Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 1 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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|;£e?lin, L. Januar 1925 IV. Jahrgang < Nr. 1, LinZelnummer JH Gol-pfennig des Oudentums SÄonctlafconnemeni 40 Goldpsenmg Verlag und Schriflle!tnng: DerNn 63. Lindenstr. 13. .'. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3591. 3595. Bankkonto: Dresdner Bant Wechselstube Q, Berlin SW 63, Lindknstr.7 Alleinige Tn-eigenannabrne: Annoncen-Ervedition Rudolf Dcofse. Berlin SW 29, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Eoldmark für die 7 gespaltene Aeile nacÄ vndolf Moffcs Normalzrilenmefser Nr. 4. FaulUienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Ceniral-Dereins 0.4^) Soldmark, dir 90 mm brerte Re'launzelle 4Soldmar: Ein Wahlaufruf. von Dr. jur. J. Levp (öerliu). Wild wogt der Judenhaß durch die Lande. Als in den Novembertagen des-schicksalschweren Jahres 1918 der Träger der Kaiserkrone über das Gebot der Stunde schlüssig werden sollte, da riet chm einer feiner Generale, sich an die Spitze einer Truppe zü stellen zum Kampf gegen die Heimat unter der zugkräftigen Parole": Gegen die Juden. Es war zu spat. Oder noch zu früh. Die Stützen der Monarchie brachen morsch zusammen, und die Throne waren über Nacht vom Sturm hinweggesegt. Wer hatte den Sturm entfacht? Das Häuflein Juden unter den siebzig Millionen? Tie überwältigende Mehrheit der deutschen Juden hatte Gut und Blut eingesetzt für ihr deutsches Vaterland, hatte ihre Treue opferwillig mit Tausenden ihrer Sohne besiegelt. Aber kaum waren wenige Monate dahingegangen, so lies die „zugkräftige Parole"' von Mund zu Mund, immer lauter, ruinier mächtiger und aufreizender, und der Antisemitismus wuchs und wucherte wie die Giftpflanze auf modrigem Sumpfboden. An allem Unheil sollten die Jrrden schuld sein, am mannermordenden Weltkrieg wie am knechtenden Frieden. Und wer'sie am wüstesten schmähte, erntete den johlendsten Beifall. An tätlichen Angriffen fehlte es nicht; Männer wie Walther Rathenau wurden meuchlings ermordet; ein völkischer Lehrer hieß seine Gefolgschaft ausspeien vor den Gräbern der Juden; eine Hetze begann gegen die „Fremdstämmigen"; ganze große Parteien nahmen den Kamps gegen die Juden in ihr Programm auf; andere schrieben unter dem Zeichen des Hakenkreuzes die Entrechtung der Juden, ihre Ausschließung von allen Aemtern, von den meisten Berufen auf ihre- Jahnen; der mittelalterliche Rassenfanatismns feierte Orgien; sogar die Bauhütten der altpreußifchen Freimaurerlogen wie die Gipfelhütten des Alpenvereins wurden den Inden verschlossen. Soweit Juden überhaupt noch geduldet werden sollen, will die Unduldsamkeit sie wieder ins Ghetto Pferchen und, natürlich, mit doppelten Steuern belasten. Welchen Umfang die antisemitische Bewegung gewonnen hat. zeigt die Statistik der Reichstagswahlen. Zwar weist sie für den 7. Dezember einen kleinen Rückgang der völkischen Stimmen gegen den 4. Mai aus. Aber die Deutschnationalen, Deutschvölkischen und Teutschsoziaten haben immer noch in Pommern .78, rn Ostpreußen 46, im Bezirk Frankfurt a. O. 40, in Potsdam I Und II 37 und 33 und selbst in Berlin 25 von 1V0 der Gesamtstimmen erreicht. So sind die Zustände, unter denen am 1. Februar die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Semriubcn erfolgen sollen. Ob ein solcher Verband vonnöten war, ob und nicht vielmehr Schaden stiften werde, darüber sind die Meinungen lange anseinandergeqangen. Indessen Die EntichLiduny ist gefallen, und wer sich Heiner Pflicht bervum ist und ein Herz für Judentum und Deutschtum hat, 2?V? durch die Ausübung des Wahlrechts den erhofften ^en sichern und den befürchteten Gefahren Vorbeugen müssen, nach Möglichkeit. Der Weg zu einem rechtlich wirksamen Zusammenschluß seiner Glieder fehlte dem deutschen Judentum bis zum Erlaß der Reichsversassung vom 11. August 1919.. Ter Artikel 137 dieser Verfassung handelt on den Religionsgesellschaften, ihrer Bildung, ihrem Zusammenschluß. ihrer Rechtsfähigkeit. In Absatz 5 heißt es: „Die Religronsgefellschasten bleiben Körperschaften des öffentlichen Rechts, soweit sie solche bisher waren . . •. Schließen sich mehrere derartige öffentlich rechtliche Neligionsgesellschasten zu einem Verband zusammen, so ist auch dieser Verband eins öffentlich rechtliche Körperschaft." Von dieser Befugnis glaubten die Vertreter der großen Mehrzahl jüdischer Gemeinden Gebrauch machen zu sollen; da es aber nicht zu einem gemeinsamen Verband für ganz Deutschland kam, schufen sich die preußischen Gemeinden ihren preußischen Landesverband, dessen Verfassung ihm neben der Hebung des religiösen Lebens und finanziellen und kulturellen Aufgaben die Vertretung aller gemeinsamen Aufgaben nach außen und die Mitwirkung bei der Vorbereitung von Gesetzen und Verwaltungsmaßregeln für die jüdische Religionsgemeinschaft zuweist. Eilt weites Feld! Eine Fülle wichtiger Aufgaben! Tie Art ihrer Erledigung wird von erheblichem Einfluß aus die Zukunft der Inden sowohl in' Preußen wie im ganzen Deutschen Reich sein. Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit bei der ersten Wahl zum Landesverband wäre darum sträfliche Vernachlässigung der eigenen Interessen, Versündigung an der Gesamtheit und den kommenden Geschlechtern. Aber wen sollen wir wählen? Und wen nicht? Nach den Freiheitskriegen 1813 bis 1815, in denen dls preußischen Juden ihre Vaterlandsliebe bewiesen hatten, ging \ri I M§ öem Frchült: j Um was geht es? H Von Dr. jur. 3. Xci'p (Berlin). | Darmkn'fe im Zionismus. Seite 3. RündgloffLKZudeaLanheS'serSüKdsNKUciz. Seite 4. d.-,r& C -j4 JWiHv'I va«/ Ue&D f/Uiillsf* Von Küplün Fohlet. Seite 6. M srs g.j