Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (5.2.1925)
- Date
- 1925-02-05
- Page
- Seite 106 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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erläutert werden. 2ßaf)vc*5 Kapital: ^Jedcs ^achgut. da^ zur weiteren Gütererzornzung dient. Falsches KFtzlta!: Hier ist ein Hausen Pulver, 1000 DiarE wert, in den Händen des Pulverfabrikanten noch 1000 Mark wahres Kapital. Der Fabrikant übergibt auf Veranlassung des Finanzministers das Pulver dem Kanonier. Die Kanone wird geladen. Feuer. Das Pulver ist in Rauch verwandelt, das Kapital ist zerstört, „verpulvert". Der Finanzminister bezahlt das Pulver aber nicht mit barem Gelbe, sondern er verspricht dem Pulvermann, später zu bezahlen, bis dahin aber ihm jährlich 50 Mark ans den Steuern der Bürger zu zahlen^ Das Papier, j welches dieses Versprechen enthält, heißt Staatsanleihe. Konsol, ist falsche s Kapital, k a p i t a l i s i e r t e s Tr ib Utrecht. Selbstverständlich stellte Flürscheim die Forderung auf: Nieder mit dem falschen Kapital! Nieder mit - den kapitalisierten Tributrechteu! . ' Vom Jahre 1886 an gab Flürscheini eine Monatsschrift heraus, „Deutsch-Land" (Deutschland, sagte Flürscheim, ist da^ Land, wo die Deutschen wohnen; Deutsch-Land ist das Land, das den Deutschen gehört), sammelte Anhänger und gründete September 1888 in Frankfurt mit 118 Mitgliedern den „Bund für Bodenreform". Bon den in Freeses „Bodenreform" namentlich angeführten 68 Gründern sind 9, also 13 Prozent, Inden. Flürscheim wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt, lehnte aber ab, weil er Jude sei und die junge Bewegung durch die dann zu erwartenden antisemitischen Anwürfe nicht schädigen wolle. Die Wahl zum Schriftführer nahm er an, hat diesen Posten aber nicht lange bekleidet. Die antisemitischen Anwürfe blieben nicht aus: „Da sieht man mal wieder den geripeuen ' Juden. Die ganze Bodenreform ist nur ein jüdischer Schachzug, um den Arbeiter vom Kampfe gegen den Unternehmer, ■ Fabrikanten aözulenken und statt dessen ihn aus die Erund- ' bescher zu hetzen." War der Sitz des Bundes anfangs Tüpel- ' dors, so wurde er bald darauf nach Berlin verlegt, und damit trat auch eine Aenderung der Richtung des Bundes ein, denn ' im Bunde gewann die Richtung George immer mehr Oberhand. Anfangs wollte der Bund nicht gedeihen, nahm aber : vom Ende der neunziger Jahre ab unter der Leitung von » Damaschke einen großen Aufschwung. Auch hier waren Juden ' tätige Mitarbeiter. Ich nenne Justizrat Berg, vor allem aber - Ludwig Eschwege. Schriststellernamen für Louis Levy, gebürtig ■ in Eschwege. 0 Flürscheim zog sich vorn Geschästsleben zurück, uni sich ganz - der Verbreitung und Vertiefung der Bodenreformlehre widi men zu können. Er gab dann sein Hauptwerk heraus: „Der j emsige Rettungsweg", in dem er den Kampf gegen den Zins! weit energischer führt als in seinem Erstlingswerke. Er zeigt - darin, daß die Dämonen Zins und Zinseszins sich schneller; vermehren als die Eüterproduktion mib damit nach und nach i zum Grabe aller menschlichen Errungenschaften, unserer . .gauzen Zivilisation werden würden.! * „Der Z ins und Z i n seszi n s b i ld e n ei n e Mach t, gegen welche die Arbeit nicht ankämpfen rann." (S.563.) 0 Der Wert einer Staatsanleihe wird an der Börse festgestellt, je nachdem man die Sicherheit der Zinszahlung politisch bewertet. So lehrte Flürscheim im Anfang seiner volkswirtschaftlichen Tätigkeit. Bald aber erkannte er, daß dieses ■ nur eine halbe Wahrheit sei, daß der Wert auch verändert werde, je nachdem ob der Geldmarkt steif oder flüssig sei, das! heißt, ob das Geld teuer oder billig sei. Jetzt wandte sich Flür-; scheim immer mehr dem Währungsproblem zu, er kämpfte . gegen das Eoldmonopol und wurde dabei von den Boden- - teformern, ich muß leider mich selbst einschließen und sagen I von uns Bodenrefvrnrern, gar nicht verstanden. Wer kümmerte ' sich denn damals nm Währungspolitik? Flürscheims letztes; Werk: „Not aus Uebersluß" ist einzig und allein dem Kampfe gegen das Gold als Währungsmetall gewidmet. Jahrelang stand das Buch, beim Erhalten nur zum Teil gelesen, unbeach- . tet in meinem Bücherschrank. Erft als wir großen Massen; durch die Inflation so ausgeplündert waren, wie es keine noch! so wilde Asiatenhorde gründlicher hätte besorgen können, erst; da begann man sich um Währungspolitik zu kümmern, erst ' da holte ich Flürscheims Buch aus dem Schrank hervor und; las und las mit immer größeren! Erstaunen, wie richtig Flürscheim die Bedeutung des Währungsproblems erkannt hatte, ' und wie er darin uns allen vorausgeeilt war. Hier einige > Proben: „Je seltener das Eeldrnaterial, um so mächtiger ist j das dem Geldbesitz übertragene Monopol, um so enger die Ecke, j in die der Geldgläubiger den Schuldner drücken kann, um so! Höher der Wucherzins^ den er zu erpressen vermag .. . Daß England, der Weltgläubiger, immer die stärkste Feste des Monometallismus gewesen ist, ist kein zufälliges Zusammen- Irenen . . . Die Macht, Zinsen für das Darlehen des seltenen Goldes zu erpreßen, fetzt die Geldgläubiger in den Stand, ihre Ansprüche innerhalb 14 Jahren zu verdoppeln ... So haben cs die Monopolisten des seltenen Geldes in ihrer Al acht, ihre eigenen Preise festzusetzen, zu denen sie das Produkt der Arlnnt annehmen, oder sogar zu entscheiden, ob sie so gnädig sein wollen, es überhaupt anzunehmen. Die meisten von uns sind Sklaven der Geldmacht mit dem Titel freier Arbeiter . . . Die i Gläubigerklasse kann jeden Augenblick eine Finanzpanik herauf- 1 beschwören, welche die Erzeugnisse der Arbeit mtb die Arbeiter selbst ihnen ans Gnade und Ungnade zur Verfügung stellt . „ usw. usw. Müssen wir nicht nach dem praktischen Anschauungsunterricht, den wir in den letzten Jahren erlebt haben (leider, leider!), alle diese Behauptungen als vollständig richtig anerkennend Hatte Flürscheim anfangs gelehrt: „Der Zins ist das Kind der Grundrente", so lehrte er fetzt: „Der Zins hat zwei Väter, der eine ist die Grundrente, der andere das Geldmonopol." (Vergleiche dazu die Ausführungen in meinem Aussatz: „Ter Sozialismus der mosaischen Gesetzgebung" Nr. 31, 192-!, dieser Zeitung, warum das Zinsverbot der Kirche unwirksam wurde und unwirksam werden mußte.) Flürscheini sah richtig, daß das Goldgeld (Metallgeld) sich aus einem ursprünglichen Diener zum Herrn der Menschheit gemacht hat. (Geld regiert die Welt.) Er wollte diese Machtstellung zum Segen für die arbeitende Menschheit durch Einführung von „Warenwährung" brechen. Es sollten Warenbanken gegründet werden, in die die Waren gebracht werden könnten, und die dann auf Grund der Warendeckung Geldnöten ausgeben sollten. Flürscheim hat selbst solche Warenbanken errichtet, die aber znfannnenkrachten, zusammenkrachen mußten, weil sie auf theoretisch falscher Grundlage ausgebaur waren. Hier hat nämlich der sonst so scharfsinnige Flürscheim einen Denkfehler begangen. Man kann die vergängliche Ware nicht als Währendes, als Währungsgrundlage gebrauchen. Das unverwüstliche Geld ist der vergänglichen Ware überlegen. (Bar Geld lacht.) Der Fortschritt der menschlichen Kultur geht nur langsam und unter vielen und schmerzlichen Opfern vor sich. Im Kampf um eine bessere Währungspolitik mußte der ringenden Menschheit auch gezeigt werden, daß Warenwährung nicht möglich ist. In den ersten Zeiten der menschlichen Kultur war das Vieh das Tauschmittel (pecus Vieh; pecimiär was sich auf das Vieh bezieht, also noch die Erinnerung an die „Vieh-' Währung"). Dann kam das Zeitalter des Metallgeldes. Jetzt zieht die dritte Epoche heraus, in der das Zeichengeld (Token money) Tauschmittel sein wird. Ter Kampf gegen das Gold- - Monopol wird entbrennen, und in diesem Kampfe wird man aus Flürscheims „Not aus Uebersluß" ungemein zahlreiche und ebenso schneidige Waffen holen können. Zum Schluß mag noch eine Stelle aus dem Vorwort dieses Buches hier Platz finden, weil sie uns Flürscheim als den edlen Menschen zeigt. Er sagt: „Acht Tage, nachdem ich den letzten Federstrich an diesem Werk getan (1907), machte ein. Hirnschlag meiner Wirksamkeit ein Ende. Wenigstens nach; Befehl des Arztes. Was ich noch an Kleinigkeiten liefern : sollte, wie zum Beispiel dieses Vorwort, wird vor dem ge-' strengen Herrn Doktor geschmuggelt und voraussichtlich die mir gewährte Galgenfrist verkürzen. Wozu nützt audj'.; das Leben, wenn wir n i chLs meh r f ür unsere - St it men Icf) eil leisten dürfen?" (Bon mir gesperrt gedruckt). Wenn dermaleinst die Zeit gekommen sein wird, wo das arbeitslose Einkommen der Geschichte angehvrt, wo der Grund und Boden Gemeingut des Volkers ist, wo es keine kapitalisierten TributrechLe mehr gibt, wo das Gold (Silber) nicht, mehr Währnngsmetall und somit König Mammon von seinem •: Throne gestürzt ist, dann wird man. Flürscheim zu jenen Vor- ' Lämpfern zählen, die sich abmühten im Vordertreffen, bic\ durch dichtes Gestrüpp, wo die Dornen zahlreich sind, der Boden steinig ist, einen schmalen. Weg bahnten, den die spätere Menschheit zu einer Straße ausbauen konnte, zu jenen Vorkämpfern, die von ihren Mitmenschen verkannt, verspottet, angeseindet wurden, und denen erst dann Gerechtigkeit wider- fährt, langst nachdem die Erdklumpen auf ihren Sarg heruntergerasselt sind. ' Flürscheim ist am 24. April 1912 im Alter von 68 Jahrerl in Berlin gestorben. Ehre seinem A n d c n k e u I;