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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-02 · 1 (2.1.1925) · p. Seite 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
1 (2.1.1925)
Date
1925-01-02
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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3 Dauerkrise im Zionismus. Sinkendes Interesse bei den Nationaljuden Deutschlands und der Welt. — „Warum laßt Ihr die Westjuden nicht in ihrer sicheren Heimat- — Deutsche Chaluzim gegen oft jüdische. — Der böse Centralverein und der vergeßliche Herr Blurnenfeld. Vom 28. bis 31. Dezember tagte in Wiesbaden der 20. Deletziertentag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. Uns ist es seit langem bekannt, daß das Nationaljudentum in Deutschland sich wie die gesamte zionistische Weltorganisation in einer sich von Jahr zu Jahr steigernden Krise befindet. Deshalb hat es uns auch nicht überrascht, daß nationaljüdische Führer ersten Ranges, wie Kurt Blumenseld lind Nachum G o l d nt a n n , in ihren Wiesbadener Referaten über „Die gegenwärtigen Aufgaben des deutschen Zionismus" und „Die notwendigen $ e f o t m e it der Weltorganisation" recht bewegte Klagelieder über die „Permanente Krise" im Zionismus, das Sinken des Interesses bei den Mitgliedern und die Stagnation, der Mitgliederb e w e g u n g a n st i m m t e n. Die logische Antwort Abraham Goldbergs (New Port): ,.W orunt laßt Ihr die W e st - iuden nicht in ihrer doch viel sicheren Heimat?" fand keinen Widerhall bei den Zionisten Deutschlands, die schon heute Chaluzim schwer noch nach Palästina schicken können, weil die deutschen Jungen sich in der Kultur der herrschenden ostjüdischen Chaluzim nicht zurechtsinden -können und verbittert heimkehren. Das Goldbergsche Rezept müßte ja in kurzer Zeit die Krisenst i m m u n g im deutschen Nationaljudentum zur Katastrophe wandeln. Um die Blicke von ihren schweren Sorgen abzulenken, beschäftigte die Leitung der Zionistischen Vereinigung Deutschlands ihre Delegierten einen ganzen kostbaren Tag mit dem — Centralverein. Ter C. V. arbeite, so meinte Herr Blumenfeld. mit einer Dolchstoßlegende, wenn er behauptet, die Zionisten hätten die nationale Autonomie gefordert. Das sei niemals geschehen. Der Zionismus werde im Landesverband den Kampf gegen die geistige Unterdrückung und judentumsfeindliche Gleichmacherei des Centralvereins führen usw. Wir merken die Absicht, aus wahlpropagandisrischen Rücksichten zu verbrennen, was Man noch vor kurzer Frist angebetet hat, und werden ob der Wahltaktik im nationaljüdischeu Lager nicht verstimmt. Wir werden Wahltheorie und nationaljüdische Praxis im Laufe der nächsten Woche des öfteren gegenüberstellen. Heute begnügen wir uns damit, eine Zuschrift zu veröffentlichen, die, wie die Holländerschen Artikel, geeignet sein dürfte, den Kreisen um Blumenfeld und Löwe das Gedächtnis zu stärken: Die Zuschrift lautet: .^berauscht von dem Schlagworte des Selbstbestimmungsrechtes der Völker und frei geworden von politischen und verfassungsrechtlichen Hemmungen hat das Nationaljudentum in Deutschland unmittelbar nach dem Umsturz im November 1918 in aller Deutlichkeit nach dem Borbilde der östlichen Länder seine nationalen Forderungen erhoben und alle deutschen Juden zur Unterstützung derselben aufgerufen in der Ueberzeugung, daß diese Forderungen angesichts der demokratischen Umwälzung in Deutschland alsbald Erfüllung finden würden. Das Zentralkomitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland beschloß damals, einen „Nationalausschuß der Juden Deutschlands" zu schaffen, und beabsichtigte einen Kongreß der Juden in Deutschland einzuberusen, für welchen unter anderem folgender Programmpunkt gelten sollte: „Umwandelung der jüdischen Kultus- (Shnagvgennnd Religronsl-Gerneinden in Deutschland in jüdische Bolksgerncinden auf demokratischer Grundlage und unter Sicherung der Rechte von Minoritäten, sowie Schaffung eines Reichsverbandes der jüdischen Voltsgemeinden als Vertreter der jüdischen Volksgemeinschaft in Deutschland nnt den; Rechte der autonomen Regelung aller jüdischen Angelegenheiten." Diese Volksgcmeinden sollten, wie dies auf dem zionistischen Telegiertentage vom 25. Dezember 1918 ausgeführt wurde, alle Ausgaben des Kultus, der Schule, jüdischer Wirtschaft, Politik und Sozialpolitik zu erfüllen haben. Sie sind als lokale Organisationen der jüdischen Gesamtheit gedacht und sollten deshalb an allen Aufgaben der jüdischen Gesamtheit teilnehmen, so an der Palästinaarbeit, der sozialen Fürsorge und anderein. Sie sollten den Unterbau der künftigen Konstituante in Jerusalem bilden. Ta sich die innere politische Entwicklung in Deutschland nicht in der von den Zionisten angenommenen Weise vollzog, gelang es den Zionisten bisher nicht, das erwähnte Programm in Deutschland zu verwirklichen. Aus Gründen der Taktik wird von ihnen die Weiterverfolgung des Zieles der U m w a u d e l u n g der N e l i g ionsgemeinden in Volksgcmeinden nicht mehr mit den klaren und offenen Worten der Revolutionszeit vorgenormuen, sondern es werden eine Reihe einzelner sachlicher Forderungen ausgestellt, deren Erfüllung die Erreichung des Zieles bringen soll. Wenn in dem Programm und in den Reden der Führer der Jüdischen Lolkspartei verlangt wird, daß die jüdischen Gemeinden und der Gemeindeverband alle jüdischen Angelegenheiten und Aufgaben der gesamten Judenheit (Ostjudensrage, Palästinafrage usw.), die soziale Arbeit im weitesten Umfange, die Erziehung der Kinder in Konfesftonsschulen in ihren Ausgabenkreis ziehen sollen, wenn weiter von Führern dieser Partei die Einführung der hebräischen Sprache als Umgangssprache propagiert und verlangt wird, daß allen diesen Aufgaben eine auf jüdischem Volksgeist beruhende Grundlage gegeben werden müsse, so darf nicht verkannt werden, daß diese einzelnen Forderungen ihren Ausgangspunkt und ihr Endziel in dem Gedanken der völkischen Einheit sämtlicher Juden und in der Umwandlung der jüdischen Gemeinde von Religionszu Volksgemeinden haben. Diese einzelnen Forderungen machen in ihrer Gesamtheit das Wesen der Volksgemeinden aus." 3. EL ri° MM Still Vrerrßffchs« Landesverband MWsr GsiNemhöN «egt für di- Groß-Berlmer Mitglieder vom im Gemeinöebureau, Berlin IC 24, Oranienburger Straße 29/30 (1. Etage, Zimmer 33, Montag bis Donnerstag von 8—4, Freitag von 8—3, Sonntag von 8—1 Ähr), öffentlich aus. Leder, der Gcmeindemitglied ist oder sich zur Wählerliste angemeldet hat, nehme sich Zeit fest, -«stellen, ob sein Name in der Wählerliste enthalten ist. Auf schriftliche oder telephonische Benachrichtigung (nur Dönhoff 3596) übernimmt der Verband Groß-Berliner Ortsgruppen des E.V. die Durchsicht.

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