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Central-Verein-Zeitung · 1925-02-05 · 6 (5.2.1925) · p. Seite 107

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
6 (5.2.1925)
Date
1925-02-05
Page
Seite 107 (sequence 5)
Language
German
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Die vor!äusi§sn Die Beteil'.gtmg bei den Wahlen zum Preußischen Landesvcrlmnd jüdischer Gemeinden am I. Februar war verschieden in den einzelnen Provinzen und Gemeinden. Während trotz de-'- heiligen Wahlkampfes in Berlin nur etwa 35 v. H. der Wahlberechtigten ihr Wahlrecht ausübten, scheinen in der Provinz" 60 bis 95 v. H. der Stimmberechtigten gewählt zu haben. In einzelnen Wahlkreisen, so in Ost- und Westpreußen, im Wahlkreis Brandenburg-Pommern-Grenzmark und in Hannover fanden überhaucht keine Stimmabgaben statt, da die verschiedenen Parteien sich von vornherein auf eine Einheitsliste geeinigt hatten. Wir geben im folgenden die Ergebnisse der einzelnen Kreise, soweit sie bis Nedaktionsuhlnß (Dienstag mittag) eingegangen sind, wieder und behalten uns die Würdigung der Wahl vor, bis die Ergebnisse endgültig fcststehen. I. Wahlkreis: Ost- und Westpreusterr [nittc im ganzen '4 Kandidaten zu wählen. Abstimmung fand nicht statt. Aus der Einheitsliste stehen 3 Liberale, 1 Zionist. II. Grost-Vcrliru Ijaüe 53 Kandidaten zu wühlen. Tie Wahlbeteiligung betrug rund 35 Prozent, es wurden von etwa 343 OOO Wahlberechtigten rund 40 000 Stimmen abgegeben. Gewählt wurden 28 Liberale, 16 Zionisten, 5 R e l i g i v s e M i t t e l p a r t e r, 3 Orthodoxe, IPoale-Zion-Vertreter. III. Vrattdenburg-Pommern-Grerrzmark hatte 5 Kandidaten zu wählen. Auf der Einheitsliste stehen 4 2 i b c r n I c, 1 3 i o n i ft. ' IV* Breslau r * r . hatte 10 Kandidaten zu wählen. Von 17 000 Stiruw.berech.tiglen haben 10 666 Wähler gewählt, also rund 60 Prozent. Gewählt wurden 6 Liberale, 2 Orthodoxe, 2 Zionisten. V. Schlesien batte 6 Kandidaten zu wählen. Nach den bisherigen Mclduuzcn sind von der Vereinigten liberal-konservativen Liste 2 Konservative, 2 Liberale und Rabbiner Tr. Brauns ch w c I $ e x als Vertreter des E. B. gewählt worden, außerdem 1 Z i o n ist. Verschiedene Gemeinden stehen noch aus, in- Görlitz ist die Wahl ungültig, weil sie mittags um 1 Uhr geschlossen wurde. Tie Wahlbeteiligung war in den meisten Städten sehr stark, in Veuthen z. B. 76 Prozent, in Oppeln fast 100 Prozent. VT. Sachsen hatte 2 Kandidaten 31t wählen. Lei durchschnittlich 75 Prozent Wahlbeteiligung wurden 1 Liberaler und 1 Zionist gewühlt. VHrr. Hannover hatte 5 Kandidaten zu wählen. Auf der Einheitsliste stehen 3 L i b e r a l e, 1 Orthodoxer und 1 O st j it d e. Yllb. Schleswig-Holstein halte 2 Kandidaten zu wählen. Bei sehr mäßiger Wahlbeteiligung wurden, soweit bisher seststeht, 1 Liberaler und 1 Zionist gewählt. In Alto n a hatte der Rabbiner die Frauen von der Wahl ausgeschlossen. Es wird voraussichtlich gegen diese Wahl Einspruch erhoben werden. - VIII* Westfalen hatte 5 Kandidaten zu wählen. Gewählt sind 4 Liberale und st Zion ist. Tie liberale Lifte erhielt 5106, die zionistische 1856 stimmen, H. Frankfurt a. M. n _ hatte 10 Kandidaten zu wählen. Es waren eine liberale Liste und eine vereinigte Liste der Orthodoxen, Zionisten und Ostjndcn ausgestellt. WühlergebnUe. Es wurden 6 Liberale, 2 Orthodoxe, 1 Zionist und 1 Ostjudc gewählt. X. Hcsten-Nassan hatte '4 Kandidaten zu wählen. Aufgestellt waren vier Listen:' Volks-Partei, Poale Zion, E. B.-Liste und Liste Marxheimer-Lcopold. Geioählt wurden 1 Zionist und 3 E. V. - V e r t r e t e r : die Listen Marxheimer-Leopold und Poale Zivil haben leinen ^Kandidaten durchgebracht. XI. Köln hatte 7 Kandidaten zu wählen. Es waren eine liberale und eine vereinigte orthodox-zionistische Liste ausgestellt. Von 13 500 Walüoerechttaten haben nur etwa 5000, also rund 40 Pro'.cnp gewäbl: und zwar 4 Liberale, 1 Orthodoxen und Ii 0 ni st c n. - ' XII. Tic Nhernprc-vinz . hatte 10 Kandidaten zu wählen, lieber die Wahlbeteiligung liegen Ergebnisse noch nicht vor. Es waren eine zionistische Liste und eine Liste „der Verlreter zur Währung der Interessen des deutschen Judentums" ausgestellt (liberal). Es wurden 7 Liberale und 3 Zionisten gewählt. Dis 123 Kandidaten, bereit Wahl bisher seststeht, verteilen sich also auf folgende Parteien: 69 Liberale, 4 (?♦ », 5 Nelrgrösr MUtclx-rte;, il QrlhoDexe, 31 Zreuistc;:, 1 Qcaie Zion und 2 Ostit&eiu Das endgültige Ergebnis läßt sich erst fellsiellen, wenn die Vertreter der Landeslisten ausgerechnet sind, also, nach den Vorschriften der Wahlordnung,'erst nach dein 15. Februar. Aber schon heute läßt sich mit Sicherheit sagen, daß der Landesverband eine überwältigende Me h r heit von Anhängern der religiösen gegen ü b er den politischen Parteien aufweisen wird. Tie Jüdisch-Nationalen haben eine e n t s ch i c d e w e N i e d erläge erlitten; dies war nicht anders zu erwarten. Immerhin haben sie, deren Wähler im wesentlichen ausländische Juden gewesen sind, in einzelnen Wahlkreisen, wie z. D. in Berlin, mehr erreicht, als sie bei genügender Beteiligung unserer Freunde hätten erreichen dürfen. Tie mehr als 60 v. H. Wahlberechtigten, die in Berlin nicht gewählt haben, sind zweifellos zu 60 v. H. Gegner der Jüdisch- Nationalen. Ganz sicher sind eine große Reihe religiös rechtestehender Elemente durch die innerlich unwahre Propaganda der Jüdisch-Nationalisteu der orthodoxen Partei entfremdet worden, lieber die überaus traurigen Erscheinungen im Wahlkampfe, die möglicherweise zu einer Anfechtung der Wahl in einzelnen Kreisen führen werden, wird noch geschrieben werden. Heute können wir schon sagen, das; es der zionistischen Parteileitung trotz ihres besten Willens nicht gelungen ist, jugendliche Teile ostjüdischer Elemente im Zaum zu halten, die mit bolschewistischen Methoden und vielleicht in Rußland üblichen Formen einen Terror ausznrichten versuchten, der jeder Beschreibung und jedem Anstand spottet. Die deutschen Zionisten werden sich wohl vor die Frage gestellt sehen, ob sie diesen Elementen im Lause der Zeit überhaupt noch etwas zu sagen haben werden. Hier gilt das Wort: „Bei dem Ersten seid Ihr frei, beim Zweiten seid Ihr Knechte." Als sie um die Seele dieser Leute warben, haben sie sich der Psychologie dieser zuin Teil auf recht niedrigem Kulturniveau stehenden Elemente angepaßt. Deshalb dürfen sie sich jetzt nicht wundern, wenn ihnen die Zügel entgleitem

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