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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-29 · 5 (29.1.1925) · p. Seite 85

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
5 (29.1.1925)
Date
1925-01-29
Page
Seite 85 (sequence 9)
Language
German
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83 ß 58/, wird in £cr mischöilsteu Weise gehetzt, selbst unter Benutzung gröber Lügen. So l>eißt cs: Er mistbraucht die ihm zugeflosseuen Gelder, um m unangenehmster' Form den Kampf in das deutsche Judentum selbst i hineinzutragenA . einem, im Stile niedrigster Tagesschriststetlere: gehaltenen Aussätze wird alles wiederholt, was je von jüdischer Seite an Unwahrheiten gegen den E. V. zusammeugetragen wurde. dagegen setzt sich der Verfasser eines zweiten Aufsatzes „Waht- *am~F und Antiscmitismus" mit dem E. V. in sachlicher und würdiger Weise auseinander. Er meint, das Abwehrproblem fasse der E. V. nur zu einem Drittel auf, zu einem anderen Drittel, nämlich die Stärkung der jüdischen Seele und ihre innere Ausrichtw:g, versage er, und noch mehr bei dem tetzlen Drittel, bei dem i d) ö p \ c r i f d) c n K a m P f gegen den Autiwnutismus. Bei der Stärkung der jüdischen Seele han.delt es sich hauptsächlich nm das Problem des sogenannten guten Juden. Was ist ein guter Jude? Wenn wir uns den überaus iuteressauten Aufsatz dnrchlescn, so finden wir, daß gerade in diesem Legriffe die Schwierigkeiten und die Tre n n u n g s p u n k t e einer gemeinsamen WeUaufsassung liegen. Der Verfasser des Aussatzes im „Echo" meint: „Der jüdisch-imtionale Gedanleugang vermag mehr Zu trösten : imb besser zu wirken, als der E. V.-Gedanke." Gewiß, wenn man die Dinge vom Standpunkte der Mystik und Romantik ansieht, wenn man die G e f ü h l 8 in omciite entscheiden läßt, wenn man das W e s e n t l i ch e i m 5Jl etaphysischcn sieht, dann wird der jüdisch-nationale Gedankengang dem E. V.-Gedaulen überlegen sein. Wir fürchten nur, das; hier eines schönen Dages eine furchtbare Ernüchterung folgen wird. Jeder Nationalismus, der an sich durchaus nicht Schlechtes zu bedeuten braucht, geht seinem Ende entgegen. Tenn der übertriebene Nationalismus ist nach unserer Auffassung eine Krankhcitserscheinung, wenn auch eine solche, die mit zum Teil angenehmen Vorstellungen verknüpft ist. Wir wünschen, daß nach der Zeit der Auslösung des Nationalismus das Judentum weiter besteht. Wir werden cs erhalten, weil w i r auf der Erde stehen und uns nicht in den Welten bewegen. Nun zum letzten Drittel, den guten Mitteln, die der Verfasser im „Jüdischen Echo" dom Zionismus gutschreibt, nämlich: jenen Vorbeuguugsmitteln, die der antisemitischen Entzündung des deutschen Dolkskörpers auf lange Sicht einzig zu begegnen imstande sein sollen. Der Verfasser sagt: ^Gegen Verzweifelte, zu allem Entschlossene, vor der Vernichtung stehende einzelne, wie gegen Scharen solcher einzelner, gibt es einfach kein legales und auch kein illegales, noch so radikales Hilfsmittel. Wer auch nur die geringste Möglichkeit hat, der \ wirtschaftlichen Vernichtung in Polen, Litauen oder Sowjet- ' .rnßland zu entrinnen, indem er sich, gesetzlich oder gegen das ' Gesetz, über bk deutftl)e Grenze flüchtet, der wird dies tun. wenn ihm ein anderer Ausweg nicht gezeigt wird, und er wird dabei ein Unrecht des gepeinigten und gejagten Menschen für sich haben. Ihm zeigt der Centralvereiu und seine Taktik keinen Ausweg." Den Zionismus nennt der Verfasser einen Ausweg, aber der E. V. kenne keinen solchen Ausweg. Hier liegt die prinzipielle Meinungsverschiedenheit in der F o r m und dem Inhalt der verschiedenen Weltanschauungen. Niemals haben die Führer des V. C. sich gegen die weitestgehende jüdische Siedlung Erklärt. Wogegen sie sich erklärt haben, war etwas ganz anderes: es war auf der einen Seite der national-jüdische Charakter der Siedeluug und auf der anderen Seite die Beschränkung der Siedeluug auf Palästina. So wenig es sicher ist, daß nicht in absehbarer Zeit eine Besserung der Lage der Ostjndcn cintritt, ebensowenig ist es sicher, daß die aus Palästina beschränkte, mit der Zeit nach voller Souveränität strebende zionistische Sicdelung die Rettung bieten wird. Sie kann meines Erachtens nur geboten werden, durch eine überall in der Welt durchgeführte Siedeluug, die Entwicklungsfpielraum für unglückliche Menschen gewährt. An dieser mitznarbeiten, sind alle Juden 'berufen. Wenn der C. B. diese Frage nicht auch noch auf sein Programm geschrieen hat, so hat er es unterlassen in der Erkenntnis, daß seine Arbeit gegen den Judenhaß die Kräfte einer großen Organisation voll in Anspruch nimmt. Nichts schadet im politischen Leben so sehr, wie Dilettantismus und Phraseuhaftigleit. Mit 'einer schönen Geste ist nichts getan. Datruu sangen wir nur das an, was wir wirklich ausjühren können. m.; Wir sprechen von der Ueberwindung der Zerrissenheit. In; ö-anchs gegen den Judenhaß berirdcn wir die jüdischen Deutschen, nicht alle deutschen Inden, wie wir es immer und .immer wieder betont Halen, und wie es durch das Lager der jüdischen Gegner in der jüdischen Oessentlichkeit immer entstellt worden ist. Mir können, möcpn und dürfen Jüdischnaiionale und Jüdischvolkrsche nicht vertreten, denn der Gang ihrer Entwicklung und ihrer AUt.ass.Mgcn sind von unserem grundsätzlich verschieden. Wir können stets nur von uns als von denjenigen sprechen, die in Deutschland beheimatet bleiben wollen für alle Zeiten. Wir bitten alle Juden, diese unsere Empfindung, sie mögen sie teilen oder bekämpfen, als ehrlich anzusehen und von^ diesem Standpunkt der unbedingten Ehrlichkeit aus unsere Aufsagung zu würdigen, wie wir die ihrige würdigen. Daun wird, bei alle m Weiterbe st e h c n der Meinungsverschiedenheiten« der innere Frieden in unserem Kreise nicht ausbleiben. Runö um öen Wahlkampf. Beobacht ungen und V e t r a d) t n tt g c n. Ob der Landesverband Preußi' ch c x G emeinden, mit tcn es augenblicklich in der jüdischen Oefsentlichkeit hoch hergeht, den Wahlkampf verdient, der jetzt in Preußen hin- und herwogt, wird er zu erweisen haben. Man möchte warmen Herzens wün-chen, daß all dieser Eifer und all diese Kraft, die für die^Wahlrcden und für die Wahlarbeit verwendet werden, der jüdichcn Sache restlos zugute kommen mögen, nicht zuletzt aber die Geldmittel, die von allen Parteien bkkvn Zwecke geopfert werden müssen. Eins ergibt sich mit erfreulicher Klarheit: Ueberall im Lande und in der Reicht-Hauptstadt sind die Versammlungen des E. V. ü b erfüllt. Tausende und aber tausende Männer und Frauen begrüßte der E. V. in.seinen eigenen Versammlungen tiud gab ihnen den Rat auf den Weg. nur religiös eingestellte Liften zu wählen. Damit ist klar gesagt, daß d i e L i ft e n dcrIüdische n Volks- Partei für einen religiös e i n g e ft e! l t e n Inden, der Vaterland u n b Jude n t u nt i m Herzen trägt, u n - annehmbarst::!). Immer klarer wird es, daß alte die Kresw, die die jüdische Ncligion Pflegen und hochschätzen.^verhüten wollen, den Landesverband zum Tummelplatz jüdisch-politischen ll^amptes zu machen. Ter Arbeit zum H e i l e d e r j ü d i s ch e n R e l i g i o n, z n r E r stark u n g religiösen Lebens und der Belobung wichtiger sozialer Ausgaben der preußischen Judenheit soll er allein dienen. * Wir haben in der letzten Nummer davon Kenntnis gegeben, wie der „Israeli t". das bekannte Frankfurter O r g a n d e s gesetze etreuen Judentums, mit aller Macht und mit jedem Recht darauf hinweist, der Primat der jüdischen Ncligion dürfe durch den Landesverband nicht in dort Hintergrund gedrängt werden. In feiner neuesten Nummer kommt der „Israelit" wiederum auf seine früheren Gedankengange zurück, zitiert den letzten Aufsatz unseres Ludwig Holländer und bemerkt dazu: „Ter E. V. erwirbt sich durch den Kampf gegen die Enikorsiesstonalisierung und Politisierung des Judentums in Deutschland unleugbar ein Verdienst nicht nur nur die deutschen Juden, sondern um die Erkenntnis der jüdischen Wahrheit." Wenn daun der „Israelit" nur im H a l b e r st ü d t e r Verband gesetzestreuer Gemeinden den Verband erblickt, der allein für religiöse Wohlfahrt der gesetzestrenen Gemeinden maßgebend sei. so würdigen wir seinen Standpunkt, freuen uns aber, aus dem oben angeführten Zitat zu ersehen, daß die A g u d a s I i s r o e!, die hinter dem „Israelit" steht, und die so angesehene Männer wie Hildesheimer, Munk, Auerbach pvalberstadt) und andere in ihrer Mitte hat und große Teile des gesetzestrenen Judentums umschließt, den Hollnnderschen Ausführungen über die religiöse Gefahr eines politischen Judentums durchaus Billigung znleil werden läßt/ .*■ Wir können diese Zustimmung um so eher bewillkommnen, als der Centralvereiu sich um das religiöse Bekenntnis des einzelnen nicht kümmert, wohl aber die jüdische Religion als solche gefördert und gemehrt sehen will. Die Jüdische Do Hj> Partei, wie die zionistische Bewegung überlMlPt. ist der jüdischen Religion gegenüber n c u - tral. Vielleicht kann sie es auch nicht anders, weil sie die verschiedenartigsten Ei euren re in religiöser Hinsicht umfaßt. Auf der einen Seite stehen die M i s r a ch i st e n, die dem gesetzestreuen Judentunr nahefteheu. aus der anderen Seite die Poale Zion und auch andere Arbeiterparteien, die nicht nur die jüdische Religion ab lehnen, sondern ihr vielfach sogar feindlich gegenül^rtrereu. * - i: * - . Mit rer Neutralität ist cs bei den Zionisten überhaupt immer ein eigen Ding gewesen. In einer Anzeige im ,/S ch i ld". dem Organ des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten, wird auf der einen Seite von der Jud:?chen Volks-Partei die Neutralität des Frontbnndes angeblich hoch geachtet und int selben Satz dann der Eoutralverein mit Verdächtigungen belegt und der Verbindung mit der Naumann- Gruppe geziehen. Wir Pflegen von der Neutralität eine andere Meinung zu haben, und wir halten es für wenig vornehin im Inseratenteil des „Schild" die Neutralität des Frontbündes dadurch zu achten, daß man gegen andere jüdische Organif atx i?iicn vom Leder zieht. Der Eeutralverem Pflegt nickt erst zu den Wahlen den Wert des Reichsbimdes jüdischer Frontsoldaten anzuerkennen und ihm freundnach^rliche Achtung cutgegenzu-brinaen. Man sieht ailH die rem Falle;edenfalls, wie Neutralität im Bedarfsfälle ausgesaßt und ausgelegt wird. 1

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