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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-16 · 3 (16.1.1925) · p. Seite 42

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
3 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
Seite 42 (sequence 11)
Language
German
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42 muß für daZ religiöse Ideal dcZ Klal Jisroel mit Begeisterung eintreten. Daher haben wir uns in ernster Stunde zu einer religiöselt Mittelharter zusammengeschlossen, um unser Judentum vor Spaltungen und Z e r k l ü f t u n g e n 5 u s ch u tz e n. Was wir bekämpfen wollen und muffen, ist die immer mehr um sich greifende Neigung zur parteireligiöjen Zersplitterung, fast zum Sekteuwefen. Wir sehen in dieser Entwicklung ein bedenkliches Symptom, dem sich nur durch energische Wiedererweckung der unter der Parteifahne schlummernden einigenden Kräfte des Judentums entgegenwirken laßt. '' Wir treten mit aller Energie für die Einheit der Gemeinde ein. Aber diese Einheit soll keine verschwommene Nivellierung, keine oberflächliche Uebertünchnng der Gegensätze d<r Weltanschauung sein, sondern auf Verständigung und gegenseitiger Achtung beruhen. Die jüdischen Parteien dürfen nicht wie Feinde einander in wildem Kampfe begegnen; und bei allen Gegensätzen darf das §wße Jdecck der E i n h e i t I s r a e l s, das uns heilig ist, nicht vergessen werden. Wir sind eine Partei der Dtitte, fern allen Extremen, und wir erblicken das Heil des Judentums in der Evolution und nicht in der Revolution, im Bauen und nicht im Zerstören. Wir wollen eine Erstarkung des religiösen Lebens auf der Mittellinie, zu der die größte Zahl der deutschcu Juden gehört und zu der sich bedeutende religiöse Führer des deutschen Jndeniunis bekannterr. Wir möchten daran erinnern, daß im Jahre 1909. als wir auf den Plan traten, 64 der angesehensten Rabbiner Deutschlands sich zu unserer Richtung gesellten. Wir erwähnen nur die verklärten Rabbiner Dr. Rosenthal ltnö die Dozenten Professor Dr. Braun und Dr. H 0 r 0 witz in Breslau, Dr. E s ch c l b a ch e r und Dr. Stier in Berlin, Dr. Werner in München, Kirchenrai Dr. Kr0ner in Stuttgart, Dr. Gronemann in Hannover, Dr. Groß in Augsburg, Dr. Frank in Köln, Dr. Kopfstein in Beuthen. Wir sind nicht orthodox. Wir hegen die höchste Verehrung und die tiefste Dankbarkeit für die alten frommen Geschlechter, die uns durch gewaltige Opfer das Judentum und damit die Judenheit erhalten Haben. Aber als nwderne Menschen stehen wir auf dem Boden der Entwicklung, und wir können dieses Entwicklungsprinzip auch auf dem Gebiete der Religion nicht verleugnen. Das Judentum ist uns ein lebendiger Strom, der sich stets mit allen gesunden und großen Ideen verschnwlzen hat uns) alles Herrliche in sich aufnahm. Das ist die Starke des jüdischen Glaubens und nicht feine Schwache. M-er die Eigenart des Judentums muß erhalten bleiben, weil hier die tiefften Kräfte ruhen, und jede jüdische Entwicklung muß im Rahmen der Geschichte bleiben und mx jüdischen Geiste vor sich gehen. Das Juderriuin kann eine Lebensernenerung vertragen, aber sie muß von innc 11 heraus kommen und nicht nach fremden . Schablonen sich gestalten.! Wir wollen die heiligen Institutionen der jüdischen Gemeinde in chrer charakteristischen Gestalt erhalten, damit sich niemand in seinem religiösen Gewissen beengt fühlt. Niemand aber soll, solange er die Grundlinien des Judentums nicht verläßt, als minderwertiger Jude betrachtet werden, weil er für sich das Recht in Anspruch nimmt, über einzelne Fragen anders zu denken. Richtungen hat es im Judentum immer gegeben, und das hat unsere Religion vor Erstarrung bewahrt. Aber diese Verschiedenheiten dürfen nicht zur Zerstörung des einheitlichen Bodens der jüdischen Gemeinde führen. Nicht die Beseitigung der alten Patina darf als Ziel der Nesormbestrebungen gelten, sondern die Vertiefung des Wissens und der organisatorischen Zusammenhänge des Judentums, aus der allein der Geist der Erneuerung geboren werden kann. I* Wir wollen das jüdische Loben mit mehr Wärme erfüllen und unsere Kinder zu opfersreudigen Juden erziehen. Wir wollen die Kenntnis der hebräischen Sprache erweitern, um unsere Glaubensgenosfen zu befähigen, in das Verständnis unserer Bibel und unserer Literatur einzudringen. Wir wollen überall, wo es möglich ist, jüdische Schulen und Mische Gymnasien gründen als Stätten jüdischen Geistes und deutscher Kultur. Die jüdische Gemeinde, in Deutschland ist eine religiöse Gemeinde, obgleich sie im Sinne unserer Religion auch kulturelle und sozial-ethische Aufgaben erfüllt. Die Religion unserer Väter und die gemeinsame jüdische Abstanunung verbinden uns innerhalb des deutschen Vaterlandes zu einer ethisch-religiösen Gemeinschaft. Am die Politische Einstellung des einzelnen uns zu bekümmern, mäßen wir uns kein Recht an. Die ReligiositaL zu stärken und den jüdischen Idealismus zu erhalten, das rn u ß u n s c r v 0 r n c h m st e s Z i e l s e i n. Alle, die sich nach einer ruhigen Entwicklung im jüdischen Geiste sehnen, alle, die die Einheit und den Frieden der Gemeinde erstreben, werden uns verstehen. Nicht aus deu aufgewühlten Wogen parteipolitischer Stürme, sondern aus dem ruhigen Spiegel gereister Erkenntnis wird das Heil unserer Zukunft emporsteigen. Die Groß-Serlmer RanZiöatLsMen. I. Tic Listr der Konservativen. 1. Bruno Galewski. Bankier. 2. Tr. Ist Kahn, Bankier, 3. David Wolpe, 4. Siegbert Seaelsohn, Bankier, 5. Nathan A ck e r h a l t, Kaufmann, 6. Dr. jjur. Alfred Wiener. Rechtsanwalt, 7. Stadtrat Dr. T r e i t e!, 8. Walter Silberstcin , Kaufmann. 9. Pi'nkus Fei u er, Kaufmann, 10. Di*, med. Jacob SegaIl, 11. Dr. med. Berget, 12. Leibisch Glaß, 13. Max Bauer, 14. Siegfried Weinbauur, 15. Jonas Rosenberg, 16. Georg Markus, Druckereibesitzer, 17. M. L. B r a t t, 18. Dr. med. Adolf W e ch s e l m a n 11, 19. Josef Rotten borg, 20. Justizrat Dr. Werner, 21. Dr. R 0 s e n t h a l. 22. Louis Becker, Schlächter, 23. Josef Bukojzer. 24. Direktor H 0 r w i tz, 25. RechtÄmwalt Dr. Jacob. r II. Die Liste der Liberalen. .. 1. Leo Wolfs, Kammergerichtsrat, Vorsitzender des Vorstandes der Indischen Gemeinde zu Berlin. 2. Heinrich Stern, Rechtsanwalt. Vorsitzender der Vereinigung für das liberale Judentum. 3. Julius Broduitz, Justizrat- 4. Dr. Max Weyl, Gemeindcrabbiner. 5. Frau Helene M e h e r - Stargarch Vorstandsmitglied des Jüdischen Frauenbundes. 6. Dr. Julius L. Seligsohn. Rechtsanwalt, Vorsitzender des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E.' V. 7. Naphtaly H a m b u r g e r, Kommerzienrat. 8. Hugo o 0 nnenfeld, Justizrat, liberaler Repräsentant. 9. Louis Wolfs, Tapeziermeister, Vorsitzender des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens. 10. Dr. I. Gntmann. Studiendirektor, Leiter der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde, liberaler Repräsentant. 11. Minna Schwarz, Vorsitzende des Frauenbundes der Berliner Logen 1b O. B. B. 12. Tr. Moritz G a r b a t y, Fabrikant. 13. Tr. Ludwig Holländer. 14. Leo Lilienthal, Justizrat, Syndikus a. D. der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. 15. Tr. Moritz Türk, Profepor, liberaler Repräsentant. 16. Georg Eohn, Handelsgerichtsrat. 17. Frau Gertrud Seligsohn. 18. Dr. John W e r t h e i m, Rechtsanwalt. 19. Hermann Falkenberg, Seminarlehrer. 20. Arnold Stein, Kaufmann. 21. Dr. Walter Breslauer, Rechtsanwalt. 22. Emil Plvttke, Cewerberat. 23. Paul Pincus, Vorsitzender der Rcformgemeinde. 24. Michael Abraham, Lehrer, Geschäftsführer des Verbandes der jüdischen Lehrervereine. 25. Dr. Arthur Lilienthal, Referendar. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine. 26. Tr. Alfred Peyser, ^anitätsrat. 27. Bruno Woyda, Dipl.- Ingenieur. 28. Dr. Bruno Weil, Rechtsanwalt. 29. Tr. Kurt Fleischer, Arzt. 30. Dr. Heinrich E l k e l e s, Rechtsanwalt, Vorsitzender der Berliner Ortsgruppe des Reichsbundes jüd. Frontsoldaten. 31. Ernst D 0 ß tu a r , Installateur. 32. Dr. A. S a I 0 - mo nfki, Arzt. 33. Dr. Ludwig Tietz, Vorstandsmitglied der Deutschjüdischen Jugeudgemeiusihast. 34. Arthur Eisen- Hardt, Kaufmann. 35. Frau Bianla H a m bürge r. 36. Sigmund Hecht, Kaufmann, Schatzmeister des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde. 37. Karl A r 0 n - sohn, Kaufmann. 38. Professor Tr. Moritz Schaefer. Obcrstudienrat. 39. Elieser E h r e n r e i ch , Gemeindebearnier. 40. Martin Verju, Kaufmann. 41. Dr. zur. Margarete Bereut, Reserendarin. 42. Kurt Alt m a n n , Handelsgerichtsrat. 43. Dr. Hans r^achs, Arzt. 44. Julius Weil, Kaufmann. 45. Samuel Gut mann, Oberkantor, Potsdaiu. Vorsitzender des Kautorenverbandes. 46. Dr. Alfred Caro, Arzt. 47. Robert G n t h e i m, Malermeister. 48. Dr. S. London, 2. Vorsitzender der Berliner Ortsgruppe des R. j. F. 49. Frl. Elisabeth Reich, Lehrerin. 50. Ignatz Schwersenz, Zahnarzt. 51. Frau Bertha Falkenberg, Vorsitzende de-r Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Frauenbundes. 52. M. G 0 t t f e l d , Kaufmann. 53. Hugo K u b a tz k i, Kaufmann. 54. Ludwig Lew in, stuck. in§., 2.' Vorsitzende/des Jüdisch-liberalen Jngendvereins. 55. Daniel Ries, Kaufmann. 56. Paul Brasch, Rechtsanwalt. 57. Louis Toller, Kaufmann. 58. Georg Tuch, Rechtsanwalt. 59. Bernhard Malinowski, Kaufmann. 60. Arthur Zander. Kaufmann. 61. Bruno Fenster. Kaufmann. 62. Julius Meißner. Kaufmann. 63. Emil Pincus, Rentier, Vorsitzender der Liberalen Fraktion der Repräsentantenversammlung. 64. Dr. Josna Fried (ander, Professor, liberaler Repräsentant. HI. Die Liste der Religiösen MittelParLci. (Für Frieden und Einheit der Gemeinde.) 1. Rabbiner Dr. S. W e i ß e. 2. Magistratsrat Dr. Adolf Neumann. 3. Kommerzienrat Gerson S i m 0 n. 4. Professor Dr. M. S 0 b e r n h e i m. 5. Eehcimrat Dr. Julius Stern, ehemals Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin. 6. Salli K i r r ch st e i n, i. Fa. Leo Cohn & K-irschstem. *?. Max R 0 senthal. i. Fa. Rosenthal L. Tobias. 8. Syndikus Dr. phiJ. Alfred W i e n e r. 9. Frau Nabb. Dr. Ernestine Esche l b a ch e r. 10. Geh. Regierun^L-

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