Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 1 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
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L ca ihnen nickst viel anders als heule — wentt es von dem Willen der Völkischen abhinge. Wieder wurden ste gehangen Schmähungen und ungerechten Zurücksetzlmgen ausgerctzt. Selbst die Stellung eines Feldmessers oder Auktronskomwifsars wurde ihnen vorenthalten, von Professuren und Cfft* ziersstellen nicht erst zu reden. Man suchte die Juden, da man sie nicht mehr zu Kammerknechten machen konnte, als vaterlandslose Fremdlinge brandmarken. Sied) 1817 im Vereinigten Landtag trieb der alte Judenhaß üppige Blüten. Sagte doch der Staatsminister v. Thilo rundweg: der Jude on und für sich fein Vaterland haben kann als das, woraus ihn fein Alande hinweist: Zion ist das Vaterland des Juden. Jeder Jude . . . hat dort sein. Vaterland, von dem er seinen Blick nie wegwendet. Er kann rmler anderen Nationen wohl ein gehorsamer Untertan sein, er kann den Zuständen, in denen er lebt, ans eigenen Interessen oder ans dem Gejühl allgemeiner Menschenliebe große Opser bringen, er wird aber n i e e i n Deutscher, nie ein Preuße werden, weil er ein Jude bleiben muß." Ebenso führte bei dieser Beratung des Judengesches der Regierungskommifsar Brüggemann aus, daß die Juden eine „besondere Nationalität" haben und ihr Ausschließungsprinzip identisch sei mit ihrer Religion. Dagegen erklärte der liberale Abgeordnete v. Vincke: „Wenn gesagt worden ist, die Inden erblicken nur Zion als ihr Vaterland, so kann ich dies nur von denr idealen Standpunkt der Poesie und Religion als richtig anerkennen . . . Ich habe nickck gehört, daß irgend wohlhabende Juden Neigung hätten, sich in Jerusalem niederzulassen; sie haben sich sehr wohl gewicht in unseren Staaten und deuten nicht daran, die unangenehme Rnse nach Zion zu unternehmen. Es ist mit Recht dagegen angeführt worden, daß die Inden Preußen seien und verstehen, für dies Vaterland zu bluten: wenn sie cs aber nicht so vollständig ihr Vaterland nennen, wie wir es mit gerechtem Stolze hm.j'o liegt der Grund eben an der ihnen widerfahrenen Behandlung." Das war 1847. Immer die Anschuldigung, Zion sei des Juden Vaterland, der Jude habe eine „b e s o n d e r e Nationalität". Aber auch Vinckes Schlußsatz ist unberechtigt. Die Juden lieben ihr deutsches Vaterland so vollständig wie irgendeiner chrer Mitbürger, Lieben es trotzdem und alledem mit derselben Liebe, wie das Kind seinen Vater liebt, obwohl er es einmal ungerecht züchtigt. Auch wenn nicht alle Llütenträume reiften, wird der deutsche Jude nun und in Zukunft deutsch sein, deutsch fühlen und das-Wort wahr machen: An's Vaterland, arlls teure, schließ dich an. Das halte sest mit deinem ganzen Herzen? Wer dieses Geistes einen Hauch verspürt hat, wer die Betätigung dieser Gesinnung für die wirksamste Waffe im Abwehrkamps gegen den Antisemitismus und für deu zuverlässigften Schutz der Gleichberechtigung an sieht, dem wird die Antwort nicht schwer fallen auf die Frage, wen er am 1. Februar Wahlen soll und wen nicht. Nicht wählen kann er die Anhänger einer Partei, die in der Tat, bewußt oder unbewußt, der Ansicht Vorschub leistet, Zion sei das wahre Vaterland der Juden, sie hatten eine ,chesondore Nationalität". In Ehrfurcht gedenkt jeder deutsche Jude-der geschichtlichen Vergangenheit, niemals wird er der alten Herrlichkeit Zions vergessen. Aber er kann nicht stimmen für eine Partei, deren Wortführer — in der „Jüdischen Rundschau" vom 11. Januar 10*21 — zur Freude aller Antisemiten aussprach: „Unsere Ehe mit andern Völkern und Kulturen ist eine . . . Dernunftehe, aber im Himmel ist sie nicht geschlossen,- und mir der Liebe hat sie nichts )u tun." Er kann nicht stimmen für eine Partei, die aus der jüdischen Religionsgemeinschaft, wie sie die Verfassung allein anerkennt, eine „Volksgemeinschaft" machen will mit „nationaler Autonomie", einen Staat im Staate zu schassen' sucht. Er kann nicht stimmen für eine Partei, die bei ihrem Streben nach der Herrschaft über die Schule kein Hehl daraus macht, daß sie in Deutschland Hebräisch als „lebe n d e U in g a u g §- sprache" zu lehren, schon in hebräischen Kindergärten die jüngste Jugend dem Deutschtum zu entfremden plant.' Er kann nicht stimmen für eine Partei, die die Steilererträge deutscher Gemeinden, die nicht ausreichen, der dringendsten Not in der Heimat abzuhelsen, der einseitigen Schwärmereifür einen phantastischen Judenstaat in Palästina dienstbar machen möchte. „Wahle,-wie du, wenn du zahlst, wünschen wirst, gewählt zu haben", lautet eine triviale, aber immer noch berechtigte Warnung. Ter deutsche Jude, der aus sein Teutschtum hält, kann nicht stimme:: für eine Partei, die den BannstrM schlendert und — in Nr. 79 bet „Jüdischen Rundschau" kte Mitarbeit andem „bie Ehre und das Leben deZJirdentumsch!!) neu begründenden Aufbauwerk-in Palästina' verwergert, der stellt sich praktisch außerhalb des Judentums". £k%\n Parier teerten diejenigen Juden, die weder Zion als ihr Vaterland, noch das Deutsche Reich für ihr zeitwelliges Adoptivvaterlaud, noch sich allenfalls für nationale Amphibien halten, klar und zielbewußt die Seeresfolge weigern. Wie heißt es in dem Wahlaufruf des Central- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen G l a u b e n §? „Wir suhlen uns nicht als »Gäste im Wirtsvolk, sondern als Angehörige des deutschen Volkes und sehen unsere Heimat .im deutschen Boden. Wir sind überzeugt, daß die Politisierung der jüdischen Religionsgonreinschast, das Streben nach Schaffung einer neuen Misch-hebräischen Weltkultur, nach Hebrarsierung des bürgerlichen Lebens, nach Erziehung unserer Jugend in jüdisch-nationalem Sinne ein schweres Unglück für den religiösen Inhalt des Judentums und für die politische Stellung der jüdischen Deutschen' innerhalb unseres deutschen Vaterlandes bedeuten." Hart ist die Zeit, und düstre Wolken lagern am Horizont. , Was die nächste Zukunft bringen wird, wer will es wissen? Aber das weiß jedermann, daß auf die Tätigkeit des Preußischen Landesverbandes, insonderheit aus die Verhandlungen seiner gewählten Vertretung. aller Augen gerichtet sein werden, - nicht der Juden bloß, sondern mehr noch ihrer Feinde und Hasser. Diese Verhandlungen werden sich nicht abspielen inr Halbdunkel einer engen Eemcindestnbe, sondern in der großen vollen Loffentlichkeit. Jeder Erzeß der Leidenschaft, jedes Zeugnis der Engherzigkeit, jede rednerische Entgleisung wird' weidlich ausgebeutet'werden und Wasser aus die Mühlen der hakenkreuzler führen. Darum gilt es. Gefahren vorzubeugen und ein ersprießliches Wirken zu sichern. Nach Möglichkeit! Durum aus zur Wahl! Das deutsche Judentum, das seinS Wurzel im deutschen Vaterland hat und sie uugesthädigt erhalten will, erwartet, daß am 1. Februar jedermann seine Schuldigkeit tut! Die vrröiLKLe Antwort. „Taktvoll e" E i n l a d u n g z u m z i o n i st i s ch e \i T elegierte ntag. Tie Zionisiische Vereinigung hielt vorn 28. bis 31. Dezember in Wiesbaden ihren 20. Telegiertentag ab. Zu der Eröffnungsfeier wurde auch die Ortsgruppe des Centralver. eins eiugeladeu und gurnr in einer so verletzenden und herausfordernden Form, daß unsere Ortsgruppe mit folgendem Schreiben aus die Einladung geantwortet hat: An den Landcsvorstand der Zionistischen Vereinigung iür Deutichland z. Z. Wiesbaden, Wir bestätigen dankend den Eingang Ihrer Einladung zu b?t EröfsnumMtzurrg Ihrer hiesigen Tagung. Wir würden dieser Ein« lc.dung gern gefolgt sein und zrvar aus dem Gefühl der Acht u n g heraus, die auch zwei sich gegensätzlich gegenüberstehende Organisationen vor einander haben sollten. Leider ist in Ihrer Einladung gerade dieser Grundsatz gröblich verletzt worden. Es heißt in ihr wörtlich: * „Abgeiehen von wenigen kaum in Betracht kommenden Splitter n innerhalb des W e l t j it b c u t u m s unb auchder deutschen Juden heit gibt es gcgemvärtig keinen bewußten Jrrden uuchr. der deu Bestrebungen der Zionisten nicht mit Sympathie gegenüber stehen wird." Wrr müssen als selbstverständlich an nehmen, daß Sie über die Zahl der Anhänger des Zionismus in Dentschka n d unterrichtet sind, also wissen, daß die große Mehrzahl der deutschen Juden dem Zionismus nicht mit Sympathie gegenüber st c h G ihn vielmehr als falsch und schädlich ab l eh n t. Wenn cte diese Teile des deutschen Judeillmns. die ihre Vertretung in bem Eelitralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sehen, trotzdem als nicht in Betracht kommende Splitter de^'.chnen. so bedeutet dieser Ausdruck nicht nur eine Herab^ Würdigung des C e n t r a l v e r e i n S und der ihm nahestehenden tone, sondern er steht auch in Widerspruch mit den oksenkundl gen Totlachen. . Sie werden cs verstehen, daß wir einer solchen Einladung nicht folgen können. Hochachtungsvoll! Tie Ortsgruppe Wiesbaden des Eeutralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. I. A.: Dr. G o l d st e i n, stellv. Vorsitzender. Es dürste allbekannt sein, daß außer dem Centralverein hlnter dorn die ungeheure Mchrlreit des deutschen Judentums steht', "och andere sehr beachtliche Bereinigungen die zionistischen Bestrebungen ablehnen. Man denke nur — um ein Beispiel zu erwähnen — an das in der Agudas Ji^rocl vereinigte gesetzestreueJudentum.