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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-23 · 4 (23.1.1925) · p. Seite 62

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
4 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
Seite 62 (sequence 11)
Language
German
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02 t>k völkische „Leitung" ösr ötutschen StuöLntrnjchaft. r$eit ihrer vor sechs Jahren erfolgten Konstituierung hat die Deutsche Studentenschaft häufig die OefsenU'chle:h l»?'.-chä,- tZgt. Ibrsprün-glich g-udacht als eine rein org?niiat^r>i!ev? Zu'aru-ucufasfung aller Studenieu 51:111 Zwecke K’S Vliic-üanc-j und ^cr VereinhciLlichurlg Sec studentischen Lelbstverwaltnua. wurde di) Studentenschaft bald ein Instrument des völkischen 'övchschnlring?, und die absolut einseitige Politik ihres rein^völluchen Vorstandes fand in weiten Kreisen des dcutsthen Volles schärssle MrsttnUigung. Daneben wurde fast in jedem Semester Vorivürse gegen die Kaßen- Wrung und Vermögensverwaltung der Siudenicrischast oder einzelner ihrer Glieder erhoben, die sich bei näherer Betrachtung Lider als nur zu berechtigt erwiesen haben. Eine „Chroiiiqiie icandaleuse* der Deutschen Studentenschaft würde im Verhä-lius j» der kurzen Zeit ihres Bestehens ein recht umfangreiches Werk werden, dessen letzte Kapitel, die Affäre B i e r t i m p s e l und die dunkle Angelegenheit, die vor einiger Zeit im Wirtschaftsamt der Berliner Universität spielte, noch in allgemeiner Erinnerung sein dürften. Während aber bisher nur Bersehlnngen einzelner V!iB tftfceiter und Miß stünde in eimzolucn Aomlern der ^Ludenienschast LUfgedeekt wurden, wird jetzt bekannt, daß ans dem letzten .brudententag im August vorigen Jahres in Innsbruck in der Geschäftsführung der m a {jgebenden und repräsentativen Leitung der Deutschen Studentenschaft des seit m c I) t e r c u Semester n amt-ie renden Vor st aude s Fritsch — Adam heit so seltsame und bedenkliche Zn- Känd e entdeckt w 0 r de ti sind, daß a uch mit Z litt i m ui u n g der völkischen Vertreter ein. N n t ersuch n n g s a u s s ch u ß nr Klärung dieser A ngeleg e n h e i t eingesetzt werden in u s; t e. Dieser Unter- ^chungsaus schuß, bestehend aus acht der völkischen Viehrheit augehörenden Sludenten und Altalademilern, darunter Karl Manfteb grommel, der bekannte Herausgeber der „Akademischen D.timmench. kam nach eingehender Prüfung der Akten zu dem Ergebnis, „daß die aus dem Studententag gegen die Kasjensühr'ung und Vermögensverwaltung erhobenen Vorwürfe leider als nur allzu berechtigt angesehen werden müßten, und daß die Angelegenheit jo verworren sei. daß der Untersuch u n g §a n s sch u ß sich außerstande erklärt, eine Klärung herbei zu führen, was nach seiner Anicht nur durch den Staatsanwalt möglich ti* (Von uns gesperrt. Schristltg.) Er schlügt deshalb den i Studentenschaften vor. ten Gesauükonrpler zur weiteren Aufklärung Sn dis Staatsamvaltschaft weiterzubeben. Der Un<eriuchungsausschutz hat seine Ermittlungen in einer umfangreichen Deuckschrisr «Len Strrdenten schäften zugänglich gemacht. Zur Illustration diepr völkischen „Leitung" seien einige der in der Denkschrift enthaltenen Anerben tm Oviginalterte wieder gelben. Ein Kovanwutwr dazu ist überflüssig. Der Uutcrsuch'.dngsausschuß muß vorweg feststellen, daß s) ein Teil der für 'eine gründliche Untersuchung lwtwendigen Akten entweder überhaupt nicht vorhanden war bzw. ist, b) ein Teil der Akten wegen Unordnung der Negistriorung wicht vorgrbegt iveoden kann, c) das erste Zusammentreffen dos Unter such: ngsau s ichu ss e s verzögert wurde, lveil das Eintrcsson gewisser Akten aus Jnusf druck abgewartet wurde, die dann nicht eintrafen. Heber Haupt find die wichtigsten, für eine Kontrolle der E e s ch a f t s f ü h r n n g notwendigen A k t e n merkwürdigerweise fast alle verlöre ngegan gen: das B r i e s b u ch, die Kassenbelege, die Ein- und Ä w s - gonge vom StudentenLag usw. Der Koffer, welcher diest Wen enthielt, soll von Herrn Anlauf (einem Vorstandsmitglied) «nverfchlossen in Innsbruck durch einen Gepäckträger"ausgsgeberD worden sein. Der Gepäck scch in befand sich bis vor "kurzein iv den Händen von Herrn Anlauf. Er hat ihn jetzt angeblich verloren. Herr Adamheit (eines der maßgebendsten Mitglieder des bisherigen Vorstmrdes) war in Berlin beim Empfang" eines Korbes zugegen, der die gleich Ninmwr trug wie der Gepäckschein, aber statt der Akten mit einer rooißeu, pulverigen Substanz gefüllt war. Die gegen die Kassenführung und Vermögensverwaltung'erhvLenen Vorwürfe werden durch das Tatsackenmaterial leider als allzu berechtigt erkannt. Da Kajpmbücher und Beleae fehlen, muß sich der UntersuchunaZansschuß zunächst jeder Vermutung über die Geschästsgcbarung und die Geldverivondung euchalteu. Don der D. St. ist lediglich ein gewöhnliches Kontobuch geführt worden, in Wellern ans der einen Seile die Eingänge und auf der anderen Seite die Ausgänge verbucht rvarcn. Man bedenke, daß es sich bei der D. St. um eine Zwangsorgarustckiou handelt, an die jeder douLscke Student und wohl auch die Studenten Deutsch-Oesterreichs und der Sudoterckänder, da sie ja Mitglieder der D. St. sind, einen Semosirr- ^l'braa von 1 Mark ab zu führen hatten.) Es mußte bereüs in Innsbruck bearchandet worden, daß häufig Auign.ben nur unter der allae, memen Bezeichnung „AuslagerE ohne gerwue Spezialisierung, womr me Arr-siagen tut einzelnen xrnacht worden sind, verbucht wurden. Ferner wurden in Innsbruck Doppelbuchuna.cn jestg-stellt. Ein Verhör des Herrn Anlauf dockte eine geradezu erch-ästcrud? Unkenntnis und auch u.nrcgelmäßigleck tu der Führung der Zwijengefchäste auf. Es kennzeichnet die Lage, drch Herr Anlauf von nicht studentischer Seile mit bestimmter Zweckbestimmung für die D. St. Geldcr enigcgengolwmmen hat, die uiwrhörterweise nicht in den oiiiziell.'U Büchern erschienen sind, und über die nur hm Spendern Abrechnnn^u vorgelegt sein solle:'.! Im Anschluß an diese Feststellungen wird dann der Vorschlag g-enw.cht, die AngelEnheit der staai-anwaltschast zu übergeben. Auch die welkeren Abschnitts über Buchstühru.ng und Geschäf.sgebaruug der Zeitschrift „Hochschulaemeinjck'.chc" t'ritifieren a-nß-orord-enilich stark die durchaus unzulänglich?, völlig lcverchas!?, zumindest grob fahrlässige HandürngsrvLipLi der Herren des Vorstaudes. Wir umstell uns leider mit diesem! Stichproben begnügen. Erwähnt sei noch, daß in einem weiteren^ Abschu.ilt der Dculschrist miteilt wird, daß einer der leitenden' Bcam.tcn des Preußischen Miirisieriums für Wistenschaft. Kunst und! Volksbildung es zu ] äucui Bedauern hat adlest neu müssen, den bis- ' herigeu Vorstand „loegen seiner Ungeschicklichleitcn. zu empsangench Es liegt inche, für diese Vorgänge die Politische R i ch t u n &! deren Vcr1rauensu7än:u?r die Hau.Dckatei'iatell waren, für diese Vor-' gange verantworrlich zu macheri. Ter jüdische Stndont, der selbsti häufig genug erfahren hat, wie bitter ungerechte Berallgemeine-! rungen sch'.uerzou tonnen, nnrß sich davor hüten, die Fehler seiner! Gegner uachzuumchen. Auch in dern stochschut-politisck/en Gegner achten» wir d?n Konuniijtonen, der mit bei vom Herzen für die Zukunft des ' Vaterlandes arbeitet, und wir wissen „neecahir inlra muros el oslra". - Als der eigc nt lüste Schuldige fi:-.d auch weniger die heutest die Hochschrr'bn best er r scheu den völkischen GrnppLll anzufestcu, son-- dern. das S y st c m der heutigen studentischen S e l b st -' v c r walt it 11 g. das dieser Gruppe ermöglicht, einen domini-erenbenj Einfluß auf die -vochschulpolilik auszuül'cn-. Dieses System cinevj Kritik zu uutcazEhen, muß einer späteren Betrachtung varbehaltonst bleiben. Für heule sei nur abschließend jestgestellt, daß gerade! d i c j c 11 i g c n , d i 0 sich bisher als die l <t u t c \i c ti: ,,-Ji ufer im Streit" gegen den r e P u b l i k a n t f d) c nr „S n ln p f" betätigt haben, die eigenen Ideale dev.' a l t P r e ll ß i s ch e n Ehrenhaftigkeit und privatem; Sauberkeit nur verwirklichten, „wenn es g a i t £ d c n Politischen Gegner zu kritisiere n*. Werner N 0 ser» berg. cand. jur. Das hsrsfLlöer veröLschen vor Sseicht. „D i e T a t ä u ß e r st r 0 h/ Vor dem großen SchössengerichL in Kassel fand am l4. Januar > der in der stacht vom 5. auf den 6. November erfolgte Einbruch indie Synagoge zu Hersfeld seine Sich ne. Auf der Ankla;pVanki saßen der Ingenieur Erich Götze aus Hersfeld, wegen ^ach.! beschüdiguug bereits mit 200 Goldmark vorbestraft, der Vertreter des' Nürcksorth-Konzerns Paul Gotting aus Hersfeld, der Kauftnannl Georg Reinmöller von dort und der ehemalige Bankbeamte; und Student Ernst Thielow aus Niederaula, der Sohn deZs dortigen Oberforstnreisters. Tie Alrgetlagten wa-ren, wie wir in! Nr. 46 der „E. V.-Z-eitung" vom 14. November 1924 ausführlich^ berichteten, nach einer durchzechken Nacht in dis Synagos zu' Hersfeld eingestiegeu und hatten die heilige Lade zerstört. Die Hauptverhandlung, die unter großem Andrang bc§ Publikums stattfand, ergab keine neuen wesentlichen Momente. Tie Auge-' klagten versuchten zwar, sich ans sinnlose Trrrnkenheit hinauszurcdeu, ' konnten aber durch die Zeugenaussagen überführt werden, daß sie sich ihrer Tat wohl bewußt waren. Sie gaben auch zu, daß sie^ während des Trinkgelages plötzlich den Gedanken gefaßt Härten, den^ Juden einen Schabernack zu spielen. In seiner AnLlagcrcdv führte der SLaateanwall aus, das; das Verhalten der gerlagterr tu staatsbürgerlicher Hinsicht einen überaus schweren Bruch des konsesnotteULN und öfsentLichen RechLs-l frredcrrs darstelle. In menschlicher Vezielznua nrusz die Tat! als eine äntzerft rohe bezerchnet werden. Wenn man auch gelten lassen könne, daß die Tat eigentlich nur infolge der Trunken-! heit denkbar sei, so könnten sich doch die Angeklagten^ nach ihrem Lebensalter und ihrem Bildungsgrads' nicht auf einen D n m m e n j u n g e n st r e i ch berufen.^ Sie hätten geuau gewußt, das; ihr Verhalten gerade in den- Arrsregungen der Wahlzcit eine große Verschärfung der Gegensätze herbeisirhrcu müsse. Sie hätten es auch nicht einmal für notloeudig erachtet, sich bei der israelitischen Gemeinde in Hersfeld zu entschuldigen oder zur Erstattung des! Schadens anzubieten. Diese straferschwerei^den Gründe müßten in der Höhe der Strafe zum Ausdruck kommen, dannt die Täter wenigstens jetzt zur Einsicht kämen, wie verwerflich ihre HandlunWweis^ gewesen sei. Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht gegen Götze auf eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten/ gegen Gotting auf acht Monate Gefängnis, gegen Nein moller und Thielow auf je fünf Monate Gefängnis. Tie Urteilsbegründung hatte sich den Ausfühurngen deI Staat srnrwalts voll in halt stich angeschloficn. Besonders her* v 0 r g e h 0 b e n wurde, daß für das Gericht kein Anlaß bestand, sich mit'der Frage der Strafausj e h u n g z n b e f a \ \ e n.

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