Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 8 (20.2.1925)
- Date
- 1925-02-20
- Page
- Seite 142 (sequence 3)
- Language
- German
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142 Auf der einen Deutschland gewidmeten Seile aber flcflt! Wichtl selber fest, daß die alten P re u ß i s ch e n L o q c n j zusammen 42 000 Freimaurer haben, die La a m b it r c] e r uu£>; Frankfurter Großloge zusammen dagegen nur 9000 und ■ utc brei anderen Groß! vgen etwa lO650, at|o iu; allen Logen, die Juden als völlig gleichberechtigte Brüder j ausnehmen, noch nicht 20 000 gegen doppelt so viel in den fast - „judenrernen" Logen. Und das nennen diese völkischen'^christfteller „Derjudung" der Logen! Ein Wort zu den historischen Vorgängen, weil dauernd von antisemitischer Seite behauptet wird, die Freirnaurerei sei ursprünglich christlich, und die Juden. seien ge-; wissermaßen mißbräuchlich eiugedrungeu. Die Freimaurerei : in Deutschland i]i abhängig von der englischen, von der ne die Grundregeln erhielt. In England herrschte im 16. Jahrhundert, gerade zur Zeit der Gründung der ersten Großloge, die T o l e r a n z i d e e. Es war daher klar, daß hiervon v o r n i) c r c i n kein Unterschied zwis ch e n E h r i st e n und Irr den gemacht wurde. In Deutschland aber verbot sich zunächst die Ausnahme von Inden dadurch, das; dieser Volksteil nicht gleichberechtigt nach dem Gesetz war und außerdem soviel als möglich von der Erwerbung der Bildungsgüter ausgeschlossen wurde. Die Jndcnsrage wurde brennend erst seit der Emanzipation der Inden, und es ist ein Zeichen des schnellen Tempos, in dem sie die deutsche Bildung sich aneigneten, daß schon i n den dreißiger n n d vier z i g e r I a h r c n d e s 19. I a h r - h u n d e r t s heftige ft ä m p s e in den Loge it i'i b e r A u f n a i) m c oder Able h n rr n g der Jude n e n t - b r a u ii f e n. Die Angriffe der völkischen Schriftsteller in den Nachlriegs- 'ahreu verursachten mm in den drei alt preußischen Logen tarkes Mißbehagen. 'eie erklärten darum bereits 1922 ihren Austritt aus dem „Großlogcubunde", in dem sie mit den ogenannten Humanitären Logen, d. h. solchen, die ausgeprocheu auch uichtchristliche Mitglieder ausnahmeu, zuammensaßen. Indessen — wie immer in diesen Fällen: die Hetze ging weiter. Den Angriffspunkt bildete nun die Zugehörigkeit von Ossiziercn zur Freimaurerei. Der „N a t i o n a l v e r b a u d deutscher Offizier e", der übrigens nur einen kleinen Teil der ehemaligen und heutigen Offiziere enthält und durchaus völkisch orientiert ist, erhob schwerste Vorwürfe gegen die preußischen Logen, und cs war ein offener Konflikt vorausznsehen. Ta erließen die Großmeister der drei a l t P r c u ß i s ch e n Logen eine a e m e i n s a m e Erklärung, in der si e sest ste111eu, daß ihren Logen jede politische Tätigkeit und jeder Internationalismus f e r n l ä g e n und daß sie auf dem Boden deutscher u n d christl i ch e r A n s ch a u u n g st ä n d c n. Nunmehr kam cs zwar zu einer Versammlung im Nationalverband _ deutscher Offiziere, die sich wieder mit der Maurerei beschäftigte, aber es wurde nur „mit Befriedigung" von der „völkischen Neinigungsbewegung" in den drei altpreußischen Logen Kenntnis genommen. Die humanitären Logen kamen schlechter weg; ihre Mitglieder können nicht zugleich Mitglieder des Nationalverbandes sein. — Auch bas ist natürlich nicht das Ende. In einer neuen Schrift „Die.altpreußischen Logen und der Nationalverband deutscher Oyfizrere" spricht M ü l l e r v. H a u s e n davon, daß die Freimaurerfrage nicht gelöst, sondern erst in Fluß gekommen feister fordert die drei altpreußischen Logen auf, sich des Vertrauens, das in sie nun gesetzt sei, würdig zu erweisen, und er stellt am Schluß eine kleine Auslese von Forderungen aus, die sie zu erfüllen haben, wenn sie zu Gnaden angenommen werden wollen. Man sieht, daß mit den Konzessionen, die die Logen gemacht haben, wie es eigentlich selbstverständlich war, nur eins erreicht ist, nämlich daß Aufregung, Streit und —Politik in die Logen selber getragen wurde. Denn es ist ganz selbstverständlich, daß alle diese Dinge unter den Freimaurern einen heftigen Widerstreit der Meinungen zur Folge haben mußten. Sowie der Erisapfel des Antisemitismus in die Logen geworfen war, wurden sofort alle die politischen Fragen leidenschaftlich erörtert, die damit zusammenhingen, und in sämtliche Bauhütten kam dadurch eine leidenschaftliche Erregung, selbst in die altpreußischen Logen, die grundsätzlich keine ungetauften Juden ausgenommen hatten, also die Große Landcsloge und die Nationalmutterloge. In verschiedenen Fällen verließen infolge der Ketzereien auch getaufte Juden die Logen, und es war nichts Seltenes, daß dann ihnen aus ihre Austrittsureldungcn trotz aller Verdienste Briefe zugestcllt wurden, die man beim Militär ..schlichten Abschied" genannt hatte. Bedeutend verwickelter gestaltete sich die Angelegenheit in der dritten der altprenßisthen Logen, der früheren Royal York. jetzigen Großen Loge von Preußen, genannt „Z u r F r e u n dscha s 1". Hier hatte man 1872 mit dem Prinzip der strikten Ablehnung von Juden gebrochen. Es war also, wenn man nun mit dem „ReinigungsprozesE Ernst machen sollte, nötig, einen Beschluß in der Jahresversammlung zu fassen, der das Grundgesetz änderte. Nur eine kleine Minderzahl von Tochterlogen erklärte sich gegen die Aenderimg des Grundsatzes. Der Beschluß zum „christlichen" System zurückzukehren, war ja auch eigentlich schon durch die vorher erwähnte Erklärung der drei Logen, aus dem Großlogenbund, wo man mit den Humanitären Bauhütten zusammengearbeitet Hatto, auszutretcn, und durch die Verlautbarung der drei Großmeister vorweggenommen. Merkwürdigerweise griff die Bewegung auch ans die 1 H a m b u r g er Großlogc über: auch hier richtete das; Schlagwort „Deutschvölkisch" Verwirrung an, und cS fehlte , nicht viel, so hätten die Vvlkischgcsiuuten das Heft in die j Hände bekommen. Allein im letzten Augenblick fand man j sich denn doch glücklich zum humanitären Prinzip ohne Koni Zessionen zurück. ' Die Folgen aller dieser Vorgänge dürft e n f ü r die d e u t s ch e Freimaurerei s e h r s ch w e r - w icgend s e i n; sie ist. wie jetzt sozusagen aktenmäßig ießgestellt wurde, d i e e i n z i g e. die s i ch^ mit v o l l e r Ü e b e r z e u g u n g v o n allen politischen St r ci : : > leiten sernhiekt. Die Freimaurerei sämtlicher r o n: a - nischer Lander hat vor. nach nud während des Weltkrieges eine bös nationalistische, durchaus antideutsche Politik betrieben. Zweifellos sind diese Nationen seelisch völlig anders eingestellt als wir Deutsche, und cs ward solche Teilnahme i an der Politik geradezu als Manrerpfticht empfunden. Aber wir, die wir die Anfänge der Maurerei nud die Grundgesetze von den Engländern übernommen haben, sahen stets unsere vornehmste Pflicht darin, im „Bruder", bei dem wir nicht nach Stand, Religion o d e r p o l i t i s ch e r Richtung fragen wollte n , nur d e n M c n s ch e u g n sehe n. Es ist kein Zweifel, daß in Deutschland das ernste Streben vorhanden war, diesem Ideal nachzustreben über das Vorbild hinaus. Das hängt damit zusammen, daß die Austlärungszeit, deren Verschwommenheit und Seichimit dem kritischen Auge unserer großen Geister nicht entging, oci uns durch den Neuhumanismus abgelöst wurde. Uuwre Größten: Goethe und Schiller, Humboldt und Fichte und wie sie alle heißen, s i n d dari n ei n i g , daß ander Bildung der Menschen zu arbeiten, die h ö ch st e Aufgabe jedes einzelnen Die n s ch e n i st. Das ist kein verschwommener „Internationalismus", sondern darin prägt sich die Ileberzeuguug der Zeit unseres Vaterlandes aus, in der es zu der stärksten nationalen Erhebung kam, die aber auch die Emanzipation der Juden, die der Gemeinden und der Dauern sah. Es ist eine Verdrehung der Tatsachen, wenn jetzt die „Völkischen" behaupten, jene Ideale „paßten nicht mehr in unsere Zeit". Je weiter wir uns von den Jahren 1807-25 entfernen, desto mehr drängt sich die Empfindung auf, daß gerade in dieser Zeit der „deutsche Geist" sich am stärksten manifestierte. Es war auch eine besonders fruchtbare Zeit für die Maurerer, und wenn diese jetzt von dem allgemeinen Menschheitsideal abfällt, so muß da? notwendig mit ihrem Verfall enden. Dieser Verfall braucht durchaus nicht so in die Erscheinung zu treten, daß plötzlich die Logen veröden, vielmehr würde auch ihre Verflachung zu wohltätigen Vereinen ebenso den Niedergang besiegeln. Wodurch aber unterscheiden sie sich denn von solchen, wenn das M e n s ch h e i t s - rdcal aufgegeben wird? Die ganze Maurerei wird sinnlos, wenn sie so ihr Zentrum verliert. Das Traurigste ist. daß die deutschen Freimaurer augenscheinlich nicht sehen, wohin die „völkische" Strömung sie bringen wird. Und doch sollte ihnen die Ablehnung des Versuchs des Herrn Eska u . eine ..völkische Loge zu gründen, durch die Völkischen selber die Augen öffnen; sollten die Forderungen, die Herr Müller v. Hausen stellt, ihnen zeigen, wohin der Weg geht, wenn sie dieser Strömung Einfluß in den Bauhütten gewähren. Nachdem der letztgenannte Schriftsteller seine Wünsche, die aus nichts weniger als auf die Ausgabe sämtlicher Ideale der Maurerei hinauslaufen, genannt'hat, sügt er am Schluß zu: „Ist das geschehen, daun