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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-16 · 3 (16.1.1925) · p. Seite 38

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
3 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
Seite 38 (sequence 3)
Language
German
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38 ,des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr Dr. mcd. Sandler, dachte, als er wörtlich aussprach: „Wir, die Jüdische Vorksparici, habe:: immer ans den: Standpunkt gestanden, das; wichtiger als alle demokratischen Forderungen inr Gcmcindeprogramm die Erterrnt- . «iS ist, dast die Jüdische Gemeinde als solche ein Nichts ist, wenn sie sich nicht cingliedert in den großen jüdischen DrgarrLsmns." Diese „allj üd i sche" Gemeinschaft rrnd die „alljüdische" Gesinnung ist allein Gegenstand der zionistischen Weltanschauung und damit auch die Ursache des unüberbrückbaren Gegensatzes zwischen dem E. D. und der Indischen Boltspartei, zwischen dem E. D. und den Jüdisch-Völkischen. Und dieser Gegensatz dars nicht verschleiert werden. In einer Versammlung, die in Halle am 8. Januar dieses Jahres stattsand, hat ein zionistischer Student, ein begeisterter junger Mann, als Redner der jüdischen Jugend erklärt, es hätte eine Zeit gegeben, da jüdisches Volkstum und jüdische Religion znsammengewesen seien; sie hätten sich aber getrennt. Die Religion sage ihnen nichts mehr. Nie würden beide wieder zusammen sein. Das Judentum der Zukunft werde ohne Religion fein oder es werde nicht mehr sein. Die jüdische Jugend wolle nicht mehr den Firlefanz der Theorien und die Parasiten der jüdischen Religion, die Rabbiner usw. Man sage nicht wieder, das sei ja nicht die offizielle Auffassung der Parteileitung. Gewiß nicht. Aber wir, die wir täglich Gelegenheit haben, die Acußcrungen jüdischnationcller Männer und Frauen zu hören, wissen ^cnau, daß diese Auffassung der Weltanschauung eines großen Teiles der Jüdisch-Völkischen entspricht. Wir wissen genau, daß die Parteileitung selbst sich in der Fülle der Meinungsverschiedenheiten schwer auskennen kann. Wer jemals mit einiger Aufmerksamkeit die Literatur des jüdischen Nationalismus verfolgt hat, weiß, daß hier nur die Früchte vorliegen, die der jüdische Nationalismus mit seine n Theorien gesät hat. Wenn sich in den letzten Tagen ein Redner in der großen jüdisch-nationalen Versammlung im Lehrervereinshaus dagegen verwahrt hat. daß man die Jüdisch-Rationalen mit „jüdisch-völkisch^ bezeichnet, so ist er von dem Begriffe befangen gewesen, daß der Name „völkisch" immer etwas Schlechtes bedeuten muß. Das ist keineswegs der Fall. Völkisch ist derjenige, der auf die Theorie der gemeinsamen Eigenart der Dlntsmolelule eingeschworen ist, und der meint, daß nur gleiche Blutszujammensetzuug 'Einfluß auf die politische Entwicklung nehmen dürfe. Daher doch der Ruf nach der Alljudercheit, daher der Ruf nach Betonung der Einheit des jüdischen Volkes! Wir lehnen Jüdisch-Völkisch ab, weil wir die Religion, aber nicht die menschlich substanzielle Einheit des Judentums bewahren wollen. Zwischen den kirgisischen und den englischen Juden besieht nach unserer Auffassung ein himmelweiter Unterschied. Ten O st j u d e n stehen wir gerecht und sympathisch gegenüber und werden nicht zugeöen, daß sie ungerecht verfolgt werden. Sind aber kulturelle Unterschiede zwischen der deutschen Kultur und der Kultur der Oftjuden vorhanden, so verschleiern wir den Unterschied nicht. Sind aus diesem Unterschied politische Konsequenzen zu ziehen, so ziehen wir diese Konsequenzen, denn damit dienen wir unserer Religion, unserem Vaterlande und den Betreffenden selbst. In den jüdisch-nationalen Konventikeln weiß man auch genau, daß die Stellungnahme z u d e n O st j u d e n, die jeden Unterschied zwischen Deutschen und Ostjuden verwischen will, aus politisch-taktischen Momenten und aus Wahlrücksichten erzwungen ist. Man spannt die armen Leute vor den Wagen des jüdischen Nationalismus, vom dem sie sich allerdings, soweit sie klüger geworden sind, zum großen Test abwenden. . Es gibt eine Einheit des Judentums, aber es gibt keine Einheit der Judenheit. Aber inbcm die Nationaljuden eine solche behaupten, schassen sie die Basis für eine Politik, die im höchsten Maße verhängnisvoll ist. III. Die jüdisch-nationale Seele verkennt vielleicht aus Jdealismus diegegebenenTatsachen. So möchten die Zionisten ein Parlament haben und bezeichnen nunmehr in völliger Unkenntnis dessen, was ein Parlament ist, die harmlose Landesverbandsveclammlung preußischer Gemeinden als ein Parlament. Obwohl in den Satzungen dieses Landesverbandes au erster Stelle gesagt ist: ,L)er Landesverband ist eine Religionsgesellschaft", wird hier schon das Wort „Parlament" eingeführt aus dem Instinkt heraus, daß man mit Parlament lediglich die staatliche Vertretung eines Volkes bezeichnet. Wir sind in Deutschland doch kein eigenes Volk und wir haben auch keinen eigenen Staat. Wenn es einmal in Jerusalem em rein jüdisches Parlament geben sollte — ob und wann, ruht in der. Zeiten Schoß —, dann wäre dieses Parlament ein jüdisches. Auf deutscher Muttererde gibt es aber fein jüdisches Parlament und wird es keins geben. Ist also schon der Name „P a r l a m e n t", den die Jüdische Do'lkspartei auf den Berliner Anschlagsäulen neulich Prangen ließ und der sowohl auf dern zionistischen Telegiertentag als auch in den zionistischen Tagungen eine Rolle spielte, völlig verfehlt, so ist es der dem Landesverbände gegebene Inhalt noch mehr. Herr Dr. Sandler hat das Alljndentum betont, das im neuen Parlament gepflegt werden soll und zu dessen Stützung gewissermaßen das Parlament da sein soll. Daraus sagen wir: Wir danken für solches Alljudentum! Hauptsächlich des Judentums wegen. Tenn wenn die Herren Nationalisten ihr Wesen so weiter treiben, so wird sich eine große Anzahl von Menschen, die g u f e, r c I i 0 t ö f e Juden sind, angewiderk von diesen politischen Spielereien, vom Judentum abwenden. Es kann dann den Nationalisten einmal so gehen, daß sie in ihren Eemeindestuben herrschen werden ohne jede Gegnerschaft, als die, die sich in ihren eigenen Reihen erhebt. Tenu dann werden alle diejenigen Juden, die im Sinne einer Religion, seien sie konservativ oder liberal, dem geistigen Judentum angehören und die ihre Kinder in diesem Sinne erzogen haben wollen, der Gemeinde lange den Rücken gekehrt haben. Die Politisierung des Judentums zieht vom Judentum ab und ruiniert das Judentum. Darum kämpfen wir für unsere Wahlparole, weit wir das Judentum erhalten wollen. Einer der jungen Führer der Jüdischen Volksparte i hat einmal „den Kampf gegen das jüdische Assimilantengesrndcl" als besonders notwendig bezeichnet. Es wird die Zeit komrnen, wo cs sich zeigen wird, wie falsch und gemeingefährlich die Bekämpfung der „Assimilation" als solche immer gewesen ist, noch dazu, wo der jüdische Nationalismus und die Jüdische Volkspartei die schlimmste Assimilation bedeuten. Wenn wrr^die Landesversammlung wollen, so wollen wiv sie in dem einne der grundlegenden Destimnlung ihrer Satzungen als Reüaionsgesellschast. Wir erwarten von ihr die Hebung der jüdischen Religiosität und die Hebung der Gemeinden, und wenn diese Wünsche erfüllt werden sollen, so müssen alle Wünsche auf die Volksgemeinde, — wir bitten vielmals um Entschuldigung, von „Volksgemeinde" darf ja nicht mehr gesprochen werden, also sagen wir — auf die völkischen Forderungen verstummen. Da es sich um eine Frage der Existenz des Judentums handelt, würde hier ein Nachgeben um des Friedens willen ein Aufgeben de^ jüdischen Ideale sein. IV. Nun zu etwas Unerfreulichem. Nichts ist bei sachlichen Meinungsverschiedenheiten häßlicher, als die Bekämpfung von Menschengruppen aus persönlichen Beweggründen heraus, als das Unterlegen unanständiger Gesinnungen. Man scheint im Lager unserer Gegner aus diese Kampfesweise nicht verzichten zu können. Wir haben immer anerkannt, daß sich in der jüdischnationalen Bewegung schönste Beispiele von Eharakterfestigkeit und Lauterkeit der Gesinnung fanden. Wir wissen, daß in jeder Bewegung niedrigdeukende Elemente vorhanden sind, aber wir möchten doch nicht, daß auch die dort vorhandenen niedrigen-Elemente die Stimmung der Gesamtheit beeinflussen und vergiften. Wir müssen dabei auf folgendes zurückkommen: Herr K a r e w s k i, der es wahrlich nicht nötig hat, irk dieser Weise gegen den Cenlralverein zu toben, wie er es in einer Versammlung der Jüdischen Volkspartei getan hah sagte in der schon erwähnten Berliner Versammlung im Lehrervereinshaus: ,Ln einer vertraulichen Versammlung, die der Gemeinde- Vorstand im November 1923 abhielt, unmittelbar vor dem Ausbruch der Pogromunruhen in der Grenadierstraße, und in der darüber beraten werden sollte, ob noch in letzter Stunde etwas geschehen könne, um eine jüdische Einheitsfront herzu stellen, um zu mildern, um abzuwenden jene

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