Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 2 (9.1.1925)
- Date
- 1925-01-09
- Page
- Seite 27 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Unterdrückten Prob le m. Es ist somit erklärlich, daß von der oben gekennzeichneten akademischen Schicht das Judentum deswegen vorzugsweise gehaßt wird. weil es Vertreter dieser problematrscl-en Denkweise in reichem Mas>e stellt. Tenn diejenigen, deren Vorzugsstellung aus der allgemeinen Gültigkeit verjährter, durch verblauende Tradition geheiligter Jdeenschablonen begründet ist, fürchten instinktiv mit Recht, daß jene gemhrlicl-e geistige Welle mit den sorgsam gehüteten Ideologien auch ihre verbrieften und versiegelten Privilegien fortspülen und den Bankerott ihrer durch die gesellschaftliche Entwicklung überholten Grundanschauungeu ossenbaren muß. Doch ist damit noch nicht die chiliastisch« Wahnvorstellung von der listigen und rücksichtslosen Machtgier des nach der Weltherrschaft .strebenden Judentums erklärt. 6s mögen dumpfe Gewissensregungen noch wirksam dazu beitragen, daß in das geächtete Judentuni, das man als einL geschlossen und bewußt in ihrer Offensive vorgehende völkische Einheit aussaßt, ein gewisses dämonisches Shylok - Prinzip hmeiugedeutet wird. Im Sinne dieser Auffassung wetzt der Jude nicht nur -den Dolch des poliwchen Angriffs, sondern -auch das Messer eines schonungslos zersetzenden friDenkens, lim den verhaßten Gegner in seinem Heiligsten tödlich zu treffen. Es ist immerhin eine auffällige fozialpsychologische Tatsack)?. daß -in den großen Demokratien des Westens der Antisemitismus so schwach, und in -den Ländern, in denen das o b r i g k e i t s st a a t - liche System durch die Stüriue der Revolution zniammenge- Lrochen ist, so unverhältnismäßig stark vertreten ist. Wenn man diesen Umstand in seiner ganzen soziologischen Bedeutung berücksichtigt, so erscheint der Antisemitismus als die große ge'chichtUche Kampfparole, mit der die ihres politischen Einflusses beraubten gesellschaftlichen Mächte, die die Träger des obrigkeitsstaatlichen Systems waren, ihre alte Vorrangstellung wieder zu erringen trachten. Klassen kam Pf wird hier unbewußt in der ideologischen Form des Nasse nkampfes ausgesochten. ... bis irgendwo Pogrome. Niedriger hängen! Das „Neue Wiener Journal" beglückte vor kurzem die Oersentlichkeit mit der Nachricht, die Prinzessin Juliana von Holland habe Auge und Herz ausgerechnet aus den — Kantor der großen Amsterdamer Synagoge geworfen. Diese Nachricht war von einer ebenso geschmacklosen, wie rührseligen Geschichte umrahmt. Wir kennen die Quelle des „Neuen Wiener Journals" nicht; uns wird jedenfalls von gutnnterrichteter Seite aus Amsterdam mitgeteilt, daß au dem Gerücht kein Wort wahr sei und daß es in Holland völlig unbekannt sei. Ersichtlich handelt es sich also um eine der Zeitungsenten, die ja zu allen Zeiten in der Presse aller Länder sich niederlasien. Soweit also hätte uns an dieser Stelle die Angelegenheit nicht zu bi kümmern, wenn sich nicht die völkischen Zeitungen ihrer bemächtigt hätten. Obwohl nichts davon bekannt ist, ist nach dem „Bayrischen Vaterland" und dem „M iesbacher Anzeiger (Nr. 295) der „Erfinder des Romans" ein „D r e ck j u b e" und die blöde Geschichte deshalb erfunden — man höre und staune! —c um „den monarchischen Gedanken damit im Kern zu treffen". Und nun merke man sich die Schlußbemerkung des „Miesbuche rs": „Tie Juden werden wieder frecher. Es wivd nicht eher Ruhe bis irgendwo Pogrome stattgcfunden habend Ein nobles Verfahren. Aus einem unbekannten Bersayer einer belanglosen Albernheit wird ein Jude gemacht. Und wegen dieses Geschmieres eines vermeintlich jüdischen Autors müssen die Juden totgcschlagen weiden. Was würde die Welt wohl sagen, wenn man, weil dieser Miesbacher Angehörige unseres deutschen Volkes solche schmählichen HetzartikcL vom Stapel läßt, sehnsüchtig verlangen würde, alle Deutschen müßten niedergemacht werden? Oö man am Jrrenhause vorbei käme? Die ps!r'LiM)LK Nüttmm M L9LH. Zum Reichs tags beginn. Ter neue Reichstag ist zusannncnberufen. und es ist wichtig, sich Wachstum und Größe der einzelnen Parteien an Hand der hier wiedergegebenen graphischen Darstellung über den Ausfall der Wahlen seit 1920 klarzumachen. Aus dem letzten Neichstagswahlkampf ging als siegreichste Partei die Sozialdemokratie hervor, aber die Stärke von 1920 hat sie bei weitem nicht erreicht. Ganz unerschüttert ist im Lanse der Zeiten der Turm des Zentrums geblieben, er ist der ruhende Pol in der Flucht der aufrmd absteigenden Parteien. Tie radikalen Flügel sind im letzten Wahlkampf stark dezimiert worden; Richard Kunze ist nach seinem Aufstieg vom Mai 1924 mit seinen Mannen in die Versenkung verschwunden, und auch die Völkischen haben arge Verluste erlitten, ein großer Teil hat aber bei den Deutschnationalen seinen Zuflucht genommen. woraus es sich erklärt, daß diese Paartei in alter Stärke in den Reichstag wiederkehrt, Tie Kommunisten sind stärker zurückgekehrt, als man allgemein angenommen hatte. Dagegen haben sich die Hoffnungen bei den Ternokraten und Volks-parteilerrr nicht erfüllt. Dadurch, daß die beiden Mttelparteien nur eine urnoesentliche Stärkung erfahren haben, ist die Bildung einer neuen Regierung mit starker Majorität sehr erschwert, und die Parteikämpfe werden vielleicht noch starker ausgenommen werden als vor der Auflösung des Reichstages. Ein Gebot mehr, unsere Organisation möglichst zu stärken. ~ Dr. Roth holz. §5 83 e S. 07©. D. N. P. D.lP. ä 8r Ci ■”* Sä © r? o N 0 s 2 ~a EPc er r; G E i G £ e 1 £ .1 £ § Ö 5 s 5 o o o o 8 o © o o o o , © o o o o ' o o o o o o o © o © © Ci CO C3 Ci 00 -t- CO E> 8- P- Erklärung: C. P. Sozialdemokraten D. N. P. — Deutsch-Nationale D. V. B. — Deutsche Vollsparte! Z.P. -- Zentrum D. D. P. — Deutsch-Demokratische Bartel SB. V. P. Bayerische Volkspart-i K.P. Kommunisten W. P- — Wrtschafrspartei N. 6. P. Deutsch-VöMsche D. S. P — Deutsch-Soziale Partei e 0