stSchrürleituug. die sich bemüht, in ihrer Wochenschrift neutral zu bleibe::, werde solche böse Entgleisung bedauern. J:u „'S ck: i l d". den: Organ der R. j. F., hatte der bekannte Flieger Jatob Leder mann den Gefühlen der lausenden und aber tausenden jüdische:: Frontkämpfer und Kriegsbeschädigten, den Gefühlen der Hinterbliebenen der Gefallenen würdigen u::d kies wirleudeu Ansdruck in einen: osseueu Briefe au den „Stahlhelm" gegeben. Es ist zu begrüßen, das; die S cl; r i f t! e i t u :t g des „2t n h l - I)dm" eiugesehen Bat. die Berösieutlichnng des Wisics sei uichr voürdig des rar::erad'charrlicheu Geiste--, der Henne itcclj alle echwn deutsche:: Frontkämpfer, gleich welcher llteligiou. nngchlnsu. che vcröfseutlichi in slunnmer ü des „S t a h l h e l in" die folgende „F e scsi c l l u u. g" *. „Infolge einer lucachtsauckeit hat in Rr. ll des „Stahlhelm'' ein Wih „Ter Scllre-eroerne:mdele" ^cufuahme gesunden, der den chlusichten der Schristleitnug nicht entspricht. Wir bedauern seine Verösseutlichuug. da ee nue fern, liegt, die Gefühle von Männern, gaum, gleich, welcher Konfession, zu verletzen, die mit uns zuuruuue:: an der Front für das Vaterland gekämpft haben. Tie Schriftle-taug." Änterm Strich, „T er I u n g d eu t sche" feiert W alte r C ei l C\ Tie Spannung zwischen Geist ::ud Körper, zwischen Idee rrnd Wirklichkeit, die durch die völkische Bewegung gehr und die deren Führer vergeblich zu beseitige« und auszugleicheu sich beinühen, kommt in besonderem Falle i:u Organ des JungdeuLscheu Ordens vorn 11. Februar d. I. m stärkster Weise zum Ausdruck. In: politischen Teil die Artikel von jener bekannten Theorie getragen und beeinflußt, die das Judeutun: als für die Arterscheinung der deutschen Rasse unerschließbar darstellt — untern: Strich aber, im Feuilleton. von einem begeisterten jungen Vkenschen. einer Studentin. Worte des Gedenkens an Walter Ealö zu dessen 20. Todestag. In Sätzen, die Verständnis und Wille zn i::uere:n Berwandtsein durch:vnr:nen. gibt sie ein Bild von den: Sein, Wollen und Wirken Ealös, den sie „den jungen deutschen Dichter" nern-t. Ealö war Jude. Wir :oollen es nur unseres Glaubens an die Menschheit willen hoffen, daß die Verfasserin dieses vonßte. Tie Schristleitnng des „Juugdeutschen" aber kann es nicht gewußt haben. Hätte sie sonst zngelassen, daß über eine:: Inden in ihrer Zeitung Sätze stehen wie der: „Er liebte Gottfried Keller — er liebte die unmittelbare, einfache kindliche Wahrhaftigkeit. Aber er liebte sie auch, tveil er sie selbst besaß, trotz seiner intellektuellen Stärke, und seine Werke lächeln eia wenig über seine Zuoeisel." Und loen.u Ealö dann mit Goet h e verglichen wird, und cs von ihn: heißt: „In: ganzen gcncmrneu ist GaL6 viel persönlicher als Goethe, inniger und ganz ans sich bezogen." lind wer versteht die Tragik der Schlußsätze so stark und tief lvie ungezählte junge jüdisch!? Menschen in Deutschland, die da lauten: „Nirgends hat das Suchen des jungen Menschen nach einer verstehenden Seele schmerzlicheren und tieferen Aufdruck gefu'nden als bei Walter Ealö. Liegt nicht hier der Grund, daß er alle Jungen und alle, die Jugend gelebt haben, so stark mit reißt? Spricht nicht dieser junge Tichter die ganze große Rot aus, gegen, die jede junge Seele zu kämpfen hat? Und liegt in der Stärke dieses Erlebens und in der Stärke seiner Mitteilung nicht ein elviger Wert, der :n:s die Worte Ga lös unvergänglich machen muß?" Genuß, d i e H e r r e n v o m „I nugdentschc u" wußten n j ch t. da si. C a l 4 Jude w a r. Was in ihrem Blatte über ihn steht, ist eine flammende Verneinung dessen, was ihre Bewegung aus-nacht. Es ist r:n Protest der Menschlicher: gegen das Scheum des.Geistes, gegen das Vereinsstatut. Ilickens.

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