Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 2 (9.1.1925)
- Date
- 1925-01-09
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277569-2277571--01789-3536692- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
25 Darum müffen wir jüdischen Frauen am 1. Februar wählen und in den Preußischen Landesverband Persönlichkeiten entsenden, die für die seelische Not der berufstätigen jüdischen Frauen Verstandlris und den Willen haben, ihnen zu helfen. So stehen wir deutschen jüdischen Frauen am kommenden '1. Februar vor großen und schweren Aufgaben, die nicht nur äußerlich gelöst werden können, sondern die Liebe und Kraft, Millen und Hoffnung brauchen. Dann werden wir dem deutschen Judentum zu einem starken, glücklichen und freudigen Leben helfen und wahre Mütter in Israel fein. '' ' Das Verftrckspirl.; A ti m erkungen Zu den Verband-wahlen. Ich lese die „I ü d i s ch e R u nb s ch cr u". ich lese die Auszüge und »Berichte, welche unsere „C. V.-Zeiiung" aus der zionistischen Presse stzur Wahlbewegung bringt, und frage mich immer wieder: Ja, hast » du denn in den letzten zehn Jahren all das über Zionisten und ' Zionismus nur geträumt? Solltest du dich im Privatgespräch mit Nationaljuden und in ihren Versammlungen so verhört haben? Hatten all die Fachausdrücke wie „V o l k s g e m e i u b c", „Nationale Schul e", „Eroberung der Gemeindevf{uben', „Gast im Wirtsvolk" nur für Rußland, Oesterreich, Rumänien Geltung? Haben wir deshalb so oft aneinander vorbeigeredet, weil ich zu hören und zu lesen glaubte, daß sich all das auch : auf Deutschland und die deutschen Juden bezog? Sind die Zionisten 'in Deutschland niemals logisch und konsequent ihrem Programm gefolgt? <Gibt es nirgends in Deutschland n a t i o u a l j ü d i s ch e Kindergärten mit Hebräisch als Spiel- und Umgangssprache? Sind nirgends und niemals in Deutschland -Versuche gemacht worden, Volksschulen auf nationaljüdischer .Grundlage zu schaffen und ihre Anerkennung seitens der Behörden zu erwirken?; Diese und ähnliche Fragen lege ich mir vor, und kann es nicht /glauben, daß ich so „daneben gehört und gelesen" haben soll. Sollten cs immer nur verantwortungslose Jünglinge gewesen sein, die in jugendlichem Enthusiasmus von Liesen Dingen gesprochen und geschrieben haben? Sicher haben die Führer sie rechtzeitig auf ihren?Irrtum aufmerksam gemacht. Wie wären sonst ihre Reden und jude seine und seiner Frennde"Meiming nicht. Das wäre ja „Assimilation in Reinkultur". „Verrat am ^Judentum", „Verkauf seines besseren Ich". Und so fange ich an, alte zionistische Versammlungsberichte und Zeitungsartikel zu lesen, um meine bisher verkehrte Meinung vorn Nationaljudentum einer gründlichen Revision zu unterziehen. „Die ^Welt", das osjizielle Organ des Zionismus, aus den Jahren 1913/14!ist mir gerade gut genug. Irgendein kleines DiasporablaLL könnte -mich nur wieder irreführen. s Unter der Ueberschrist: „DasProblemderSegenwarts- 'arbeit" schreibt „Tie Welt" (1913, S. 1592): ’? . „Emen wichtigen Platz in unserer Gegenwartsarbeit muß die iReorganisation der jüdischen Gemeinde einnehmen. Wir wissen ganz jtzut, daß es keine leichte Arbeit ist . . . Das Mittel zum Ziele ist auch jba vor allem positive Arktik, die Allgemeininterepen des Judentums rberücksichtigen muß. Die Gemeinde muß außerdem allmählich an [bie Palastinaarbert gewöhnt werden, und zwar als eine Form der -Betätigung sür die allgemeine Wohlfahrt." Und auf S. 15-13: „Aber eins muß ich hinzufügen. Nur durch unsere positive Arbeit -iverden wir es mit der Zeit dahin bringen, daß wir auch nach!außen hin überall von Nativnaljuden vertreten 'sein werden." (Von uns gesperrt. Die Schriftl.)! Im Aussatz „Die Schn (spräche der Diaspora" (Jahrgang 1914 S. 404) heißt es: k „Die zionistische Weltanschauung lehrt: Unsere Nationalsprache ist .Hebräisch. Und der reelle Inhalt des Begriffes ^Nationaljprache"!ist — Schulsprache. NaLionalsPrachex\t nicht die. die man in der .Schule studiert, sondern die. in der man die Bildung empfängt,;tne Sprache, in der man fragt, forscht und findet, die Sprache, in 'der man alles lehrbare Können lernt . . . Ist unsere Nationalispräche Hebräisch, dann muß in unseren Schulen die Unterrichtssprache für alles — Arithmetik, Geschichte, Botanik, Erdkunde — die ^hebräische sein. i Man wird aber einwenden: Ware die Einführung der hebräischen Schulspracho Pädagogisch durchführbar, so bleibt sie doch Praktisch. Politisch, sozial unmöglich. Denn wir sind eine Minderheit und .müpen unbedingt die Sprache der fremden Mehrheit beherrschen. Ohne Zweifel. Hierfür ist es aber vollständig ausreichend, die betreffende fremde Sprache als wichtigen Un'terrichLSgegcnsiand zu!erlernen. Man lerne sie nach der allerbesten Methode,'aber man mache fre nicht zur Schulsprache, d. h. zur Unterrichtssprache für andere Fäa)er; S ch u l s p r a ch e bleibt Hebräisch, l-'on un^ gejperrt Die^chrifll.) Das ist z. B. der Standpunkt oer Tschechen tu Wien. ^ic sind klug genug, um zu verstehen, daß man tn Wiel! unbedmgt btc deutsche Sprache beherrschen muß. Und doch verlangen sie tschechische Schulen in Wien mit Lschechhcher Unterrichtssprache sür alle Fächer. Und Deutsch? »Deutsch wird eines der w Ästigsten Lehraegenstände sein', erwidern die Lsä-ecl-on; ,sür die praktischen Zwecke wird es genügen? Dieselbe Antwort gilt auch für uns." Im Aussatz: „Deutscher Zionismus und hebrärsche Sprache" (Jahrgang 1914 S. 760) heißt es: „Jede jüdische Form aber beginnt mit der hebräischen Sprache... Ich kamt mir vorstellen, daß sich z. B. um die Pessachzeit auch bei uns Reit-, Sport- und Turnspiele in hebräischer Form und mit hebräischen Kommandos cinbürgern. Spiele, welche vielleicht^ auf die alten, historischen Grundlagen dieses Festes sich beziehen, daß Lreder aller Art bei uns gesungen werden, hebräische Wiegenlieder, Kinderlieder.. Kommerslieder, Volkslieder, daß vielleicht sogar palästinische Rundtünze bei uns Anklang finden." .. Diese Beispiele mögen für heute genügen. Zeigen sie doch in aller Deutlichkeit den Unterschied, der zwischen den Nativnaljuden und uns jüdischen Deutschen besteht in der Auffassung von Judentum, jüdischer Gemeinde, indischer Schule, ihrem Ziel, 3111)014 und Zweck, der Arbeit des einzelnen und der Gesamtheit, in ihnen und für sie. Es ist.nur zu verwundern und aufrichtig zu bedauern, daß von nationaljüdischer Seite jetzt im Wahlkampf eine Verdunkelung versucht wird. Ich muß ganz offen gestehen:. Eine solche Selbstverleugnung hätte ich auch niemals von einem Zionisten für möglich gehalten. Da ist mir Herr Professor Löwe — trotz allem! — denn bod) noch sympathischer. Er bleibt sich und seiner Art wenigstens treu, und man weiß bei ihm gleich, woran man ist. Für jede Partei, also auch für die jüdisch-völkische, gilt der Vers: Visier hoch und frei das Gesicht gezeigt! Leo Rosenblatt. Ranpflss — inLerejsslos. Schlechte Wahlbeteiligung durch K o m P r o m i ß p o l i L i k. „Die Wahrheit", die bekannte deutschösterreichische Wochenschrift in Wien. Verbreiterin und Förderin des C. V.-Gedankens in Oesterreich, schreibt über dreletztenWienerKultuswahlen: „Zwischen den großen Parteien kam. und dies ist vom Standpunkte der^ Kompromißpolitik nur selbstverständlich, eine Vereinbarung zustande, die beinhaltete, daß die drei bisherigen Parteien auf Grund ihrer Stärke im seinerzeitigen Kultusvorftand wieder in den neuen einziehen sollten. Ties war. wie gesagt, vom Standpunkte einer restlosen Kompromißpolitik erklärlich. Aber diesen Standpunkt teilt nun einmal das Gros der Wiener Judenichaft nicht, das es absolut nicht goutiert, daß mit einer Partei zufaw.mengeaangen wird, die noch immer, trotz der Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit, auf n a t i o n a l e r Basis steht. D i efes Zusammengehen hat bei den politischen Wahlen schon schlechte Folgen gezeitigt und ebenso war dieses Zusammengehen schuldtragcnd daran, daß die Kultus Wahlbeteiligung kaum 40 Prozent betrug und demnach weithinter der des Sommers 1920zurückblieb, wo bei den damaligen Kultuswahlen ehrliche Prinzipien im ehrlichen Kampfe sich g e g e n üb e r sta n de n. Auch bei den Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden würde man am 1. Februar eine sehr schwache Wahlbeteiligung seststellen können, wenn jeglicheZ Kampsmoment zwischen denjenigen Parteien ausgeschaltet worden wäre, die sich in innerjüdischen Anschauungen diametral entgegenstehen. der Gemeindemktglked ist oder sich zur Wählerliste die Landesveröandswahl angemeldet hat, fttttö UM ftsizusikllen, «fr IW <wi sein 7!ame iS der Wählerliste enthalten ist. Oer!!♦ Januar und 12. Januar sind die letzten Tage. Oie Groß-Berlmsr Liste liegt im Gemeindebureau, Berlin dl 24, Oranienburger Straße 29/30 (Sonntags 8—1. Montags 8—4 Llhr) aus. Auf schriftliche oder telephonische Benachrichtigung (nur Dönhoff 3596) übernimmt der Verband Groß-Berliner Ortsgruppen des 6. V. die Durchsicht.