Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 8 (20.2.1925)
- Date
- 1925-02-20
- Page
- Seite 141 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277569-2277577--01911-3536820- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Serlin, 20. §ebruor 1925 IV. Jahrgang <• ttc. S Einzelnummer 10 GolL Pfennig 2Ui££emeine Z©irun^ des duderuums Monatsabonnement 40 Eoldpsennig Dnlag und Schrislseitung: DerUn L^V L3, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 359-1, 3595. VanNonto: Dresdner Dank, Wechselstube 6, Berlin SW63, Lindenstr. 7 Llleinrge Anzeigenannahme: Anrwncen-Expeditton Nirdolf Mosse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Soldmark für die 7gespaliene Zeile nach {HubDlf Mofßs Normalzeileiniresser Nr. < Familicnanzeigcn und Stellengesuche für Mitglieder des Cerural-Bereurs 0.49 Soldmark. die 90 mm breite Nella;m.zeile 4 Eoldmark SZJ / Von einem christlichen Freimaurer. Die Freimaurerei hat stets viele Feinde gehabt. Nicht allein, weil sie sich in einen Schleier des Geheimnisses hüllr — eS handelt sich dabei übrigens stets nur um ihre Brauche, nicht aber um ihre Ziele sondern auch, weit sie, von außen gesehen, eine gewisse Exklusivität zu betätigen scheint, ist sic von zeher Gegenstand heftiger Angriffe gewesen. Man must nur daran erinnern, daß keilt Geringerer als Friedrich der Große sich schützend vor die Logen stellen mußte, bannt sie sich überhallvt hervorwagcn durften, daß in Oesterreich die Logen bis 1918 als staatsgefährliche Gesellschaften verboten waren, daß in der Reaktionszeit der Austritt der sächsischen Prediger aus der Loge gefordert wurde, — um zu erkennen, daß fast stets Einflüsse am Werke waren, die Zwecke der Logen zu durchkreuzen und ihre Anhänger entweder als staatsgefährlich oder als betrogene Betrüger zu verdächtigen. So wäre es geradezu ein Wrurder in nennen, wenn bei der ungeheuren Erschütterung alles Denkens seit dem Weltkrieg die Freimaurerei der einzige Faktor unseres Geisteslebens geblieben wäre, der nicht angezweifelt und angegriffen worden wäre. Den Hebel setzten die Feinde der Logen diesmal bei den Juden an, die den Logen angeh vre n. Man, d. h. die Völkischen, die Antisemiten, verlangten einen „Reiuigungsprozeß" inihrem Sinne. In den Zeitschriften, die ihnen zu Gebote standen, namentlich in dem periodisch erscheinenden Blatt „Ans Dorposten", dann aber auch in einer Reihe von Flugschriften, endlich in dem Buch von Dr. Friedrich Wichtl: „Weltsreimaurerei, Weltrevolution, Weltrepublik" und dem weiteren von Alfred No send erg: „Das Berbrechen der Freimaurerei" wird gegen das „internationale Freirnaurertum" Sturm gelaufen und vor allen Dingen den in die Logen eingodrnngenen Juden schuld daran gegeben, daß die Freimaurerei „verseucht" sei. , Die Beweisführung für die „Verjudung" der Logen ist ^allerdings höchst fadenscheinig. Bei den alt preußischen Logen muß z. B. der bekannte völkische Schriftsteller M ü l l e r v. H a u s e n zugestehen, daß weder die Große Ratioualmutterloge zu den drei Weltkugeln noch die Große Landesloge ungetanste Inden anuehmen; bei der Großen Loge von Preußen, genannt „Zur Freundschaft", berechnet er ohne Jede Unterlage den Hundertsatz aus drei! Dazu aber erklärt Müller^ ganz richtig, daß in den sogenannten „Inneren Orient", d. h. die an Stelle der Hochgrade der anderen Logen stehende Einrichtung, Juden nicht kommen, aber er setzt hinzu: „Aber.was bedeutet das praktisch?" Diese Frage ist natürlich rein rhetorisch, denn schließlich bedeutet die Ausschließung bom „Inneren Orient" ein entscheidendes Hinter n i s, w i r k li ch e n Einfluß zu erlangen. Nichtiger hat hier Wicht l gesehen, der aber wieder in anderer ^erse falsch orientiert ist. Er sagt: „Man nimmt sie höchstens m .dre ^drei unteren Grade aus, nicht aber in den „Inneren Orient" beziehungsweise in die Andreas- oder Schottenloaen. Don der Erlangung von Hochgraden sahen sich also die Juden bei den altpreußischen Logen von vornherein ausgeschlossen, was um so mehr ins Gewicht fällt, als z. B. bei der Große:: Landestoge von Deutschland die drei unteren Grade bis zur Bedeutungslosigkeit herabgedrückt . . . sind." Aber die Große Landesloge und die National nni 11 e r löge nehmen überhaupt keine Juden auf! — Beide Aeußeruugen Zeigen recht deutlich, mit welcher „wissenschaftlichen" Genauigkeit beide Schriftsteller arbeiten. Tann aber geht Wichtl nun aus die anderen dcuts ch e n Großlogen ein, die also Juden ausnehmen. Hier — sollte man denken — wäre nun der Beweis, daß die „Berjudung" der deutschen Freimaurerei außerordentlich geschadet hätte, sehr leicht. Was aber erfährt man? In dem Kapitel YJII, das sich mit der Rolle der Juden in der Freimaurerei beschäftigt, ist unter 13 Seiten Deutschland etwas über eine Seite gewidmet! Das ist „Beweismaterral". In den letzten drei Seiten bringt Wichtl Zitate aus Findts Schriften und außerdem die wahrhaft erschütternde Tatsache, daß zu Beginn des Weltkrieges der Großmeister des Eklerrischen Freimanrerbundes, der damals die Geschäfte des „Eroßlogenbnudes" führte, Ko hu hieß, eine Feststellung, die um so erschütternder ist, als sicherlich bei Beginn des Weltkrieges ga^iz andere Dinge bedeutend wichtiger waren als der deutsche Großlogenbund. Und um so komischer, als Ko hu nicht jüdischen Geblüts, sondern guter „a r i scher" E h r i st ist. Das hindert aber Herrn Wichtl nicht, geheimnisvoll zu äußern: „Was sich da in den obersten Logenkreisen Deutschlands abgespielt haben mag, entzieht sich vorläufig der profanen Betrachtung" und nach Nennung des fürcherlichen Namens: „Das spricht allerdings Lände; dieser Name ist fürwahr ein Programm." vH» Von einem christlichen Freimaurer. Adolf Killers Zulunftstraume. S. "113. De? teil slaasas für den Berliner OÖAV.? 6.145. Heinrich Keines Stellung zum Judentum. Von Do. Hugo Lachmanski. S. 143.