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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-23 · 4 (23.1.1925) · p. Seite 60

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
4 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
Seite 60 (sequence 7)
Language
German
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60 ' Dorstsmdsinitgliod der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, hatte schon in erner großen Vcrfanrmlung der Jüdischen Volkspartei verkündet: „Jetzt wird der Landesverband alle Aufgaben deS Cerrtratvereinö übernctznren, der Crntrawereirr wird überflüssig, und sein Tod wird besiegelt sein. Werl er diesen, seinen Tod vor sich sieht, so greift er zu einem letzten Mittel, um sich zu retten, zur Bekämpfung der Jüdischen Volksparte i«" Lrr Tentralverein ist den Lockungen nicht gefolgt und hat Komprovriffe jeder Ar^ cbqctäyM, ima> so wird er sich stärker crf>aXter.>, als man glaubt, denn fein Landesverband und feine behördliche Organisation wird jemals im einzelnen den Kamps so führen können, wie es der Centralverein tut, und auch die klügsten Köpfe der Jüdischen Dolkspartei werden ein Programm nicht herstellsn können, das in Wahlzeiten auch nur ein Tausendstel dessen durchführt, was der Centralverein getan hat und was er allein zu tun durch seine Organisation in der Lage ist. Nicht auf Vorstellung bei Behörden, nicht auf einzelne Bittgänge kommt es an, sondern es kommt darauf an. daß in einer demokratischen Gliederung bis ins letzte Dorf hinein die Faktoren versammelt sind, die in jedem Augenblick ans die öffentliche Meinung ausklärer>d, beratend und unter Umständen zurückweisend zu wirken in der Lage sind. Aber auch den Behörden gegenüber wird der Landesverband in politischen Fragen stets nur eine Organisation sein können, die nicht getragen ist von dem einheitlichen Willen deutsch- und jüdifchempfindender Persönlichkeiten. Die Wähler zum Landesverband sind zu einem nicht unerheblichen Teil Ausländer. Man mag noch so freundschaftlich zu ihnen stehen und man mag ihnen, wie wir, aus herzlicl^em jüdischen Gefühl heraus alles Gute wünschen und sie unterstützen, wo erforderlich; sie selbst können nicht beanspruchen, Behörden gegenüber die Empfindung deutschgeborener Inden zu vertreten. Und somit wird die Stimme des Landesverbandes in allen politischen Fragen stets eine Stimme sein, die zwar von der Maste der Juden in Preußen (und auch das kann noch zweifelhaft sein), getragen sein wird, die aber keineswegs ein unverfälschtes Denken und Wünschen des deutschgeborenen und deutschempfindenden Teiles unserer Judenheit darstellt. Dabei soll nicht die Frage erörtert werden, ob die Jüdisch-Nationalen überhaupt nur gewillt sind, den deutschen Erfordernissen in ihren Beratungen ein solches Interesse entgegenzubringen, wie den rein jüdischen. Ein Teil der Jüdisch-Nationalen, die Bo^s-Lrm-Partei, ist in diesen Dingen jedensalls viel ehrlicher, als die Jüdische Dolkspartei. Wenn die kvale-Lon-Partei ausspricht: „Jedem jüdischen Gemeinde- Mitglied mutz die Tatsache seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Dolksgemeinde bewutzt werdenund wenn sie ferner betont, daß in den Kreis dieses Landesverbandes alles, was zum jüdischen Volkstum gehört, hineingezogen werden soll, fo spricht sie die Wahrheit, und spricht diese Wahrheit genauer und deutlicher aus, als es etwa die Jüdische Dolkspartei ihrerseits tut. Wenn wir uns über all diese Dinge klar werden, so werden wir vhne jeden Groll und ohne jeden irgendwie gehässigen Kampf bei der Tatsache, datz hier eben Weltanschauungen auseinandergehen, unseren Weg weiterschreiten und neue Anhänger zu werben versuchen, 'weil wir wissen, datz allein die Vermählung von Deutschtum und Judentum auch in der Politik diesen Landesverband zu einer segensreichen Einrichtung zu gestalten vermag. Die ßoröerungen öer Rantoren an den Lanöesverbanö. . ' Die Vereinigung der Kantoren Groß-Berlins und Umgebung' erinnert daran, daß der Landesverband laut Artikel 1 seiner Verfassung eine Religionsgesellschaft ist, die nach dem Willen ihrer Begründer in der Zusammensetzung der Verwaltungsorgane nur das religiöse Prinzip widerspiegelt und keine Standes- oder Berufsvertretung darstellen soll. Dem widerspricht auch nicht, datz in dem geschäftsjührenden Rate neben sechs Nabbinern, auch zwei Lehrern Sitz und Stimme eingeraumt ist. Diese sind hier nicht als Vertreter ihres Berufes herangezogen, sondern als Faktoren, die zur Er- Haltung des Judentums mit am intensivsten beteiligt sind. Zu diesen Faktoren gehören aber auch die Kantoren. Es wäre daher nur eine Forderung der Gerechtigkeit, wenn auch die Kantoren in den Gefchästsjührenden Rat ausgenommen würden. Für die laut Artikel 27 eingesetzten Kultusausschüsse sind zwar je zwei Kantoren vorgesehen. Die Beschlüsse dieser Ausschüsse haben aber nach Artikel 28 den Gemeinden gegenüber „mrr gutachtliche und keine zwingende" Bedeutung. Daher fordert der Verband der Kantoren, den Kantoren Mrch eine Vertretung im Geschäfts führender Rat zuzugestehen- —> DieWahlnurmner örr „FuöijchenRunöschüu" Die jüdische Rundschau" vom 20. Januar ist als Wahluummer ausgemncht. Sie richtet sich im wesentlichen gegen den (L V., dem so ziemlich alles Schlechte nochgesagt wird, was Mensch.m und Juden einander aufbürden können. Wir können uns nicht mit jedem Vorwurf besoffen. Es wäre dies eine langwcilige Arbeit und eine Arbeit, die einem die Schamröte ins Gesicht treiben mutzte. Keinem ist der innerjüdische Kampf so wenig angenehm wie uns. Mir haben ihn vermieden, solange es ging. Als zur Wahl gerufen wurde, haben wir unsere Freunde aufgefordert, gegen zionistische Listen zu st im m e n. Weil der Landesverband unter Umständen für das Geschick der jüdischen Gemeinden in Preußen maßgebend sein kann, nmßten wir diese Aufforderung ergehen lassen, denn wir haben bemerkt, wie der jüdische Notionalismus und das jüdisch-völkische Prinzip dem Judentum schadeten und dem Deutschtum nichts nützten. Wiederholt haben wir, daß von einer Verdächtigung der Gesinnung eines Menschen nicht die Rede sein kann. In der Wahlnummer wird behauptet, der C. D. habe einen Kampf innerhalb des deutsclM Judentums entfacht, während in derselben Nummer ein anderer Schriftsteller betör ’: „Wir Zionisten sind die Ankläger im jüdischen Leben der Gegenwart. Ter Zionismus ist das Gewissen des Judentums." Wenn jemand selbst behauptet, er sei der Ankläger, dann kann er nicht gut auf der anderen Seite die Friedfertigkeit sür sich in Anspruch nehmen, wenn der Angeklagte so frei ist. Zu antworten. Seit Jahren ist innerhalb des deutschen Judentums eine nationaljüdische Bcernslussung vorgenomw.en worden, die eine starke Reghettoisierung zur Folge haben mußte. Das Wesen des Judentums ist, im nationalistischen Sinne ausgelegt, nichts anderes als der Versuch der Entwurzelung des jüdischen Menschen in Deutschland. Wir haben behauptet, das Programm der Jüdischen Dolkspartei führe zur V o! k s g e m e i n d e, die wir ablehnen müssen. Schon waren wir wieder die schlechten Menschen, denn die Zionisten erklärten, an die Dolksgemeinde werde nicht gedacht. Wie ernst es mit dieser zionistischen Erklärung gemeint ist, geht aus der Wahlnummer der .jüdischen Rundschau" weiter hervor. Dort schreibt L c n z i o n F e t t: „Durch jüdische Volköarbeit zur jüdischen Dolksgemeirrde, dies Lst die Losung deS 1. Februar; ihre Verkörperung ist die Volkspartei." Jedenfalls werden wir in der nächsten Rümmer des „Jüdischen Rundschau" angegriffen werden, weil wir nicht die Wahrheit sagen. Dem jüdischen Nationalismus ist vieles unbequem, und er hat stets das System gehabt. diese Unbequemlichkeiten zu verschleiern. Will man jetzt noch behaupten, daß man die Voltsgemeinde nicht wünscht, und daß die Zionistische Vereinigung diesen Artikel des Herrn Fett nicht gelesen oder nicht gebilligt hat? In einem Aufsatz „Zitate" wird die Stellung des C. V. zur Vaterlandspartei von ehemals behandelt. Sollen wir deutlicher werden und der „Jüdischen Rundschau" etwa den Nachweis erbringen, datz damals Leute, die der Jüdischen Volkspartei nahestanden. aufs lebhafteste die Vaterlandspartei unterstützten? Herr Dr. Apfel wärmt Unwahrheiten auf und behauptet, datz zur Antisemitenbekämpfung gezahlte Beiträge satzuugswidrig im mnerjüdischen Kampfe vergeudet werden. Dr. Apfel gehörte auch einmal zum Vorstand des C. V.. seine Satzungen hat er niemals gelesen und nie davon Kenntnis genommen, datz auch von einer unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung in seinen Satzungen die Rede ist. Diese Bestimmungen halten allerdings seine jüdischen Gesinnungsgenossen für würdelos, wir nicht. Nebenbei: Die ganze Behauptung ist, wie wir bereits nachgewiesen haben eine grobe Unwahrheit. Wenn Apfel sagt, die Zionisten suchten eine offene Annäherung an alle Kreise des deutschen Judentums, so können wir ihnen Beweise dafür ansühren, wie vielleicht bei der Gelderwerbung für den Pa lä st i n a-A u f ba u s o n d s die Freundschaft gesucht wird, wie aber das nationalistische Judentum in seinem Chauvinismus und Nationalismus nichts von feiner Energie aufgcgeben hat, lmd wie namentlich aus den Kreisen junger, ostjüdischer Akademiker alles darauf angelegt wird den Nationalismus im Zionismus zu verstärken und zu kräftigen/ Uns ist nicht bekannt, ob es gelungen ist. Binjan haarez zu zerschlagen, oder ob diese Vereinigung, die eine wirkliche Annäherung erstrebte.??k.dem Papier noch vorhanden ist. In Wirklichkeit tzat sie der jüdische Nationalismus zertrümmert. Weiter wollen wir zu den Aufsätzen nichts sagen. Die Revoluiionierung des Judentums und nicht die Evolutionierung, wie wir sie sie wünschen, ist in der „Jüdischen Rundschau" zugegeben. Der Kampf sür die Dolksgemeinde ist ausdrücklich verlangt. Wir werden von der sachlichen Auseinandersetzung mit unseren Gegnern nicht abgehen. -Wir werden aber nicht in Feigheit und Rückgratlosigkeit uns zu einer Gesinnungslosigkeit breitschlagen lasten, die weder jüdisch noch deutsch

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