Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 3 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- Seite 39 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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39 j Gefahren, soweit noch elwas avzuw^en war - da, meine! Damen und Herren, hat einer dec Führer des Eentral-! Vereins einen Satz ausgesprochen, der es verdiem. aus- -bewahrt zu werden, kommenden Geschlechtern zur Erume- ^una (Zuruf, Namen nennen). Er hat davon ge-,Proben, daß wir uns selbstverständlich nicht wundern könnten Äber 'den Antisemitismus, solange wir selber in unseren Gemeinden, in unseren Landesverbänden den Ostjudc-n das Wahlrecht geben und sie damit als gleichberechtigt behandeln wollen". Obwohl es 10 Minuten vor 12 Uhr war und me- ' wand wußte, wieviel Inden als Opser in d^n nächsten Tagen i)on uns gefordert werden würden, in jener Minute hat jener Herr keine anderen Gedanken, als das Band zwischen /fid) und anderen zu zerschneiden, um möglichst die eigene .'Haut in Sicherheit zu bringen, und dieser Herr, jetzt will! ich Ihre Neugier befriedigen, war anerkannter Führer des Eentralverein's, war Justizrat S o n n e n f e l d." Wir entnehmen diese Darstellung einem stenographischen : Bericht eines berufsmäßigen Parlamentsstenographen. Herr Justizrat Sonnen feld ermächtigte uns zu der Er- Aäcung, daß er nie etwas Derartiges gesagt habe, und ver- - weist ausdrücklich auf seine sonstige Einstellung in der Ostjjudensrage, die deutlich aus folgender, ebenfalls durch Berufststenographen aufgenommener Stelle einer Rede des Herrll -Justizrat Sonnenseld im Herrenhause hervorgeht:! „Ich darf in dieser Verbindung auch ein Wort über unsere ^Ostjuden sagen. Kein Mensch unter uns wird bezweifeln, i daß wir vom Gros der Ostjuden durch einen Kulturunterschied jvon hundert, ja vielleicht von zweihundert Jahren getrennt ssind. Aber wenn man glaubt, eine Verbeugung vor den « Antisemiten dadurch machen zu sollen, daß man sagt: ,Jch! schüttle diese Elemente von meinen Rockschößen ab!/ dann '-Lut man nicht bloß Unrecht, sondern verletzt seine eigene 'Würde. Wir verlangen nicht, daß die Ostjuden bester behandelt -werden als die baltischen Varone. Wir verbitten es uns ßaber, daß sie schlechter behandelt werden! (Sehr richtig! — -Bravo!) Horen wir, was Björn Björnson in seinem Buch!-,Vom deutschen Wesen" im Kapitel „Fahrt durch Galizien" ''über die galizischen Juden schreibt: .Diese klugen, armen, wunderlichen Menschen in ihrem > priesterlichen Kaftan, die Philosophen zu sein wisten und : das Leben mit Resignation — meistens mit bescheidener Wehmut nehmen; sie sind uns im Kampf ums Dasein überlegen, weil sie Geduld und Unrecht leiden gelernt haben, aus dem stärksten Glauben heraus, der stärksten' /Sehnsucht nach der neuen Offenbarung, zu der sie wohl nicht mehr selbst, aber ihre Nachkommen oder die nach ihnen gelangen würden." Wenn das Björn Björnson schreibt, werden wir es abkehnen, Glaubensgenosten nur deshalb, weil sie durch Mißhandlung in Jahrhunderten an Geist und Körper in der Kultur zurückgeblieben sind, von uns abzuschütteln, wie wenn .sie ein Abscheu für die Welt wären. Daß wir die „unjüdischen" jOstjuden, die dem mosaischen Sittengesetz untreu geworden, jdem Verbrechen verfallen sind, weit von uns weisen ihnen Heine Wohnstätte in Deutschland bewilligen, das haben wir!stets betont und im Arbeitersürsvrgeamt praktisch betätigt. 'Aber eine Verirrung ist es, die'unsere Annäherung an unsere .Gegner nicht fördert, sondern erschwert, wenn wir die Einwanderung von Ostjuden unter andere Gesetze stellen als die /aller Andersgläubigen. Die Antisemiten würden sich darauf ^berufen, daß wir selbst auch nichts mit den Ostjuden zu tun haben wollen." ~ Niemals hat der Ce ntr albere! n erklärt, er vertrete das gesamte Judentum. Er hat in seinen Eingaben und Aufrufen immer erklärt, daß er diejenigen Juden verträte, welche mit ihm, unbeirrt auf dem Boden deutscher Gesinnung, deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sind, und er hat sich über die Tatsachen, daß nicht aste deutschen Juden ihm angehören, um so weniger in Schweigen gehüllt, als er bei der heutigen Lage der Dinge den Kamps aller deutschen Juden gegen den Judenhaß als ein Unglück ansieht, weil Form und Inhalt einer solchen denkbaren Bekämpfung, wie schon gesagt, vorn alljüdischen Standpunkt des Herrn Dr. Sandler aus eine andere sein muß, als von dem aus, der in den jüdischen Deutschen einen Teil des deutschen Volkes erblickt. Weil unser großer Führer Eugen Fuchs auch bei Jüdisch- Nationalen Ansehen genießt, möchten wir auf seine diesbezüglichen Ausführungen hingewiesen haben. ' :■ ■ ' N. u Bei Wahlkämpfen, bei denen es sich um die Abwehr völkischer Bestrebungen handelt, hat der Eentralvereiu in vereinzelten Fällen von Jüdtsch-Nationalen Gelder zur Unterstützung erhalten, und er hat ausdrücklich erklärt, daß diese Gelder nur zu dem angegebenen Zweck verwendet werden. Dieses Versprechen ist in allen Fällen eingehakten worden und die Einhaltung dieses Versprechens kann jederzeit nachgeprüft werden. Wer also von der gegnerischen Seite die Behauptung ausstellt, es sei vom Centralverein mit den ihm zugewiesenen Mitteln unkorrekt verfahren worden, wird sich der wissentlich falschen Verbreitung längst widerlegter Behauptungen schuldig machen. Sollen wir im übrigen daraus Hinweisen, daß der Kampf gegen die Judenfeinde von jüdisch-nationaler Seite stets als ein Unfug bezeichnet wurde, sollen wir die Fälle anführen, in den wir beschimpft worden sind, weil wir gegen den Antisemitismus ' kämpfen, sollen wir darauf Hinweisen, daß in großen Versammlungen der politischen Parteien w i r gegen den Judenhaß auftreten mußten, um nachher von Jüdisch- Nationalen verhöhnt zu werden? Doch nun genug von dem Persönlichen. Don diesen Kleinigkeiten soll in einem Kampf der Weltanschauungen nicht geredet werden. Woraus es ankommt, ist: Klarheit und Wahrheit, und darum noch einmal: i Die alljüdische Einstellung der Jüdischen Volkspartei führ! zu einer Politisierung des Judentums in Deutschland und zu einer Erziehung des jüdischen Menschen als Glied des Alljudentums mit seinen ganzen politischen Folgerungen. Diele Folgerungen sind weder deutschfeindlich noch deutschfreundlich. Sie sind neutral. Die Erziehung des jungen Juden muß nach diesen Grundsätzen im alljüdischen Sinne erfolgen. Und da der Landesverband preußischer Gemeinden über Schulfragen entscheidend zu sprechen haben wird, so müssen wir gegen diesen Standpunkt unsere Kräfte und unsere Agitation richten. . Ms jüdische Deutsche verwerfen wir aber den alljüdischen Standpunkt und wünschen unsere Jugend als gute Juden und in getreuer Anhänglichkeit an da st Erbe der Väter zu erziehen, indem sie als Glieder des deutschen Kulturkreises mit der deutschen Kultur aufs innigste verknüpft und als Bestandteil des gemeinsarnen deutschen Volkes erzogen werden. Die Hunderttausende jüdischer Deutscher, die diesen Gedanken teilen, werden daher am 1. Februar die Listen der Jüdischen Bolkspartei verwerfen und geleitet von religiöser Ueberzeugung und vaterländischem Gefühl ihre Stimme aHgeben! . . v. lamdti