Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 5 (29.1.1925)
- Date
- 1925-01-29
- Page
- Seite 83 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Wsh?t kls Jmm\ wählt als D-rutfthe l Die Wahl am 1. Februar d. I. logt das Schicksal der deutlck-cn Judenheit ln die Hand des einzelnen Gemeindemitgliodes. Wi^r werden die Landesversamnrluug erhalten, die wir verdienen nach dem Maße unseres Pflichtgefühls und unserer Erkenntnis. In freier Entschließung unserer Glaubeusbrüder und -schwestern wird sich unsere Stellung in Staat und Reich gestalten. An He^ und Hirn wendet sich das Gebot: Wählt! Wählt als Juden, wählt als Deutsche! Wählt keine Liste, die Namen aufweist, deren Träger nicht mit Nachdruck die Ziele des sog. Zionismus zurückweisen. Jede religiöse Einstellung halten wir in M)ren; sie ist unsere eigenste Angelegenheit, deren Ordnung unsere deutschen Volksgenossen chrrstlichen Glauben nichts aargeht! Aber ob wir Deutschland als unser einziges Vaterland anerkennen, ob wir die d eu ts ch e Sprache als unsere ein zi g e Mu ttevspräche pflegen, ob wir ausschließlich deutscher Kultur Kinder und Mitarbeiter sein wollen, das sind Fragen, die Mr das ganze Vaterland schicksalsvoll sind. Treitschke schrieb in seinem bedeutenden Werk „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert" mit Recht, daß „die edleren und ernsteren Männer der deutschen Judenschaft längst eingesehen hatten, daß ihr Stamm nur dann bürgerliche Gleichberechtigung beanspruchen durste, wenn er selber ohne Vorbehalt un deutschen Leben aufging". Er rühmt, daß schon wenige Jahrzehnte, nachdem Moses Mendelsohn seinen Weckruf hatte erscheinen laßen, überall in -Kunst und Wissenschaft begabte Juden „sich ganz als Deutsche fühlten und in ihren Werken durchaus deutsche Züge zeigten". Er klagt aber auch, .daß es daneben ein ..... Judentum, das sich als Nation innerhalb der Nation gebärde", bei uns gebe! In diesen Tagen bezeickmete der uns freundlich gesinnte Pastor Möring als unerträglich, daß deutsche Staatsbeamte 'sich um Schaffung eines jüdischen Reiches bemühen! Wer die Verdächtigung, wir seien keine Deutschen. 5fr . kämpfen, wer sich des Anspruchs auf unser deutsches Vaterland nicht selbst entäußern will, wer es ablehnt, daß der von;^atn an bis Hitler erhobene Vorwurf, wir Juden seien eine Nation in der Nation. Berechtigung erhalte, der darf Den Zionismus weder durch Wahl noch durch Wahlenthaltung starken. Laßt Euch nicht Durch gedruckte oder gesprochene Wahlreden täuschen! Man verschweigt jetzt, daß die Zionisten nur Gäste tm deutschen Wirtsvolk sein wollen, daß in unseren Schulen Hebräisch die lebende Unterrichts- und Umgangssprache werden joll, daß die Zionisten hebräische Kindergarten. Volks- und höher« Schulen, ja Universitäten jirt Vorbereitung fff* die Auswanderung nach Palästina er-treben! Wenn J>&> schweigt daß des Zionismus' Kern die politische und völkr^chs Vereinigung aller Jrrden ist und daß ihm die Pflege der Relrgion zum Teil Nebensache ist. Zeigt dem deutschen Volke, daß wir Juden deutsch fühlen, daß wir das Ansinnen zurückweisen, unser deutsches Vaterland mit dem unter englischer Verwaltung stehenden Paläjtrwa einzutauschen. Wählt keinen Zionisten und keinen Zionistenfreund, waM nur eine zionistenreine Liste, unrg sie von mehr oder weniger strenggläubigen, mag sie von liberalen Juden ausgestellt sein! Justizrat Hugo Sonnenseld. Widersacher im eigenen Lager. Von Professor Erik Nottlrrg (Frankfurt a. M.). Folgende Zuschrift des fceTsmien christlichen Gelehrten, M« tms ohne ze-de £etcrxlcffun<$ unserseits giLging, vollen rorr unserer Lesern als ernste Mahnung zum L Februar untss. breiten. Die Schriftleitung. Im Anschluß an eine vor kurzem in Köln abgehaltene Centralvereins-Versamuckung, in der ich über das Thema ,L>as Judentum und das Problem der Kulturzersetzung" sprach, meldete sich in der nachfolgenden Ausspruch als einziger Redner ein Zionist zum Wort. Seine Ausführungen gingen dahin, daß der völkischen Auffassung durchaus beizupflichten sei, nach der die Juden eme wahm Heimatberechtigung in Deutschland nicht zu beanspruchen hätten. Ihr Aufenthalt in diesem Lande sei lediglich völkerrechtlich zu begründen und eNoa deur der Engländer in Deutschland Zu vergleichen. Im übrigen trennten Judentum unÄ Deutschtum unüberbrückbare rasienmaßige, volkliche und' nationale Gegensätze, die verständliche Abneigung urid Feindseligkeit der Antisemiten rühre her von der radisirlen AnderZartigkeit. Den lcmt ersetzenden Leifall der stark judengegnerisch durchmischten Besucherschaft stimmte der RedneL allerdings sofort dadurch wieder herab, daß er in Umkehrung der sonst von den Antisemiten gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen behauptete, die jüdische Seele sei durch die manische vermaterialisiert und korrumpiert worden. S? schloß er, aus beiden Seiten einen peinlichen urrH beschämenden Eindruck hinterlassend. Tags darauf sprach ich unter ähnlichen Umständen iE Essen. Die Reihe der Diskussionsredner stieg bis auf 20 An- Meldungen. Völkische, dentschnationale, konuuunistische, freiwirtschaftliche, christtich-theologische, naturwipenschaftliche und kulturologische Standpunkte wurden in die Erörterung hineingetragen und streitbar als Grund und Gegenargument VD> wandt. Die Tribüne, von geschlo^enen völkischen Gruppen besetzt, brachte wiederholte Heilrufe auf H i Ller und Luden-- dorff aus. Zum Teil in so tumultuarischer Forrn, daß deZ; Vortrag mehrfach unterbrochen werden und Schupo beschwichtigend und räumend einschreiten mußte. Dennoch Merkblatt für Broß-Herlmsr Wähler! 1. Wahlberechtigt sind alle in das Wahlkataster du* üettasenen volljährigen, mindestens ein Jahr Ln einet Der- ' dandsgerneinde wohnenden Juden und Jüdinnen. L. Die Wahlberechtigten erhalten vom amtlichen Wahlbnrea u rechtzeitig Wahlkarten, ans denen ersichtlich ist. Ln welchem Wahllokal sie ihr Wahlrecht anszrrüberr haben. L. Die Wähler haben diese Wahl karte sowie einen Ausweis über ihre Person und insbesondere über das Alter *m? Wahl mitzrrbringcn. (Sterrcrkarte, Paß, Postausweis, Fnvalidenkarte, Rcichsversichernngökarte usw.) 4. Die Wahl findet am Sonntag, 1. Februar 19 L 5> vormittags 10 bis nachmittags 5 Uhr, in dem ans der amtlichen Wahlkarte ersichtlichen Abstiwrnrrngslokal statt. 5. Die Stimmabgabe erfolgt geheim. Die Stimmzettel werden von den Parteien vor dem Wahllokal verteilt und liegen auch in der Stimmzelle ans. Im Gegensatz zu den politischen Wahlen werden somit keine EinheitsstimmzeLrel ansgegeben. Jeder Wähler hat somit den Stimmzettel seiner Partei in den amtlichen Wahlumschlag zn Legen und ' ohne jeden Vermerk bei dem Wahlvorsteher in die Uvne tot werfen. 6. Die Wahlvorschläge sind nicht nach den Namen des. Parteien, sondern nach dem Namen des betreff enden Spitzenkandidaten benannt. 7* Alle E. V.er und sämtliche ans deutsch-jüdisch cur Boden stehende Männer und Frauen dürfen ihre Stimme nur nach ihrer religiösen Einstellung, unter keinen Umständen aber der Liste der Jüdischen Bolkspartei oder, der Liste der Poale Zion geben' Liste Bruno Galewski, Bankier; Dr. Ist Kahn- Jaffa, Bankier (Konservative Partei), oder Naböiner Dr. S» Weiße, Magistratsrat Dr. A. Reumann (Religiöse Mittelpartei) oder KammergerrchtSrat Dr. Leo Wolfs, Nechtsanwatr Heinrich Stern (Liberale Partei). 8. Wähler, die durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihre Stimmzettel eigenhändig in den Umschlag zur legen und diesen dem Wahlvorsteher Zn übergeben, dürfen sich der Beihilse einer Pertraueusperson bedienen. 6. Alte, kranke und schwache Personen, denen der Weg zum Wahllokal beschwerlich fallt, werden auf Wunsch durch Automobile abgeholt. Wünsche dieser Art werden bis Freitag, 30. Januar 1925, vormittags 12 Uhr, an daS DerbandSburcau Groß-Berlin (nur Dönhoff 3596) erbeten. IO. Frühzeitige Stimmabgabe, möglichst in den ersten Vormittagsstunden, sichert eine schnelle Abfertigung.