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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-05 · 6 (5.2.1925) · p. Seite 112

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
6 (5.2.1925)
Date
1925-02-05
Page
Seite 112 (sequence 15)
Language
German
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112 wie nennen wir unser Kind? Es hat den Anschein, als würden die deutschen Inden im Laufe der nächsten Jahrzehnte die Schlacken, die ihrem Charakter von ihrer jahrhundertelangen politischen und gesellschaftlichen Entrechtung her noch anhaften, völlig abstreisen, denn alles, die Bestrebungen des Centralvereins, des Bundes Jüdischer Frontsoldaten und auch in gewissem Sinne die Bestrebungen der Zionisten, 'drangt dahin, dem deutschen Inden ein höheres Selbstgefühl, höheren Mut zurückzugewinnen, Eigenschaften, die von selbst erhöhte Wertschätzung der Familientraditiou, Gleichstellung ererbter Gepflogenheiten mit denen anderer, höhere Würde im Gefolge haben. Von diesem Gesichtswinkel ans betrachtet, wäre es eigentlich überflüssig, aus Stillstände hinzuweisen, die aus diesem Mangel an Selbstachtung, an Würde hervorgegangen sind, aber oft genügt schon die Erwähnung einer üblen Gewohnheit, um sie zu beseitigen, und es ist nicht immer richtig, ihre Abstellung der Zeit zu überlasten. Ich denke an die wenig würdige Art, mit der die deutschen Juden die in ihren Familien üblichen Vornamen durch moderne und hypermoderne Namen zu ersehen bemüht sind, ein Bestreben, das in letzter Zeit groteske Formen angenommen hat. Branchen mag es nicht wichtig erscheinen, dagegen zu eifern: es gewinnt aber doch als ein Zeichen für die unrichtige Einstellung vieler Juden in ihrem Verhältnis zur Umwelt symptomatische Bedeutung. Die Grundursache dieser Sucht ist — _ darüber wollen wir uns keiner Täuschung hingeben — der Wunsch, nicht schon durch den Vornamen als Juden gekennzeichnet zu werden, gerade als ob es eine Schande wäre, Jude zu sein. Welch' geringes Mas; von Würde dokumentiert sich in diesem Bestreben! Welch' nutzloses Beginnen ist es außerdem! Glaubt den irgend jemand ernstlich, der Name mache den Träger? Nein, noch immer hat der Träger d e m Namen Glanz und Ansehen gegeben, wenn er der Mann danach war, und noch immer hat jdjlecljtcr Charakter, schlechtes Benehmen auch den schönstllingenden Namen verhaßt machen können. Wem fällt es wohl ein, den echt jüdischen Namen „Baruch" nicht schön zu finden, wenn er mit dem weiteren Namen „Spinoza" verbunden ist? Klingt Baruch Spinoza weniger erhaben als Immanuel Kant, als Arthur Schopenhauer? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Ich habe einen Jugendfreund, der, aus sehr frommer Familie stammend, ebenfalls den Namen „Baruch" sein eigen nennt, bei. einen* Husarenregiment als Einjähriger gedient hat und mit den Treuen abgegangen ist, ein liebenswürdiger, kluger Mensch, der trotz seines jüdischen Vornamens, dem sich ein ebenso jüdischer Zunamen zugcsellt, doch bei allen seinen feudalen christlichen Kameraden außerordentlich beliebt war. Welchem Liebenden klänge nicht der Name seiner Geliebten, und sei der Name noch so unschön, wie Sphärenmusik? Dar Liebende denkt bei Nennung des Namens an die Trägerin, und so ist der Name für ihn in Glanz getaucht. Nein, der Name tut es nicht, und das Bestreben, unter allen Umständen neue Namen für die Neugeborenen zu finden, m a ch t u n s n u r i n den Augen alle r Ar e n s ch e n. die S e l b st a ch t n n g b e - s i tz e n, l ä ch e r l i ch. Dabei heißt es gar nichts anderes, als vor seinem eigenen Schatten fliehen, denn nach wenigen Jahren sind auch diese neuen Namen: G e r t, B e r t, N o l f, Peter — der übrigens ebenso spezifisch katholisch, wie Martin spezifisch evangelisch ist — verbraucht, sind jüdisch geworden und werden zum alten Eisen gelegt, wie es die guten deutschen Namen: Siegfried. Siegm und, M o r i tz und viele andere schon lange sind. Die jüdischen Delltschen könnten sich ein Beispiel am deutschen Adel nehmen, in dessen Familien immer dieselben Namen Tradition sind, die ihre samilieneigentümlichen Namen Hochhalten, statt wie die Sklaven solche dern Adel eigentümlichen Namen für sich selbst zu übernehmen. Haben denn die Juden ut i t ihrer tausendjährigen U e b e r l i e s e r u n g nicht s c l b st Adel genug, und brauchen gerade sie von anderen zu borgen? Leben außerdem die Juden nicht schon so viele Hunderte von Jahren. ja> mehr als ein Jahrtausend in deutschen Landen, daß sie nicht wirklich schon deutsche Vornamen als erb- und f a m i l i e n e i g . c n i ü m I i d) haben könnten? Ist die Sitte, den Sohn nach dem Namen verstorbener Vorfahren, zu nennen, nicht erhaben? Ist es nicht ein Zeichen von Kultur, Ehrerbietung zu haben vor dem Ueberkommenen. ist es nicht ein Zeichen von Pietät, Verstorbene durch Weitersührung ihres Vornamens zu cljrcn? Gewiß, ich verkenne nicht, es gibt Namen, die tatsächlich durch ihren Mangel an phonetischer Schönheit unangenehm wirken, aber wenn sich die Wahl eines anderen Namens sachlich begründen läßt, wenn sie nicht hervorgerufen ist durch die Sucht, leinen „jüdischen" Vornamen zu haben, dann läßt sich gegen die Aenderung nichts cimvenden. Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, daß iu Amerika die alten biblischen Namen: Jacob, I s a a c, Abraham — klingt A b raham Lincoln nicht gut? — und viele andere auch heute noch mit Stolz getragen u>crden, aber es ist vielleicht doch gut, daran zu erinnern. So wird auch kein christlicher Deutscher 'an unseren lieben alten Namen Anstoß nehmen, wenn er nur am Träger des Namens keinen Anstoß zu nehmen braucht, und hier Heinrich Mack Nachf., Ulm a. □. Alleinige Anze igen-Annahme Rudolf Llosso, Anzeigen-Annalisnö für samt!. Zeitungen Deutschlands und des Auslands 2. ahn SW ]9, Scnifcrenicc Strafe 46-49 / LreZlau / Chemnitz / TreZdcn | Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt s. Li. / Hall- (Laake) / Harnbarg / Hannover f üu c. föh. I Icifsifl / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg i Stuttgart / Anistcrdam j Prag / Wien / Budapest / Warschau / Baiel / Zürich. feiern j i i ^i@Ss ,1 lar^ im innn Verlangen Sie kostenlos unsere Preislisten and ««Vorteilhafte Angebote18. Wir liefern Paritäten in feinster Erhaltung, Altdeutschland and Europa, Sätze und Einzeln) arken. Ausvrahlsendungen auf Wunsch. 7{. flmsMm 4 So., gtisfaurlwß-SpszMImis, Sluttgmt 2, /Mionsfr. 24. I?; Wellig erejelSsrl UKÄ yrasaasfeftei erscheint unter dem Titel . 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