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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-23 · 4 (23.1.1925) · p. Seite 59

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
4 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
Seite 59 (sequence 5)
Language
German
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/ Ein Wahlaufruf an die deuischs Lüdin. (7^-k bevorstehenden Wahlen zum deutschen Landesverband geben das erste Mal auch Euch, Ihr deutschen Iüdmnen, die tLJ Möglichkeit, diejenigen Männer und Frauen mit aufzurufen, die eintreten sollen für jüdisches Recht. „Das müßt Ihr können", diese Worte sollen in Euch Wurzeln geschlagen haben, wenn Ihr am Wahltage zur Wahlurne geht. Das müßt Ihr können! Euch orthodoxen Frauen ist nach Entscheidung Eurer Führer die Beteiligung an der Wahl religionsgesehlich gestattet. Darum dürft Ihr nicht schweigen, wenn unsere Gemeinschaft unseres Beistandes bedarf. Keine Stimme darf fehlen, wenn es sich um die Erhaltung unserer Religion handelt. Das müßt Ihr können! Lind auch Ihr, Ihr Frauen der religiösen Mittelpartei, die Ihr Euch die Aufgabe gestellt habt, Gegensätze aus« zugleichen, auch Ihr dürft keineswegs der Wahl fernbleiben. Ihr müßt Eure Stimme den Führern geben, von denen Ihr glaubt, daß sie am besten in Eurem Sinne wirken werden — das müßt auch Ihr können. Ihr liberal denkenden Frauen, die Ihr Gesetz und Vorschrift leichter wägt, auch Eure Führer sind notwendig, um unsere Religion lebenskräftig zu erhalten. Euer politisches Verantwortungsgefühl ist aufgerüttelt worden durch das deutsche Stimmrecht der Frau. Warum schläfertIhr Euer jüdisches Stimmrecht durch Gleichgültigkeit und Inleresselosigkeit ein? SÄÄX’SÄfc Das mW Mch Zhr Bmm, Ihr liberal denkenden Frauen! Liberal als Iude sein heißt, die Religion einfügen in den Staatskörper, dem wir uns zugehörig fühlen, die Religion einorönen in die Pflichten unserer Selbstbehauptung. Diese Aufgabe soll nicht mehr allein vom Manne gelöst werden, die Frau wird ihm zur Seite gestellt, um mitzuraten, mitzutun. — Darum Ihr Frauen, dis Ihr für Deutschtum und Iudentum einkretek, laßt Euch diese jüdische Wahl zu einer heiligen Pflicht werden: Das müßt Ihr können! ttars-rele Fried. KsMfes§M Ks§ MHVampfes» Don LndwZg Holländer. Zu denjenigen Forderungen, welche aus Anlaß der jüdischen Wahlen die sogenannte jüdische Bolkspartei" besonders in den Vordergrund schiebt, gehört das Verlangen nach einer würdigen Führung des Kampfes gegen den Judenhaß. Las Wort „würdigt wird unterstrichen und es wird darauf hintzSwiesen, daß nach tbet Aussasstrng weiter jLdisch-völkischer Kreise die Art der Betätigung des C. V. irn Kampfe gegen den Judenhaß als würdig nicht bezeichnet werden kann. Wir lernen gern vom Gegner und lernen um so lieber, als seine Augen besonders scharf zu sein pflegen. Schon früher wurde uns vorgehalten. daß die Kleinarbeit des C. V. wertlos sei. daß die Nechtsschutztätigkeit infolge des Mangels an Objektivität seitens der Gerichte versage, daß es aikch ganz gleichgültig sei, was irgendein kleiner antisemitischer Kläffer in die Welt hinausblaffe, daß aber die Aufklärungstätigkcit des E. V. in den Versammlungen und in der großen öffentlichen Weit als unwürdig zurückgewiesen werden müsse. Wir hätten cs nicht nötig, um Gnade zu bitten, sondern könnten uns freuen über das, was wir sind. Wir brauchen unser Anderssein nicht zu verheimlichen; unsere Mitbürger müßten uns so nehmen, wie wir geschaffen wurden. Bei einer sachlichen Nachprüfung dieser Angriffe scheint uns, daß sie vom Standpunkt des jüdisch-völkischen Denkens durchaus berechtigt sind. Der Nationaljude betrachtet sich und seinesgleichen als ein Volk im Volke, und zwar als ein Volk im allgemein politischen Sinne genommen. Völkisch verbunden mit den Juden der gauzeu Welt, kann seine Arbeit niemals darauf gerichtet sein, gegen die völkische Weltanschauung als solche einen Kampf zu führen. Würden ja doch durch einen solchen Kampf die Grundlagen zerstört, in denen das eigene Sein wurzelt. Darum auch die Tatsache, daß überall, wo völkische Juden völkischen Nichtstun gegenüber treten, eine Ucbereinstimmung und ein gegenseitiges Wohlwollen zu verzeichnen ist. Unsere Freunde Lun denen unrecht, die diese Tatsache verzeichnen. Sie dürfen in ihr keineswegs irgendeinen charakteristischen Vorwurf sehen. Wenn der Jüdisch- Nationale in der deutschvölkischen Versammlung mit Beifall seine eigenen Auffassungen vorträgt, so tut er das nicht etwa aus dem Grunde, weil er den Antisemiten Helsen will oder weil er von schlechter Gesinnung beseelt wäre, sondern er tut es aus der Tatfache des Nrbodens gleicher Weltanschauung heraus. And wenn also der C. V. in großen Versammlungen den Nachweis erbringt, daß diese völkische Weltanschauung vom wissenschaftlichen Standpunkt aus einen Unsinn bedeutet, so Lut er etwas, wa8 dem jüdisch-völkisch denkenden Menschen unangenehm sein muß. Er verrichtet eine Arbeit, die dieser als eine vergebliche, ja schädliche, bezeichnen muß und, da er vielfach nicht glauben kann, daß ehrlich überzeugte Menschen den völkischen Standpunkt verneinen, kommt er zu der Ueberzeugung, der C. B. handele würdelos. Darin liegt die tiefe, politische Kluft, die die völkische Bewegung überall, ws sie «ufgetrelen ist, erzeugt hat, daß nämlich die politisch denkenden Menschen durch den Glauben an die verschiedenen Blutsverbundenheiten und die dadurch erzeugte Schicksalsgemeinschaft in romantischer Weise von den Tatsachen der Wißenschuft und des Staatslebens abgebrachr worden sind. Wenn wir uns mit den modernen Nasientheorien in großen Versammlungen auseinandersctum, und wenn wir zu unserer Freude sehen, wie trotz der Schwierigkeiten deL politischen Tageskampfes die Gemüter sich mehr und mehr erhellen und man den Unsinn der völkischen Theorien mehr und mehr einsieht, so kann das den Jüdisch-Nationalen nicht gleichgültig und nicht willkommen sein. Und somit nehmen wir die Forderung nach einem würdigen Kampfe so, wie sie gemeint ist: Der Jüdisch-Nationale kann den Kampf gegen den Antisemitismus nur so führen, daß er durch seinen behaupteten Eigenwert die Achtung der anderen Seite Hervorrufen will, während wir neben dem Eigenwert die Verbundenheit mit dem deutsck)cn Volke und den Anspruch auf einen Teil des deutschen Gesamtbesihes vertreten und somit noch andere Forderungen an unsere Umwelt stellen, als die, welche der Jüdisch-Nationale erhebt. Weil wir mehr verlangen, mehr verlangen müssen und mehr verlangen können, sind wir auch die Unbeliebten. Da diese in der deutschen Oesfentlichkeit zweifellos bedeutfä.me Tätigkeit unseres Central Vereins, die ausklärend und politisch gewissermaßen zurückstoßend überall wirkt und gewirkt hat. den .Eentralverein zu einem starken Faktor unseres gesamten öffentlichen Lebens stempelte, haben ihn die Jüdisch. Nationalen stets zu einer Nichtigkeit herabzudrücken versucht, bisher ohne Erfolg. Jetzt al>er glauben sie, mit dem Landesverband die Fackel in die Hand zu bekommen, welche den großen Brand anfachen und 'den Eentralverein vernichten wird, deum Harr Dr. Sandler«

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