Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 5 (29.1.1925)
- Date
- 1925-01-29
- Page
- Seite 81 (sequence 1)
- Language
- German
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MflSZS Berlin, 29. Januar 1925 IV. Jahrgang « Nr. 5 Einzelnummer IS GolöpsenniA - teiÄfflr o; / MLÄÄWM.^? J / GÄWLMÄWS^ - *S3ai '^S=2y' —- JUi^emeine Zeitung des öudenxums vroRarSabsnrmnrnr 18 GeDpsnrK^ Drrlss und Schrlstle!trmgi BerNn SV?'SL Mndenkdr. IL. TLeintgr Vmeiaenannahrne: RnnoncrA-OrprdMrn?. Lbud-lf Mo^r, tjirdin SW 19, , .... . . . _ ^ubplf MosseS wosmalsdlmmcfier Nr. 4» ßamUicnasg-dgm und GteOengefud** für DUrgttedrr des Cerrtral-DercinS 0,40 Soldurarl die OOmm breite KrAamezeile 4 SolDma; Ferrrfprech«: Uvs! DZrchHff L5S4. LSH5. .'. BanTtcnto: Dresdner Sani Wechf-IftuLe G, Berlin SW CS, L!ndenstr.I und deren friHalm. Anzeigenprrile: 0,75 ©olbmatx für vie 7 gespaltene Zeile m£ .. 'lixiamejettf m% m MM Von RechLsünryslt Dr.Sruno Veil (Hsrlin). Die unmittelbar bevorstehende Wahl zur ersten Preußischen Landesversammluna Zwingt, in letzter Stunde noch einmal die wesentlichen Gegensätze aufzuzeigen, die in den wochenlangen Diskussionen herausgearbeitet worden sind. Sehr im Interesse der Sache sind, nachdem anfänglich das Persönliche eine sehr starke Rolle im Wahlkampfe spielen zlr sollen schien, einige Kernfragen hervorgetreten, deren Behandlung auch nach den Wahlen wrrd fortgesetzt werden müssen, und in denen sich die starke Gegensätzlichkeit widerspiegelt, die das deutsche Judentum zurzeit leider in zwei Lager scheidet. Die Juden- West» und Mitteleuropas verdanken chre Emanzipation der großen Aufklärungsepoche, die, von Philosophen und Dichtern vorbereitet, in der französischen Revolution ihrem stürmischen Ausdruck fand. „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit!" ist der Ruf gewesen, der nicht nur in der Deklaration der Menschenrechte seinen bildhaften Ausdruck fand, sondern der mit seinem Ideengehalt auch das sterbende achtzehnte Jahrhundert beherrscht und sich wert hinein in das neunzehnte erstreckt hat. In Deutschland hat die große Geiftesbewegung, die in Lessing, Goethe und Schiller in einem niemals verhallenden Dreiklang ihren beredtesten Ausdruck gefunden hat, die Freiheit gebracht. Die Gleichberechtigung ist von den west- und mitteleuropäischen Juden nicht so sehr erkämpft worden, als sie ihnen von Staatsmännern bewilligt wurde, die, in der Schule humanitärer Ideen groß geworden, die Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, vertraten. Weil sie so mehr ein Geschenk der Entwicklung, als der Preis eines starken Kampfes gewesen ist, haben ihr zunächst die Merkmale des Unvergänglichen gefehlt, und erst indem wir im st o l z e n u n d s e l b st - bewußten Kampfe das Errungene zu bewahren versuchen, sichern wir es uns für den Lauf künftiger Zeiten. Aber die bürgerlichen Ideale humanitärer Epochen werden heute gern etwas verächtlich betrachtet. Der Kapitalismus des neunzehnten Jahrhunderts hat auf der einen Seite eine ungeheure Kapitalskonzentration zuwege gebracht, der gegenüber der Gedanke der Gleichheit aller Bürger fast kornisch wirkt. Und er hat auf der anderen Seite als Widerpart mit der Lehre des Sozialismus -den Kampf der Klassen gegen- und untereinander gezeitigt. Wie fast immer in der Menschheitsgeschichte, in einer Epoche übernationaler Menschheitsgedanken die Zeit des überhitzten nationalen Empfindens gefolgt. Weltbürgertum, das den Öto&en Klassikern erstrebenswert erschien, gilt heute vielen als abgetan. Das Ringen zwischen diesen beiden Anschauungsformen erleben wir erneut an jedem Tag. Ihren krassesten Ausdruck hat die Abwendung von allgemeinen menschheitsbeglückenden Gedanken in der I d e e d e s „B ö l k i s ch e rf gefunden. Nunmehr gibt es keinen Appell mehr an Recht und Gerechtigkeit, sondern das Glück kann den Völkern nach dieser Meinung nur dadurch erblühen, daß sie zu den Wurzeln ihrer rveitreichenden Vergangenheit hinabsteigen und sich dort die Kräfte zum Wiedererstehen suchen. Die Staaten, welche in Wirklichkeit nach ganz anderen Prinzipien als denen der Abstammung und Volksgemeinschaft geworden sind, sollen nunmehr allein auf dem Gedanken der Abstammung, der Rasse und des Völkischen aufgebaut werden. Die Gleichheit gilt nur für diejenigen, die dem gleia,en Blute entsprossen sind. Brüderlichkeit ist ein leerer Begriff denen gegenüber geworden, die sich nicht derselben Abstammung rühmen können. Und Freiheit gibt es nur für die Starken, die sie sich mit dem Schwerte erobern. Diese völkischen Gedankengänge kann man nicht ohne weiteres mit der völkischen Bewegung identifizieren. Es bedeutet darum auch durchaus noch keine Kränkung, wenn von einer Bewegung irgendeiner Richtung an sich gesagt wird, sie habe einen „völkischen Gehalt". Wir wissen insbesondere, -daß an ethischem Inhalt die zionistische und nationaljüdische Bewegung gar nicht in eine Linie mit der völkisch-antisemitischen gebracht werden kann. 'Aber das hindert uns nicht, sestzustellen, daß diegleichen Gedankengange hier wie dort wiederkehren. Ter Humanitären Idee, daß der Staat die Vereinigung aller Staatsbürger sei, die den Willen zu seiner Aufrechterhaltung und das Bewußtsein ihrer unlöslichen Verbundenheit haben, setzt die völkische Bewegung die Lehre entgegen, daß die Geschicke des Staates nur in den Händen der Blutreinen und der Menschen gleicher Abstammung liegen dürfen. Der humanitär-religiösen Auffassung vom Wesen des Judentums tritt der Zionismus mit dem Gedanken des jüdischen Volkes und dem Aufbau des jüdischen Staates auf volksmäßiger Grundlage-entgegen. Die dentschvolkische Bewegung knüpft an Wotan und Hermann den Cherusker an. Die zionistische will nicht sehen, was seit der Zeit, da die Juden am Berge Sinai ein einziges einiges Volk gewesen sind, an Ereignissen sich über die Menschheit gewälzt hat. Beide suchen einen Zeitraum von Tausenden von Jahren zu überspringen, beide besitzen darum einen stark romantischen Kern, und sie sind beide wirklichkeitsfremd. Wenn man als völkische Geschichtsauffassung die Worte lieft: „Eine unvölkische Umgebung kann ein V/ ./• V'v v :• '-d v:; Vv; ■>/ d/ d-v V;> v »