Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 3 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- Seite 45 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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45 sowie die Vertreter des Herrn Ministerpräsidenten und der Ministerien des Innern und für Unterricht und Kultus und vieler anderer Behörden, Kriegervereine und studentische Verbindungen. Die Feier begann mit Fansarenklüngen. Mannerchor mit Solo des Kantors Professor Kürschner trug sodann einen hebräischen Psalm vor. Darauf hielt Rabbiner Dr. Vaerwatd eine Ansprache, in der er als die Ausgabe des T-enkmals bezeichnete: zu eriaucm, zu mahnen, 311 trösten. Ter Vorsitzende der Kultnsgemeinde, Oberlandesgerichtsrat Dr. Nennt eher, begrüßte sodann die Anwesenden und feierte -das Andenken der Gefallenen, durch deren .He-Idcntod sich das Wort d>es Hohen Liedes verwirkliche, daß stärker als der Tod die Liebe sei: er bezeichnete das Denkmal als Sinnbild des urierschchlterlichen Willens zum Vnierlande. Unter Klängen einer vom Kapellmeister des Synag^genchors Josef Ziegler komponierten Fantasie über eine alte Synagogeumelodio begab sich die Tranerver. ßrnnn!mig zur DelUmalsan.lage, wo Prinz Leopold d^ni- Jeichen zur Enthüllung des Sarkophagsteines gab. Sodann legte General Walter v. Walderstotten im Namen des bayrischen Kronprinzen einen Kranz am Denknwt nieder. Kränze wurden ferner gewidmet vom Bund Jüdi'cher Front''oldaien, vorn Präsidium des Bayerischen Kriegerbundes. < von den studentischen Korporati-ouen Jordcncka. Liearia, Thuringia. von der Ortc-grnppe Regensburg des B. J.F. und von der Gesellschaft Eoncrrdm. Llb- -schließend feierte der Vorsitzende der Vertretung der Kulrusgememde, Recht'sanivalt Dr. Le st re ich, die Gefallenen. Der von dom Synagogenchor und dem Jüdiiehen Gesangverein vorgetrageue Psalm 19 und ein von der Kapelle des Pionierbataillons Nr. 7 gespielter Trauermarsch beschlossen die Feier, die von Pietät für die Gefallenen und von Liebe zum Baterlande beredtes Zeugnis oblegte. die letzten Reste mittelalterlicher darbarei. L e i b z 0 l 1 u n d T ch ir tz j u d e. Tie Ansiedlung der Inden'in Deutschland reicht bis in die ältesten Zeilen der deutschen Geschichte zurück. In manchen Gegenden Deutschlands, une z. B. in den rörrüschen Städten am Rhein, hatten sich, wie einwandfrei nachgewiesen wurde, Inden schon lange bevor die Germanen dort erschienen niedergelassen. Damals war die Lage der Inden sicher eine andere als später in den Jahrhunderten seit den HochfürstliH undHochgrMlch Oerringisch Gin'r fjjf Närdlingrc Meß auf fußgchende Juden. Lz. Kr. dm Ao. L? Celeiischein zur Nördlinger Messe. 18.Jahrhundert. Fm Germanischen Museum zu Nürnberg. Krenzzügen bis in die allerjüngste Zeit. Aber schon die erste Erwähnung der Inden-in Deutschland, das Edikt des Kaisers Konstantin ans dorn Jahre £11, kennzeichnet in gewissem Sinne eine Verschlechterung der Lage der Inden. Bis dahin waren die Inden aus Grund älterer Privilegien von der Ueberncchmo gewisser lästiger Aemter in der städtischen Verwaltung befrei!. Durch das hier abgevildete Edikt Kaiser Konstantins (siehe S. 44) wird diese Vergünstigung der Juden ansgehoben, mit der Einschränkung, daß die geistlichen und anderen Führer der Gemeinde für alle Zeiten von der Uebernahlur befreit sein sollen. Aber durch dieses Edikt wurden die Juden immer noch schlechter gestellt als ihre Mitbürger. In den ans die Kreuzzüge folgenden Jahrhunderten wurde die Rechtsstellung der Inden in Deutschland immer unsicherer. Sie standen zwar als „KammerkneclnG unter dem Schutz von Kaiser und Reich, waren aber iu Wirt!ichleit jeder Willkür der Fürsten und Stände p r e i tz g e g e b c n, iir deren Gebiet sie sich mrshielten. Ihre Stellung war dort durch keine Gesetze oder Rechte geschützt, sie waren nur „Schutzjuden', die auf Grund eines Schutzorieses auf wenige Jahre unter drückendsten Bedingungen ausgeuonnnen wurden. Diese traurige Lage dauerte t e i I w c i \ c bis in die erste Hälfte des neunzehnte n I a h r h unbe r t s. Allerdings begann schon gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts in einigen Staaten eine gewisse Erleichterung einzutreten. Eine besonders drückende und schmähliche Einrichtung war der I uden-Leibzoll, den jeder Jude bei der Neberschreitung einer der vielen Grenzen des damaligen deutschen Reiches entrichten musste, soweit er nicht durch ein besonderes Privilegium davon befreit war, das sich aber natürlich nur jene wenigen Inden verschaffen konnten, die die notigen Mittel dazu besaßen. Gerade die ärmsten Juden wurden also am meisten davon betroffen. So mußte ein armer Hausierer innerhalb 6 Tagen V,-i Gulden Leib zoll entrichten. Diese schmähliche Einrichtung, die die Juden aus die gleiche Stufe mit dem Bieh stellte, wurde in Preußen unter der Regierung Friedrich Wilhelms II. unfc in Oesterreich unter Joses II. aufgehoben. Aber gerade die kleinen und mittleren Staaten Mittel- und Westdeutschlands sträubten sich lange gegen die Ans- Hebung des Leibzolls. N0ch M end elss 0 h n m u\ite i h n bei einer Reife nach Dresden entrichten. Erft den Beliiufjiuujcu zweier jüdischer Vorkämpfer, Israel Jacobson und Wolf Breidenbach. gelang es, die Aufhebung dos Leibzolls in einer Reihe von west- und mitteldeutschen Staaten iu dem ersten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts durchzusetzen. Am längsten hielt sich der Judenleibzoll noch in Sachsen; dort wurde er erst im September 1813 von den Verbündeten beseitigt. Roch hartnäckiger wnrde aber den Inden irr manchen kleineren Mittelstaaten die G e w a h r u n g der bürgerlichen Gleichberechtzigung verweigert. Auf Grund einer Fälschung der Wiener Schlußakte von 1815 ist den Juden auch die^ Gleichberechtigung iu jenen Staaten geraubt worden, iu denen sie ihnen zur Zeit der französischen Herrschaft gewährt wurde. Noch bis in die dreißiger Jahre hinein mußten sich die Inden in diesen Staaten mit der Stellung des „Schutzi'.lden" begnügen: besonders in Hannover, den beiden Mecklenburg. Weimar, Nassau und Lippe trat im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts eine solche Verfchltchterung in der Lage der Inden ein. In den meisten dieser S t a a t e n wurde de n Iu d e n c x ft im Verla u s der politischen Bewegung, die sich an die Februarr c v 0 l u t i 011 vo n 1820 a n schloß, das volle B ü r g e r - x c ci) t verliehen. I u M ecklenburg u n d Hannover war dies aber erst im Iah r e 1 847 der Falt. Am r e a k t i 0 n a r ft c n zeigten sich in dieser Beziehung die Hanse st ü d r c; und dabei spielre wiederum L ü b e ck eine ganz besondere Rolle. -Hier wurden nicht nur die Juden ihrer politischen Rechte beraubt und wieder zu Schutzjuden degradiert, sondern auch alle jene Inden, die während der französischen Herrschaft sich iu Lüveck angesiedett bauen, mußten Lübeck wieder verlaßen. Sie wurden im Winter 18i.s aus der Stadt Vertrieben und mußten sich iu dem benachbarten holsteinischen Dorf Moisling anüedelu, wo sie sich nur kümmerlich als Hausierer ernähren konnten. Nur die wenigen Inden, die bereits vor 1810 iu Lübeck ansässig waren, durften in Lübeck bleiben, aber auch ihnen war jeder andere Nahruugszweig al-5 der Hausierhandel verboten. Einen solchen Lübeck scheu Han sie rer zeigt unser Bild aus dem Jahre 18)0?) Dieser „letzte Schntzjude" ist aber damals noch nicht verschwunden. Erft die Revolntion von 1848 machte diesem unwürdigen Z h ft a u d ein E u 0 c. Diese Beispiele zeigen, wie i u n g e n D a t u m s doch eigentlich d i e P 0 i i t i s ch e Gleichberechtigung der Juden in Der letzte „Schuizjadete von Lübeck. Farbiges Blatt um 1830. Deutschland t ft. Sie ungeschmälert gu erhalten und dem völkischen Ansturm auf sie kraftvoll die Stirn zu bieten, ist die Hauptaufgabe unseres C. B. l) Die Abbildungen nuf dieser Seile sind tr.it giltiaü erteilter <5?r.et)rrt:aura de) Vorlage?. Eugeu. Drederichs. Ieua, btwi Bu^e von Ceouq Liebe „D2) Ludentum iu der deutsche:r entnommen.