Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1925-02-13 · 7 (13.2.1925) · p. Seite 130

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
7 (13.2.1925)
Date
1925-02-13
Page
Seite 130 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277569-2277576--01899-3536807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

130 Ein Reich von Priestern. W o ch e n b e t r a 6) t u n g. Eine gewaltige Lumme von materieller und geistiger Jlrcft wird Von der jüdischen Gesamtheit im Abwehrkarnpf verbraucht. Tiefer Kamps wird außerordentlich erschwert durch die große ll uwisstu - heit in jüdischen Dingen, die in unseren eigenen Reihen herrscht. Eine Hebung des jüdischen Wissens würde darum unsere geistige Verteidigungskraft außerordentlich steigern. Nehmen nur als Micherbenviel einen Saß ans unserem dwswöchentlichcn Schrittabschnitt: ..Und ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern, ein heiliges Volt! Ties sind die Worte, welche du zu den Kindern Israel reden sollst." Diese Worte bilden gewisiermaßen die Stiftungsurkunde der jüdischen Religion. Sie künden uns und der Welt, was wir sein und was wir wollen sollen. Damit fallen drei landläufige Schlagworte. die gegen uns und unsere Religion geprägt sind. Das erste ist das Wort von der Priesterreligion, die ihr Bestes aus ägyptischen Duellen schöpfte, über welche sich die fortschrittliche Opposition der Propheten vergebens zu erheben versuchte, die idjiictf* lich als Religion des Gesetzes verknöcherte. Eine Priesterreligion seht eine streng vom Volke geschiedene Priesterkaste voraus, die alles Wissen und große materielle Macht in sich vereint und sich der Religion als Mittel zur Befestigung ihrer Herrschaft bedient. Wohl gibt es einen Priesterstand, dem der Tcmpeldienst reserviert bleibt, aber ohne jede materielle Macht, vor allem der Herrschaftsbasis des Landbesitzes entbehrend. Winenschaft und Recht bleiben in der Hand der aus der Mitte des Volles hervorgehenden Aeltestcn. Priester In idealem Sinne soll das ganze Bol! m allen seinen Gliedern werden. Israels Religion sei nur eine Stammes-, eine nationale Religion. Gibt es aber eine universalere Forderung als ein Reich von Priestern, ein heiliges Volt zu werden? Ein heiliger Priester Gottes kann jeder Mensch werden, ohne Rücksicht ans irgendwelche nationale oder kulturelle Eigenart. Israel erstrebte die Weltherrschaft. Wäre es aber nicht am Platze gewesen, hier, im Augenblick der Berufung, eine solche Verheißung zu geben? Gäbe es wohl ein zündenderes SchlagwSrt, um sie zum Dienste ihres Gottes anzusenern, als ihnen die Herrschaft über die Völker als Lohn anzukündigen? Aber nur vom Volke selbst spricht das Gottesmort und von den hohen und erhabenen Ausgaben, die seiner harren. Das ist der Anfang und das Ende des ganzen Judentums. Tie jüdische Geschichte zeigt uns den Versuch des Volkes, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die wahre und echte jüdische Geschichtsschreibung sollte uns den Auf- und Abstieg, die Kreuz- und Onerwege aufzeigeu. welche das Volk auf dieser Bahn gemacht hat. Jede Epoche sollte nur als Etappe zu diesem Ziel betrachtet und bewertet werden. Israels Erziehung und Aufstieg zu den Idealen der Thora sollte der Inhalt einer jüdischen Geschichtsdarstellung fein. In diesem einheitlichen Geiste ist bisher nur ein jüdisches Geich ichtswerk geschrieben, das ist unsere Heilige Schrift, soweit sie Israels Geschichte Darstellt. Sie ist im heiligen Geiste geschrieben. So müßte auch ' weiter in heiligem Geiste geschildert werden Israels Werden zu der idealen Höhe eines Reiches von Priestern und heiligen Volkes. H o s s m et n n. biblische Dichtung. Stur m ann : Alt hebräische Lyrik. — F r i e - drich Wolf: D a s Heldenepos des Alten Bundes. — Hans F r a n cf: Gottgesnnge. Von Julius Vab. Die bezwingende Gewalt. die von den mächtigen Büchern biblisch Poesie ausgeht, ist keineswegs im Schwinden. Im Gegenteil, ße wächst alle Tage, und gerade in deutscher Sprache sind nenerdingc wiedoreine ganze Zahl dichterischer Kräsle Oeiniitu, die großenlederner schließenden Formen jener Poesie mit den Worten unserer Tage neu auszusprechen. Je nach der Stärke des persönlichen Eiu.satz.es wird es sich dabei um liebersetzu ngsversuche mannigfachster Art oder um wirklich neue Kunstwerke auf biblischer Basis handeln. Zivei Nachdichtungen liegen vor: in der Allgemeinen Verlagsanstalt ließ M a n f r e d Sr u x in a n n einen Band ,,A 1 t - I) c b x ä i i ch e L h r i t" erscheinen. Arnold Z weig hat ein Vorwort geschrieben für diese Nachdichtung, in dem er uni Recht l>crvorhebt, daß die großartigen ^prachschöpsimgen Luthers die religiösen Lieder der Bibel doch um einen viel zu entscheidenden Grad zu dicht an das Gelöst, zu weit von der Lhrilch-Phantastischen Wirkung fortgestellt haben. Sturmann dichtet nun eine große Auswahl von Psalmen und die Klagelieder Jeremiae und ein paar andere, den epischen Partien eingebettete Gesänge neu. Schon das Truckbild in der Form, die tinu für Gedichte gewohnt sind, die Zcilenbildung. die Slrophenemteitung. ist für das innere Erlebnis nicht ohne Bedeutung. Aber natürlich arbeitet Sturmann darüber hinaus mit allen Mitteln. die uns das Gefühl einer klingenden Tiehtung. des Liedes zu geben vermögen. Man vergleiche einmal ein so berühmtes Gebilde wie den dreizehnten Psalm inder lutherischen Fassung und in der neuen Stirrmauns, und man wird, von allen sprachlichen Vertiefungen und Verstärkungen abgesehen, schon, in den summetcischen Zeilenanfängeu, in dem gleichmäßigem Bau der durchweg einfach gemachten Lätze ein gewaltiges Mittel musikalischer Steigerung erkennen. Vielleicht dient dem Vergleich am besten.- eines der ältesten, unberühmtestcn und dunkelsten Lhrika der Bibel. Im vierten Kapitel de s c r st c u V u ch M o j e s heißt es: „Und Lamech sprach zu seinen Weibern. Ada und Zilla: Ihr Weiber Lamechs höret meine Rede, und merket, was ich sage: Ich habe einen Mann erschlagen nur zur Wunde, und einen Jüngling mir zur Beule, Kain soll siebenmal gerochen werden, aber Lamech siebenn ndsiedenziginal ~ Das lautet bei S t u r nt a n n : Hört auf mein Wort. Ada und Zilla! Merket aus, ihr Frauen Lamech-:. Einen Mann schlug ich nieder für meine Wunde, Einen Knaben erwürgt ich für meine Striemen! Rächt ihr Kain auch siebenfach. Ich räche Lamech- — siebenundsiebenzigmal!!? Es ist klar, daß hier nicht nur einzelne Sätze unterem Sprachgefühl zugängig gemacht worden sind — erst in dieser Formung wird das W eien dieser Zeilen verständlich: ein S ch w e r l l i c d, ein Stück alt hebräischen Bardenge sangs. ein Kriegslied ans der Zeit der Sippenkämpse. Am Schluß seines Buches bringt Sturmann natürlich das Hohe Lied — ..Das Lied der Lieder" wie er es nennt. Es ist ja bekannt, daß ein leidenschaftlicher Wille zur theologischen Umdeutung gerade hier die Lutherische Uebersetzung besonders weit von der großartigen eroliidgen Poesie des Originals entfernt hat. Selbstverständlich, wenn Stnrmann mit seiner ganzen Einteilung. Wortprägung und Rhnrhmifterung auch eine viel stärkere Vorstellung vom Wesen des alten, großen orientalischen Liebesgedichts gibt — etwas Vollkommenes und ilelnige Anzeigen «Annahme K u d o l f llosee, Anzeigen-Annahme für säntL Zeitungen Deutschlands und des Ausl Srctliu SW 19, ^ctmataner 0irake 4&-40 / 23ic5Inu f Sfjeinmfc / TreZdcrr j SEiiftcftocf / Erfurt f Franhurt a. Lv Halle (Laa!e> / Hamburg } Haunaaer Flrtn a. Llh. / Lkipzia / Magdeburg i Mannderrn / München / Nürnberg / Shrtt;?ar: / Amsterdam / Prag / U3im / Budapest / Warschau / Basel | Zari.tz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.