Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 3 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- Seite 43 (sequence 13)
- Language
- German
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43 tat Prozessor Dr. Nikodem Caro. 11. Kommerzienrat Julius Berger, i. Fa. Julius Berger Tiefbau A.-G. 12. D. £ i cf) t e n ft c i n, i. Fa. Dr. Lichlenstein jun. 13. Emil D a rn in a rc n , Bankier, i. Fa. Emil Dammaim & Ev. 14. Rechtsanwalt und Notar Dr. zur. Gottfried Holländer. 15. Felix Benjamin, Generaldirektor der Firma Rawack & Grünfeld. 16. Handelsrichter ^alcmon, i. Fa. Salornon & Jlaminjii. 17. . Konunerzllnwat Maximilian Ate in. 18. Studienrak Professor Tr. Eugen Wölbe. 19. Landtagsabgeordueie Studienrätin Tr. Gertrud Klausner. 20. Geheimrat Professor Dx. med. Ferdinand B l u m e n t h al. 21. Dr. pliil. Götz. 22. Professor Br. mcd. Georg Finde r. 23. Kaufmann Louis Hacke lb erg, Mitinhaber der Firma D. Lewin jnn. 24.'Apotheker Willy R o j e n t h a l. 25. Fräulein vr. zur. Hanna ‘Vlfl tz. 26. Kaufmann Ludwig K i r sch n er. 27. Kaufmann Salo Preuß. 23. Tr. Josef Hirsch, Frauenarzt. 29. Tireltor Erich 'Levy. 30. Direktor Dr. Julius Nothholz. 31. Kaufmamr iGuftcw S p i e w k o w s k Y. 32. Martin L o e w e n b e r g , i. Fa. iRk.'Locwenberg Söhne. 22. Dr. pliil. Juunawuel Bernfeld.!34. Laulbcamtcr Ernst M arcu s. 35. Kaufmann Albert Grün- ' 4' c t e r. Muß sich auch ösr jüdische ^Lösitnshmer an Z2N Wahlen Zur LünöesvsrsammlunZ bekLiliZLN? Bon Ernst Behrendt, Beuchen O.-S., Stadtverordneter und Eaugeschäftsführer im Gewerkschaftsbund der Angestellten. Die im Vordergründe des Interesses für die gesamte deutsche Judcmchast stehenden Wahlen sind, auch vom Standpunkte des indischen Arbeitnehmers aus gewatet, von großer Bedeutung. Tie früher üblichen Beschränkungen des Wahlrechts, die Rücklicht aus das veraulaale Einkonuneu oder die Bevorzugung des männlichen Geschlechtes sind fortgesallen, und in voller Gleichberechtigung wird zum ersten Male feit der Emanzipation die Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft die Voraussetzung der Wahlberechtigung bilden. Es kann nicht verschwiegen werden, das; die gemeindlichen Körperschaften in bezug auf ihre Zusammensehuna eine gewisse Einseitigkeit cmfzuwei'sen haben, wenngleich zugestanden werden soll, das; ihr Wirken sich jederzeit aus der Linie des Wohles für die Gesamtheit bewegt hat. Aber die soziale Umschichtung der Nachkriegszeit hat uns Inden nicht etwa verschont, sondern gerade dem jüdischen Mittelstand rin völlig anderes Gepräge gegeben. Akademiker und Unternehmer sind weniger vorhanden, wahrend die Zahl der jüdisch e n r b e i t n e h m e r z u g e n o m m e n hat. In der Zusammensetzung der neuen parlamentarischen Körperschaft wird /dieser Struktur Rechnung getragen werden mästen, aber wie bei Men Dingen im öffentlichen Leben ist die Vorbedingung zur besonderen Rücksicht die tätige Mitarbeit der Interventen. Dazu kommt, daß die Landesvcrsmnmlnng gcwisse Aufgaben hat, Heren soziale Gestaltung sich besonders für die jüdischen Arbeit- Me hm er auswirken wird. Die Fragen der steuerlichen Belastung, der Gestaltung der Statuten für Altersheime. Siechen- Hauser und Krankenanstalten, die Errichtung von Lehrlings- und Fortbildungsschulen, die Festsetzung der Besoldnngsgrundsätze sind hierbei in erster Linie zu nennen. Aber darüber hinaus hat die Maste der Arbeitnehmerschaft auch an allen anderen, insbesondere ^kulturellen Fragen ein brennendes Jnlerepe, und es wird Mt sein, diesen Schichten den ihnen gebührenden Einfluß einzuräumen, damit die lebendige Verbindung mit dem Judentum Herren erhalten bleibt, welche die belebenden Kräfte der ewig jungen 'jüdischen Religion nötig brauchen. Daß die deutschen Juden im Arbeitnehmervcrhältnis bei diesen Wahlen richtig handeln werden, wenn sie sich nicht auf die zionistische Seite stellen, liegt, abgesehen von der Stellung jedes einzelnen zu diesen Problemen, in der Natur der zu schaffenden Einrichtung selbst. Die Landesverbandsversammlung hat' die lJnterepen der deutschen Juden rvahrzunehmen, und wenn vor- . läufig auch nur in Preußen versuchsweise dies Parlament konstij tutcrl wird, dürfte doch wohl nicht zu bezweifeln sein, daß es die endgültige Gestaltring vorweg nimmt. Die Menge der Inden-!gegner wird den Ausführungen auf der Rednertribüne aufmerksam;folgen, und gerade die jüdischen Arbeitnehmer werden :die Auswirklmgen der deutschsremden und jüdisch-völkischen Reden ^der zionistifchen Vertreter im Alltagsleben zu spüren halben. Der -Beobachter der antisemitischen Bewegung weiß genau, daß die >,Veweise" für völkische Behauptungen über die' angeblick>e ^rratwnale Unzuverlässigkeit der Juden stets mit Material aus ,<3*f c 11 Quollen belegt werden. Wer mit den anders- ''6mubigen Dolksgenosien in den Betrieben zusarnmenarbeitet. wird ^urch die zioniststche These vom „Gastvolk* — um nur ein Beispiel vnzusühren — täglich aufs neue in seinen vaterländischen Gefühlen gekränkt, und es liegt nicht im wohlverstandenen Interesse der Machen Arbeitnehmer, die Quellen des Antisemitismus etwa durch Unterstützung der Zionisten zu vermehren. Jeder jüdische Arbeitnehmer aebe deshalb am Wahltage seine 5 v.m v u u r solchen Parteien, derer: Kandidaten Natronalj udentum und Dolksgemeinde abkchnen. Die falschen OrunZlagen öee Antisemitismus. , Bon Kaplan F. Rödel (München). - ' „Rufer zur Einheit" nennen sich jene, die idem deutschen Vosik zürn nationalen Zusauunenschluß verhelfen wollen, ausgebaut aus dem Rassenprinzip und auf einer Religion rein germanischen' Einschlags. „Aus zu starker Arbeit und zum Wiederaufstieg!" - lautet der Sammelruf, der aus dem Munde dieser Leute über das Ruinenfeld von Krieg und Revolution dahintönt. Sie bedenken jedoch nicht, daß mit rein technischen Mitteln unter Ausschluß idealer Aussassung ein Wiedererstehen und Neuerftarken des deutschen Volkes unmöglich ist. Als Tambour In dem Kampf für daZ Volk rollt der Antisemit die Wirbel. Es mag darum nicht schaden, einmal die falschen Grundlagen des A n t i s e m i t i § m lt s zu beleuchten. i Schon rein äußerlich betra-chtet muß der Antisemitismus abgelehnt werden; denn seine Methode ist die Sophistik. Wohl gestaltet er seine Beweisführung so überzeugend und eindring-' lich, daß sie für die meisten Leser einleuchtend wirken muß, aber' dem logisch geschulten Kenner entgeht es nicht, daß bei den Auf»' stellungen und Argumentationen unter der formalen Nichtigkeit eine falsche Gedankcnsolge sich verbirgt, die wohl den Schein der Wahrheit erweckt, in Wirtlichkeit aber zum Irrtum führt. Fast das gesamte Tatsachenrnaterial, mit dem der Antisemitismus arbeitet, ist gegründet auf den sophistischen Satz: Was einer Sache nur in gewisser Hinsicht, im beschrankten Sinn zukommt, wird ihr absolut zu gesprochen, oder auf eine falsche Verquickung der Ursachen, die die Ursachen ausfaßt nicht als post hoc, sondern als propterhoc. \ Nicht bloß wegen der falschen Methodologie, sondern auch vom Gesichtswinkel der Philosophie als Lebens Wissenschaft ist der Antisemitismus zurück z u w e i s e n. Was tut der Antisemit anderes, als im Judentum einen mächtigen Bundesgenossen ausschalten, der für den Aufstieg und Wiederaufbau des Volkes eine unentbehrliche Stütze bieten könnte? Denn das'Judentum lehrt gerade in feinen Schriften des Alten Testaments wie im £ct[mub jene philosophia perennis, die den wahren Sinn des Lebens ergründet, die den Menschen zu einem Lebenszweck hinleitet, die einem jeden die schönste und lauterste Gabe ins Leben hinaus mitgibt: Lebe wie ein wahrer Weiser, der Sinn und Zweck des Lebens erfaßt hat, der dieses materielle Leben nur als Turchgangsland zum höheren Leben wertet, oder wie der Talmud an einer Stelle sich ausdrückt: „Diese Welt ist die Vorhalle der zukünftigen. Rüste dich in der Vorhalle, dann darfst du in den Palast." Ist es nicht einseitig und töricht, nicht alle Kräfte des Volkes zur Mitarbeit am Wiederaufbau heranzu ziehen, die als Baumeister hierin mitzuwirken imstande sind, und sie nur deswegen vom Herbeit ragen der Bausteine auszuschalten, nur deshalb, weil sie angeblich einer anderen Rasse angehören, unbekümmert aber darum, ob nicht etwa doch ihre inneren Werte dazu geschaffen wären, eine gesunde Mitarbeit zu leisten? Freilich, wer nur auf den Materialismus seine einzige Hoffnung setzt, und sei er auch noch so gemäßigt und schön gefärbt, - wer ideale Ausbaukraste und Aufbamoerte gering achtet, der wird j niemals dem Judentum vollauf gerecht werden können. Und der Antisemitismus wird für sich einen Idealismus nicht in Anspruch nehmen können, und jene Schreier des Wiederaufbaus haben sich in der M i ß w e r t u n g des Judentums einen idealen Faktor im Konto gestrichen. Allerdings weiß ein jckder, auch der Jude selbst, daß in den Reihen des Judentums sich Leute finden, die nicht mehr nach den Grundsätzen ihrer Religion leben und dadurch ein Erkleckliches beigetragen haben, daß in der Esse der Antisemiten die Waffen gegen die jüdische Religion geschmi^el werden konnte!;.; # Wollen wir Christen aber konsequent und gerecht sein: wie viele, leider nur allzu viele unter den Christen gibt es gerade heutzutage, die wohl äußerlich ein Leben nach den Maximen des Christentums führen, aber ein aktives, tätiges Christentum, ein Christentum der Tat vermissen lassen. Ein Unding wäre es jedoch und würde sicherlich einen Sturm der Entrüstung auf allen Seiten wachrufen, wollte man daraus den Schluß ziehen, das Christentum sei die unsittlichste aller Religionen. Aber gerade das tun die Antisemiten. j Wenn von den falschen Grundlagen des Antisemitismus die Rede ist, so soll auch das nicht dersckstviegen werden, daß er in dogmatischer Hinsicht ebenso falsch orientiert ist. Nicht ein Zurückgehen auf irgcndroelche vorzeitlichen. art- ' germanischen Kulte, sondern ein Ausstieg und Aufblick zu dem ' Einen und ewig Wahren, zu dem Gott, wie ihn Christen - und Judentum verehrt, kann unserem Volke seine wahre Größe wiedergeben. Die Juden waren in der Vorzeit die Monotheisten' uno Bewahrer des monotheistischen Gottes gebaute ns; ihr Gott ist in seinem Leben kein anderer als der Gott der Güte, Treue. Barm-' Herzigkeit, Gerechtigkeit, und darum wäre es wert angebrachter, im Bunde mit dem Judentum für den wahren Gottesgedanken zu kämpfen, seine Mitarbeit als Träger des Gottesgedankens zu suchen. Wir aber wollen gerecht, verstehend und lösend dem Judentum gcgenübertreten. Denken wir an das Wort der Schrift: „Mit dem Maße, mit denn du missest, wird dir wieder gemessen werden." '