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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-05 · 6 (5.2.1925) · p. Seite 109

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
6 (5.2.1925)
Date
1925-02-05
Page
Seite 109 (sequence 9)
Language
German
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105) vom politischen Takt. Wahlkämpfe sind als eine Hochschule des Politischen Taktes nicht Merode e.nzusprccheu. Wahlkämpfe erfordern Leidensthast. und die Leidenschaft zählt nicht die Verbeugungen und die einzelnen Schotte nach rechts und links, die Oorgefchrieben imb geftatlet find. Xv:& nlloo kann man durchaus zu ge den, und gleichwohl ist es angebracht, auch bei dem Anstragen von Gegensätzen wahrend der Wahlen bestimmte Grenzen irmezuhallen. Ja, mochte einen Anlaß benutzen, um darzntnn, in wie häßlicher Weise diese Grenzlinie überschritten worden ist. Ter Fall nt der folgende: Ter „B e r c i n zur A b w ehr des A n t i s e m i t i s m n e" i it veta null ich zusammengesetzt aus Ehristen und Hilden. Teil Jahrzehnten itnd Jahrzehntem, feit dem Anftoucl)en des Stoeterscheu hintisemitismus fuhrt er den Kampf für die Gleichberechtigung dcr Huden in Deutschland und gegen die Judenhetze. Tie Vorsitzenden dieses Vereins sind nicht gerade die ersten besten gerne sei i. G n eist, der große Staatsrechtslehrer, H e i n r i ch R i cf c r t, der angesehene liberale Politiker, Theodor Bartl), einer der begabtesten Führer des Fortschritts und der Temotrntie, waren die leitenden Geister; jetzt ist der erste Vorsitzende Gothein, der der Republik eine Zeitlang als Reüchs minister gedient hat. Wenn man diese Bei he von Parlamentariern, von bedeutenden Scannern im öffentlichen Leben Teutschlands überblickt, so muß man sagen, der .stampf gegen den Antisemitismus ist auch von christlicher Teile in einer Achtung gebietenden Weise geführt worden. Ganz gewiß haben Männer wie die genannten sich dieser Ausgabe nicht unterzogen ans einem anderen Grunde, als weil sie damit eine Pflicht gegen den modernen 3 t a a t in seiner Gesa m t h e i t glaubten erfüllen zu müssen, mag immerhin ihr .Kamps zugleich uns Huden chic Erleichterung, ein Ansporn zum Ansharren gewesen sein. Was diese Männer wollten, war eines: -3ie wollten, daß die Juoensrage in Deutschland in einer Weise gelöst werde, wie die Lösung in einem modernen Staats wesen geboten ist. Solche Gesichtspunkte haben stets die Haltnua des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus von Gneist bis Gothein bestimmt. Und aus diesen Erwägungen heraus hat Gothein vor den jetzigen Wahlen zmn Preußischen Landesverband jndi''chcr Gemeinden ein Flugblatt folgenden Inhalts erlassen: Zu den Wahlen für den Preußischen Lan-csrcrbaud Indischer Gemeinden: Ter vor 35 Jahren gegründete Verein zur Abwehr des Auüsemiiismus nmsaßt gleichmäßig christliche wie jübifdie Mitglieder, ^eine -Ausgabe sicht er allein darin, die Juden in ihren staatsbürgerlichen Rechten ebenso wie gegen gesellschaftliche Benackteilignnü zu schuhen und die über sie und ihre Religion verbreiteten Lügen nnd Verdächnignngcn zu widerlegen. T^er antisemitischen Ritualmordlegende ist er wirkungsvoll cntgegengetreten, nicht minder den Behauptuirgen über die Minderwertigkeit einer gar nicht eimnal vorhandenen jüdischen Rasse. näh' den Verein zur Abwehr des Arnisemitisurus ist der in Deutschland eingebürgerte Jude ein Deutscher j'ädischer Religion. Für jeden verlangs er freie Religionsübuug. Mit Erfolg hat er die antisemitischen Versuche, das rituelle Schächten zu verbieten, den an der Sabbatheiligung feslhaltenden Juden zu zwingen, am Sabbat vor Gericht zu crsckcru.cn oder im Frieden Militärdienst zu tun, bekämpft. So fern cs dem Abwehrverein daher schvn mit Rücksicht aus seine hiterloufessionelle Zusammensetzung liegt, zu den inneren Retigions: .fragen oder^zn den verschiedenuen Richtungen der jüdi'chen Religion ürgendnüc Stellung zu nehmen, so wenig verkennt er, daß ihm sein .Abwehrlamps gegen den Anliftrnitisnms aufs Emvsiu.dlichs-e crschloert loird durch die nicht religiös, sondern rein jüdisstvvölliün cingenellreu Zionisten, die sich nicht als Deutsche jüdischer Religion, sondern al» eine von ben Deutschen abgesonderte jüdische Station suhlen. In einer Nomantilerbewegung wste der zionistischen, welche die Zeiten der Vergangenheit wieder lebendig maerni Null, mögen idealistische Züge liegen. Solche Beugungen haben indessen Uuc die Geschichte lehrt -- locnn au6) zeitweise, so doch nur vorübergehend Erfolge gehabt.' Aber der in Deutschland lebende Jude, der nichr Deutscher sein will, der die völkische zionistische Bewegung fördert-, nms; sich klar darül^r fein, daß er da mir Wasser aus die Mühlen der antisemitischen Bebauptung liefert: ,;Xic Inden seien ein Fremdkörper, seien ein fremdes ober Ga st voll im deutschen Wirt »voll, das deshalb auch nickt die Rcckte der dentsäxn Staatsbürger verlangen könne. Ihr Vaterland sei Palm stina: dorthin feien sie abzuschiebenT Dcksäcküch sielst der Zionist in Palästina sein Vaterland. Dorthin Null er gehen, will Deutschland verlassen, sobald ihm das möglich ist. Will die deutsche Kultur, die deutsche Sprache anfgeben. Gr fühlt sich nr Dcntlchlan.d als Fremder. Will mit den anderen Bewohnern d-V> deutschen Hanfes nicht das gleiche Schick'al teilen, uidh bereu Lasten bleibend nnttragen. Dluch der Fremde kann Gcreckto.rlcid verlangen, nrcht aber das Recht nutznbeftimmen über die Geschicke nnd Ginrickitingcn des Landes. Ter Zionist, der Deutschland bald mit dem. Land seiner Sehnsucht zu vcrtairschcn bosst, ward solche Gnkrechtung vielleicht nickt schwer nehmen. Aber Paläsriua vermag nur eilten kleinen Bruchteil der jüdischen Devolkcrnng aufzunchmcn. Deren gewaltige Alasse mich in den Ländern blerbeu, rn denen sic heilte wohnt. Ihnen gegenüber, auch \vcmi sie sich als durchaus zugehörig zu deren Böllern fühlen, wird dann aber von den AntrsennLen die Forderung erhoben: „Da ihr Frem.dlinge unter unv seid, bmh rhr leme staatsburoerlichen Reckte hccknr'. ^,-ß. Erwägungen bestimmen den Vmm zur Abwear UntrseunMamch der stets bereit ist. jede ttngercck.ngk.-l1 gegen die hndcn ,n Deutschland abniwebren. ans ferner ZiirnckbaUung herau-roUemr um. aulätz liech der Wallten für den prelitzgchelr Landesverband .in-, inzer .Gemeinden stilic warnende Stimme zu erbeben.^ steoer möge dave, )o wählen, wie ihm fein religiöses Eiiivstuderr gebietest Ader er möge em- M-demk sein, daß cs sich um Wahlen zu den ULclrglvnsgcinernden und niUst um ein B.teuniis zu völkisch-',ioui'li'cheu ddeen haridest, ein ^.eteilntuiv, das für di. heutfu;cii Juden eine schwere (veoahr beden est d^ ihnen .'vie uns den Kampf gegen den z>!u:i'emi:islrins an'» höchste crfchwerr. V ereilt n.r ‘Jl b to eh r des A n L i s c m i t i s m it s. Daß bcu Zionisten dieses Flugblatt, das sich gegen sie richtet, nicht behagh ist ihr gutes Recht. Daß sie gegen dieses Flugblatt ein Gegenftngblatl verfaßten, ist nicht im geringsten verlvnndertich nnd war vorausznsehen. Wie aber dieses Gegenilngblakr lautet, ist höchst charakteristisch, stiachstchenden Inhalt Hai cs:; „Tie liberale H c h c! ü b e r ft c i ö t dieses?R a l alle Grenz e u k! Jetzt haben die Lilwralen ihren Sinorojew-Bries verösstusticht! Sic! haben sogar den hochbetagken „Astrein zur Alstoclnzdes Anlistmttisimis' i mir stlnem Borsihcnden Gothein zmn Kamps um da» prelrtzin'ae JndenVarlament mobil gemacht. Lerr Gothein entschuldigt seinen Angriff gegen die jüdische Voktspartei daruit. das; seit Ricken und Band der Verein dielen Standpunkt eingenommen bat, obschon loir mzwischen um dreißig Jahre westeigetommen sind. Jüdische Wühler und Wählerinnen, wenn ihr^ einen Fürsten von Ehrgefühl habt, dann weist diese cmpörcnde Ginmischnng von NichtjnDcn in unsere inneren Angelegenheiten mit aller 3rt)ärfc | zurück:" usw. lifio.! Das Flugblatt des „Vereins zur Abwehr des Antisennlismus'' zu bezeichnen als „liberale He tz e", die „d i e s e s Bc a l alte G r e n z e rl ü b e r st e i g i", ist eine Entgleisung so unbesonnener und so plumper Art, daß sie einem Verein wie dem Abwehrverein unter Gotheins Leitung gegenüber wirklich unter Leuten von einigem Politischem Takt unterbleiben mußte. Uiü> daß der letzte „Funcke von E h r g e f ü h (" bei den „jüdischen ^Wählern und Wählerinnen" gegen! dieses närnliche Schriftstück, das wir oben unseren Lesern nnterbreii teten, ausgerufeu wird, ist eine jener Anistachelungen, die nicht schön! sind, und die nur Antisemiten sich im Wahlkamps bisher glaubten ge-; statten zu dürfen. Wenn die Melhoden der Antisemiten bei den Juden ' nn Politisa-eu Meinnngslamps zur Anwendung kommen, dann freilich ist es vorläufig nicht möglich, auch die Gegensätze in der In den. frage auf das Niveau des Anstandes nnd der Se.chlich-eir ,;u heben, und dieses Niveau wurrdc wohl nach der Ansicht jedes Lesers — ans welchen: Standpuntt er auch stehe — von dem Flugblatt des A'bwohrvereius j mit keinem Worte verlassen. : In. Wahlkämpfen, bildet sich nicht der politische Anstand zu feinster Blüte ans: aber auch Wahltämpfe sollten schließlich nicht ein Tumniel- ' platz für demagogische Verzerrungen sein. Paul Nalhau. lNajssnaustrittL aus üem B.Q.A.V. E i ii fi ft der Selb fr a ch t ir n g. Die Sektion München des deutschen und österreichischen. Alpen- Vereins hak, wie wir in Nr. 52 Jahrg. 1924 der „G. V.-Zeitnng" berichret haben, dem Antrag ihres Ausschusses entsprechend, trotz entschiedener Bekämpfung seitens jüdischer und christlicher Mitglieder, mit großer 'Mehrheit beschlossen, künftig in der Reegel I n den als Mitglieder nicht m e f) v a u szuneh m e u. 2lachdem Versuche, eine 2lenderur.g diefes Beschlnsse? herbeiznführen, ergebnislos verlaufen sind, haben nunmehr neben zahlreichen Einzel a n s irrt ten über SO jüdische -A i t g l i e d e r, die teilweise seit Jahrzehnten der Sektion angehoren. g cm e i u s a m ihren Austritt erklärt. volkerpspcholsgische Parallelen. A l e m a n c s -- -stark Artur Vvllrat aus Buenos-Aires veröffentlicht in der „NGderrheinifchen Volkszeitnngch Nr. 15, einen Aursnl; „A l e m a n e s, Typen deutscher Einwanderer", dessen Schlußsätze lauten: „Argentinien, Gis Land, in dem noch neunzig Vlitlionen Menschen fehlen, schreit nach Einwanderern mit ^Pioniersinn. Aber, was nach dem Kriege kommt, sind Wesen mit Schlarasstmland.Jdealem Denen kann cs nicht gut gekjen. Und sie ncvfiimmeni zu jener. peinlichell Ttstwn, die der ^Argentinier heute schon ruiwn^'g „Aleimmes" nennl: „Denäsche". Genau in dem gleickoen ^inn.e. wie wir dab^stn sagen: „QstjtldelG." Eine andere Sonne — aber gleich die Prägung von Bildern nnd Gedanken, der Zug zur Veraltgemeinermig. die den Beurteilten seichdigcn soll, in Wohrhert aber nur den Beurteiler schändet. Schlagworte sind, wie einmal ein kluger Mann sagte, Schläge gegerr das Gehirn denkender Menschen. Also: Znsannnenschluß der denkenden Gehirne ist nötig, ans beiden Hiilsten der Erdkugel.

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