Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 1 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Remöglojfen zu Ken LanKesverbanöswahlen I. Eine Wahllügc. In Berlin rmd auch rm Reiche wird in weiten Kreisen von Iüdischvolkrschen die Bek-ouptmrg ausgestellt, der Centralverein habe stchbei der Regier ungg eg endre Anstellung jüdisch- »alionaler Beamten verwandt und sogar den letzt .Beschäftigten Schwierigkeiten zu machen versucht. Cs handelt Nch hierbei mn nichts anderes als um eine Wahllüge j ch l i in m st er A r t. Wir bitten unsere Freunde, solchen Unwahrsten mit allem Nachdruck entgegenzutreten; denn derartige „Anzeigen" würden als gemein rmd niedrig von mrs stets verachtet werden. Treten wir aber in die Sache selbst ein, so wollen wir einmal fragen: Wer ist es den n gewesen, der die Erörterung über die Möglichkeit, ob Nationaleren Beamte werden können, l a n g u n d b r e i t i n d i e O e f s e n tlichkeit getragen hat? Lesen wir die jüdische Ru n d scha u" vom 24'. 12. 1918. Dort schreibt Herr Rechtsanwalt Erich Cohn, der u. W. auch fetzt noch der Zionistischen Bereinigung für Teutfch- Lrnd in führender Stellung angehört, folgendes: „Zu dieser Mitwirkung (am Schicksal des deutschen Volkes) fühlen wir uns grundsätzlich nicht berchcn. Unserem Empfinden entspricht letzten Endes der von Sombart geprägte Satz, die Juden sollten sich die restlose Emanzipation erringen, aber den Takt besitzen, von ihr kinen Gebrauch zu machten. Genau wie wir nach völliger Autonomie in jüdischen Angelegenheiten streben und aurC) die bestgemeinte unerbotene Eimnischung von Nichtjuden durckMus zurnckzuweisen pflegen, genau so respektieren wir das Salbstbestimmun gs recht unseres Wirtsvolkes in seinen eigenen Angelegeirheiten urod halten es für einen Fehler, wenn JuQen sich als Wortführer urrd Handelnde in diese einmischen." und vierter: „Eine negative (Erkenntnis) darf jedenfalls fest gestellt werden: Jude« gehören auf keinen Posten, der mit Fähigkeiten und Anstand allein nicht aus-besüllt werden kann, sondern dessen Ausführung die Verwurzelung im deutschen Boden zur Voraussetzung hat, weil man von ihm aus schöpferisch ins autononre dentsch? Leben eingreifen muß." Sodann begegnet Cohn dem Eimvande, daß der Zionist, der für Deutschland geblutet habe, auch am Ausbau des deutschen Vaterlandes rmtarbeiten muffe, mit der Erklärung: Die Konsequenzen, die sich für den Zionisten daraus ergeben, daß er nicht in Palästina, {onftent hier lebe, müsse er sich selbst zuschreiben. Palästina sei das Land, in dem er berufen sei, mitzuraten und mitzuhandeln. Gehe er nicht nach Palästina, sondern bleibe er in Deutschland, so habe er nicht die moralische Berechtigung, daraus irgend etwas zu seinen .Gunsten herzuleiten . Was schreibt dagegen unser Führer Eugen Fuchs: „Man betanke die Würdelosigkeit und die Begriffsverwirrung, die in der Dussaffung Erich Cohns liegt, wir seien hier fremd, sollten uns zwar nur irnt jüdische Sachen kümmern, aber die Frage nicht gar „zu ängstlich und zu spitzfindig lösen", weil wir sonst nach seiner Auffassung hier nicht einmal Aerzte und Anwälte sein könnten. Als ob, wenn wir fremd wären und wenn wir nicht deutsch empfänden und fühlten, man nicht mit Recht uns auch als Anwälte perhorreszieren würde, und als ob unsere deutschen Bolksgenoffen die Spitzfindigkeit des Herrn Erich Cohn als eine gerechte Abgrenzung des Dolkssremdeu ansehen würden." („Um Deutschtum und Judentum." S. 367.) Diese Ge^nüberstelltmg ergibt dicklich, wie Zionisten dachten, solange sie keine Eesinnungsgenoffen in höheren Staatsstellen hatten. II. Volksgcmerude. Wir lesen im „Nachrichtenblatt für die Synagogengemeinden in Stadt und Provinz Hannover" vom 28. November 1924: *2) er Preußische La n d e s v erb a n d. In einer öffentlichen Versammlung der zionistischen Ortsgruppe Hannover referierten am Sonntag, den 23. November, rm Saale des alten Rathauses die Herren Dr. Kollenscher (Berlin) und Landrabbiner Dr. Blum (Emden). Dr. Kollenscher besprach eingehend die Ziele des Landesverbandes und wandte sich dann gegen die vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauberrs ausgegebene Wahlparole. Er erklärte, daß die deutschen Zionisten niemals für Deutschland eine jüdische Autonomie verlangt hätten*). Sie wäre nur möglich in Ländern mit jüdischer Massenstcdlung und käme daher ^für Deutschland nicht in Frage. Wenn die Zionisten die Ausgestaltung der jüdischen Gemeinden zu Volksgemeinden wünschen. so. sei darunter zu verstehen, daß nach zwnistischer Auffassung die Aufgaben der Gemoinden nicht nur religiöse Angelegenheiten. sondern alle,Angelegenheiten seien, die uns als Juden angchen. Tatsächlich seien auch die Gemeinden dazu übergegangen, sich zu Bolksgemeinden auszug-estalten, indem sie sich mit sozialen und politischen Angelegenheiten befassen. Landrabbiner Dr. Blum wies darauf hin, daß Krieg und Inflation das jüdische Leben in den kleinen und miÄleren Gemeinden zerstört habe, denn in vielen dieser Gemeinden seien keine Lehrer mehr, es fehle auch an Nachwuchs von Lehrern und Rabbinern. Die vornehmste Arrfgabe des Landesverbandes sei, da zu helfen. Auch dieser Redner verteidigte die Bolksgemeinde gegenüber den Angriffen des Centralvererns. ^ie sei ein Plus gegenüber der religrösen Gemeinde und nicht ein Gegensatz." Unser Glaube an das Vorhandensein der nationaljüdischen Wünsche und Bestrebungen bezüglich der Volksgemeinde besteht demnach zu Recht. *) Sichc dazu: Die Dauerkrise im Zürnisrrus, 6, 3. j III. Der „vornehme" Ton. Eines der kleinen im t i o n a l j ü d i s ch e n P r v v i n zb l ä t t - chen, in dem all die .^Vornch mb eiten" abgelagert werden, ZU denen sich anscheinend die jüdische Rund s ch a u" nicht hergilst, zetert über die „Geschichtssälschung (!) des Centralvereins", nock) dazu in einem Aussatz, geschrieben von einem mutig „nicht gemannt sein wollenden", „ehernals begeisterten Mitgliede des Centra(Vereins". Seine Kenntniffe, die er darin auspackt, schmecken stark nach nationaljüdischer Küche. Ten' Ton seiner Polemik hat er jedenfalls nicht im Centralvcrein gelernt.' Wir begnügen uns, unseren Freunden folgende K'ostprolxm des Auf-, satzes, der sich in der unterziehen der Weise ftrst nur mit den Ausführungen unseres Ludwig Holländer befaßt, wiederzugeben und erklären auch hier wieder, dass wir trotz aller Herausforderungen uns nicht von einer Polemik des Anstandes und der Achtung auch entgegenstehender Anschauungen abbringen lassen: „D-enunziatorisch ist das nlildeste Wort, das der Parole „Für deutsches Judentum gegen den Zionismus" die Beurteilung gibt, die sie verdient. Cs fehlte nur noch, daß Holländer die Zionisten Landesverräter nennt. Dann ist er über Naumann hinaus bei den Tentschvölkischcn an gelangt, die ja auch jedem, der ihnen nicht in den Kram passt, diesen Ehrentitel geben." (Bon uns fett. Die Schriftleitung.) „Cs ist richtig, man soll nicht die Unterschiede zwischen Centralverein und Zionismus verwischen. Man soll sich aber sachlich auseinandersetzen. Dazu reichen die Kenntniffe des Herrn Holländer j und seiner Anhänger anscheinend nicht aus. Statt deffen versucht! man es «damit, anderen ihr Deutschtum abznspreck>en, ganz so, wie wir es in der allgemeinen deutschen Politik sehen. Diese Methode bedeutet einen Verrat am Deutschtum und erneu Verrat am Jndentum. Wenn Holländer schon glaubt, die Geschichte des Zionismus fälschen zu muffen, sollte er wenigstens die des Cenlralvereins nicht fälschen. Sich jetzt noch aus Eugen Fuchs berufen, ist eine Entweihung dieses Namens." (Von uns fett. Die Schriftleitung.) IV. Professor Lowes Neve. Tie Rede Professor Löwes, die wir veröffentlichten, hat weit über die Kreise unserer Mitglieder hinaus verständliche Empörung erregt. Proseffor Löwe sendet uns einen zweiseitigen eng beschriebenen Brief, der mindestens so lang ist, wie seine von uns wiedergegebenen Ausführungen. Es liegt kein Anlaß vor, noch ist Raum dafür vorhanden, dieses umfangreiche Schriftstück zu veröffentlichen. Wenn Herr Proseffor Löwe darin behauptet, die Mitteilungen unseres Berichterstatters seien „im allgemeinen unwahr und im ganzen verzerrt", so können wir hiermit erklären, daß unser Berichterstatter, der stets gewiffenhast gearbeitet hat, und besonders für jüdische Versammlungsberichterstattung vorgebildet ist, vorr seinem Bericht kein Wort zrrrückrriwmt. Im einzelnen seien aus dem Briefe Proseffor Löwes solgende Stellen hervorgehobcn: Herr Professor Löwe schreibt: . . . Ihr Bericht stellt in den Mittelpunkt meiner Ausführungen die Person des Herrn Moritz A. Lob. Ich habe Herrn Moritz A. Löb nur einmal kurz erwähnt, aber weder in dem von Ihnen angegebenen Sinne, noch in diesem Zusammenhänge. Unser Berichter st atter entgegnet: Die „kurze" Erwähnung des Herrn Lob lautete: „Damals hatten in Deutschland fromme, aber gänzlich unwiffende Juden, so — int Stil von — Herrn Moritz A. Löb." (Beifall und Heiterkeit.) Dos genügt meines Erachtens. ... Es ist unwahr, daß ich gesagt hätte, die Organisation der „P o l a k i m" sei der Ccntralverein. Cs ist wahr, daß Herr Proseffor Löwe gesagt hat, die Nachkommen jener „Polakim" feiiss im Centralverein organisiert. Wozu sonst der triumphierende Hinweis, der Führer. Dr. Holländer, sei (was übrigens unrichtig ist) in Samier geboren, einzelne Führer des Naumann- Verbandes noch weiter im Osten. ... Es ist unwahr, daß ich gesagt hätte, der Liberalismus bedeute Entjudung und allerschlimmsten Antisemitismus. . . . Sie (die „C. V^Zeitung") sind durch einen Berichterstatter, der offenbar meiner Sprache nicht genügend zu folgen vermochte, über die Tendenz, den Inhalt und Charakter meines Vortrages getäuscht worden. Es ist wahr, daß Herr Proseffor Löwe gesagt hat, Liberalismus ist Entjudung, also schlimmster Antisemitismus. Diese seine Ansicht hat er wissenschaftlich ausführlich begründet aus dem Streben der Liberalen heraus, alles, was an die Tradition des Judentums anknüpft, auszuschließen. Allerdings hat Herr Proseffor Löwe hinzugefügt, daß die Liberalen vorr ihm und der Jüdischen Volkspartei schon viel gelernt hätten und hoffentlich noch mehr lernen werden. Als ehemaligem Hörer der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums war es mir wohl; möglich. Herrn Proseffor Löwes. „Sprache", «bwohl sie aus Deutsch, Hebräisch und Jiddisch gemischt ' war, zu folgen.