Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 67 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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f|);el§> da der brave Sabbatiuo -irr der Kutte und nüt tonsiertem Kops daherkommt rrnd mit Gewalt getauft wird. In einer römischen Kirche mußten jeden Eamstcr-gnachmittag eine Anzahl Indern etwa dreihundert Männer und ebensoviel Frauen, von einem Pfaffen eine Predigt anhören, die sie bekehren sollte, wobei ein Jesmt nnt einer Fliegeicklappe jedem Juden, der eingeschlasen war oder zu sein schien^ wach schlug. . . Mit den N»ze.renern kam -Oppenheim gleichwohL und trotz svlchen gelegentlichen Taktlosigkeiten, wie sie oben von den Overbecks mitgeteilt wurrdeu, äii srellndschaftlichon Verkehr. Am sonderbarsten benahmen sich, wie stets, die Renegaten. Belustigend ist, was Oppenheim, von Philipp Veit erzählt. Seine Marter Torothea, die Heine gern spöttisch „Dorothea Schlegel, geborene Mendelssohn entlaufene Veit" nannte, hatte den Uebertritt zum Katholizismus blutig ernst genonnnen. Wenn ihre Eukelchen ihr vor dem Schtasengehen gute stacht wüiuchte^ nmchte sie über ihnen oas Zeichen des Kreuzes. Philipp Veit selbst trrcg nicht so stark aus. aber eiiuiiat kam auch bei ihm der Pferdefuß lzeraus. Oppenheim sprach ihm — es war in späteren Jahren, 1856 — von einem Bilde*), das er danurls gerade in Arbeit hatte, und das später weit berühmt geworden ist: „Lavaters Besuch bei Mojes Mendelssohn". Die dargestellte Szene betrifft eine Geschichte, die allgemeinverbreitet war: La unter versucht, Bleudelssohu zu bekehren, und zroar verlangt er, daß der Philosoph sich seinem Wunsche füge und taufen lasse, oder das; er öffentlich feine Eegengründe dar lege. Veit kannte diese Episode aus dem Leben seines Großvaters nicht. Oppenheim berichtete ihm w-eiter, wie Mendelssohn sich gegrämt habe, weil er sich nicht habe öffentlich aussprechen dürfen, und wie er es dann doch später dein Herzog von Brauuschweig gegenüber, der ihn dringend durum bat, getan l)abe. Daraus tat Beit, so lesen wir jetzt, unter Seufzern die Äußerung: „Wer weiß, was er jetzt dafür büßen muß!" . . . „Veit war sonst ein ganz gescheiter Mann", setzt Oppenheim hinzu. In. Frankfurt, wo der Künstler viel für die Rothschilds arbeitete und auch für ihre Sen mulmigen lauste, nannte man iiyxi den „Realer der Rothschilds und den Rothschild der Maler". Es ging ih:n gut, 'der Verdienst war reichlich. So tum es, daß ein anderer Geldrnagnat, Vtarcus Königswarter. ihn einmal tu einer Gesellschaft einigen Offizieren mir den Worten vorstellte: „Herr Pr ose stör Oppenheim, ein Maler — hat's aber Gottlob nicht nötig." Die muß saute Formel wurde alsbald überall bekannt, ja der Achtzigjährige schreibt ein lveuig urelancholisch, sie habe ihn „bekannter und berühmter gemacht ia£§ feine Bilder". Irr Frankfurt kam Oppenheim auch mit Heiiw und Börn-c in Berührung: dort entstanden die Porträts der beiden. An einem Samstag war Herne sein- Gast, und man mag sich cii^nxrien, wie diese beid-en witzigerr Köpfe', diese Beherrscher aller Fiuepen des jüdischerr Geistes, sich im Gespräch gegenseitig die Bälle geschliffener *) Die Bilder sind zül bim Der?: „Moritz OppsrP i§er Erlaubnis der Frarrkfurter Derlagsaustart Erinnermigen^, euLnourmen. Larater und Lessing bei Moses Mendelssohn (1856). 67 Jüdische Kleinkinder schule (1878). Bemerkungen zu warfen. Oppenheim erzählt, er habe noch einige Verehrer Heines zu jenem Essen gebeten und dem Dichter zuliebe — echt jüdische Küche bereiten lassen: „Küchel und Schalet." Heine ließ es sich vortrefflich mnuden, und Oppenheim bemerkte — man sicht im Geiste den spöttischen Zug um seinen Mund —, Heine „müsst wohl beim Verzehren sicher Gerichte .Heimweh empfinden, wie cm Schweizer, der in der Fremde den Kuhreigen hört". Das Gespräch segelt nun natürlich der Taufe des Dichters zu, und Heine meint zynisch: „Es komme ihm schwerer, sich einen Zahn ausziehen zu lassen, als seine Religion zu wcchwln." Börne wiederum läßt den Maler nicht gar zn erfreulich seinen Witz spüren. Als Oppenheim ihn porträtiert hatte — da> vorzügliche Eild hängt heute im Städelschm Jußilut. schickte der berühmte Mann ihm das Honorar mit einem Briese, der in dem schönen Satz gipselte: „Es liegt ein Fluch im Gcldo: danken Sie mir, daß ich Ihnen so müßig geflucht habe/ Das sind nur ein paar Kostproben. Das ganze Büchlein ist gespickt mit Anekdoten, die Grs irr das Wesen der Zeit und ihrer Menschen hinein leuchten. Entscheidender aber ist die gütige und liebenswerte Art und die aufrichtige Bescheidenheit, mit der hier ein Künstler, der manckrn Tri:miphe'gefeiert batte, am Abend seines Lebens ül^er sich und sein Werk hinblickt. Es ist ein Kulturbild, das um so größeren Wert für uns besitzt, je awpruchslwer eZ sich gibt. Wille unö weg. Die jüngste Nummer des „Kämpfer". Die Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft kann endlich nach langer Pause, die sie selbst nicht wollte, das neue Jahr mit einer Nummer ihres Zeutralorgans „Der Kämpfet beginnen. Man sieht dem gut ausgeftatteten, umfangreichen Heft dis liebevolle Sorgfalt an. mit der jeder der Mitarbeiter an ihm aewirkt hat. Ter Inhalt der einzelnen Aufsätze kennzeichnet die Deutschjüdische Juczendgemeiuschast als eine Vereinigung von jungen Menschen, die ihres Zieles bewußt und gewiß sind, ihren Weg. eben als junge Menschen tastend im Schreiten, aber stets sicher im Verweilen auf errungenen Etappenpunkten durchmesien. Diesem Gedanken gibt auch die Einführung von Friedrich Brodnitz Ausdruck, und den geistigen Untergrund, den Nährboden für da§ Wachstum der Bewegung läßt ein'Aussatz von Ludwig Trotz erkennen, der gerade zum ersten T o d e s l a g e Eugen Fuchs , de§ unvergeßlichen Führers des Eentralvereins, von besonderer Eindringlichkeit ist. Der Aussatz über die „I ü d i s ch e Jugendbewegung" von Wolfgang Matzdorsf, eine Chanukkab e t r a ch t u n a von Bergmann, eine Umschreibung der religiosen Aufgaben der D e n t s ch - j ü d i f dj c u Jugendgemein schüft von Max Mayer wechseln mit Gedichten einer xungen Kameradin (Hilde Ephraim), Hymnen von Jehuda Halevß Liedern von Hugo Zuckermann. Aus dem weiteren Inhalt muß ein Aussatz von Kurt Steinhardt „I ü d i s ch e Jugend und jüdisches Ge m e i n d e l e b e n" und ein Essay von Dr. -chmtzemüller über Ludw ig F r a nk, den Redner und Politiker, erwähnt'werden. Friedrich Borchardt und Heinz .Waltensteiu prüfen die Frage „I u b e n d u n d P o l i t i k^Fmd „I u g endge in c i n f dj a f i n n d Politik". Besonders interessieren, auch über den engeren Kreis der Jugendgemernschast hinaus, dürste der Versuch einer Bibliographie der Jugendbewegung, die Martin Sobotker beginnt. Die künstlerischen Scherenschnitre, die das erste Heft und den Umschlag schmücken, stammen von Fritz Meyer. Als echte Jugendbewegung weiß die Deutsch-jüdische Jugendgemeinschast noch nicht, wann sie in der Lage sein wird, das nächste Heft herausznbnngon. Wir möchten ben Wunsch ausspreck)cn, daß dies reckst bald geschehen möge, und daß es als Ergänzung zu diesem ersten, das „Weg und Wille" als Motto trägt, unter dem Signrun „Tal und Ziel" geschrieben wird.