Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 7 (13.2.1925)
- Date
- 1925-02-13
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
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120 Zwe! völkische „verantwortliche ReZakteureA In einer im Sommer vorigen Jahres in Hanau heransgegebenen und vor allein in Frankfurt und dem Odenwald verbreiteren deutsch- Vvllisthen Zeitung „Tentichvoll" fand sich u. a. folgende Notiz: /.Jndenreiner Pferde- und Viehmarkt. Tie Bevölkerung Beerfeldens. die seit langen Jahre!: unter der Judenst'nch? zu leiden hat, bekannte sich bei der Reichstagswaht in großer Zahl zum völtiichen. d. h. nationalistischen Gedanken. Tie Jndenschait Beerfeldens sann daher ans Nach?. -Um*,3 nach der Wahl erschienen in den im Odenwald meist gelesenen Zeitungen Antimdignngen, das; die vereinigten Bichhändler Beerfeldens (nur Inden) den alljä!)r!ich im Juli stattfindenden Pferde- und Biehmarlt nicht beschicken wurden. Ter Jude Oppenheimer soll erklärt haben, daß vierzehn Tage vor "Abhaltung de.r> Viehma'rktes iw Beerfelden die Maul- und .sttaneuseuche auZbrechcn würde. Tie Staar-anwattschaft hat inzwischen ein Verfahren gegen ihn eingeleitet." Ter Hausmann <riegmnnd Oppenheimer, der in Beerfelden geboren ist und seit Jahrzehnten dort ein Zigarrengeichäst betreibt, also mit dein Biehhandel in keiner Verbindung steht, strengte wegen der ihn berührenden unwahren Behauptungen Privatklage gegen den verantwcrtlichen Redakteur des inzwischen eingegangenen Blättchens, einen Major a. T. ü l p ans Hanau, cm. die vor dem Amtsgericht Hanau am *23. Januar d. I. zur Verhandlung kam. Ter Major, gegen den nach eigener Angabe seines Verteidigers eine Unmenge Privatklagen noch laufen und der erst vor einigen Tagen wegen Verleumdung des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Erich Kuttner in Berlin zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt wurde, hatte es vorgezogen. n:cht zu erscheinen und sein Fernbleiben damit 31t begründen, daß er sich nur vorübergehend in Hanau aistgehalten. aber in Gerau seinen ständigen Wohnsitz habe. Tein Verteidiger gab unumwunden zu. d a ß der Bk a j 0 r n i ch t die g e r i n g st e n A n h a l t S p 1111 f t c f ü r d i e i c!) tigkeit der beleidigenden Ototiz besitze. Gr sei fii« v e r antwörtliche r R e b n f t e 11 r des ..Teutschvolk". da2 im ganzen 222 Abonnenten gehabt habe, von seinen G e w ä h r s m ä 11 it e r n. deren Bkitteilnnaen er im Glauben ans ihre Richtigkeit stets veröffentlicht habe, so h i n t e r g a n g c n w o r d e n. daß er lei n e V e r - a u l a s s u n g habe, das R e d n k t i 0 n s g e h e i m n i s Zu wahren, und daher auch den Namen des Mannes preisaelre. der die fragliche Notiz gegen Herrn Oppenheimer eingebraM habe. Selbstverständlich versuchte der Verteidiger den Abschluß eines Vergleichs. Ter Vertreter des Herrn Oppenheimer. Rechtsanwalt Tr. Marr (Frantsnrt a. Dk.r. lehnte diesen ober ab. da ein Vergleich immer in dem Gegner, und vor allein i u bet C e {f e 1111 i d) f c i t. den Ansclx'in erwecke, als ob „die Sache nicht ganz sauber sei". Nachdem der Verteidiger besonders darauf hmaewiestn hatte, daß ilfilp mittellos sei vnd bereits den Oft'enbarungseid aelcistet habe, erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe in Höhe von 50 Mark lediglich mit Rücksicht auf die schlechten Vermögensverhältnisse des Beklagten, und sprach dem PrivaMäaer die Befugnis zur Veröffentlichung des Urteils im „Erbacher üreisblatt" zu. In der Begründung wies das Gericht ausdrücklich darauf hin, daß von Wahrung berechtigter Interessen, die der Verteidiger für [ einen A n - e £ [ q g t c n geltend g e m a d) t habe, keine Rede sein onne. zumal auch ans der Form der Veröffentlichung ..Jndensenche" nuw. die Absicht der Beleidigung h e r v 0 r g c h e und gerade der Redakteur eines deutschvölki'chen Blattes doppelt vorsichtig sein müsse bei Veröffentlichung von Notizen, die sich mit dem Privatleben einzelner Personen befaßten. 'Selbstverständlich hat Herr Oppenheimer gegen den eigentlichen Urheber der beleidigenden Behauptungen, den Poslinfpektor Jakob Sprenger in Frankfurt a. IW, Rlage erhebe!: lauen. * Wegen Beleidigung des Jnstizrats B l u m e n t h a l und des Rabbiners Tr. Neu selb wurde in Insterburg der Redakteur des ,.O st p r e u ß i s ch e n Tageblatts", Werner P e t e r s i l q e genannt Peters, zu 300 Mark, der Kaufmann Frist Sichert zu k50 Mark Geldstrafe verurteilt. Ten Beleidigten wurde Veröffentlichung des Urteils in den Jnsterdnraer Tageszeitungen auf .Gesten der Verurteilten Anerkannt. Ans der Verhandlung ergaben sich sehr interessante Einzelheiten über das V 0 r l e b e n des je 10 25 jährigen Redakteurs Petersilgo, der sich bis vor kurzem stets Peters nannte.?• war seit Jahresfrist Redakteur des dentschnationalen „Oftprenßilchep Tageblattes", das unter ihm in radikales völk-sches Fahrwasser geriet. Gaum eine Nummer. in der er nidjt gegen die ..I uden - '^Oen" und gegen die „jüdische Re publik" usw. wetterte. Auch in Wahlversammbnngen auf dem Lande hat er in gleicher^ Weise gewirkt. Im vorigen Jahre wurde Peters vom Schöffengericht zu Würzburg wegen U n t e r s ch l a g u n g zu 3000 Mark verurteilt. Gr studierte damals Medizin; ein Kommilitone mußte seinen Koner mit Anzug versetzen und übergab den Pfandschein^ bei seiner Abreise Peters, an den er auch das Geld zur Emtöjung schicken wollte. Als Herr P. die 200 Mark empfing unterschlug er sie und verkaufte auch den Pfandschein. Ter GesckHdigte wandte sich an die studentische Verbindung, der gegenüber Peters erklärte.^ er habe die machen längst eingelöst und abgeschickt. was sich als Lüge herausstellte. Herr Peters hat also das begangen, wegen dessen er andere zu bezichtigen wagt. Heute macht er in der deutschnationalen Presse „ösi'ent liehe Meinung" und klärt als Rebner das Bott auf. . Der Rampf um Hitler. Heftige Tprache des „N a t i 0 n a l s 0 z i a l i st e n*. Tie völkischen Hoffnungen auf eine Einigung der verschiedenen nationalsozialistischen Richtungen durch das persönliche Eingreifen A d 0 lfH : tlers fine bisher n ich t in Erfüllung gegangen. Während der Besuch Hitlers bei dem bayerischen Ministerpräsidenten Held als ein Hoffnungsstrahl am dunklen völtisch-bnherischen Himmeh von gelvisier Seite angesehen worden ist, versuchen andere völkische Richtungen. Hitler ans diesem Besuche einen strick 311 drehen. Nach dentschaationalen Zeitungsberichlen fand Ende Januar in Berlin eine P r e n ß e n l a g u u g der Nationalsozialist:- s che n Freiheit s p a r t e i statt. Nach diesen Mitteilungen. die von .Anständiger völkischer Seite bisher nicht bestritten worden sind, ist cun der Tagung nadi einer in: Münchener .Nationalsozialisten" (7. Februar 1925) wiedergegebenen Tarstellnng von Führern wie Wulle, G r a c f e, H e n 11 i n g. Tr. Si 0 e r 1: c r scharf gegen Hitler losgezogen worden. Bisher war er lvie Ludendorsf unter den Bölkischen aller -tächtnngen unantastbar. Ludendorsf lvurde höchstens als der arglos Verführte gemalt. Wulle habe gesagt, der Ultranwntanismns sei die weitaus größte Gefahr, schlimmer noch als die jüdische Gefahr. Hitler habe den: Runisterpr-ändenten Tr. Held einen Besuch gemacht. Tie Geiahr bestünde, daß Hitler, durch die lange Haft vielleicht mürbe gemacht. sich vor den: Illtramontanismus beuge... Deshalb erwartet Wulle von Hitler und seinem Anhang, daß sie sich unter seine große politische Führung von Berlin stellen. Tr. st 0 e r n e r , der völkische Landtagsabgeordnete, erkkürte: .-Hitler will nicht Trommler sein, sondern Papst. Wir von der Freiheitspartei haben alles geschasseu, Hitler nichts. Hitler hat Trenbrnch begangen a m T r e u b n n d." Schon lange hatte man den Eindruck, als olHH i t l e r der Grohden t s ch e n V 0 lksge m c i n s ch a s t der Streicher. Tiuter und Esser näher stände als der Volk i s ch e n F r e i h e i t s b e w e g u n g . vertreten durch Ludendorsf. Graest und Strasscr. Ter Grund seiner Hinneigung zur Groszdeutschen Volksgemeinschaft dürste im wesentlichen darin liegen, daß er der: parlamentarischen Weg. den Ludendorsf und seine .stollegen gegangen sind, für ein großes Unheil ansieht. "Auch die Gegensätze zwischen der Tentschvölkischen Freiheitspartei oder Nationalsozialistischen Freiheitspartci. die sich vorzugsweise in Norddeniichland ans ländliche streife stützt und, wie es immer heißt, kapitalistisch eingestellt ist. und zwischen der "Oiationalsozialistischeu "Arbeiterpartei Süddeutschlands. die ems ihrer antikapitalistischen Einstellung nie einen Hehl gemacht hat, werden dabei rnitsprechen. Ter ,.N a t i 0 n a lj 0 3: ci i i fl", den Esser herausgibt, tobt über die Angriffe ans Hitler und über die Forderung, von Preußen ans die Nationalsozialisten zu regieren. Worte wie „unverschämte. freche "Anmaßung". „größemvahnsinuig gewordene völkische Politikaster an der Spree", „Ergüße der 'Nordlichter Wulle. Henning und Kammer" durchziehen den mit scharseu Ausdrücken gespickten Aufsatz. Er schließt mit den Worten: „che (die Norddeutschen) sollen deshalb ihren Weg allein gehen: sie sollen sich aber auch gefälligst nicht mehr unterstehen, unseren guten Namen Nationalsozialisten weiterhin zu mißbrauchen." INHALT: RaLb. Dr.l’aeclc: Kultumssammenhänge. Lord Drycc: Ra^äcnbtuusslsein ein Faktor der Geschickte? Prof. Goldstein: Ueber die Lh:furcht. Univ.-Prof. Dr. Frick : Juden am Rhein. die Konfessionen? schlech.tüchkcit und Sittlichkeit. eint und trennt i m©E&ca£sö®2aB,ijf£* Vorbestellungen, Einzeltium. 2,25 M., Jahresab. 12 M., erbeten an Philo-Verlag und Buchhandlung G.m.b. H. Berlin SW 68, Lindenstrasse 13.