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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. Seite 28

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 28 (sequence 15)
Language
German
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23 Unruhen im posensthen. K ausleute m iß handelt. — SBareu geraubt. Nach einer Meldung des „Jüdischen Wochenblattes" kam es am 17. Dezember in Hohensalza (Jnowrazlaw, jetzt bekannruch hvlm\äj) bei Gelegenheit des Jahrmarkts zu ausgedehnten rudenfeindlichen Unruhen. .Auf ein verabredetes Signal hm. wurden die Warenlager der jüdischen Kaufleute überfallen und aus geraubt, die Kaufleute selbst grausam geschlagen, so daß - - mehrere von ihnen erhebliche Verletzungen davontrngen. - Bekannte, judenseindliche Agitatoren aus Posen und Umgebung, von denen einige von der Polizei verhaftet wurden, waren die An- , führer. Ein kleiner Teil der geraubten Waren konnte den Beraubten wieder zugestellt werden. Ms unserem Leserkreise. ( Nus der großen Anzahl von Zuschriften,,die täglich an uns geilangen veröffentlichen wir im folgenden einige mit der üblichen '.Maßgabe, daß die Drieffchreiber selbst die Verantwortung für ihre Ausführungen trägem Die Schristleitung. Nlännergeöanken über öie prrröigt. Sehr geehrte Schrifjlcitungl Die Gedanken der Frau Rost Gr a eher Mr. 50 vom 12. «mberv. I.) bieten den willkommenen Anlaß, auch die Meinung eines Mannes hiev vorzutraaen. Und wenn der Träger der „männlichen" Gedankerr sie der Ocsfentlichkeit gegenüber nicht mir seinem Namen deckt, so geschieht das allein aus der Absicht, der Annahme örtlichen Anlasses zu diesen Aeußerungen vorznbeugen. Sie sollen nur als der besinnliche Niederschlag aus allgemeinen Beobachtungen ausgesaßt werden. Die Wirkung auch guter Kanzelvorträge wird durch deren' Häufigkeit am st a r k st e n b e e i n t r ü ch t i g t. Sehr gro'ze Gemeinden können sich wöchentlickie Predigten gestatten. Die Hörerschaft ist dort viellercht von Fall zu Fall anders zusammengesetzt. In den mittleren und gar kleineren Gemeinden sind, zumeist 'SLammhörer die Objekte des Predigers. Die meisten Mittel- 'gemeinden habe ihre Rabbiner oder sonstigen Prediger verpflicht^, ialle vier Wochen einen religiösen Vortrag — Predigt oder Schriftsdeutung — zu halten. Dazu kommen nun die Festtagspredigten.; Ansprachen bei besonderen Gelegenheiten. Man kann annehmen, .daß der Rabbiner znxmzig und mehr Predigten im Jahre vorträgt. 'Eifrige Rabbiner bringen es zu höherer Zahl. Der Prediger wirkt!^in der Mehrheit" der Falle Jahrzehnte hindurch in seiner Ge-, meinde. Da hat er eines Tages doch schließlich alles gesprochen, was als „der Hörer Bedürfnis" angesprochen werden kann. Und dann die Zeitfrag el Die meisten der allsabbatlichcn Besucher des Gottesdienstes folgen seelischen Regungen: etliche entsprechen Rücksicht oder Pflicht. Alte fast haben — wenig Zeit. Leiter ist auch am „Tag des Herrn" ihre Tagesordnung nnt dem! Besuch der Synagoge nicht erledigt. Gesellt sich nun zu dem verhältnismäßig nicht kurzen Gottesdienst noch eine ausgedehnte : Predigt, so begegnet sie Gegenwirkungen. Tie Rücksichtslosen ent-; fernen fick kirapp vor Beginn der Predigt; die Rücksichtsvollen harren -ihrer rn Unlust — „und sind von ihrem End" beglückt. Ergebnis: Die Predigt sollte nicht so häufig — von den IHestta^n abgesehen —. nicht kalendermäßig festgesetzt isein. Selien und Seltenes müßte das Gebot der Zeit fern.!Jm Normalverlaus des Jahres sollte mir ein wesentlicher! Anlaß den Prediger auf die Kanzel führen. Und was er dann sagt, )muß enrpfunden, nicht erklügelt sem, muß machtvoll vorgetragen sein | in einer Rode, die fernab liegt in ihrer Formung von Tageswendung lund abgegriffenem oder gesuchtem Wort. Und'auch für solck^ An°- i lasse, die dem Redner Gedanke und Wort zutragen, gilt die Zügelung,!die Luther in die drastischen Worte geschleudert hat: „Geh' naus, rtrsis Maul auf, hör bald wieder aus! j . Ich glaube, wenn die Predigt aufhört, Regelwerk zu sein, wenn sie „der gebietenden Stunde entspringt", dann wird sie der» 'Hörern eine willkommene Gabe sein, sie wird auch weitere Besucher an solchen Tagen in die Synagoge führen. j Vor eurer Reihe von Jahren ist in Rabbrnerversamm- Lungen die Losung ausgegeben worden: Ter Rabbiner müpe sich nn Gottesdienst möglichst viel Gelegenheit zur Betätigung schaffen. Sonst werde er hinter dem Vorbeter verschwinden und als entbehrlich angesehen werden. — Ich halte das Gegenteil für nichtig, ^vem Rabbiner bietet sich auch da, wo Ritualfragen chn kaum noch in Anspruch nehinen, ruwndlich viel Gelegenheit zu wirksamer erwünschter, segensreicher. sozialer Betätigung. Sie \dya\\t etgentudi erst den reckzten Hall für jeme Worte. L rr l}nk nmi Einmal im Zuge bin. will ich mir zwar nicht l alles .Gedachte und alles Empfundene von der Seele schreiben, aber orncm — nicht glücklichen Vorschlag einen flüchtigen Augenblick -.raxl) verwerten. Ein durch seine literarisch Tätigkeit bekannter Berrmer Schulmarm hat im vorigen Jahre den Vorschlag gemacht, zu h&rt Knfi^r» ra_inVn v’ ‘ ' -ri ‘ " \ de'n _. . . , - sich cm seine _ -cw*r r und verspricht sich viel Erbauung davon. L, hier ratr und nicht nur für diesen Fall: „Wenn ihr's E)t sth.t — ihr werdet's nick/ - ~ m ~ nicht erjagen. *. % L § MMM in künstlerischer Umrahmung veranstaltet von ösn frauenppp sZs WkrslMüM SSllfflhSk AgSlÄÄgA flSWM GlSÄM m vlmilMksg, Den 15. Kamine 1Y25, aösnüs s W, lm ©attenfaal öks ea^nhüM, Berlin W, kleWcHr io. Es werden Mitwirken: Gpernfä'ngerin Thea Sieber (Staatsopsr) Gesang Gpernfängerin Vera Löwe Gesang Schauspielerin Gr na §elü Rezitation' Ronzertsänger Dr. Iritz Salomonsk! Gesang Siegfried Levp Geige Werner Leon Rlavier Rind Hella Gitron Tanz Es werden über das Themar sprechen: Dr. Margarete ESelhrim, §annp Glkan, Ernestine Gschelbacher, Sertha §alkenberg, Margarete §ried, Gertrud Gsldberg, Martha Henschke, Sophie Horwitz, Henriette Map, Clara Neumann, Martha Gllenöorff, Minna Schwarz, ElseSchwerkner,LiseStern,RegknaZuÄekMSttN. Eintritt frei. :: :: :: Gaste können eingefuhrt werden. Für Fufwertungsfraße. - * Sehr geehrte Schriftleitung! In der Nachschrift zu meinem Aussatz über die AuftoerkungssrQge in der „E. V.-Zeituug" (1924, Nr. 48) erkennt zwar die Schriftleitung den ethischen Gedanken der ^(ussührungen an. will aber keineswegs in dr^parteipolitischen Auseinandersetzungen »über die Aufwertungsfrage eingreifen. Eine parteipolitische Frage sollte cs überhaupt nicht sein. Die Ethik, so darf man sagen, ist drrrch die Diktaturbestimmungen der dritten Steuernotverordnung vielfach so sehr verletzt, daß man von allen Parteien, die nicht gerade zu sehr Politik und Ethik trennen, eine zustimmende Antwort und wirkungvolle Tat zur Auswertungsfrage erwarten sollte. Aber nicht in dem Sinne, daß die schon ganz Verelendeten der Geschädtigten „Almosen" erhalten sollen, sondern daß möglichst alle, besonders aber die von i»)ren zahlungsfähigen Sck)uldnern Beraubten, wieder in ihre Rechte eingesetzt werden sollen. — Denn ehrliche Nächstenliebe, Gerechtigkeit, das sind die Grundlagen nicht nur unseres Glaubens, sondern jeder Ethik. Die Tatsachen sprechen aber anders. Täuschen wir uns nur nicht darüber, daß auch manche Glaubensgenossen hartnäckig bei ihrem Unrecht beharren, und jeden neuen Erlaß wie den letzten der Negierung, wenige Tage nach der Wahl, freudig begrüßen, weil er ihnen ein neues Scheinrecht gibt, Unrechtes Gut zil behalten. l^ein, mein Aufsatz und Hinweis in der „C. V.-Zeitung" war anders gemeint. Farbe bekennen und die religiöse Ethik des Judentums anerkennen, das tut not. In der Betätigung dieser Ethik mit bestem Beispiel vorangchen, darin liegt meines Erachtens auch das würdigste Kampfmittel in der Abwehr des Antisemitismus. Gera. Dr. med. E. Hirsch. Wir veröffentlichen aus verschiedenen Zuschriften gern Herrn Dr. Hirschs. münen aber damit die Erörterung schließen, weit uns die Behandlung des Problems, desien Wichtigkeit wir gewiß nicht verkennen, im wesentlichen außerhalb des Rahmens unseres Blattes zu liegen scheint, Die SchristleiLung.

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