Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 66 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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66 vom alten Oppenheim. Von Dr. Max Osborn. T<r Name Moritz Daniel Oppenheim darf -in der Geschichte bec deutschen Juden einen Chren;>latz beanspruck-cut Tenn er *ri der erste Sütoler. der ans die vier BrüderFrwdrm), 'augug, die irm 1810 in Berlin <nrfkuid)tcrr. Aber unter den Malern sicht Oppeirheim -an der Spitze. Er ^uerft konnte, als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Tore der Judengassen sich öffneterv, eine künstle rftch? Ausbildung gemetzen, die sich, z^mrak nach den An> ergen, in nichts mehr von Der seiner christlichen Kollegen nnteriä>. Er zuerst konnte sich wn-gchemmL im künstlerischen Getriebe r Welt rmmneln. Er zuerst gelangte durch eine überragende Begabung zu Erfolg und Berühmtheit. .Ein reizendes kleines Buch, das soeben erschienen ist, frischt das v ' ' " ' ^-rw4/>t*rsg'r(fvn l>ihiftfcT§ Ultd 3Jtellfd)CTl erbstück, herausgegeben. Moritz Oppenheim (der 1800 in Hanau ge* hören wach hat diese Aufzeichnungen als ein Achtzigjähriger — nicht lange vor feinem Lode 1882 — niedcrgeschrieben. Sie geben nur einen von der milden Ruhe des Alters beschatteten Abglanz seines frischen, bewegten, von sprühendem Lehen erfüllten Erdenwallens. Sie 5ind sogar, wie der Herausgeber festteilt, nicht frei von allerlei Jrrtümern, da der Greis, wie so oft. gerade für die späteren Jahrzehnts kein ganz scharfes Gedächtnis bewahrt hatte. Doch sie erschließen uns mit solcher Unmittelbarkeit da§ Wesen dieser tüchtigen und lichenswerten Persönlichkeit, daß man das Küchlein mit innigster Anteilnahme und behaglichem Genuß bis zu Ends durchlieft und nur bedauert, fo. schnell am Schluß angelangt zu sein. Bon dem Recht des Alters, ein WZmg geschwätzig zu plaudern, hat Moritz Oppenheim in diesen Blättern, die er als „angenehme Reminiszenzen" für seine „lieben Angehörigen und auch wohl noch für einige S'reunde" hinterließ, keinen Gerauch gemacht. Von den irnzähligen Anekdoten und charakteristischen beschichten, die er im Kopfe trug, hat er nur einen bescheidenen Ter5 ursgewählt und festgehalten. Schade! Doch auch so bleibt der kleine Band nne Ergötzung, eine Fundgrube krteressanter Erkenntnisse und ein beträchtlicher Beitrag zur Geschichte der deutschen Kunst t>on einen! besonderen Sehwinkel aus. . ' Opperchoinr ging den Entwicklungsweg der deutschen Malerei seiner Zeit. Er begann mit Arbeiten von einem gesunden Reatesmus und solider Fari^ntechnik. die von den Menschen, der klnssisckp rommsti schon Epoche und ihrer eigentümliche Stiuunung treuen Bericht gaben: das Gruppenbild des Frantfuriter Pädagogen Ackermann mit feinen drei Zöglingen, das heute im Wallraf-Ricl)artz- Mrseum. zu Köln hängt irud dessen Reproduktion sich unter den Bildber§aben von Alfred OppenlMms Publikation bcfindcr (1820 entmiaj ör.om, wo oer junge ^uoe m oen Zvrers oer nay wo Thorwaldsen ihm freundlich gesinnt wird und die „Historientunst" ihn in ihre Arme mvunt. Es entsteht etwa ein BiD von der Heimkehr des jungen Tobias und die Bleistiftzeichnung. die wir jetzt sehen, erhmert vl;ne weiteres an den Stil der „Brüder von San Jsidoro" Dies aber ges5>ck> in einer ganz besonderen Weise. Tenn Moritz Op^rchenn ivrir nicht mir einguter Maler, sondern mcht minder ein guter Jude. Er wurde, hier wiederum als der erste, ein SchiLderer des Lebens der Meruckxu, mit derw^c ihn die Bande des Blutes innig verbanden. In' jahrelanger, immer wiederausgeuomurener Arbckr entstehen die „Bilder aus dem altjüdischn FanÄli«!leben", zuerst die Oelgernätee, beginnend mit der „Rückkehr des jüdischen Freiwilligen aus den Freiheitskriegen", dann die „CriscrillenF d:e als Vorlagen für dte von ungeheurem Erfolge t-egteiteten Serien der plwtographrrchcn ^Nachbildungen dtenten. Und es baut sich die große Reihe der Bildnisse bedeutender jüdischer Persönlichkeiten curft diete Galevic, bei der Heine und Börne, die Mitglieder der Familie ^Rothschild, von der Stammutter Guste an-, und Gabriel Riester, mir dem Oppenheim wie mit Eduard Simson enge FremL-schasr knüpft.?, an erster stelle stehen. Ter Künstsir kwr sich nicht aus diesen Kreis beschränkb, dazu. war er zu ichr Weltnranw zu kehr von den allgemeinen künstlerischen und geistigen Interessen seines deutschen Vaterlandes erfüll ft aber m-i.l betonterer Zärtlichkeit ist er stets auf die jüdischen Themata zurückgewmmeu. Wie tief int Herzen er an den Sitten der Büter hing, wie stolz er, ohne Prätension, seine Abstammung von denen, die bis kurz zuvor von Steak und Mitbürgern als Menschen, zweiter Klasse tehandelt worden waren, offen betonte, das geht nut neuer Teutlickp reit aus dein Erinn-erungsbuch hervor. "Rührend und ungemein anziehend find die Schilderungen aus dem Vaterhaus?, wo die geheiligten Bräuche noch streng geachtet wurden, vom ersten Unterricht bei dem stotternden alten Lehrer Fälketche, aus der Talmud-Thora- Schule beim Nebbe Manuel Neckendorf, den der Schüler heimlich und witzig in einen Folioband des Talmud zeichnete — sein „erstes Porträt". Tie Mutter, so fromm sie war, sorgte doch dafür, daß die Phantasie der Kinder sich auch nach anderen Richtungen hin bewegte. Sie nahm den kleinen Moritz mit ins Theater, und er malte für sich und die Geschwister die Kulissen eines Kindcrtheaters. Sie las „Hermann und Dorothea", und diese Erinnerung mag nachgeklungen haben, als Oppenheim 1828 seine Umriß- Zeichnungen zu dem Eoethescheu Epos schuf. Er hat auch Goethe selbst, der ihn schätzte, in Weimar besucht. Der Olympier nannte ihn, wie Oppenheim erzählt, als der Siebeuundzwanzigjällrige vor ihm stand, einen „Jüngling von sechzig Jahren" — womit er das reife Urteil und die Weltkenntnis des jungen Malers meinte. Goethe war es auch, der Oppenheim beim Großherzog von Weimar den Professortitel verschaffte, dabei siel, als der Künstler sich bedankte, aus dem Munde des Dichters das bezeichnende Wort: „Titel und Orden hatten manchen Pass ab im Gedränge/ Oppenheims Selbstporirät aus dem Jahre 1822. ja noch genauer: an die „Begegnung " von Cornelius in den Fresken der Josephs mit seinen Brüdern" von Cornelius in den Fres.„. Casa Bartholdy. Ja, es entsteht in Rom sogar der Karton einer Szene von Christus und der Samariterin. Aber dann kehrt Oppenheim nach Deutschland zurüch nach Frank für ft das seine Heimat wurde, und er vollzielst die Rückkehr'zu dem. nunmehr schärfer zupackenden, neuen Ztealisurus. der sich damals neben der „großen Kunst", der Geschichtsmalereft durchsetzte. Er wird C-rn<emsler und vertieft fekie Begabung zmu. Porträt. imiuujtu r**n "- Höchst anschaulich sind die Berichte von den früheren Wandcrjahren. Als junger Bursck^o kommt Oppenheim^ auf das Cut des Grafen Bentzel-Srernau, desien angebliche Originale — ech, es waren meist Falschem gen — er kopieren sollte. Eines Tagcs sagte der Graf zu ihm: „Herrte werden- Si? überrascht", und die Gräfin brachte rn höchst eigener Personi bei der Tcheft der Oppenheim ans Achtemg vor den jüdisck)en Speisegesetzen nur wenig zusprackr, einen- Teller Fleisch mit der Versicherung, das sei eigens für ihn nach jüdischen: Ritus 51:60reitet Es soll vereinzelte Gräfinnen ^gegeben haben, darf man wohl sagen, die sich in ähnlichen Fällen weniger liebenswürdig bnmhnren. Dam: geht es in die Mmststädte. Ueberall l^rt der Jude 50. kämpfen, aber Oppenheinr rrbenvin'det die ficineu und großen Schwierigleiten mit Lächeln. Von dom Professor Sei dl er in München an, der mr AnbikomSaal zu dern Sckchter vor drsien Aivdellstudieu sagte, er zeichne „lauter Juden", bis nach Rour, wo OpMchcin: mir einenr Freunde auseinmrdertem, weil dtetem die FaInilie des Malers Overbeck bemerkte, es sei. ihr nickst begreislii-ch, lvie man mit eirr?nr Jrteorr unter einem Dack^ wohnei; könne, zielst sich die Kette dieser Lüruehmlichkeiten. Recht im Stil eines jungen künstlerischen Menschen ist es, wie Oppenheim von Paris mit einem Kurier des Hauses Rothschild heimlich nack) Rom kutschterft ohne daß die Aston Meru in -Hanau eine Ahnung davon haben. Er wollte sie „durch einen Brief aus Rom über raschen"! Mit KvanA-gjährrgen svlebt mm eben soLlje Ilebcrrnsch'.mgcn. In Italien selbst sieht Oppenheim ErsteurEM von; Treiben der Prvselytenurack^r. Ein junger Mensch namentz Saböa-tirw wird rvegen eines geringfügigen VorMMZ eingefperrt mrd Mangsweise bekehrt; OppenhiZm wird ftlöst Zeu.<^ des Schau-