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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. Seite 29

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 29 (sequence 17)
Language
German
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29 fitt öle Hausangestellten! Sehr geehrte Schriftleitung! Die Wahlen Zum Reichstage sind ferst vergessen. Die üluZ)C nach ten Wahlen c&cr scheint nrir besonders geeignet, aus einen Vorgang «n Wahltage hinzuweisen, von dem Sie bisher in Ihrer Zeitung nicht Notiz genommen haben, und ibet unter kernen Umständen per Vergessenheit anheimsallen darf. Am Wchlsonntage erschien vormittags in meiner Wohnung ein junges Mävä-en, das unsere Hausangestellte zu sprechen wünschte. Kh sah nur, wie sie aus unser Mädchen scharf eruredete, schenkte aber dem Vorfall keine weitere Beachtung. Als die Dame meine Wohnung verlassen hatte, kam unser Mäd-> Herr nrit rotem Kopf zu mir. Die Lame habe ihr dringend an- Graten nur deutschnatwnal zu wühlen, und sie habe ihr ein Flug- Mrtt vergeben, *n «dem ihre j ü difche Herrschaft sehr beßchimpft sei. Ich hielt erst die Mitteilung meines Mädchens für . unrichtig. bis sie mir -das Flugblatt selbst vorlegte. Es richtete sich „An di e weiblichen Hau sang estel lt en" «nd enthält folgerte Stellen, die verdienen, für lange Zeit festgehalkn zu werden: . Die große Mehrzahl der Hausangestellten wird jetzt von kulturlosen Neureichen (vielfach Typ Raffke) beschäftigt oder von Juden, die in und nach vai\ Kriege noch viel reicher geworden sind, als sie es vorher schon waren, und sich jede Erleichterung und Men Luxus leisten können. .... Eure jüdischen Arbeitgeber könnten, schlau und zielbewußt. wie sie im allgemeinen sind. Eure vielfach vorhandene politisch Unersahrenheit für ihre Sonder- Kvecke mißbrauchen. . . . . Judentum und nationaler Gedanke find wie Feuer und Master.Laßt Euch von diesem jüdischen Gesthwafel nicht betören. Es ist alles Lug und Trug und letzten Endes nur zum Nutzen und Frommen Jerusalems bestimmt. Tut nach -deutscher Art nach wie vor auch Euren fremdstämmigen Arbeitg^ern gegenüber Eure vertragliche Pflicht, aber hört in politischen Dingen nicht auf sie." ' Dieses wundervolle Schriftstück, das in einer Druckerei in Köpenick gedruckt ist, enthält zum Schluß die Aufforderung, deutschnatiozu wählen. Ich muß sagen, daß ich zuerst sprachlos -war, als ich dieses Flugblatt las. Die Deutschnationalen besitzen also Ne Unverschämtheit, in die jüdischen Wohnungen Abgesandte P: schicken, zu dem Zweck, die nicht jüdischen Ha usan geeilten gegen ihre jüdischen Arbeitgeber in gemeinster Weife aufzuhehen. Selbstverständlich hat eine lefce Partei das Recht, sich an die Hausangestellten zu wenden. Es M aber eine nicht mehr zu überbietende Frechheit, die Wohnung Ünes jüdischen Arbeitgebers §u betreten, zu dem Zwec^, um die Hausangestellten mit Haß und Zlbneigung gegen ihre jüdischen Ar- ^itgeber zu erfüllen. 3d) bedaure nur, daß ich diesen unerhörten Vorgang zu spät bemerkt habe. Die deutschnationate Agitatorin hatte sonst 4n sehr unfreiwilliger Weise meine Wohnung dort verlosten, wo der Zmrmermann das Loch gelassen hat. Eine Partei, die mit solche:! Methoden arbeitet, kann, mag sie Such noch so von MitgliederZahlen aufgebläht sein, auf die Dauer sich nicht erhalten. Bei allen Msrali schenkenden hat sie den Ruf, ansdLndig politisch zu arbeiten, verwirkt,^ C^rrlottenöurg 3. Erna Cohn. 60-Jahrfeier der Syrragogengemeirrde Gelsenkircherr, Die Shnagogengemeinde Gelstnkirchen feierte vom 26. bis 29. Des -ember 1924 ihr 50jähriges Bestehen unter Anteünahme der Mvachen, wie auch der mchtjüdischen Bevölkerung und Preste. Die „Gelsenkirchener Zeitung" widmete der Syuagogengememde zwei grotze Artikel, in denen es unter anderem heißt: _ . - „. . Mit Recht freuen sie (die jüdischen Mitbürger) sich dieses Ereignistes, daS ihnen Anlaß zu froher Genugtuung und Ansporn zu frohgemutem Weiterschaffen auf den bewährten Bahnen gibt. . v lich bilden die Mitbürger israelitischen Glaubens eine ...Mmdecheit in unserer Bürgerschaft, aber wir glauben, dast deren christliche Mehrheit aufrichtig an dem seltenen Gedenktag Anteil nehmen wird, den die jüdische Gemeinde begehen kann. Schließt sich diese doch auch aus, wenn jene irgendwelche Gedenktage weltanschaulichen und ethischen Inhalts begeht."' Auch die Feiern selbst, eine weltliche und eine geistliche, an der Vertreter der Staats-, Stadt- und Schulbehörden, sowie die Geistlichen beider Konfessionen und die Kirchenbehörden teilnahmen, fand in den Zeitungen lauten Widerhall. Rabbiner Tr. Galliner hielt bse Festrede, Vertreter aller jüdischen Verbände und Vereine beglückwünschten die Gemeinde in Ansprachen, und die Ausführung eines von Herrn Hauptlehrer Katz für diesen Abend verfaßten Festspiels „Israel gab der Feier würdigen Abschluß._ HGao'GJte&QO’fi'ilMSS mm [MS schwindet bei Gebrauch von Br. Herzbergs rüCOPOPLÄT Name gesetzlich geschlitzt. Natürlich und unschädlich wirkende vegetabilische Entfettungstablettrrr Generatvertrleb: Bellevue-Apothells, Berlin W9, Man verlange ausführliche Literatur. viLslsi-teoeon-LrL leben, unbegrenzt haltbare Weis sbr Stehen, ärztlich begutachtet und verordnet. 10 Beutel i 4 Brötchen M. 8,—, 103 Beutel M. 50,— franko. Blaetei-Primarbrot. Geschmack herzhaft wie richtiges Schwarzbrot. 1 Brot M. 0,75. Diaetei-Primärmcbl zur Herstellung des Primärbrctes im eigenen Haushalt. 1 Beutel 2 Brote M. 1,25, 15 Beutel M. 18,75 franko. Dlaelei-Fermefii-Schokolade, ebne Saccharin. 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