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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-29 · 5 (29.1.1925) · p. Seite 82

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
5 (29.1.1925)
Date
1925-01-29
Page
Seite 82 (sequence 3)
Language
German
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82 Doll unterdrücken und am Wachstum seiner Kultrer hindern. Und dieses Schicksal ist uns durch zwei Jahr» tausende zuteil geworden, bis endlich heute die erwachende Volksseele sich in der völkischen Bewegung fteie Bahn für eigenes Wachstum im Kulturellen schassen wird", so könnten diese Worte ebensogut von einem zionistischen Gelehrten, wie von einem völkischen Agitator gesagt sein. Den völkischen G ed a n ke n g an gen, ob sie von nakionaljüdischer oder antisemitischer Seite vertreten werden, setzen wir die Idee des Rechts entgegen. Was wäre aus den Juden in der Zerstreuung seit der Zerstörung des Tempels geworden, wenn sie nicht immer auf ihren unvergänglichen und unverjahrbaren Rechtsanspruch und auf die Idee des Rechts hätten Hinweisen können! Was müßte ans ihnen werden, wenn sie diesen Gedanken preisgeben und sich den völkischen Irrlehren hingeben würden? Von zionistischer Seite wird immer leidenschaftlich bestritten, daß der Antisemitismus durch die zionistischen Gedanlengänge gefördert würde. Aber viele Jahre hat doch der Zionismus die antisemitische Bewegung als ein vom Standpunkte des jüdischen Volkstums aus sicher sehr bedauerliches, aber den Kern des Judentums niemals treffendes Ereignis an- § sehen. Und auch heute führt eine völlig konsequente Durchhrung des zionistischen Gedankenganges dazu, daß, -ur iahl gestellt, ob etwas von dem Gedanken des jüdischen Volkstums (welcher durchaus nicht mit dem jüdischen R e l i g i o n sgedanken übereinstimmt) preisgegeben werden dürste, oder ob dem gegenüber ein Mehr an Antisemitismus in den Kauf genommen werden muffe, unbedenklich viele sich für die Erhaltung des j ü d i s ch e n V o l k s t u m s als des wichtigeren entscheiden. Wir haben auch in vergangenen Zeiten sehr oft . und in allerletzter Zeit nicht selten erlebt, daß den Gedankeni reihen, die wir zur Bekämpfung des Antisemitismus auftzestellt haben, daß insbesondere der Zurückweisung des Vorwurfs der jüdischen Internationale von zionistischer Seite entgegen getreten worden ist, und daß so der Kampf gegen den Antisemitismus, den wir als Lebensaufgabe betrachten, von zionistischer Seitemit unterhöhltwird. Aber es kommt ja letzten Endes gar nicht darauf an, ob dies von zionistischer Seite aus bewußt geschieht. Der gute Glaube und der Wunsch, Nichts ja tun, was dem Antisemitismus in Deutschland förderlich sein konnte, mag dem Zionismus und dem Natronaljudentmn ohne weiteres zugeöilligt werden. Törichte Aussprüche einzelner können der Gesamtheit nicht zur Last geschrieben werden. Es sind aber die Gedanlengänge an sich, welche auch gegen den Willen derer, welche sich zu ihnen bekennen, den Antisemitismus fördern, und es ist unter diesen Gedankengangen in allererster Linie die oben gezeichnete völkische Einstellung des Zionismus, auf die der Antisemitismus sich immerhin mit einiger Aussicht auf Erfolg wird berufen können und schon oft genug berufen hat. N i ch t der Du ch st a b e des Progrannns allein entscheidet, sondern der G e ist, von dem es beherrscht wird. Und so mag von nationaljüdischer Seite in bestem Glauben immer wieder betont werden, daß nichts ihnen ferner läge, als den Versuch zu machen, die Gesamtheit der deutschen Juden von ihrer Verbindung mit dem deutschen Vaterlande loszulösen — im Enderfolg wird eine Bewegung, welche aus Palästina als das erstrebenswerte Ziel hinwerft, welche an Stelle des Bekenntnisses zum deutschen Volksgedanken ein jüdisch es Do lk s t it m setzen will, welche auch in Deutschland die direkte Unterrichtsmethode zur Erlernung des Hebräischen fordert — im Endergebnis wird eine solche Bewegung auf eine zwar nur allmähliche, aber sichere Loslösung der deutschen Juden von dem Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit zum deutschen Volke hinsteuern. Was der Zionismus aber bisher erreicht hat, ist, ganz abgesehen davon, daß wir diesen prinzipiellen Gedankengang verwerfen und nicht anerkennen können, viel zu wenig, als daß es uns bewegen könnte, den deutschen Juden an Stelle ihrer, wenn auch häufig beanstandeten, so doch rechtlich gesicherten Stellung im deutschen Baterlande die Anwartschaft auf ein nebelhaftes Volkstum und tue Hoffnung auf ein staatliches Gebilde, das von der Toleranz fremder Mächte abhängig wäre, zn setzen. Der jüdische Schriftsteller Dubnosf hat sein Urteil über dre letzten Jahre in die pessimistischen Worte zusrmmerrgefaßt: „Ein Hosstumgsschauer ergriff unsere Herzen, als die Valchrr- Deklaration erschien. Aber seither sind sieben Jahre vergangen. wrr haben in Palästina dieselben hunderttausend Juden, die dort vor dem Kriege waren. Die Proportion ist dieselbe geblieben: 1 Jude gegen 7 Araber. Gestehen wir es Ms selbst^ ein, daß da? nach 40 Jahren zionistischer Arbeit eine große Tragödie ist." Wir buben diesem Urteil des jüdischen Geschichtsschreibers nichts hmzuzusetzen, und wir glauben, daß die Lage in Palästina auch dann nicht sich ändern wird, wenn neue Strömungen, wie die von der zionistischen Zeitung „Raßviet" ir§ Paris vertretenen, versuchen, einen neuen Impuls hinein^ zubringen; der Herausgeber dieser Zeitung, Jabotinsky, treibt die Konsequenz so weit, daß er die jüdische! Armee und die jüdische nabionale Verteidigung verlangt. D i & Fragederdeutschen Juden ist für uns nur auf deutschem Boden lösbar. Sre kann auch nur gelöst werden von den deutschen Juden selb st im Einvernehmen mit ihren christlichen fortschrittlich gesinnten Landsleuten. Die Versuche! ausländischer Glaubensgenossen, uns darüber zu belehren, rn welcher Weise der Kampf in Deutschland geführt werden muffe, weisen wir zurück. Denn, mögen sie uns auch durch das' gleiche Glaubensbekenntnis, die gleiche Ge-- schichte und die gleiche Ab stamm ung verbürgen sein,, rhre Einstellung zum deutschen Vaterlands kann nicht die gleiche fein wie diejenige, von der wir. selbst beseelt sind. Die Lösung, die wir anstreben, kann allein die Erringung der völligen Gleichberechtigung auf de deutschen Erde und im deutschen Lande sein. UrrÄ sie kann niemals in dem Versuch der Bildung eines neuen oder in der Wiederbelebung eines alten jüdischen Volkstums, sondern nur in der immer erneuten Betonung unserer Zugehörigkeit zum deutschen Volke gegründet sein. Wenn die deutschen Juden daher nicht selbst ihre Gleichberechtigung und ihre zu* künftige Stellung in Deutschland gefährden oder zum mindesten kompromittieren wollen, müpen sie sich einmütig gegeg Zionismus und nationaljüdische Eedankengänge erklären« - Dr. Srchsls fieußerurrg. Eine unrichtige Berichtigung. Im Leitauffcche .Klarheit und Wahrhe^" von. Ludwig Holländer 0h:. 3 der „C. D. Zeitung") war eine Arußerung des bekannten Zronistenführers Dr. Sichel (Chemnitz) errsähnt.^ Dagu ^erhalten wir von der Zionistischen Bereinigung für Deutschland folgendes Schreiben: Im Vorstand der Gemeinde Chemnitz stand bei der Etatsberatrrng die DanfondZrücklage für die Erweiterung dar liberalen Synagoge zur Debatte. Herr Tr. Sichel erklärte in diesem Zusammenhang, daß von dem Jahresetak der Gemeinde, der zirka kW 000 Mark betrage, nur zirka £000 Mark für die orthodoxen Bedürfnisse der Ostjudcn verwandt würden. Während die liberale Synagoge, abgesehen von den großen Feiertagen, so leer sei, daß nur mit Hilfe der festbesoldeten Minjan» Leute überhaupt ein Gottesdienst möglich sei, befänden sich mangels ausreichender Mittel die Lethäuser der Orthodoxen in unwürdigen und unzulänglichen Räumen, in denen die zirka 3000 Cftinben in Chemnitz ihre religiösen Dedürsnipe nickst besri»digen können. Herr Tr. Sichel beantragte, aus diesem Grunde 5000 Mark für den Dan einer orthodoxen Synagoge einznstellcn. Darauf antwortete der Vorsitzende der Gemeinde. Herr Mecklenburg: Für Zionisten werden wir keinen eigenen Tempel errichten, denn wir erwarten, daß die Inden, die in Deutschland leben, sich der deutschen Kultur anvaffen. Auf diese Bemerkung des Gemeindevorstel?crs antwortete Herr: Dr. Sichel in bet von Ihnen wredergegebenen Wsise. Es ergibt sich also daraus, daß die Deußerung Dr. Sichel?, dorerk Form man beanstanden kann, die aber inhaltlich das wichtige traf, keineswegs irgendwie gegen die deutsche Kultur Stellung nehmen wollte, wie Sie dies berichten, sondern zum Ausdruck brachte, daß es in diesem Zusammenhang unangebracht sei, von deutscher Kultur zn sprechen, da cs sich darum handelt, der orthodoxen Gruppe in der Gemeinde gerecht zu werden, die einen jüdischen Gottesdienst will. was bekanntlich nicht nur die Zionisten, sondern auch die Orthodoxen fordern, und was mit der Stellungnahme zu deutscher Kultur nicht das geringste zu tim hat. Don innerer Schilderung und von unserer Schlußfolgerung etwas zurückzunehmen, sind wir zu unserem Bedauern nicht "in der Lage^ Wenn Herr Dr. Sichel (Chemnitz) erklärt Hirt: ^.,Weun Sie von deutscher Kultur sprechen, dann machen Sic^ daß Sic hiuauZkommen?" ^ud wenn wir da rau sh in erklärt halben, Herr Dr. Sichel denkt alljüdisch, und in diesem alljüdischen Gedankenkreise stellt sich die Forderung nach einer Vermählung jüdicher Ideale mit deutschen! Kutturbegrstsen als^eiue innere Unmöglichkeit dar, so ist nach dein Brres der Zion-glichen Vereinigung alles, was gesagt worden i[L richtig. ' ' Es Pa ist die Bemerkung des Herrn Dr. Sichel auch vollkommen! zu der Bemerkung des Herrn Dr. Sandler, der als ftcllvcrtretender Dorschender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ausgesprochen haN . ,-Die jüdische Gemeinde als solche ist ein Nichts, wenn sie sich nicht emglrcdert m den großen alhüdischerr Drgani^mus " L. EL

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