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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-02 · 1 (2.1.1925) · p. Seite 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
1 (2.1.1925)
Date
1925-01-02
Page
Seite 10 (sequence 19)
Language
German
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10 Wahre Liebe. Wochellbetrachtun g. „E r w e i s e m i r d och w a h r e L i e ü e," so sprach der sterbende Patriarch zu seinem Sohne, „begrabe mich nicht in Aegypten. Wenn ich mich zn meinen Vätern lege, so trage mich fort von Aegypten und begrabe mich in ihrem Grabe." lind er sprach: „Ich werde tun nach deinem Worte." Ter große Erklärer Naschi bemerkt zn diesen Worten der Schrift: Tie Liebe, welche wir den Toten erweisen, ist die > wahre Liebe, denn sie erwartet keinerlei Vergeltung. In diesem! schlichten Ausspruch liegt eine treffende Widerlegung gar vieler Angriffe, die man gegen den Charakter und die Sittenlehre unseres! Stammes erhoben hat.! Wie oft glaubte mau fcststclleu zu dürfen, der Jude achte int r j den Nutzen ititb das, was N u h e n bringt. Gut sei ihm ' nur das, was Vorteil bringt und Nutzen schafft. Tiefer eine Begriff j des Ehessed schel Em-eth, der wahren Lieoe, weist alle solche Monn tu-! gen in ihre Schranken zurück. Tie Gabe des Ehessed ist eigentlich . eine rein göttliche. Es -ist das Ausstrahleu der göttlichen Liebe, die! alles besitzt in der Unendlichkeit ihrer Machtfülle, und nur gibt mit? der Himmclsgewalt ihrer Gnade. Sie streut ihre Gaben aus über \ Gerechte und Ungerechte. Sie verlangt nichts für sich, sie kann nichts verlangen. Man tditii ihr nichts geben, denn sie besitzt altes. Tas Göttliche zeigt sich im Menschen, indem auch er lernt, in solcher Weise zu geben, dort zu geben, wo er keinerlei Vergeltung zn erwarten hat. Die Höhe der Sittlichkeit eines Volkes zeigt sich in der A r t, w i e e s m i t s e i n e n Toten it m geh t. Hier gibt es keinen größeren Gegensatz als den zwilchen ägyptischer und jüdischer Weltanschauung. Konnte der Tote mehr geehrt werden als im Lande der Pharaonen? Welcher Pomp und welcher Aufwand wurde hier bei der Bestattung der Toten getrieben? Tie Lebenden mußten fronen für die Toten. Aber der Quell, aus V tem dieser Dienst an den Toten seinen Ursprung nahm, war ein trüber und unreiner. Es war kein Ehessed schel Emeth, keine wahre Liebe. Es war ein Toten kn lt, es war Furcht und Angst vor den Toten, daß sie die Lebenden in ihrem Behagen stören könnten, wenn man ihnen die gebührenden Ehren vorenthielt. Deshalb sprach Jakob: Hier in diesem Lande will ich nicht begraben werden. So will ich nicht als Toter geehrt werden, will nicht als Toter noch Gegenstand der Angst und des Schreckens fern. Ihr braucht als Juden den Toten nicht zu fürchten. Ich werde wieder der Staub, aus dem ich geworden. Aber durch das. was ihr an den Toten übet, sollt ihr die Liebe lernen, die wahre Liebe, die Ehessed schel Emeth. So sind die Werke der Liebe, die sie an den Toten übten, die G r u n d l a g e d e r Sittlichkeit, ja die Schule d^r sittlichen Tat für die Inden geworden. Wo immer Juden sich ansiedelten, das erste, was sie gründeten, noch bevor sie daran dachten, ihrem Gotte ein Hans der Verehrung zu bauen, waren jene heiligen Brüderschaften, die sich dem Liebesdienst an den Toten weihten. Aus diesem uneigennützigen Liebeswerke erwuchs dann auch der Liebesdienst an den Lebenden, an den Kranken und Leidenden, den körperlich oder wirtschaftlich Schwachen. Erst nachdem dieses Liebeswerk sichergestellt war. schritt man dazu, seinem Gotte ein Haus zu errichten. S o baute sich der Jude seine Welt auf der Grundlage der wahren Liebe auf. Was ist in unseren Tagen aus dieser ureigensten jüdischen Tugend geworden? Man spricht so viel von Ethik und kennt die wahre Liebe nicht, die Liebe, die man an den Toten übt. Tas ist ein lästiges Werk, welches man bezahlter Hand überläßt. Unsere Zeit will von den Toten nichts wissen, schasst sie schleunigst ans den Häusern. Sie begräbt den dunklen Sarg unter Blütenkränzen. Sie will vom Tode nichts sehen. Sie betäubt den Schmerz mit süßen Klängen und weichlichen Liedern. Sie tut alles, um das Herbe und den Ernst des Lebens zn verhüllen. Sie wagt es nicht, der starren, erhabenen, unerbittlichen Majestät des Todes voll ins Angesicht zu schauen. Ter Jude der früheren Zeiten kannte kein System der jüdischen Ethik.aber er erlebtees. Er fürchtete den Tod nicht. Term er lehrte ihn das tiefste Geheimnis des Lebens, das der wahren Liebe, die keinen Lohn erwartet. H 0 f f in a n n. Eine Ausstellung „Das juöische Huch". Don Rnbbiner Tr. Levy (Nordhausen). Tas „Volk des Buches" wurden wir Juden einmal genannt. Verdien»... wir diesen Namen heute noch in bezug auf „D a s jüdische Buch"? Sicherlich steht uns eine reiche Literatur zn Gebote. Aber wer dürfte behaupten, daß sie auch allenthalben ihren Einzug gehalten und in jedem jüdischen Hause Eingang gefunden? Tie Zeiten, wo in jedem Hause Talmud und Schnlchan Äruch, Bibel und Aaschi den selbstverständlichen Bücherbestand bildeten, wo die Hausfrau aus der Zenne Neune die wundersamen Geschichten vorlas, sind vorüber. In größeren Gemeinden bieten die jüdischen Buchhandlungen Gelegenheit zum Kemienlernen jüdischer Werke: ob diese genügend wahrgenvmmen wird, mag dahingestellt bleiben. Mittlere und kleinere Gemeinden sind auf Kataloge, Anzeigen und Besprechungen angewiesen; die eigentümliche Wirkung, die vom Buche selbst ausgeht. fehlt zumeist. So wurde in Nordhau seu der Gedanke freudig begrüßt, tine Ausstellung „Das jüdoche Buch" zu veranstalten, ans «der auch Werke der grrphischcn Knust, des Kunstgewerbes. besonders häusliche Kultusgeräte, gezeigt werden sollten. Tie jüdischen Verleger waren durch rcia''alZig.? Ausstellungen vertreten, sowie auch die Kunstgewerbestuv< Ire: ident hat (Breslau) und andere kunstgewerbliche Firmen. Gesellige Veranstaltungen in Form von Teeabendeu mit jüdischen Volksliedern und Musik lockten zum Besuch. Neserate über alle Gebiete der jüdischen Literatur wiesen auf die ansliegenden Werke hin, so daß das Jnteresie in sichtbarer Weise angeregt und auf die Bücher hingclenkt wurde. In besonderen Veranstaltungen wurde die Schuljugend und die reifere Jugend erfaßt, die Wunschzettel an das ..Ehanutkamannchen" waren bald von ungelenken Schristzügcn bedeckt, für die Barmizwas und Geburtstage wurden Vormerkungen notiert, und auch „die Alten" fanden, die schönen Werke moderner Buchkunst seien wert, erworben zu werden. Zum Ehanukkafeste wurde Menoras in allen Arten, Trendel, jüdische Spielsachen tFrcudenthal, Breslau) geboten, ein ^edertisch mit allen UtenfiLien, verschiedenen Haggadas. '^ed-ersmüssel, Mazzostasche nsw. lockten zum Kauf. Ter Freitagabend mit Sabbatlamp?, Berchesdecke und Becher so-wie sonstigen Geräten verbreitete seinen Zauber, und curd) die HewHotv-Sachen waren in vollendeten Ausführungen vertreten. Tie Beratung durch die „Sachverständigen" wurde in ausgiebiger Weise in Anspruch genommen und Bestellungen in beträchtlicher Zahl aufgegcben. Ten Abschluß bildete eine Verlosung von Büchern und Bildern: ein bleibender Erfolg ist aber die Begründung eines jüdischen Lesezirkels. der den Teilnehmern regelmäßig jüdische Bücher zuführt, die nach Zirkulieren Eigentum der Gemeindobiblioil]d werden. Möge die Losung „Kauft jüdische Bücher" überall befolgt werden! Wo andere Anregung hierzu fehlt, seien Ausstellungen und ähnliche Ver> anstaltungen empfohlen! schwindet bei Gebrauch von Dr. Herzbergs FUCOFOPLÄT Ml? (Utefeostfötisss CM AM Name geldlich geschützt. Natürlich und imrchädlich wirkende vegetabilische Eni feriungSlabletren. EeneratverLriebr Bellevue -Apotheke» Berlin W9. Man verlange ausführliche Literatur. . < p

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